Das Fahrzeuggewicht des MB1124 – fast zu schwer
Kurze Anmerkung zum Fahrzeuggewicht: Das Beitragsbild zeigt unseren Mercedes 1124AF noch ohne Unterfahrschutz, Einstiegsketten und Umrissleuchten. Die Gewichtsangaben unten im Beitrag beziehen sich jedoch auf den Zustand wie er bei TÜV vorgeführt wird, also mit entsprechenden Sicherungseinrichtungen..
Senioren-Allrad-Mobil soll ein zulässiges Gesamtgewicht von unter 7,5 t (7,49 t) bekommen.
Die Gründe habe ich schon mehrfach an anderen Stellen dargelegt. Es liegt daran, dass Sabine auf einem Auge blind ist und daher nicht den Führerschein der Klasse C machen darf.
Und es liegt an meinem alten Führerschein, aber nicht an den rund 3000,- €, die eine Fahrerlaubnis der Klasse C in etwa kostet. Diese Kosten fallen beim Gesamtpreis eines solchen Fahrzeuges kaum ins Gewicht, bzw. Die Kosten lassen sich leicht einsparen, da stabiler Leichtbau teuer wird, wahrscheinlich sogar mehr als 3.000,-€ kostet.
Die Fahrerlaubnisproblematik wird sich in den nächsten Jahren sowieso auflösen, weil die Fahrer mit den „alten“ Führerscheinen sich aus dem Genpool der Menschheit verabschieden. Wir leider auch.
Daher wäre meine eigentliche Empfehlung: Kaufe einen 12 oder 18 Tonner, baue ihn stabil und für dich und dein Reiseverhalten passend aus und lasse ihn mit 9, 12, 15 oder 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht zu.
(Wobei dennoch immer gilt: Es reist sich insbesondere im Gelände besser mit leichtem Fahrzeug.)
Genug der Vorrede, jetzt zum Gewicht.
Für mich sind drei Fahrzeuggewichte relevant.
Fahrzeuggewicht beim TÜV
Bei der Einzelabnahme durch den TÜV-Gutachter muss er den vorgeschriebenen Anforderungen entsprechen. Heißt, in Abhängigkeit der eingetragenen Sitzplätze und der Fahrzeuglänge muss eine Mindestzuladung verbleiben.
Die Mindestzuladung (Nutzlast) für Wohnmobile ist durch die EU-Norm EN 1646-2 festgelegt.
Sie beträgt 10 kg x (Anzahl der Sitzplätze + Anzahl der Fahrzeuglänge in Meter + je Sitzplatz 75 kg).
Bei unserem Fahrzeug sind das 2 Sitzplätze und 7 m Länge. Also müssen mindestens (10 * (2+7)) = 90kg + 150 kg verfügbar sein.
Das heißt, unser Fahrzeug darf vollgetankt maximal 7.250 kg auf die Waage bringen.
Fahrzeuggewicht in Europa
Das Reisegewicht in Europa ist insbesondere in den Alpenländern relevant. Hier sollte das Fahrzeug beladen mit Reiseproviant, Werkzeug, Ersatzteile, 100 Liter Wasser und 200 Liter Diesel maximal im oberen Ende des Toleranzbereichs der Überladung liegen. Offiziell sind es 0% aber in der Regel werden bis zu 2 % nicht beanstandet, was bei 7,49 t 150 kg entspricht bzw. 7.650 kg Fahrzeuggewicht.
Expeditionsgewicht außerhalb der Zivilisation
Hier sollte das technisch mögliche Gesamtgewicht nur zu 80 % ausgereizt werden. Allerdings sind hier sowohl Wasser als auch Dieseltanks zu Beginn der Expedition maximal gefüllt. Bei unserem 1124 sind 12.000 kg eingetragen, heißt, für mich ist bei 10 Tonnen die maximale Grenze erreicht.
Schafft unser Benz die Gewichtsmarken?
Das Fahrzeug ist schwerer als von mir geplant. Freunde, die Fahrzeuge aufbauen warnten schon im Vorfeld, dass Fahrzeuge der 11-12 Tonnenklasse kaum realistisch auf unter 7,5 Tonnen zu bringen sind.
Mein Argument war immer: Mit Leichtbau, Verzicht auf Luxus und Konzentration auf das Wesentliche ist es zu schaffen.
Es hat geklappt, aber leider nicht so souverän wie geplant.
Das Fahrzeug wiegt leer (mit etwa 40 Liter Diesel im Tank) aber OHNE RESERVERAD und ohne Dachgepäckträger 6.580 kg. Es verbleiben 910 kg Zuladung.
Die Tankkapazität beträgt 740 Liter. Heißt bei einem spezifischen Gewicht von 0,83 kg/l kommen nochmal 581 kg an Diesel hinzu und ebenso 300 kg Wasser.
Randvoll betankt würde er 7.620 kg auf die Waage bringen. Beim TÜV werden wir daher die Tanks nur zu 85% füllen und so voraussichtlich 250 kg Zuladung eintragen können. Passt, aber wie ihr seht, ganz ganz knapp.
Wird er dann reisefertig beladen, werden wir in diesem Setting (alle Tanks maximal gefüllt) außerhalb der 2% Toleranz liegen.
Um das genaue Gewicht zu kennen ist eine weitere Wiegung in ein paar Wochen erforderlich, wenn alles fertiggestellt und das Expeditionsmobil maximal beladen ist. Damit das Gewicht bei Fahrten durch die Alpenländer passt, können wir die Diesel- und Wasservorräte anpassen. Also z.B. nur mit 150 Liter Diesel und 150 Liter Wasser reisen. Passt, aber wieder nur ganz ganz knapp.
Expeditionsgewicht 10 Tonnen.
Passt problemlos. Maximal beladen werden wir voraussichtlich bei 8 Tonnen landen. Haben also theoretisch noch 4 Tonnen Zuladungskapazität bis zu den technisch machbaren 12 Tonnen.
Das neue Fahrwerk ist auf ein Reisegewicht von 8,5 Tonnen optimiert, passt auch.
Fazit zum Fahrzeuggewicht:
1124AF ist als echter 7,49 Tonner (bei 720 Liter Diesel und 300 Liter Wasser) ganz knapp möglich, aber nur mit Verzicht auf Luxus und konsequentem Leichtbau.
Möglichkeiten der Gewichtsreduktion bei der Einzelabnahme.
Man könnte den zweiten Dieseltank (360 Liter) eventuell als Ladung ansehen und so könnte er bei der Wiegung leer sein. Sollte sich der Gutachter darauf nicht einlassen, schraubt man den Zusatztank ab und montiert einen einfachen Unterfahrschutz am Tag der Abnahme. Evtl. kann man den Wasservorrat begrenzen. Bei einigen Wohnmobilen steht in den Fahrzeugdokumenten: „Wassertank während der Fahrt nur mit 25 Liter gefüllt.“ So könnte man ebenfalls noch die Gewichtsgrenze schaffen sollte der Ausbau schwerer geworden sein als kalkuliert.
Die Gewichtsverteilung
Eine optimale Gewichtsverteilung 48:52 (VA:HA) war angestrebt aber eigentlich nicht zu erreichen. Rechnerisch wäre er auf der Vorderachse zu schwer. Doch der montierte Ersatzreifen, 86 kg (kein Rad, nur Reifen) bringt 152 kg mehr auf die Hinterachse und entlastet die Vorderachse um 66 kg. Damit steht er (leer 6.660) mit einem Gewicht von 3.350 Kg auf der Vorderachse und 3.310 kg auf der Hinterachse da.
Wird er reisefertig beladen sein, sollte sich die Relation dem optimalen Wert annähern.
(Bei allen Wiegungen saß der Fahrer im Fahrzeug. Der hintere Unterfahrschutz war montiert.)
Zur optimalen Gewichtsverteilung in einem Expeditionsmobil lies mal hier: https://pistenkuh.de/expeditionsmobil/1124a-pistenkuh/fahrzeugplanung-gewichtsverteilung/










Glückwunsch !!
Ich meine mich zu erinnern, dass bei der Lizenz C oder CE grundsätzlich alle 5 Jahre eine Gesundheitsprüfung erforderlich ist. Damit ist doch im höheren Alter jeder Inhaber einer C oder CE Lizenz gefährdet. Oder hat sich etwas geändert?
Auf jeden Fall ist der Entschluss zum 7,5 Tonner ein weiser.
Gruß, Horst (der seine CE Lizenz abgegeben hat)