Targi Saman
Algerien

Slimane

Slimane Touhami

Slimane Touhami

Name: Slimane (Saman) Touhami
Alter: 34 Jahre
Geboren in: Tamanrasset, Algerien

Slimane gehört zum Volk der Tuareg. Er studierte in Algier Politikwissenschaft und arbeitet heute als Tourguide. Mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern lebt er in Tamanrasset.

Wenn du an deine Kindheit denkst, an welches Erlebnis erinnerst du dich?

Ich muss so um die fünf Jahre alt gewesen sein, da besuchte ich mit meiner Mutter meine Tante. Sie lebte in einem Zelt in der Wüste. Man muss wissen, dass in unsere Tradition der Gastgeber dem Besuch ein besonderes Essen herrichten wird. Meine Tante war mit ihrer Tochter alleine, sie unterhalten sich mit meiner Mutter. Dann nimmt meine Tante mich bei der Hand und führt mich nach draußen. Aus der Ziegenherde wird eine große Ziege ausgewählt und zum Zelt geführt. Meine Tante drückt mir ein Messer in die Hand und dreht meinen Kopf weg. Meine Hand fängt an zu zittern, meine Tante führt meine Hand mit dem Messer zum Hals der Ziege, so wurde diese getötet.

Etwa eine Stunde später gab es für alle große Stücke gegartes Ziegenfleisch und meine Cousine erzählte mir, dass ich die Ziege getötet hatte. In unserer Tradition ist das Schlachten oder besser das Töten von Tieren Männersache, Frauen dürfen das nicht.

Worüber hast du dich zuletzt gefreut?

Als die algerische Regierung vor kurzem verkündete, dass sie Gebiete rund um Tamanrasset für den Tourismus wieder frei gegeben hat.

Was ärgert dich?

Wenn ich eine Situation komme, in der ich nichts machen kann. Wenn ich die Lösung sehe, aber sie nicht umsetzen kann, weil  mir die Macht dazu fehlt. Zum Beispiel wenn etwas angeordnet wird, was ganz offensichtlich keinen Sinn macht, ich es aber machen muss.

Wofür bist du dankbar?

Das wir in unserem Land Frieden haben, dass es auf unseren Straßen kein Blut gibt. Wenn man die Situation in Tunesien, Libyen oder Syrien nach der arabischen Revolution jetzt sieht, bin ich dankbar, dass wir hier den gesellschaftlichen Frieden erhalten konnten.

Was war deine größte Enttäuschung?

Wenn ich keinen Weg sehe, der meine Träume Wirklichkeit werden lässt.

Was war dein größter Erfolg?

Eine Familie  gegründet und zwei Töchter bekommen zu haben.

Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Das wir den Frieden erhalten und die Regierung uns weiterhin unterstützt, den Tourismus zu entwickeln.

Was ist für dich Glück?

In der Wüste zu sein. Nicht in einem Büro oder Fabrik arbeiten zu müssen.

Wonach hast du zuletzt gegoogelt?

Nach meinem Namen, um mal zu sehen wie viele Slimane Touhami es auf der Welt gibt.

Wann hast du das letzte Mal gelogen?

Gestern beim Telefongespräch mit … nein, mit wem sage ich nicht.

Bist du religiös?

Ich war früher sehr religiös, wirklich sehr, sehr religiös. Als Kind wurde ich zweimal täglich in die Koranschule geschickt. Aber heute, vielleicht auch durch die Arbeit mit Touristen und den offenen Gesprächen mit ihnen, bin ich dazwischen. Ich glaube an Gott, aber ich bin kein guter Muslim.

Mit welcher berühmten Persönlichkeit würdest du dich gerne mal unterhalten?

Mit Houari Boumedienne, er war unser Präsident von 1965-78. Er war ein sehr guter, intelligenter Mann, der für Algerien viel getan hat, ohne an sich zu denken und ohne sich zu bereichern.
Seine Antworten in einem Gespräch wären bestimmt sehr lehrreich.

Was ist der wichtigste Rat, den du deinen Kindern mit auf den Weg gibst?

Sie sollen einfach sich selbst treu bleiben. Sie sollen sie selbst sein. Nicht mehr und nicht weniger.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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