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Iran - Arabische Halbinsel

Iran: Reisehinweise zur Sicherheit, Dieselversorgung, Reisen im Land

IRAN Stand: 9.11.2022

Einreise in den Iran

Wir haben für die Einreise den relativ kleinen Grenzübergang bei Kapiköy gewählt.
Kommerzieller LKW-Verkehr findet hier nicht statt. Die Ausreise auf türkischer Seite ist unkompliziert, freundlich und korrekt. Die Einreise nach Iran ist freundlich und korrekt.

Zunächst wurde unser Fahrzeug von zwei Personen in Militäruniform durchsucht. Die „Durchsuchung“ war sehr oberflächlich, ein kurzer Blick in den Stauraum, ohne das Kisten ausgeräumt oder gezeigt werden mussten und ein Blick in den Wohnbereich, wobei ich zwei Schubladen öffnen musste, ein kurzer Überblick reichte den Uniformierten. Es folgte die Frage nach Waffen, Drogen und Alkohol, was ich alles guten Gewissens verneinen konnte.
Die Einfahrt in den Durchsuchungsbereich (ein Unterstand mit Schattendach) war ziemlich eng, da hier normalerweise nur PKW und Minibusse verkehren. Wer mit einem Reise-Lkw unterwegs ist, sollte die Abmessungen kennen und auf etwa drei Finger breit genau fahren können.
Wir konnten das Fahrzeug im Durchsuchungsbereich stehen lassen und wurden zum Visa-Schalter geschickt. Chaos, Menschenmengen, Durcheinander, aber kein Gedränge. Ein Beamter nahm unsere Pässe und reichte sie beim richtigen Schalter (den wir alleine nie gefunden hätten) zur Hintertür herein und brachte sie uns nach etwa 10 Minuten gestempelt zurück. (Genauer wird nur das Visa-Papier gestempelt, es erfolgt keine Eintragung in den Reisepass, damit dieser auch für eine eventuelle USA-Reise noch brauchbar ist.)
Mit dem Fahrzeug fahren wir etwa 50 Meter vor und ein Beamter stempelt das Carnet. Auch er inspiziert nochmal das Fahrzeug, scheint aber mehr Neugier an der Inneneinrichtung zu haben, als an eventuellem Schmuggelgut. Die Kontrolle ist daher innerhalb von zwei Minuten erledigt.
Insgesamt muss man für das Prozedere der Einreise mit 1-3 Stunden rechnen. An keiner Stelle wurde eine Gebühr oder aus sonstigen Gründen Geld verlangt.

Wer länger als 10 Tage in Iran bleiben möchte, muss in der nächsten Stadt iranische Nummernschilder besorgen. Bei einem Transit innerhalb von 10 Tagen ist dies nicht erforderlich. Auf dem Carnet wird vermerkt (zumindest in unserem Fall) dass man beabsichtigt, nur maximal 10 Tage im Land zu bleiben. Eine Fahrzeugversicherung kann an dieser Grenze nicht abgeschlossen werden. Wer eine Fahrzeugversicherung abschließen will, kann dies erst in der nächsten Stadt (Khoy) erledigen. Bisher waren wir 5 mal in Iran, eine Versicherungspolice wollte noch nie jemand sehen, weder bei Polizeikontrollen noch bei der Ausreise. (Es scheint, als wäre eine Versicherung keine Pflicht).

Zum Schluss öffnet sich das Grenztor und man bahnt sich seinen Weg durch geparkte Autos, Taxis und Minibusse. Da niemand mit einem LKW rechnet, muss umgeparkt und Platz geschaffen werden. Geduld und exaktes Fahren ist gefordert, bis man nach etwa 300 Metern die Landstraße erreicht.

Verkehr im Iran

Manchmal sieht man gemalte „D“-Schilder an alten LKW. Nicht weil der LKW frisch importiert wurde, sondern weil man stolz ist, einen Mercedes zu fahren.

Die privaten Pkw sind hauptsächlich Kleinwagen, die Lkws oft überladen und untermotorisiert. Daher ist das gefahrene Tempo auf den Landstraßen und Autobahnen eher moderat und übersteigt selten die 100ter Marke. In den Ortschaften brechen im wahrsten Sinne sogenannte „Speedbreaker“ das Tempo in regelmäßigen Abständen runter auf Schritttempo. Diese künstlichen Bodenwellen sind nicht immer ausgeschildert und insbesondere nachts leicht zu übersehen. Alleine deswegen würde ich Nachtfahrten vermeiden. Zudem sind Traktoren, Bagger etc. nachts ohne Licht unterwegs (auch auf der Autobahn). Ampeln gibt es selten, werden meistens beachtet. Zebrastreifen interessieren niemanden, ebenso sonstige Fahrbahnmarkierungen. Fahrbahnmarkierungen stellen eine Variante dar, wie man fahren könnte, aber jeder fährt seinen eigenen Stil. Aus drei Fahrstreifen werden in der Rushhour auch mal fünf gemacht und man zieht auch mal von der linken Spur ohne Vorankündigung auf den Standstreifen, wenn man dort am Gemüsestand noch etwas einkaufen will.
Auch wenn es für uns zunächst chaotisch anmutet, macht es nach einer Eingewöhnung Spaß, sich dort zu bewegen.

Polizeikontrollen beschränken sich auf Geschwindigkeitskontrollen und finden selten statt. Geschwindigkeitskontrollen werden in der Regel vorher mit Schildern angekündigt.

Wir sind im Land nie kontrolliert worden, oft winkten oder grüßten die Polizisten freundlich.

Dieselversorgung in Iran

Der Preis für Diesel ist extrem niedrig. Offiziell kostet er seit Jahrzehnten 3.000 Rial, was etwa 1 Cent entspricht. Diesen Preis bekommen aber nur LKW-Fahrer, die eine Tankkarte besitzen. Als Ausländer ohne Tankkarte zahlt man 6.000 Rial. Dies scheint offiziell zu sein, denn ob im Osten, Westen oder im Süden werden immer umgerechnet 2 Cent pro Liter fällig.
Nach meinem Wissen ist es als Ausländer nicht möglich, eine Tankkarte zu bekommen. Angeblich werden von Schleppern Tankkarten an der Grenze für 100 US-Dollar mit einem Kontingent von 200 Litern angeboten. Ich habe bei der Einreise den Zoll-Beamten der unser Garnet gestempelt hat danach gefragt, ihm war von solchen Tankkarten nichts bekannt.

In Grenznähe (insbesondere zur türkischen Grenze) wird manchmal Ausländern kein Diesel verkauft oder die Tankstellen sind wirklich trocken.
Ich würde nicht mit leeren Tanks einreisen, sondern mindestens für die ersten 200 km Diesel an Bord haben. (Benzin ist in der Regel immer verfügbar, aber deutlich teurer als Diesel).

Steyr 12m18 an einer Tankstelle in Iran

Steyr 12m18 an einer Tankstelle in Iran

Früher hatten auch die Tankstellenbetreiber eine Tankkarte, mit denen sie Diesel an Ausländer abgeben konnten. Dies scheint heute nicht mehr der Fall zu sein, sondern man braucht einen LKW-Fahrer, der mit seiner Tankkarte bereit ist, Diesel abzugeben. Es scheint Regionen zu geben, in denen Diesel generell knapp ist (Grenzgebiet Türkei) und man bekommt nur 50, maximal 100 Liter. In anderen Regionen (Teheran, Isfahan, Kerman) war es möglich, voll zu tanken und 600 Liter in die Tanks rauschen zu lassen. Die 600 Liter kosten dann 12 Euro.

Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass man mit US-Dollar und einem hohen Gebot von 10-30 Dollar-Cent je Liter (100 Liter 10-30 US-$) IMMER Diesel bekommt. Notfalls zapfen LKW-Fahrer mit einem Schlauch aus ihrem Tank in Kanister ab.

Fazit: Diesel tanken im Iran ist nicht so relaxt wie sonst auf der Welt, dafür aber auch nirgends so billig. Auch wenn es manchmal nervt, sei gewiss, es ist noch jeder Reisende mit seinem Dieselfahrzeug durch den Iran gekommen. Notfalls zum 10fachen Preis gegen US-Dollar.

Reisen im Land

Eine Einladung zum Frühstück am Straßenrand von einer Gruppe Bauarbeiter.

Es hat sich nichts geändert, die Iraner sind extrem freundlich und gastlich wie die Jahre zuvor. Man winkt uns zu, möchte sich mit uns fotografieren lassen und ständig werden wir zu Tee oder gar zum Essen eingeladen. Eine Einladung zum Tee nehmen wir immer gerne an, sei es von den Bauarbeitern am Straßenrand, wo die Kanne auf dem Holzfeuer steht oder von LKW-Fahrern, die eine Rast an den Garküchen am Straßenrand machen.

NIE ist uns im Iran Ablehnung entgegen geschlagen.
Gespräche über Religion und Politik meiden wir. Iraner bedauern im Gespräch eher die Situation, denn ihnen ist bewusst, dass Iran inzwischen in der Welt in einem Atemzug mit Somalia, Nordkorea und Russland genannt wird.

Während unserer Reise haben wir in drei Städten Demonstrationen gesehen, die scheinbar im Zusammenhang mit dem Tod einer Iranerin in einem Gefängnis standen. Die Demonstrationen waren von der Polizei abgeriegelt und der Verkehr wurde umgeleitet. Aus der Ferne schien alles friedlich und geordnet zu verlaufen. Wir hatten nie die Befürchtung, dass die Demonstrationen eine Gefahr für uns darstellen könnte (weder von den Demonstrierenden noch von den Sicherheitskräften). Als Reisender würde ich aber generell von Demos Abstand halten und auf keinen Fall fotografieren.
Fotografieren kann im Iran kritisch sein. Insbesondere bei der sensiblen Infrastruktur lassen wir den Fotoapparat in der Tasche, um gar nicht den Verdacht zu erwecken, man habe z.B. die Raffinerie oder die Förderplattform fotografiert, auch wenn die imposanten Anlagen mit den weithin sichtbaren Feuerschein des abgefackelten Gases ein cooles Bild wären. Gleiches gilt natürlich für Kraftwerke, militärische Einrichtungen, Brücken und und und. Im Zweifel eher nicht fotografieren als ein Verhör wegen Spionageverdacht über sich ergehen zu lassen.

Auch wenn wir wieder einmal den Iran von seiner besten Seite erlebt haben und geneigt sind „Werbung“ für eine eigene, individuelle Iranreise zu machen, will ich zum Schluss doch auf die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der B.R.Deutschland hinweisen. Dort heißt es:
Vor Reisen nach Iran wird gewarnt.
Deutsche Staatsangehörige werden aufgefordert, Iran zu verlassen.

Für deutsche Staatsangehörige besteht die konkrete Gefahr, willkürlich festgenommen, verhört und zu langen Haftstrafen verurteilt zu werden. Vor allem Doppelstaater, die neben der deutschen auch noch die iranische Staatsangehörigkeit besitzen, sind gefährdet. In jüngster Vergangenheit kam es zu einer Vielzahl willkürlicher Verhaftungen ausländischer Staatsangehöriger.

Die Ausreise aus Iran nach Irak war unkompliziert und innerhalb 90 Minuten erledigt. Unser Fahrzeug wurde (wie bei der Einreise) nicht kontrolliert.
Fazit: Nicht blauäugig, aber auch nicht verängstigt in den Iran reisen. Als Transit nach Irak (Basra) und weiter nach Saudi-Arabien, siehe Reiseplanung machbar und erlebnisreich.


4×4 expedition – desert terrain – Ausrüstung und Vorbereitung für Wüstenfahrer

Auch wenn eine Reise in die Wüste Arabiens nicht unbedingt für Anfänger geeignet ist, möchte ich doch auf unser Buch mit allem Wissenswerten zur Planung und Ausrüstung von Wüstenreisen hinweisen. Das Buch „Desert Terrain“ gibt es bei uns im Shop.

This article has 4 comments

  1. Kai

    Tolle und sehr wertvolle Beschreibung – 1000 Dank dafür. Gerade auch der Tipp mit dem Grenzübergang Kapıköy. Was das Fotografieren angeht, erinnert das an die DDR: auch dort war ein gutes Gespür für „riskante Motive“ hilfreich.
    Im Iran sind ja zZt einige YouTuber unterwegs, richtig spannend wird euer Bericht über den Irak-bis jetzt kenne ich nur einen, der aber in kurdisch-Irak war.
    Ach und könnt ihr sagen, wie es mit Benzin (nicht Diesel) aussieht? Gibt’s das ohne Karte oder andere Hindernisse?

  2. Max

    Danke für den Bericht, der mit „Stand 9.11.2022“ gekennzeichnet ist. Dass heißt inklusive dem kurzen Stück Irak gerechnet dürftet ihr wohl in den letzten Oktobertagen +/- x eingereist sein.

    Ich halte mich für keinen Hasenfuß, habe mich aber vor allem aufgrund der sehr, sehr eindringlichen Warnungen von iranischen Freunden dazu entschlossen Plan B (Irak) auszupacken.
    Es freut mich natürlich sehr, daß ihr keine Probleme hattet, würde aber aufgrund der sich momentan weiter verschlechternden Situation andere Reisende davor warnen wollen, diesen Bericht als Anregung zu verstehen es (derzeit) nachzumachen.
    Vielleicht hattet ihr nur einfach Glück nicht zur falschen Zeit jemandem in die Hände zu fallen.

    Es bleibt natürlich immer eine persönliche Entscheidung aber eine Ausreiseaufforderung kommt nicht von ungefähr.

    Euch gute Fahrt weiterhin und beste Grüße aus Erbil,
    Max

  3. Eva Schumacher

    Wir sind letzten Sonntag vom Iran in die Türkei über den Grenzübergang Kapiköy gefahren. Auf iranischer Seite brauchte man etwas Geduld. Der Grenzbereich war mit einem Tor verschlossen, es worden immer nur etwa 10 Fahrzeuge in diesen Bereich gelassen. Nach 2,5 Stunden waren wir drin. Die Ausreise ging dann relativ unkompliziert.
    Die Pässe wurden bei der Einfahrt in den Grenzbereich kassiert, nach einer Zahlung von 90 Euro ohne Beleg bekamen wir sie zurück. Die Höhe der Zahlung richtet sich nach der Größe des Tanks, unabhängig von der Füllmenge. Unser Tank fasst 95 Liter.
    Die Einreise in die Türkei war unkompliziert.

  4. Heinz

    G‘ Moje ussm Seejerland,
    hätte nicht gedacht, dass man derzeit so unkompliziert durch das Land fahren kann. Es ist sicherlich in Eurer Erfahrung begründet, eine solche Reise in der momentanen Zeit durchzuführen. Bleibt gesund.
    Nodda
    Heinz

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