MAN KAT 6x6 Expeditionsmobil
Expeditionsmobile über 7,5 Tonnen

Mercedes Zetros oder MAN KAT

Auszug einer E-Mail im Januar 2013:

“Wir haben unsere kleine Firma verkauft und sind jetzt in der Kaufentscheidungsphase für die Basis unseres neuen Zuhauses. Am Montag schauen wir uns einen Mercedes Zetros 6×6 an, der mir gut gefällt. (oder würdet Ihr einen 4×4 nehmen?) Bei MAN sind wir schon „Stammgäste“, haben aber noch nichts unterschrieben, da die Entscheidungsfindung und die Fahrzeugauswahl sich schwieriger gestaltet als gedacht. Wir möchten einen etwa sieben Meter langen Wohnaufbau nach unseren Wünschen bauen lassen und es soll genug Zuladung vorhanden sein um auch ein schweres Geländemotorrad in einer Garage im Heck zu transportieren.
Nach langer Diskussion mit mir selber bin ich immer noch dafür, ein neues Auto (mit Diagnosestecker) zu kaufen als ein gebrauchtes (ohne Ad Blue und übervoller Elektronik), da ich weder bei einem alten LKW noch bei einem Neuen überhaupt was selber machen kann.
Ihr habt euch ja für einen Steyr entschieden, warum keinen Neuen? Was würdet ihr kaufen?”

Neues oder gebrauchtes Fahrgestell

Vorbemerkung: Bei Kaufentscheidungen laufen recht komplexe Hirnblitze ab, die nicht nur rational sind. Vergleicht man es mit einem Schuhkauf, wäre ein Arbeitsstiefel das richtige und dennoch rechtfertig man die Entscheidung für den modischen aber dreimal teureren Wanderschuh.
Beim Autokauf blitzt es noch öfters im Hirn und jeder rechtfertigt seine Entscheidung, auch wenn die Entscheidung eventuell durch Randbedingungen vorgegeben war.
Ich will damit nur sagen, wer sich einen Neuwagen leisten kann, wird auch Begründungen dafür finden. Wer nicht über die finanziellen Mittel verfügt (wie wir) wird seine Entscheidung für einen Gebrauchten begründen, ohne zu sagen, dass die finanziellen Mittel entscheidend waren. Ich behalte mir mal das Recht vor, den Artikel umzuschreiben, sobald ein neuer Zetros ins Budget passt.

zetros 6x6

Expeditionsmobil: Mercedes Zetros Bild: Daimler PR

Randbedingungen

Wir lassen mal wirtschaftliche Überlegungen wie Abschreibemöglichkeiten, kalkulatorische Kapitalkosten etc. außer Betracht. Wir unterstellen, dass deine finanzielle Situation einen Neuwagenkauf zulässt. Ferner unterstellen wir, es sollen nicht nur erstklassig entwickelte Industrieländer in Westeuropa oder Nordamerika bereist werden, sondern auch – vielleicht sogar überwiegend – Schwellenländer wie Argentinien, Brasilien, China oder kaum entwickelte Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Du willst in kaum entwickelten Ländern tief in unbesiedelte Landschaften vordringen und große Wüstengebiete durchqueren.
Deine persönlichen Fähigkeiten liegen außerhalb der Fahrzeugreparatur, auf dem Gebiet der Fahrzeugtechnik verfügst du über theoretische Grundkenntnisse. Wir unterstellen, das Gesamtgewicht darf über 12 Tonnen liegen, das Fahrzeug soll Allrad Antrieb haben und einen großen Wohnaufbau > 7 m transportieren können.

Traumauto Zetros

Ein fabrikneuer Zetros in violetter Sonderlackierung, der in der Sonne glänzt, mit 100.000 Kilometern Mobilitätsgarantie, was für ein Traum.
Die Vorteile eines Neuwagens sind klar. Du kannst ihn exakt nach deinen Wünschen konfigurieren. Keine Kompromisse. Mercedes baut alles ein, was du haben willst. Anschließend geht das Fahrgestell zu einem Rallyespezialisten, der Fahrwerk, Fahrerkabinenaufhängung, Überrollkäfig mit integriertem Dachgepäckträger nach deinen Wünschen baut, verstärkt und anpasst.
Dann zum Aufbauhersteller deines Vertrauens, dessen Ideenreichtum und Tatendrang nur durch das Limit deiner Kreditkarte begrenzt ist. Nach ein bis eineinhalb Jahren kannst du dein Traummobil abholen. Und keine Frage, es ist ein Traummobil. Alles ist neu, alles funktioniert. Nichts quietscht, klappert, rappelt oder muckt. Falls doch, Mercedes wird es richten, weltweit. Das gilt natürlich nicht nur für Mercedes, sondern auch für MAN, Volvo und die anderen großen LKW-Hersteller.

Was soll man an einem solchen Auto schlecht reden. Das Einzige, was mir einfällt, ist der Bordcomputer. Nicht der Bordcomputer an sich, sondern das komplexe Steuer- und Überwachungssystem, das in modernen Fahrzeugen so essentiell ist, dass ohne dies gar nichts mehr geht. Nun kann man sagen: „Ist doch egal, wenn das Ding spinnt. Sensoren können ausfallen wie sie wollen. Ich hab doch die Mobilitätsgarantie, weltweit.“ Das setzt voraus, dass der Service-Sprinter von Mercedes zu dir hinkommt.

Das Expeditionsmobil hat eine Schlüsselrolle im Team

Wir reisen allein. Auch in relativ weit abgelegene Gebiete, dessen Risiko wir uns bewusst sind. Stell dir vor, du stehst in Australien, wir reden nicht von der Zentral Afrikanischen Republik. An einem Morgen in der Simpson Desert erkennt der Computer deinen Schlüssel nicht. Die Wegfahrsperre ordnet dich den Dieben zu. Normalerweise kein Problem. Ein paar Stunden warten und der Servicetruck steht vor der Tür. Aber hier in der Simpson?
Das Fahrzeug hat einen schönen kleinen Tank mit blauem Deckel. Ad Blue steht drauf. Das Zeug wird ins Abgas gespritzt, dient dort als Katalysator und ermöglicht so die Einhaltung der Euro 5 Norm. Der Motor braucht das Zeug nicht. Früher warnte eine Kontrollleuchte, dass bei Ed Blue Mangel dein Abgas den Auspuff mit erhöhtem Schadstoffanteil verlässt. Heute regelt der Bordcomputer sofort die Motorleistung runter, damit du auch auf jeden Fall an der sechs Kilometer entfernten Tankstelle Ed Blue nachtankst. Ärgerlich, wenn die nächste Tanke mit Ed Blue 600 Kilometer weit weg ist. Und überhaupt nicht mehr lustig, wenn der Computer dir im Dünenmeer die Leistung reduziert. Fehlt nur noch, dass auf dem Display ein Smilie leuchtet.

Am Deutz leckte wieder mal ein Radbremszylinder. Ersatz war keiner zu bekommen. Aber von Mercedes passte einer. Bremse funktioniert super, alles okay. Aber was wäre mit einem computergesteuerten Fahrzeug? Kann man da einfach ein Bauteil eines anderen Herstellers einbauen, nur weil das gerade passt oder passend gemacht werden kann? Oder erkennt der Bordcomputer, dass es kein Originalteil ist und sagt: „Bremse ist Sicherheitsstufe 1. Den lass ich so nicht weiterfahren. Der Motor bleibt aus.“
Ich weiß nicht, wie der Bordcomputer reagiert. Stell dir vor du leitest eine Expedition und ein Teilnehmer ist unberechenbar. So einen kannst du nicht gebrauchen. Und ihm auf gar keinen Fall eine Schlüsselrolle zuweisen. Aber die hat dein Fahrzeug.

Vielleicht sind meine Bedenken völlig unbegründet. Aber ich möchte nicht allein im nirgendwo mit einem Fahrzeug stehen, das beim Starten mehr Rechenoperationen durchführt, als Apollo13 während des ganzen Mondfluges.

zetros 4x4 expeditionsmobil

Mercedes Zetros 4×4

Änderung der Annahmen

Sagen wir, du willst alle Länder der Erde bereisen, bewegst dich aber überwiegend auf Teerstraßen oder Hauptpisten. Die Naturschönheiten und Landschaften erkundest du alleine in den touristisch erschlossenen Nationalparks. Evtl. erforderliche Wüstendurchquerungen oder Fahrten weit entfernt der Zivilisation unternimmst du mit mehreren Fahrzeugen. Dann spricht meines Erachtens nichts gegen ein modernes Fahrzeug, das zeitgemäßen Fahrkomfort und Sicherheit bietet. Das Ad Blue „Problem“ lässt sich mit einem Zusatztank leicht lösen.

MAN KAT 6×6

Was würde ich mir für ein Fahrzeug bauen, wenn ich ein ähnliches Budget hätte wie für einen neuen Zetros? Die großen Baureihen wären uns zu groß. Actros, Zetros oder vergleichbare Modelle von MAN bieten Aufbaulängen und Breiten, die wir nicht brauchen. Uns reicht die kleine Baureihe bis zu 12 Tonnen.
Aber wenn es eine große Baureihe sein soll, wäre der MAN KAT 4×4 oder 6×6 in der engsten Wahl.

MAN KAT 6x6

Expeditionsmobil MAN KAT 6×6
Danke Peter fürs Bild

Mercedes 1824 Allrad

Mercedes 1824 Allrad

Mercedes 1824 Allrad, unterwegs in Mali

Oder ich würde nach einem Mercedes 1824 oder 2228 oder etwas in der Art Ausschau halten. Die Baureihen sind weltweit bei allen großen Baufirmen im Einsatz. Ersatzteilversorgung, egal ob Neuteile oder auf den Schrottplätzen der Welt, völlig problemlos zu finden. Vielleicht findet man ihn als Feuerwehrfahrzeug mit geringer Kilometerleistung. Wenn das Geld für einen Zetros reichen würde, kann man den 2228 auch komplett überholen lassen. Motor, neue Lager, Dichtungen, Kolbenringe etc. Anlasser, Wasserpumpe, Wasserschläuche, Kühler, Turbo, Kompressor, alles neu. Neue Federn, Dämpfer, Radlager. Zwei neue, gute Sitze. Damit bist du preislich noch nicht bei einem Neufahrzeug, hast aber alles Wichtige neu und hast ein Fahrzeug mit klassischem Zündschloss und ohne Computer gesteuerten, überwachten Firlefanz.

Das du vom Schrauben keine Ahnung hast, ist kein Argument für ein Neufahrzeug. Die Frage ist nicht: „Kann ich mein Fahrzeug reparieren oder nicht?“ Die Frage unterwegs ist: „Finde ich jemanden, der mein Fahrzeug reparieren kann?“

MAN KAT &x6

MAN KAT 6×6 als Expeditionsmobil

Zetros gegen 2035, 2232 oder KAT

Motor, Getriebe, Achsen machen in der Regel keine Probleme. Egal ob neu oder alt. Alles erprobte Technik, konstruiert und bewährt für 100.000ste von Kilometern. Unterwegs hast du es zu tun mit schlechtem Diesel, gepanscht mit Wasser oder getankt aus dreckigen Fässern oder einer Kombination aus allem. Nebenbei bemerkt, der Diesel von Markenherstellern, an deren Tankstellen getankt, z.B. BP, Shell, war immer sauber und „unverdünnt“.
Dieselfilter tauschen und entlüften solltest du können.

Typische Probleme unterwegs sind: Gerissene Keilriemen, geplatzte Kühlwasserschläuche, durchgescheuerte Dieselleitungen, durch Steinschlag leckgeschlagene Kühler, abgerissene Tankhalterungen, kaputte Radlager, kaputte Federaufnahmen, losvibrierte elektrische Kontakte, leckende Brems- und Kupplungszylinder, ausgeschlagene Antriebs- und Kardanwellen, alles lässt sich relativ einfach und leicht reparieren, egal ob neu oder alt. Jeder Bauer, der einen Mähdrescher hat, kann dir helfen, weltweit. Egal ob Zetros oder KAT. Wenn der Zetros aber nicht läuft und du dem Bauern sagst „Fehler: EH723Vh“, wird er dir nicht helfen können. Aber kein Problem, zum Bauernhof gibt es eine Zufahrt für den Service-Sprinter.

Orangework MAN KAT

MAN KAT 6×6 von Orangework

Erfahrungen von unterwegs

Euro5 Motoren findet man inzwischen überall, Mercedes, MAN, Volvo Werkstätten haben mittlerweile auch im Busch genügend Erfahrung mit Sensoren und Computer. Die Situation ist deutlich besser als vor ein paar Jahren.
Unterwegs hat man es oft mit Rüttelei und Vibrationen, feuchtem Tropenklima, aggressiver Meeresluft am Strand zu tun. Und besonders Elektrik und Elektronik reagiert darauf empfindlich.

Alle, wirklich alle Fahrzeughalter modernen Fahrzeuge berichteten von Problemen.
Oft Pillepalle wie:
„Der Computer zeigt eine Fehlermeldung ohne Auswirkung.“ (Unimog)
„Die Anzeige für den Wartungsintervall lässt sich in der Werkstatt nicht zurücksetzen.“ (MAN 10.220)
“Alle 3-4 Stunden regelt der Motor die Leistung runter und ist nach einem Neustart wieder normal.“ (MAN 10.220)

Ärgerliche Dinge wie:
„Vor der Türkei bis Indien waren wir dreimal in der Werkstatt wegen schlechtem Diesel.“ (MB-Sprinter)
Bis hin zu gravierenden Fehlern:
“Die Wegfahrsperre erkannte mich als Fahrer nicht mehr. Wir haben ihn abschleppen müssen.“ (Land Rover)
„Wir standen auf der Kreuzung und es lies sich am Joystick kein Gang mehr einlegen.“ (Axxor)

Allerdings muss man auch dazu sagen, dass Fahrer neuer Fahrzeuge Defekte anders wahrnehmen und bewerten. Das Wechseln einer Scheinwerferglühleuchte wird als Reparatur eingestuft, wobei ich alles, was weniger als 15 Minuten Arbeit macht und keine 10 Euro kostet gar nicht ins Reparaturbuch aufschreibe.

Aber Zetros hat etwas, was alles aussticht: Die Haube  🙂

Wir begegnen unterwegs mehr älteren Fahrzeugen als modernen Euro5 Expeditionsmobilen. Tja, die Entscheidung bleibt schwierig und bei dir.

Hinweis: Meine Bedenken richten sich nicht gegen Mercedes Zetros, sondern gegen alle High-Tech-Fahrzeuge mit Diagnosestecker.

 

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Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 9 comments

  1. Burkhard Koch

    Sehr geehrter Herr Koch,
    ich möchte zu ihrem doch einseitigen Bericht folgendes anmerken:
    Neue Technik zu verteufeln ist so alt wie die Menschheit. Sie gehen nicht darauf ein, dass moderne Dieseltriebwerke einen wesentlich effizienteren Wirkungsgrad erreichen, damit Ressourcen schonen und die Umwelt weniger belasten. Dank des computergesteuerten und damit optimierten Motormanagements verfügen die Motoren über soviel Drehmoment, dass selbst bei einer fehlerdiagnostizierten Reduzierung mehr Drehmoment zur Verfügung steht, als bei den von ihnen bevorzugten historischen Fahrzeugen.
    Wir haben in unserem Ersatzteilportfolio selbstverständlich eine Steuereinheit, einen Diagnosecomputer und ein – in Zusammenarbeit mit einem Ingenieur des Fahrzeughersteller – zusammengestelltes Elektronikersatzteilpaket an Bord und können so alle eventuell auftretenden Elektronikprobleme einfach selbst beheben, ohne den von ihnen erwähnten „Bauern“ in Anspruch nehmen zu müssen. …
    (L.B.)

  2. Burkhard Koch

    Hallo, ich habe gerade den Artikel über die neuen elektronisch gesteuerten Fahrzeuge gelesen (Zetros oder KAT?) – und Sie haben mir aus der Seele gesprochen! Für Afrika/S-Am oder Outback sind diese total ungeeignet. Ich fahre seit über 45 Jahren Mercedes. Für den einzigen elektronisch gesteuerten Wagen den ich von Mercedes gekauft habe, habe ich mehr Motorsteuerungsreparaturen gehabt (und bezahlen müssen) als für alle 12 Mercedes vorher, die ohne Elektronik auskamen!
    Also: Finger weg von solchen Fahrzeugen, wenn man abseits geteerter Straßen fahren will!
    (H.R.)

  3. Burkhard Koch

    Hallo Ihr Beiden,
    wir haben auf eurer interessanten Webseite den Bericht zu neuen versus gebrauchten Fahrzeugen mit Interesse gelesen.
    Wir selbst fahren ein Expeditionsmobil von MAN der von (Firmenname gelöscht B.K.) angefertigt wurde und der die Euro5 Norm erfüllt. Wir sind bisher 60.000 Kilometer gefahren und hatten lediglich einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt, weil in der Türkei ein Luftmengensensor getauscht werden musste. …
    (A.F.)

  4. Burkhard Koch

    Hallo Sabine und Burkhard,

    mit Freude habe ich den Bericht über Diagnosebuchsen gelesen.
    Wir haben einen Zafira, einen Voyager, einen Astra F und noch einen Karmann Ghia.
    Beim Karmann von 1969 passt die komplette elektrische Schaltplan auf eine DIN A4 Seite und zwar in bunt (analog zu den Farben der Kabel), aber zugegeben das Radio ist nicht mit drin. Die Zündung kann ich mit einer Prüflampe einstellen.

    Beim Astra fängt es dann schon an. Er ist jetzt 19 Jahre alt und im Januar wieder ohne Probleme durch den TÜV gekommen. Allerdings ist auch er schon mit den Neuheiten der Technik gesegnet und hat so eine kleine gelbe Leuchte mit einem stilisierten Motorblock im Armaturenbrett. Wenn die leuchtet ist irgendetwas nicht in Ordnung. Aber was? Ein Multimeter reicht nicht, da muss man zum freundlichen Opelhändler und der sucht auch nicht, sondern schließt sein Diagnosegerät an. Der Drosselklappensensor ist die Ursache. Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt.

    Der Zafira hat zwei gelbe Leuchten, eine mit Motorblock und eine mit einem Schraubenschlüssel. Das Auto hat einen Differenzdrucksensor, der kostet 110 Euro ohne Einbau, und überwacht den Partikelfilter. Sch…technik.

    Bei unserem Chrysler schalte ich nicht das Licht ein, sondern mit dem Lichtschalter teile ich dem Bordrechner mit, dass ich beabsichtige, das Licht einschalten zu wollen. Und da komme ich dann zu Ed-Blue. Das Auto war mal von der Steuer befreit, da es so sauber ist. Ab dem nächsten Jahr darf ich ihn nicht mehr fahren, da er nur eine gelbe Plakette bekommen hat und jetzt eine Umweltsau ist.

    Im Februar/März 2012 war ich mit einem Freund in einem Britz Bushcamper von Cairns nach Adelaide unterwegs. Irgendwann leuchtete auch bei dem so eine gelbe Leuchte auf. Die Bedienungsanleitung wies uns den Weg zum nächsten Toyotahändler. Zweihundert Kilometer hinter Mount Isa in einem Schlammloch steckend und nur noch vierhundert bis nach Alice, das beruhigt. Es war dann nur der Dieselfilter. Hier haben auch wir die Probleme mit den Reifen gehabt, die Ihr bei der Umrüstung Eurer Pistenkuh angesprochen habt. Das Liegenbleiben in den Schlammloch führen wir auf die “blöden” Reifen zurück, zumal wir zwei relativ frischen Spuren gefolgt sind. Das der Geländegag nicht einzulegen war, soll nur am Rande erwähnt werden. Allerdings haben uns auch die fehlenden Differentialsperren genervt. Leider verkauft Ihr Euer Auto zwei Jahre zu früh.
    Euch noch eine schöne Zeit in Down Under. Ich werde 2015 wieder da sein.
    (P.K.)

  5. Burkhard Koch

    … was die in eurem bericht “man vs. zetros” beschriebene problematik in bezug auf die technik moderner fahrzeuge angeht, so habe ich etwas ähnliches leider gerade an meinem (privatem) pkw erleben dürfen. junger japaner, diesel, wenig kilometer, gut in schuss und peng, steuergerät am arsch. die kosten für ein neues belaufen sich auf gut 2.500 euro. das ist ein großer bunter haufen geld für einen kleinen schwarzen kasten mit zwei steckern, ohne den aber heutzutage gar nix mehr geht. so kann es gehen. naja, wenigstens stehe ich damit nicht mitten in der pampa und die werkstatt ist in der nähe. aber es zeigt eben, wie abhängig moderne technik machen kann. von den kosten eines solchen defektes, der ohne jegliche äusserliche einflüsse passiert ist, mal ganz abgesehen. da hilft auch materialschonende fahrweise gar nix. ….
    (R.W.)

  6. Burkhard Koch

    Differenziert betrachtet ist die Sachlage doch mittlerweile so, dass heutige Mechaniker tauschen und nicht reparieren, weltweit – Reparaturen sind zunehmend mehr Kindergeschichten alter Romantiker.

    Somit relativiert sich die Denkaufgabe auf folgende Frage:
    Wer ist es, der mir helfen kann und woher zaubert er die Teile?
    Oder anders formuliert, moderne Fahrzeuge kommen der Plug-in-and-play-Gesellschaft weit entgegen auch der Nur-ins-Regal-Griff kommt dem Potential aller „Helfer“ sehr zur Hilfe.

    Sollte es allerdings in Afrika, im Kaukasus oder auch irgendwo sonst bessere „Handwerker“ als bei uns geben, dann sind natürlich die guten Altgeräte eine optimale Wahl; Argumente wie Verbrauchswerte, Fahrkomfort und allenfalls besseres Umweltgewissen lassen wir hier einmal hier außer acht.
    (Übrigens: Jeder Flugreisende ist ein wesentlich größerer Umweltsünder als ein Reisemobilist, selbst dann, wenn er Fleisch aus Klimagründen ablehnt.)

    Elektronik: Aus meiner Sicht ist es egal ob ein Plug-in-and-play-Teil den Dienst aufgibt oder ein alter Motor stirbt; wenn das Ding steht, dann zählt nur die rasche und auch mögliche Wiederbeschaffung;

    Elektronik-Know-How kann im Extremfall sogar prompt über Satellitenverbindungen herbeigerufen werden, die Kupplung eines Exoten womöglich gar nicht; diese Tatsache gilt (leider) trotz meiner tiefen Abneigung gegenüber Elektronikversklavung.

    Ein Gedanke auch noch zusätzlich.
    Reise-/Expeditionsmobile sind bis zu ihrer Fahrtüchtigkeit im Verwendungssinne sehr teuer, die Bemessungsgrundlage für allfällige Versicherungen (Absicherungen) ist stets das Fahrzeug; da hilft es auch nichts, wenn modernste Wohn-/Ausstattungstechnik den „Alten“ schmückt, weil selbst ein Gesamtgutachten dann den Wert der Neuteile quasi auf wenig reduziert – bei einem Unfall-/Verlust wird nicht zwischen alt und neu bewertet.

    Auch wenn mein Herz für (renovierte) Alte spricht, ökonomisch (auch schon der Renovierung wegen) ist die Sache nicht wirklich erklärbar, emotional schon sehr viel mehr.

    Verteufeln kann man mit Bestimmtheit und zurecht beides, Alteisen wie Neustahl, deswegen finden wir in der Szene eigentlich nur Suchende auf dem Weg zum Ideal.

    cWs

  7. Sebastian Scha

    Diese Gegenüberstellung von Neu gg. Alt halte ich für sehr gelungen.
    Ich denke dass die Hersteller von Neufahrzeugen auf Dauer ihre “Expeditionsmodelle” nur dann an den erfahrenen Globetrotter bringen, wenn sie diesen tiefgreifende Berechtigungen zur Identifizierung und Behebung von Fehlern geben. Praktisch beschrieben wäre das ein Laptop mit Diagnosesoftware und der entsprechenden Berechtigung die sonst nur eine Werkstatt hat.
    Wenn dann das mitgeführte Ersatzteillager noch sinnvoll bestückt ist, z.b. mit den Teilen/Sensoren die als anfällig bekannt sind, sollte es dank der plug-and-play Bauweise auch für belesene Laien möglich sein diese auszutauschen.

    Wie im Bericht beschrieben, darf es durch die Steuerungselektronik nicht zu Situationen kommen in denen der Nutzer z.B. den Motor nicht mehr starten darf.

    In vielen Neufahrzeugen haben sich die Hersteller per Internetverbindung schon dauerhaft ins System eingeklinkt. Wenn bei einem neuen Opel die Batterie der Funkfernbedienung leer ist, kann man z.B. die Opel Hotline anrufen, und diese sperrt einem dann das Auto auf.
    Leider funktionieren diese ganzen schönen Sachen nur dann wenn die Mühle online ist, und das ist nach Murphys Law mit Sicherheit nicht dann wenn man es braucht.

  8. Robert Weh

    Hallo.

    Verfolge schon seit geraumer Zeit Eure und die Seiten Anderer, da auch wir mittelfristig solch einen Weg einschlagen werden.
    Bei diesem Thema hier kann auch ich nicht still halten und möchte folgendes Beispiel aus meinem Leben mit euch teilen:

    Zu (vor) meinem 18. Geburtstag kaufte ich mir einen Audi 80 B3 für 300€ und mit über 300.000Km
    auf der Uhr. Keine (!) Defekte irgendeiner Art. Verkäufer war ein guter Bekannter, der diesen Wagen von seinem Vater übernahm und 200.000Km auf die ersten 100.000k drauf setzte.
    Die bis dato getätigten Reparaturen beinhalteten den obligatorischen Wechsel der Zahnriemen, Achsmanschetten und Dichtungen.
    Selber fuhr ich den Wagen knapp über 5 Jahre und über 100.000Km weit. Bis auf ein verrutschtes Sieb der Benzinpumpe in einem Schweizerischen Tunnel (selten so viel Schiss gehabt) und dem damit verbundenem Leistungseinbruch auf geschätzt 1PS auch bei mir keine Probleme.
    (Hat sich nach 10min Schleichfahrt von selbst behoben)

    Verkauft habe ich den Wagen mit ~420.000Km an einen “Nachbar” in meinem Heimatdorf als ich von da weg zog. Das ist nun gut 11 Jahre her und immer wenn ich meine Eltern besuche, sehe ich den Wagen noch dort stehen… mit mittlerweile 600.000km+ auf der Uhr. Noch immer keine nennenswerten Probleme. (Hatte Ihm im Sommer bei einem Fest darauf angesprochen)

    Die Reparaturkosten des Wagens in seinen 26 Jahren Dienst am Volk schätze ich auf ~1500€ und jede “Reparatur” konnte mehr oder minder selbst durchgeführt werden.

    Zur Zeit fahre ich einen Audi A6 Avant 3.0 TDI, 02.2012 gekauft, Neuwagen, und die bisherigen Reparaturkosten belaufen sich auf (gerade noch mal auf die Rechnungen geschaut) 5807, 62€.
    Defekte waren immer auf die Elektronik zurückzuführen oder hatten indirekt damit zu tun.

    Schöner, schneller, komfortabler Wagen, keine Frage… aber in meinem 80er fehlte es mir eigentlich auch an nichts, wenn ich so zurück denke…

    LG und allzeit Gute Fahrt!

  9. König

    so ein Schwachsinn. Das nennt sich Ad Blue und nicht ed blue.

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