Abenteuerliche Pisten in den Pyrenäen
Spanien - Pyrenäen

Offroad in den Pyrenäen – Der Start

Bis zum Schluss wurde am Land Rover geschraubt. Viele Kleinigkeiten kosteten Zeit. Eine zweite Batterie mit einem Doppelbatteriemanagment von Ctek, ein Arbeitsscheinwerfer über der Hecktür und natürlich ein Dachgepäckträger für das Dachzelt, welches wir von Freunden geliehen bekommen haben.

Noch kurz in den Supermarkt, viel brauchen wir nicht, denn die Versorgung ist in Frankreich und Spanien nicht schlechter als bei uns.

Wir lassen uns Zeit, zwei Tage bummeln wir durch Frankreich bis wir unser „Zielgebiet“ die Pyrenäen erreicht haben. Acht Wochen haben wir Zeit, in der wir das Gebirge zwischen Spanien und Frankreich von der Mittelmeerküste zum Atlantik queren wollen. Dabei möchten wir so viel wie möglich „offroad“ fahren, wobei „offroad“ für uns nicht querfeldein heißt, sondern über Stock und Stein auf Pisten. Sollte es wirklich noch möglich sein, in den Pyrenäen „offroad“ zu fahren, wollen wir Strecken erkunden und diese in einem GPS-Offroad-Tourenbuch zusammenfassen.

"Freies campen" im Wald.

“Freies campen” im Wald auf der Anfahrt durch Frankreich.

Die ersten Strecken auf der französischen Seite finden wir zufällig. Steil führen kleine, für die Brandbekämpfung angelegte Wege aus der flachen Ebene von Perpignan hoch hinauf. Solche Wege gibt es viele, doch die meisten sind inzwischen für Fahrzeuge gesperrt. Nur wenn es eine „Attraktion“ am Endpunkt des Weges gibt, ist dieser offen. Eine solche „Attraktion“ kann eine kleine Kapelle sein, oder ein besonderes Jahrtausende altes Grab. Also suchen wir das Gebiet nach solchen Möglichkeiten ab.

Blick auf das Gebiet um Perpignan von einem Hochpunkt, der über ein Erdsträßchen zu erreichen ist.

Blick auf das Gebiet um Perpignan von einem Hochpunkt, der über ein Erdsträßchen zu erreichen ist.

In den nächsten Tagen wechseln wir die Seite, fahren hinüber nach Spanien. Hier ergeben sich deutlich mehr legale Möglichkeiten, Pisten in der Bergwelt zu erkunden. Wir folgen der Grenzlinie und entdecken Bauwerke aus der Zeit, als die Grenze umfangreich gesichert wurde. Mehr Infos: Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659)

Die Relikte des Französisch / Spanischen Krieges (1635-1659) sind meist verfallene Wachtürme die sich über die Höhenzüge der damaligen Grenzlinie reihen. Heute sind diese Bauwerke größtenteils verfallen und werden kaum Instand gehalten. Wegen der Einsturzgefahr ist das Betreten in der Regel nicht gestattet. Indem Türen und Fenster im unteren Bereich zugemauert wurden, ist das Verbot auch kaum zu umgehen.

Einer der vielen verfallenen Türme an der Grenzlinie.

Einer der vielen verfallenen Türme an der Grenzlinie.

Viele der von uns befahrenen Pisten führen über lange Strecken durch eine Bergwelt, die vor nicht allzu langer Zeit besiedelter war als heute. Viele aufgegebene und im Verfall befindliche Bauernhäuschen zeugen von der landwirtschaftlichen Tätigkeit oder der Schafzucht. Auch sind kleine Kapellen in den Korkeichenwäldern zu finden, die heute als Wallfahrtsort dienen. Viel besucht werden sie nicht, die Pisten sind kaum befahren. Für uns bieten sich auf den ehemaligen Weiden sehr gute Möglichkeiten, das Camp aufzuschlagen. Die Nächte sind absolut ruhig.

Das schönste Camp haben wir jedoch auf einer Waldlichtung, die wir zufällig entdecken. Von der eigentlichen Piste führt eine Spur in den Wald. Befahren ist diese nicht, aber auch nicht gesperrt. Der Grund ist klar, denn die Spur endet nach etwa 300 Metern, die ehemalige Piste war wohl schon vor Jahren abgerutscht und nicht mehr Instand gesetzt worden. Der einstige Fahrweg hat keine Funktion mehr, außer uns einen Platz für die Nacht zu bieten.

Freies campen im Wald.

Freies campen im Wald.

Am späten Abend liegen wir im Dachzelt und lauschen den Geräuschen des Waldes. In der Ferne ruft ein Kautz, das Rufen wird lauter, der Kautz nähert sich. In der warmen und mondhellen Nacht gehört es zu den eindrucksvollsten Erlebnissen. Später hören wir das Bellen eines Rehs ganz in der Nähe und sehen den Schatten eines Rehbocks dicht an unserem Auto vorbei huschen.

Am folgenden Tag frühstücken wir in der Sonne, ich lasse die Drohne ein paar Kreise fliegen und fotografiere unseren nächtlichen „Traumplatz“.

Castell de Requesens

Die alte Burganlage liegt verlassen im Wald.

Die alte Burganlage liegt verlassen im Wald.

Während unserer Reisevorbereitungen haben wir sie nicht entdeckt, dafür sehen wir, als der Wald einen Blick frei gibt, die Burganlage in der Ferne. Ein Blick durchs Fernglas lässt vermuten, dass die offensichtlich gut erhaltene Anlage bewohnt ist, doch auf der Karte entdecken wir keinen Fahrweg. Lediglich Waldwege führen zur Burg. Genau das Richtige für unseren Land Rover.

Die Burganlage ist verschlossen. Hier ist niemand. Ich lasse die Drohne steigen um ein Foto zu haben, das nicht nur die Außenmauer zeigt.
Später erfahren wir, dass hier Tom Tykwer im Castell de Requesens einen Teil von „Das Parfüm“ gedreht hat.

Die Burg aus dem 11. Jahrhundert wird in Bodo Ebhardts Buch “Der Wehrbau Europas im Mittelalter” als Bischofsburg bezeichnet. Die auf dem Gipfel einer Anhöhe in den von Korkeichen und Kiefern bestandenen Bergen des Naturparks l’Albera gelegene Befestigung diente vermutlich zur Überwachung des mittelalterlichen Verkehrsweges, der das Gebirge von l’Albera und den Gipfel Neulos überquerte.

Soviel zur ersten Woche. Nächste Woche fahren wir ins Hochgebirge, die Pisten werden spannender, die Ausblicke in die Bergwelt der Pyrenäen grandioser.

Bis dahin wünschen wir euch eine schöne Zeit.
Sabine und Burkhard

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 4 comments

  1. Axel Cordes

    Danke!
    Wieder sehr schön und macht Appetit a) auf mehr und b) um gleich wieder los fahren 🙂
    Schöne Grüße aus Wien
    Axel

  2. Uwe Kammer

    Schöner Bericht! Freue mich schon auf den nächsten Teil und wenn’s dann das Tourbuch dazu gibt.
    Weiterhin gute Reise.

    Uwe

  3. Jo

    Hallo ihr Beiden,

    ich verfolge schon länger eure Abenteuer und finde eure Wegbeschreibungen, Erlebnisschilderungen sowie die Bilder sehr gelungen!
    Weiter so !
    Ich grüße euch zurzeit aus Madagascar (Da kenne ich übrigens auch ein paar sehr interessante und anspruchsvolle Routen, die bisher nicht, respektive extrem selten vorher befahren wurden)
    Bekannte von mir haben den Pyrenäen Bären gesichtet vor Jahren, vielleicht erlebt ihr das auch?
    Grüße Jo

  4. Klaus

    Herzliche Grüße ins ferne Andorra.
    Hatte mich schon gefragt, wann es denn los gehen wird.
    Kann mich den vorherigen Kommentaren nur anschließen.

    Auch wenn der Landy Kult ist und Defender, G-Modell und Toyo sicher mit das Maß der Dinge sind, was extreme Geländegängigkeit anbetrifft, so führt für mich in der Fzg.-Größe nichts an einem VW-T5 mit Ausbau vorbei. Sicher nicht nur für mein Empfinden sind die Möglichkeiten des Campens völlig andere, als die mit den v. e. Fzg., zudem muß ich mich nicht mit Dachlasten und all deren Nachteilen beschäftigen. Wer einmal beim Einfahren in das schattig kühle Untergeschoß eines Wildparksparkplatz bei sengender Mittagshitze das Fahrrad auf dem Dachgepäckträger vergessen hat, der stellt so schnell nichts mehr auf ein Autodach …. : )

    Nichts für ungut … und viel Freude bei Euren weiteren Exkursionen auf die ich mich schon sehr freue.

    Liebe Grüße

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