Der unfreundlichste Unimog-Händler meines Lebens
Ihr kennt das, man steht da und weiß nicht, soll man lachen, weil man meint, die Ironie erkannt zu haben, vielleicht sucht man auch nach der versteckten Kamera. Oder soll man das Gespräch beenden und ohne Abschiedsgruß gehen ob der Dreistigkeit des Gegenüber.
Heute mal eine Story zum Lachen, bei der ich eigentlich ohne Gruß gegangen wäre.
Feuerwehr Unimog in den Niederlande
Ein Freund fragte, ob ich mir mal einen gebrauchten Unimog in den Niederlanden ansehen kann, der als Expeditionsmobil in seinem restlichen Leben die Welt sehen soll.
Ich bin in unserem Versandlager in Schüttorf und der große gebraucht-Lkw-Händler ist über die A30 relativ schnell zu erreichen.
Die Begrüßung durch die ältere Dame ist unfreundlich. Kein „Guten Tag“, sondern „Was wollen Sie?“ „Ich möchte mir den Feuerwehr-Unimog, der bei Mobile.de inseriert ist, ansehen.“
„Welches Fahrzeug?“
„Den Unimog.“
„Fahrzeugnummer oder Inseratnummer.“
„Die Inseratnummer weiß ich nicht.“
„Dann kommen sie wieder, wenn sie wissen, was sie wollen.“
Und dann wendet sie sich ab und blättert in ihrem Aktenordner.
Ich suche bei Mobile.de die Inseratnummer und bin ein wenig stolz, dass ich sie relativ schnell gefunden habe.
„824/3052885“
„Steht draußen auf dem Platz.“
Beim Ankommen habe ich mich über das riesige Gelände gewundert. Hier stehen einige hundert gebrauchte Lkw und Baumaschinen. Daher frage ich noch mal nach:
„Wo genau?“
„Weiß ich nicht, müssen sie suchen. Die Inseratnummer steht an der Scheibe.“
Also suchen wir den Feuerwehr-Unimog und entdecken ihn eingeparkt zwischen Feuerwehr-Kranwagen und Krankenwagen und einem sehr interessanten Mercedes Vario 4×4 mit Feuerwehraufbau.
Die Türen sind offen. Das Fahrzeug sieht sehr gut aus. Keine Bohrungen und Verschraubungen im Armaturenbrett, Sitze und Fußraum unbeschädigt, Windschutzscheibe ohne Kratzer, Türen original und absolut rostfrei.
Ich krieche unter dem Unimog durch. Er ist ungewaschen, absolut ölfrei. Gelände hat er offensichtlich noch keins gesehen. Baujahr 1992, 14.900 Kilometer. Im Motorraum sieht es ebenso neuwertig aus.
Der Preis passt auch, meiner Meinung nach eher günstig als zu teuer.
Zurück ins Büro zur älteren Vorzimmer-Dame.
„Kann man den Motor mal laufen lassen und kann ich ihn mal fahren? Mal die Gänge durchschalten, ein paar S-Kurven fahren und mal abbremsen.“
„Der ist ja zugeparkt. Heute habe ich niemanden hier, der Zeit hat und ihn raus fahren kann.“
Ein wenig ärgere ich mich schon, denn wir haben den Besichtigungstermin vorher vereinbart.
„Okay, ich muss ihn auch nicht Probe fahren. Ich denke wir kaufen ihn. Können wir es so machen: Ich komme in 4 Tagen, am Freitag mit einem Freund, der ihn kaufen wird, wenn auf der Probefahrt kein gravierender Mangel festgestellt wird. Wir bringen Überführungskennzeichen mit und nehmen den Unimog dann auch mit.“ „Das geht nur, wenn sie bar bezahlen.“ „Ja, ist mir klar.“
4 Tage später
Die selbe Dame, die selbe Unfreundlichkeit. Es lag nicht an mir, Martin, mein Begleiter und Käufer des Fahrzeugs wird gar nicht beachtet. „Die sind hier so“, raune ich Martin zu.
Der Unimog steht auf dem Hof. Auspuffkrümmer eiskalt, sehr schön.
Neben dem Unimog steht ein Handwagen mit zwei großen Starterbatterien. Hain, der Mechaniker eilt herbei. „Die Batterien sind platt, ich muss ihn extern starten.“ „Kein Problem, die werden sowieso durch neue Batterien ersetzt.“
Der Unimog springt an, läuft rund, die Druckluftkessel füllen sich.
Wie erwartet, verläuft die Probefahrt ohne dass wir technische Mängel oder einen Wartungsstau erkennen. Neuwertig.
Ich fahre den Unimog vor das Verwaltungsgebäude und stelle ihn mit Überführungskennzeichen am Straßenrand ab.
Der Papierkram wird erledigt und der Unimog bezahlt. Das Preisschild in der Windschutzscheibe zeigt am Ende …590 €.
„Kann man am Preis was machen, weil die Batterien kaputt sind?“
„Nein, Sie haben ja vor der Probefahrt gewusst, dass sie kaputt sind, ich habe nichts verschwiegen. Sie kennen die Preise für Unimogs, dass ist ein Schnäppchen, das Sie bei anderen Händlern zu diesem Preis nicht kriegen werden. Der Unimog wird hier keine 15 Tage stehen, dann ist er weg.“
Und aus einer offen stehenden Bürotür schalt es heraus: „Der Preis steht doch auf dem Zettel in der Windschutzscheibe, was soll die Diskussion? Wir fragen ja zum Schluss auch nicht nach mehr Geld weil der Scheibenwischer geht.“
Der Unimog sieht aus wie aus dem Showroom von Daimler, der Preis ist auf jeden Fall fair, also zahlt Martin die Summe, mit der er inseriert war.
Abreise
Shit. Ich hatte beim Abstellen den Motor abgeschaltet, hätte ihn besser die halbe Stunde im Stand laufen lassen sollen. Egal, da muss Hain nochmal mit dem Batterie-Wägelchen kommen und Starthilfe geben. Und jetzt das Unvorstellbare:
Die Dame im Büro: „Für Starthilfe berechnen wir 80,- € in bar.“
„Bitte?“
„Mit der Unterschrift und Bezahlung ist es Ihr Auto, ab dem Zeitpunkt müssen Sie sich darum kümmern. Sie können ja auch den ADAC kommen lassen. Wir haben so schon nichts an dem Unimog verdient und unser Mann kostet auch Geld. Wenn ich Hain rufen soll, dann bitte 80,- €.“
„Okay, rufen Sie bitte Hain und machen aber noch eine Rechnung.“
Was war euer schrägstes Erlebnis beim Autokauf? Schreibt es mal in den Kommentarbereich.
Interessant zu lesen, lies auch hier: Der ehrliche Bulgare










„Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr“
Hallo Burkhard ud Sabine,
Es gibt solche leute überall in der Welt, leider auch in die Niederlande (sage ich als Niederländer….). Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit kostet nicht viel, aber wird hier angeblich in Rechnung gestellt. Irgendwann geht diese „Dame“ auch in Ruhestand und kann dann keine Rechnungen mehr ausstellen, und steht dann alleine da.
Viele grüßen
Mark