Sicherheit in Mauretanien
Mauretanien

Sicherheit in Mauretanien

Die Fragen mehren sich und im Kern lauten sie:

Wie sicher ist Mauretanien?

Meine Antwort ist einfach: Ich weiß es nicht.
Nachfolgend unsere Einschätzung nach unserer Reise im Januar 2015.
Der erste Blick ist natürlich auf die Seiten des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik, der Schweiz und der Österreicher. Vom Prinzip sind die Einschätzungen gleich, ich zitiere mal die deutsche Seite zur Sicherheit in Mauretanien:

Dringende Sicherheitshinweise für die Region – Gefahr von Entführungen und Anschlägen

In den nordafrikanischen und den südlich an die Sahara grenzenden Ländern besteht eine erhöhte Gefahr terroristischer Gewaltakte, gezielter Entführungen und krimineller Übergriffe; sowohl kriminelle Banden als auch Al-Qaida im Maghreb (AQM) suchen derzeit gezielt nach Ausländern zum Zwecke der Entführung. In Algerien, Niger, Mali und Mauretanien kam es auch in jüngster Zeit zu Entführungen. Es ist, wie aktuelle Hinweise bestätigen, jederzeit mit weiteren Entführungen westlicher Staatsangehöriger zu rechnen. Gerade auch deutsche Staatsangehörige sind einer deutlich ansteigenden Anschlags- und Entführungsgefahr ausgesetzt. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in entlegene oder nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherte Gebiete der Sahara, ihrer Randbereiche und der Sahelzone eindringlich ab.

Sicherheit in Mauretanien – Terrorismus

Bei Reisen nach Mauretanien bestehen erhebliche Anschlags- und Entführungsrisiken.

Deutlich erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestehen u.a. für Ziele, an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren. In einigen Gebieten, insbesondere in der Sahel-Sahara-Region, sind Sport- und Kulturveranstaltungen wie Wüsten-Rallyes oder Musikfestivals mit erheblichen Anschlags- und Entführungsrisiken verbunden.
Die Sicherheitsrisiken für Reisende differieren von Land zu Land und sind regelmäßig selbst innerhalb eines Landes unterschiedlich zu bewerten. Das Auswärtige Amt rät daher dringend, immer auch die landesspezifischen Sicherheitshinweise zu beachten.

Landesspezifische Sicherheitshinweise (Teilreisewarnung)
Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mauretanien wird abgeraten. Vor Reisen in das Grenzgebiet zu Algerien und Mali wird ausdrücklich gewarnt. Mit weiteren terroristischen Anschlägen – auch gegen Ausländer – muss in Nouakchott und im ganzen Land gerechnet werden. Es besteht ein hohes Entführungsrisiko, insbesondere bei Reisen in der Nacht. Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) sucht immer wieder gezielt nach westlichen Staatsangehörigen zum Zwecke der Entführung.

Entführungsrisiken:
AQMI operiert zunehmend grenzübergreifend, wie jüngste Entführungen europäischer Staatsbürger in Algerien, Niger, Mali und Mauretanien zeigen. Geiseln, die u.a. in Mauretanien und Niger entführt wurden, sind in den Norden Malis verschleppt worden. Vergeltungsmaßnahmen seitens AQMI, die sich auch gegen westliche und insbesondere französische Interessen richten können, sind in der gesamten Region zu befürchten.
Mehr Informationen zur Sicherheit in Mauretanien findet man auf der Webseite des auswärtigen Amts.

Persönliche Risikoeinschätzung

Der Text macht erst einmal Angst oder zumindest Unbehagen, jedoch sind die Reisewarnungen nicht in erster Linie für Reisende geschrieben sondern decken ein breites Spektrum ab. Sie sind ebenso Entscheidungsgrundlage für Unternehmensführer, die die Entscheidung treffen, Mitarbeiter nach Mauretanien zu entsenden und für deren Wohl die Verantwortung haben.
Die Seiten geben nicht ihre Quellen und keine statistischen Zahlen an. Vielleicht hat man auch bei Anderen abgeschrieben, die eigene Interessen mit ihrer Warnung verfolgen. Ich weiß es nicht, es führt bei mir aber zu einer Relativierung des Textes.
Das im Jahr 2008 zwei Touristen erschossen wurden, ist statistisch keine ausreichende Größe, die uns schreckt. Unsere wahrscheinlichste Todesursache wird immer noch das Verbluten im Straßengraben nach einem Frontalzusammenstoß mit einem übermüdetem Bus- oder Lkw-Fahrer sein.

Ich möchte niemanden zum Reisen nach Mauretanien animieren, sehe selbst aber keinen Grund, der mich von einer Reise abhalten könnte. Dies liegt daran, dass wir nur die Verantwortung für uns haben. Unsere Tochter ist erwachsen, wir haben kein Unternehmen in dem Mitarbeiter von uns abhängig sind und wir führen keine Reisegruppe.

Sandpiste

Entführungsrisiko im Grenzgebiet zu Mali und Algerien

Lage vor Ort

Natürlich ist auch dieser Text zur Sicherheit in Mauretanien subjektiv. Es sind unsere Erfahrungen und unsere Gespräche. Natürlich haben auch die Polizisten und Mauretanier eigene Interessen, die sie mit ihren Informationen an mich verfolgen und wenn ein Polizist sagt, er habe alles unter Kontrolle, heißt das nicht, dass es auch so ist.
Die Polizei und Militärpräsenz ist in Mauretanien auf den Pisten gegenüber 2007 deutlich erhöht worden. Es finden seitens des Militärs keine für uns erkennbaren Patrouillenfahrten abseits der Pisten statt. Polizei und Militärangehörige werden angeblich besser bezahlt und haben die Anweisung bekommen, Touristen korrekt zu behandeln. In der Tat waren ausnahmslos alle Polizisten und Militärs freundlich und korrekt. Korruption und Willkür ist zwar vorhanden, aber nicht mehr gegenüber Touristen.

Die mauretanische Polizei – Gespräch mit Polizisten und Militärs im Januar 2015 – bewertet das Gebiet zwischen Nouadhibou, Choum, Oudane, Tidjikja, Kiffa, Nouakchott als sicher. Wir haben nur nach diesem Gebiet gefragt, weil wir das Grenzgebiet zu Algerien und Mali nicht bereisen wollten. Wer weiter in den Osten oder in die Grenzgebiete will, sollte sich in Atar oder Kiffa beim Militär oder Polizei nach der Sicherheit erkundigen. Ebenso wer zum Brunnen El Beyyed und weiter hinaus fahren möchte.

Es bleibt die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss:
Wenn die verbleibende Angst dazu führt, dass man hinter jeder Biegung mit einem Überfall rechnet oder dass man nachts beim einsamen Campen in den Dünen mit jedem kleinen Geräusch aufwacht, kann man dann die Reise noch genießen?

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. robin

    Hallo, ich habe Mauretanien jetzt selber 2 mal bereist und habe guten Kontakt zu Einheimischen und einem Niederländer der dort seid vielen Jahren lebt vor Ort.(Kontakt immer gewünscht, über die Website des Campingplatzes in Atar zu erreichen) http://bab-sahara.com/index.html
    Mauretanien ist sicher, bis auf das Grenzgebiet im Norden zu Algerien. Oberhalb von Zouérat sollte man sich laut angaben der Polizei nicht aufhalten da dort Gendarmerie und “Extremisten” verhandeln.
    Es gibt einen Meteoritenkrater 150Km nordöstlich von Zouérat den wir besichtigen wollten. (Tenoumer)
    Dafür hätten wir eine Genehmigung der Polizei gebraucht die wir wegen eben genannten Verhandlungen nicht bekommen haben.
    mfg
    Robin Borck

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