Albanien Reiseinfos
Albanien

Reise-Info Albanien

Stand: Mai 2017

Allgemeine Informationen zu Albanien

Lage/Natur

Langgestreckt zieht sich Albanien mit einer Fläche von 28.748 qkm (etwa so groß wie Belgien) entlang der Mittelmeerküste zwischen Montenegro und Griechenland. Im Osten grenzt das Land an Kosovo und Mazedonien, in der einsamen Gebirgsregion der Grenzgebiete befinden sich einige Nationalparks mit riesigen Waldgebieten, wo die in Europa selten gewordenen Wölfe, Bären und Luchse ihren Lebensraum haben. Der heimische Steinadler ist gleichzeitig das Wappentier Albaniens. Das Hochgebirge zu Montenegro hat alpinen Charakter und wird als die Albanischen Alpen bezeichnet. In diesem Gebiet gibt es etwas Tourismus, der sich ansonsten auf die Strände und Küstengebiete konzentriert.

Politik/Gesellschaft

Politisch war Albanien durch die strenge kommunistische Herrschaft viele Jahre isoliert, erst nach dem Tod des Despoten Envar Hoxas, öffnete sich das Land zu Beginn der 90ziger Jahre langsam dem Westen. Die demokratischen Anfänge waren schwierig, hunderttausende Albaner emigrierten damals vorwiegend nach Griechenland, Italien und nach Nordamerika. 1997 entwickelte sich ein kurzer Bürgerkrieg, der die öffentliche Versorgung lahm legte, die Kriminalität stieg sprunghaft an. Durch den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe konnte die öffentliche Sicherheit und Ordnung wieder hergestellt werden. Immer noch ist die Entwicklung des Landes geprägt von Korruption und Vetternwirtschaft, nur langsam werden alte Strukturen aufgebrochen.

Heute leben 2,9 Mio. Menschen in Albanien, davon wohnen mittlerweile nur noch 46% auf dem Land, die Abwanderungen in die großen Städte wie Tirana, Shkodra, Durrës oder ins Ausland sind nach wie vor groß. Vor allem auf dem Land sind noch stark alte Traditionen verhaftet, Familie und Großfamilie spielen eine wichtige Rolle.  Das Leben ist oft noch in eine Männer- und Frauenwelt getrennt, obwohl zur Zeit des Kommunismus die Gleichberechtigung durchgesetzt worden war. Hochzeiten werden in vielen Familien noch verabredet, wenn einmal im Jahr die Verwandten aus dem Ausland zu Besuch kommen.

Der offene Umgang der Bevölkerung mit den verschiedenen Religionen (etwa 57% Muslime, 10% römisch-katholisch und 7% orthodox) fällt gerade in der heutigen Zeit sehr positiv auf. Heiraten untereinander sind vollkommen normal, religiöse Feste werden vielerorts gemeinsam gefeiert. Akzeptanz und Toleranz gegenüber Andersgläubigen war auch schon vor der kommunistischen Regierung, die jede Glaubensausübung streng verboten hatte,  fester Bestandteil der gläubigen Albaner, unabhängig der Glaubenszugehörigkeit.

Die Begegnung mit der ländlich geprägten Bevölkerung ist locker und gastfreundlich, oft wird man zum Kaffee (türkisch Style) oder Raki eingeladen. In jedem Dorf findet sich jemand, der schon mal in Deutschland war und so entsteht schnell ein Smalltalk.

Straßennetz/Verkehr

Die Straßenverhältnisse sind in total unterschiedlichem Zustand. Teilweise existieren neue, gut ausgebaute Autobahnabschnitte, die abrupt in eine mit Schlaglöchern übersäte Landstraße übergehen, weil dieser Teilbereich nicht fertig gebaut wurde. Die Beschilderung ist abseits der Hauptverkehrsrouten oft unzureichend. Der Zustand der Haupt- und Nebenstraßen ist sehr unterschiedlich. Oftmals entpuppt sich eine vermeintlich gute Teerstraße als üble Schlaglochstrecke, auf der man deutlich langsamer vorwärts kommt. Auf keinen Fall sollte man sich nur auf das übliche Straßen-Navigationsgerät verlassen. Genaues Kartenmaterial für Albanien gibt es kaum, die Verlage kommen mit der Aktualisierung der durchgeführten Straßenbauprojekte nicht mit. Vor allem Nebenstrecken und Pisten sind oft falsch oder unvollständig eingezeichnet.

Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut, allerdings kann nur an wenigen großen Tankstellen entlang der Hauptverbindungsstraßen mit der Kreditkarte  gezahlt werden. Ein Liter Diesel kostet 156 Lek = 1,14 € (Stand Juni 2016).

Gefahren im Straßenverkehr

Durch die risikofreudige Fahrweise der Albaner, vor allem durch waghalsige Überholmanöver in unübersichtlichen Kurven bzw. überhöhter Geschwindigkeit besteht ein erhöhtes Unfallrisiko, vor allem auf den Durchgangsstraßen. Innoffizielle Auf- und Abfahrten auf Schnellstraßen bergen ebenso eine Gefahr. Auffallend sind die vielen Kreuze am Straßenrand. Einen Rettungsdienst gibt es nur in den Großstädten.

Offroad Abenteuer Albanien

In den letzten Jahrzehnten sind einige Straßenbauprojekte (meistens mit Unterstützung von EU-Geldern) umgesetzt worden, um die Infrastruktur zu verbessern und den Transport für  die Bewohner zu erleichtern. Dennoch werden auch in Zukunft in den gebirgigen, ländlichen Regionen viele Orte nur über Schotterstraßen erreichbar sein. Bedingt durch die Streusiedlung zieht sich ein unzähliges Wegenetz durch die Täler und über Bergpässe, das mit dem Allradler erkundet werden kann.

Stundenlang kann durch einsame Waldgebiete gefahren werden, von einfach zu befahrenden Schotterwegen bis hin zu extrem ausgewaschenen Pisten findet sich in Albanien alles, was das Herz eines Geländefahrers begehrt. In der Straßenkarte als gute Nebenstraße eingezeichnet, stellt sich die Strecke oftmals als schlechte Piste dar. Umgekehrt sind manche in der Karte als Wanderweg eingezeichnete Routen mit dem Allradler befahrbar und werden auch von den Einheimischen benutzt.
Auf den Pässen und Hochebenen finden sich einsame Plätze für das Nachtlager, oft ist eine Quelle in der Nähe, mit frischem, klarem Wasser.

Klima / Optimale Reisezeit

Albanien wird von unterschiedlichen Klimazonen beeinflusst. So herrscht an der Adriaküste mediterranes Klima vor, im milden Winter fallen die meisten Niederschläge, während die Sommermonate heiß und trocken sind. Im Landesinneren dominiert Kontinentalklima mit kalten, langanhaltenden, schneereichen Wintern. In den Gebirgen der Grenzgebiete zu Montenegro, Kosovo und Mazedonien hält sich der Schnee oft bis ins späte Frühjahr.
Optimal für Gelände-Fahrten in den Gebirgen sind die Monate Mai/Juni sowie von Mitte August bis Mitte Oktober. In den Sommermonaten kann die Tagestemperatur in den Tälern bis auf 36 Grad ansteigen, im Gebirge ist es ein paar Grad kühler. Die Gegend um Korça lässt sich auch im Sommer gut bereisen, aufgrund der Höhenlagen ist es dort nicht ganz so heiß, mit angenehmen Temperaturen.

Praktische Hinweise und Tipps

Anreise

Die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug erfolgt über Österreich, Slowenien und die Balkanländer Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro. Ab München rund 1300 km gesamt, etwa 2 Tage sollten dafür eingeplant werden. Die Autobahngebühr in Kroatien ist nicht ganz billig, für 380 km sind für einen LKW der 7,5-10 Tonnen Klasse etwa 50 Euro fällig. Alternativ kommt man über die Landstraßen im Landesinneren recht zügig vorwärts. Die Küstenstraßen Kroatiens sind vor allem in den Sommermonaten/Urlaubssaison sehr frequentiert, die kurvenreichen Straßen kosten trotz einiger Umgehungsstraßen viel Zeit.

Sinn macht es, für die Hinreise die Fähre von Venedig (oder Ancona) nach Griechenland (Igoumenitsa) zu buchen. Sie fährt zwei Mal pro Woche, und benötigt etwa 25 Std, Camping an Bord ist möglich. Buchungen unter: www.greekferries.gr/de/camping.asp.
So beginnt die Reise stressfrei, und man kann sich gemütlich durch Albanien und den Balkan nach Norden treiben lassen. Adria-Ferries bietet direkte Verbindungen nach Albanien an: Triest – Durrës, Ancona – Durrës oder Bari – Durrës. Buchungen beispielsweise über www.seetours24.de oder www.ferriesalbania.com.

Visum/Einreise

Für Reisende aus der EU und der Schweiz ist kein Visum erforderlich, es genügt der Personalausweis für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen. Für die Durchreise der Balkanländer ist ebenso der Personalausweis ausreichend.
Es gelten die in Europa üblichen Zollvorschriften, die Einfuhr von Waffen, Drogen und pornographischem Material ist verboten. Größere Bargeldbeträge müssen deklariert werden. Die Grüne Versicherungskarte ist gültig und wird anerkannt. An der Grenze werden die Pässe eingescannt und die Daten im Computersystem erfasst. Die Kontrolle von Fahrzeugen ist stichprobenartig und oft nur oberflächlich.

Geldumtausch/Einkauf/Essen

Währung ist der Albanische Lek, 1 Euro = 135 Lek (Stand April 2017). In den großen Städten funktionieren die ATMs meistens problemlos, mit einer Transaktion können 20.000 Lek abgehoben werden (ca.140 Euro). Zur Sicherheit sollte man eine Bargeldreserve in Euro dabei haben, die sich notfalls auch in der Bank oder einem Wechselbüro umtauschen lassen.
Für den Einkauf in den Geschäften und kleinen Supermärkten wird Bargeld benötigt. Frisches Obst und Gemüse ist deutlich preiswerter als in Deutschland,  am besten wird auf den Wochenmärkten eingekauft. Würzig und schmackhaft ist selbst hergestellter Schafskäse (Feta), andere Käsesorten findet man kaum.

Preisbeispiele:
1 kg Gemüse = 50-80 Lek, 1 kg Pfirsiche = 120 Lek,
Brot = 70 Lek,
Im Restaurant: Fl. Bier, 0,5 l,  = 120 Lek, Cola = 100 Lek, Pizza = 500 Lek.
In den Touristengebieten an der Küste sind die Preise in den Restaurants deutlich höher.

Übernachten/Camping

Entlang der Adriaküste gibt es einige Campingplätze. Vor allem die weniger vom Massentourismus frequentierten Küstenabschnitte mit kleinen Buchten bei Himare und Lukova sind bei Reisenden beliebt. In den Sommermonaten (vor allem im August) werden diese von einheimischen Urlaubern bevölkert. Am Ohridsee sind einige neue Campingplätze eingerichtet worden.

Freies Campen in mitten schöner Natur ist im Landesinneren, vor allem in den Bergregionen problemlos möglich. Außer ein paar Schäfern mit ihren Herden begegnet man hier niemandem.
Campingplätze abseits der Küstenregionen gibt es nur wenige, die Ausstattung ist in unterschiedlichem Zustand, manchmal wird bei einem Bauernhof nur eine Wiese zum Zelten mit einem Schild „ Camping“ versehen.

Sprache/Verständigung

Die albanische Sprache gehört zu der indogermanischen Sprachfamilie. Aus den verschiedenen Besatzungszeiten in der Vergangenheit haben sich einige Lehnwörter aus anderen Sprachen eingeschlichen, vor allem aus dem lateinischen, griechischen, türkischen und italienischen Wortschatz.
Die Verständigung mit der Bevölkerung ist meistens unkompliziert. Viele Albaner haben schon mal in Deutschland gearbeitet oder versucht, Asyl zu beantragen und sprechen ein paar Worte Deutsch. Mit den jungen Leuten ist ein Gespräch in Englisch problemlos möglich. Da ausländische Filme im Fernsehen und Kino mit albanischen Untertiteln gezeigt werden, ist die englische Sprache präsent.

Verwirrend sind die Ortsnamen, diese gibt es in zwei Schreibweisen: Die unbestimmte Form (Tepelenë, Shkodër) wird auf Straßenschildern und Landkarten verwendet. Im Sprachgebrauch ist die bestimmte Form (Tepelena, Shkodra) üblich.

Telefon/Internet

Die Roaming-Gebühren für Telefonieren und Datenvolumen sind entsprechend teuer, da Albanien nicht zur EU gehört.

Auf unserer Reise haben wir eine Prepaid Simkarte vom lokalen Anbieter Vodafone gekauft. Die Anschaffung kostete 800 Lek incl. 3 GB Datenvolumen. Für die Registrierung benötigt man nur den Reisepass. Eine albanische Adresse wurde in unserem Fall nicht verlangt, notfalls sollte eine Hoteladresse ausreichen. Die Freischaltung erfolgte innerhalb von Minuten. Mit der Kreditkarte kann Datenvolumen nachgeladen werden. Die Highspeed-Übertragung hat fast überall im Land gut funktioniert, Skypen ist auch möglich.

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Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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