Offroad auf Matsch&Piste in Albanien
Albanien

Offroad von Berat nach Korça

Die Idee “Offroad von Berat nach Korça” ist einfacher als die Umsetzung. Bei OSM finden sich ein paar Pisten, aber bei weitem nicht alle und einzelne Fahrspuren, auf denen nur Hirten ihre Schafe besuchen, schon mal gar nicht.
Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Spuren, die in östliche Richtung verlaufen zu folgen, gegebenenfalls zu wenden und eine Alternative zu suchen.

Berat: Stadt der tausend Fenster

Berat ist eine der ältesten Städte Albaniens, die markanten Fenster der Häuser, welche nach dem Erdbeben 1851 erbaut wurden, gaben ihr den Beinamen „Stadt der Tausend Fenster“.

Unsere Vorräte für die kleine Expedition ergänzen wir auf dem Wochenmarkt, auf dem Hundewelpen neben gebrauchten Fernsehern und Karotten angeboten werden.
Im nahen Cafè hole ich ein Tablett mit vier Espresso um mich für die Geduld der Gemüseverkäufer beim Fotografieren zu bedanken. „Was gefällt euch in Albanien?“, fragt uns der alte Mann.
„Die Ursprünglichkeit“, antworte ich spontan. Der Alte lacht und erzählt eine Geschichte: „Eines Tages besuchte Gott die Erde um zu sehen was die Menschen aus ihr gemacht haben. Er war schockiert. Irgendwann traf er in Albanien ein und stellte zufrieden fest: Nur hier ist alles so geblieben wie er es erschaffen hatte.“

Zum Glück fahren wir MUD-Profil

Auf schlammigen Waldpisten durch die Wälder Albaniens

Auf schlammigen Waldpisten durch die Wälder Albaniens

Etwa nach zehn Kilometer auf der SH-72 in dem kleinen Ort Vodice biegen wir auf eine kleine Piste nach Nord-Osten ab. Wenig später verlangt die Piste meine volle Aufmerksamkeit. Vorsichtig und hoch konzentriert steuere ich den etwas mehr als zwei Tonnen schweren Wagen über die schmierige erdige Piste nur eine Handbreit am Abgrund entlang. Gut, dass wir vor der Reise MUD-Profil aufgezogen haben. An jeder Weggabelung entscheiden wir neu, mal klettern wir über unwegsame, enge Gebirgspfade hinauf auf sonnige Höhen und folgen oberhalb der Baumgrenze deren Kamm.
Mal folgen wir Wasserläufen im dichten dunklen Mischwald auf zugewachsenen Pfaden. Ein Zeitlimit haben wir nicht, es ist egal ob wir drei Tage, drei Wochen oder drei Monate reisen.
Oft übernachten wir auf Lichtungen im Wald, doch mehr noch genießen wir die Fernsicht von den Höhen.

Leicht finden sich traumhafte Übernachtungsplätze in den Bergen

Leicht finden sich traumhafte Übernachtungsplätze in den Bergen

Wieder ziehen Dornenbüsche tiefe Kratzer in den Lack und grobe Steine erfordern die volle Bodenfreiheit. Knietiefe schlammige Wasserlachen in den bewaldeten Senken sind zu durchqueren. Das Furten ist jedoch nicht das Problem, sondern die von schweren Traktoren tief in den Morast gezogenen Fahrrinnen. Ich wähle eine Spur in dem ich mit der rechten Seite auf dem erhöhten Bereich der Fahrbahnmitte fahre und mit der linken Seite an der Böschung des Hohlweges.

Über hunderte von Offroad-Kilometern fahren wir durch unberührte Landschaft

Über hunderte von Offroad-Kilometern fahren wir durch unberührte Landschaft

Wir sitzen fest

Das Stollenprofil krallt sich in die Erde, Untersetzung und Allrad ist zugeschaltet, die Freilaufnaben verriegelt. Die ersten einhundert Meter meistern wir souverän, die Anspannung sinkt. Doch dann drückt ein Baumstumpf im Erdreich das Heck in die Furche und mit einem Krachen folgt die Front. Der Hyundai sitzt mit dem Unterboden komplett auf, alle vier Räder haben den Bodenkontakt verloren und drehen im Standgas frei. Ein Hi-Jack wäre jetzt Gold wert, wir haben außer einer stabilen Schaufel und einer Axt kein Schanzwerkzeug dabei. Der Boden ist zum Glück vom Regen aufgeweicht und lässt sich auch ohne Hacke nur mit dem Spaten abtragen. Schweiß läuft von der Stirn in die Augen und tropft von den Handgelenken auf den Boden. Moskitos lassen sich den Imbiss nicht entgehen. Ein zweites Fahrzeug wäre hilfreich, aber die von uns gewählte Verbindung ist so einsam, dass sie nicht einmal mehr von Einheimischen genutzt wird. Nach drei Stunden ist der Galloper freigeschaufelt.

Offroad durch unberührte Landschaft

Offroad durch unberührte Landschaft

Hier ist alles so geblieben

Es sind nur noch 14 Kilometer Luftlinie bis zu einem auf der Karte eingezeichneten See, der etwa 10 Kilometer südlich von Korça liegt. Die Waldwege bleiben schlammig, unser Allradler tanzt mit dem Heck, die Reifen werfen Schlammbrocken auf die Motorhaube. Vorbei an verlassenen Gehöften und Autowracks. Traumhafte Übernachtungsplätze bieten sich hinter jeder Biegung, doch ich will den Schlamm auf meiner Haut loswerden und im See baden. Daher geben wir Gas und erreichen im Nachmittagslicht unser Ziel. Überall gibt es kleine Fahrspuren ans Ufer. Egal für welche wir uns  entscheiden, sie endet an einem Fleckchen Erde, dass uns vor Schönheit der Atem stockt. Wir haben unser Ziel erreicht. Abends am Lagerfeuer bei einem Glas Wein denke ich an den Satz des alten Mannes: „Hier ist alles so geblieben wie Gott es geschaffen hat.“

Freies campen ist problemlos möglich

Freies Campen ist problemlos möglich


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Offroad-Reiseführer-Albanien

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Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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