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Iran - Arabische Halbinsel

Irak – Grenzprozedere

Transit von Iran nach Kuwait durch Irak

Die Sicherheitslage in Irak hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Inzwischen ist nur noch ein kleiner Teil des Iraks entlang der syrischen Grenze problematisch.

Für Overlander ergibt sich so eine interessante und relativ preiswerte Möglichkeit, auf die arabische Halbinsel zu reisen. Von der Türkei über Iran nach Irak, weiter nach Kuwait und schlussendlich nach Saudi-Arabien. Alternativen zu dieser Strecke habe ich hier aufgeführt. Anreise nach Saudi-Arabien für Overlander

Ausreise Iran

Die Grenze öffnet etwa gegen 8 Uhr Ortszeit. Kurzer Check des Passes am Eingangstor, andere Reisende berichten, dass hier auch schon ein kurzer, oberflächlicher Blick in die Stauräume und in den Wohnaufbau geworfen wurde. Wir parken vor der modernen und großen „Departure-Hall“. Hier bekommen wir innerhalb weniger Minuten die Ausreise in den Pass gestempelt. Andere Reisende berichten, dass sie hier von einem Beamten bei Tee zu ihrer Iranreise verhört worden seien.
Anschließend fahren wir zum Zollgebäude und bekommen das Carnet ausgestempelt. Der Zollbeamte kommt mit zum Fahrzeug und vergleicht Nummernschild sowie die Fahrgestellnummer.
Eine Fahrzeugkontrolle fand bei uns nicht statt, ich musste noch nicht einmal die Türe zum Wohnaufbau öffnen.
Eine Kopie vom Reisepass, vom Carnet und vom Visum werden gemacht und aneinander getackert. Damit geht es zum Ausgangsgate. Das Gelände ist unübersichtlich, mehrere Baustellen, sodass kein Mensch was findet. Jedenfalls verfahren wir uns auf dem Gelände und eiern kreuz und quer. Ein Militärjeep kommt zur Hilfe und leitet uns zum Ausgangsgate.
Hier geben wir die Kopien ab und alles wird in ein dickes Buch eingetragen. Der Grenzer spricht mit seinem Kollegen auf der irakischen Seite, denn es gibt hier keinen neutralen Streifen. Die beiden Grenzzäune stehen in einem Abstand von 10 Zentimeter und so muss zur Ausreise das iranische und das irakische Tor gleichzeitig geöffnet werden.
Die Ausreise aus Iran war korrekt, freundlich und unkompliziert. Die Beamten alle hilfsbereit. Das Prozedere dauerte insgesamt etwa eine Stunde. Es fielen keine Gebühren oder irgendwelche Kosten an. Schlepper und Helfer gab es an der Grenze nicht, man braucht auch keinen „Fixer“ weil die Abläufe auf iranischer Seite relativ klar strukturiert und die Beamten einem immer gut den nächsten Schritt und den Weg zum nächsten Büro erklären.

Einreise Irak

Die erste Frage, die der adrett gekleidete Torwächter stellt lautet: „Money, Dollar, Dollar.“
„Nix Dollar“, ist meine Antwort und umgehend folgt von ihm: „Go back Iran.“
Okay, dann lassen wir es gleich am Eingangstor eskalieren, denke ich mir, lasse ihn einfach stehen und parke den Steyr am Rand. Wenige Minuten später ist das Missverständnis von seinem Chef, der besseres Englisch spricht, geklärt. In Irak wird eine Straßenbenutzungsgebühr und Visa-Gebühr fällig, die in US-Dollar gezahlt werden muss. Es gibt auf dem Zollgelände kein ATM, der Dollar ausgibt. Wer keine Dollar-US hat, muss diese in Iran besorgen. Ich greife in meine Hosentasche und zeige ihm mein Bündel mit 50iger Dollarnoten. Beim Anblick der Dollarnoten kommt von beiden wie aus einem Munde: „Welcome to Irak“.

Ich parke den Steyr etwas platzsparender und wir laufen in die Richtung, die der Zöllner mit den Worten „Visa“ gezeigt hat. Das irakische Visum gibt es für deutsche Staatsbürger bei der Einreise an der Grenze. Aber nicht in der „Arrival-Hall“, sondern in der „Departure-Hall“. Nicht direkt in der Departure-Hall, sondern hier ist der zuständige Beamte, der uns ins Büro der Visa-Abteilung bringt.
Wir werden ins Büro gebeten und warten. Ich weiß nicht genau auf was und warum aber nach etwa 5 Minuten geht es weiter. Wir füllen einen Zettel aus, den er auf einen anderen Zettel abschreibt und diese Daten nochmals in ein dickes Buch einträgt und sie nochmal in den Computer eingibt. Es dauert. Wir haben den Eindruck, der Visa-Spezialist füllt heute zum ersten Mal die Zettel aus.

Ein weiterer Beamter wird gerufen, der den Schlüssel zum Tresor hat, in dem die Visa-Aufkleber und die Siegel verschlossen sind. Hektik bricht aus. Zettelstapel, die sich auf seinem Schreibtisch türmen, werden durchsucht. Wir werden hinaus gebeten und sollen in der Halle vor seinem Büro warten. Es scheint, als stimmten die Visa-Nummern auf den Aufklebern nicht mit den Nummern in seinem Buch überein. Es scheint als seien Visa vergeben, die nirgends registriert wurden. Wir warten. Weitere Beamte eilen zu seinem Büro und durchsuchen die Zettelstapel. Uns werden Wasserfläschchen und Tee gereicht. Endlich, das Visum ist im Pass, und 76 US-Dollar pro Person wandern in eine Pappschachtel im Tresor. Jetzt zur „Arrival-Hall“ auf der anderen Seite des Geländes und das Visum stempeln lassen und in einer anderen Blechbaracke vom Visum eine Kopie machen lassen. Zur nächsten Baracke am westlichen Ende und die Kopie durch einen Stempel beglaubigen lassen.
Nun zum Zoll, das Carnet stempeln lassen. Die Grenzstation mutet eher an einen afrikanischen Slum als an eine Grenzstation eines Öllandes an. Man läuft durch Staub, Dreck und Müll. Die alten Container sind nicht beschriftet oder nur in arabisch, wir fragen uns durch. Alle Beamten sind freundlich und hilfsbereit. Immer wieder wird uns Wasser angeboten. Wieder die übliche Prozedur. Zettel ausfüllen, das Ganze in Bücher eintragen, Kopien machen und beglaubigen lassen.
Zur nächsten Baracke und 100 US-Dollar Straßenbenutzungsgebühr zahlen. Natürlich das gewohnte Prozedere, Kopien, Stempel und Kontrollstempel der Beglaubigung bei „Achmed“ machen lassen.
Wir suchen „Achmed“, bekommen den Hinweis, dass wir ihn bei „Gumrück“ finden. Wir finden seinen Container, müssen warten, denn er ist gerade zum Beten.

Eine KFZ-Versicherung ist obligatorisch und kostet 25 US-Dollar, keine Ahnung wie lang sie gültig ist und was sie abdeckt. Wir zahlen für unseren Steyr den selben Betrag wie Reisende mit einem Land Cruiser. Zudem wird eine Verwaltungsgebühr von 25 Dollar fällig. Ich weigere mich, die Verwaltungsgebühr zu zahlen. Ich mache es kurz: Ein hoher Beamter, den ich anspreche weil er viele Streifen auf der Schulter hat, sagt in perfektem Englisch, es gäbe keine Verwaltungsgebühr, die Versicherung sei jedoch Pflicht. Zurück in Baracke 26 lasse ich es eskalieren und verweigere die Verwaltungsgebühr. Der Chef wird gerufen und der Chef vom Chef. Dieser, alle in Zivil gekleidet, betritt kurz die Baracke und stellt zwei Möglichkeiten zur Wahl: „Pay or go back to Iran.“ Dann ist er auch schon wieder verschwunden. „Okay, ich zahle gegen Quittung.“

50 US-Dollar wandern aus meiner Tasche in die Tasche eines Beamten, der diese bei der Bank in irakische Dinar eintauscht, den Beleg kopiert und mit dem getauschten Geld die Versicherung abschließt und bezahlt, jeweils in anderen Baracken. Von der Versicherung werden Kopien gemacht und wieder mit Stempel beglaubigt.
Die Quittungen kann ich nicht lesen, sie sind auf arabisch ausgefüllt.
Mit den Papieren geht es dann zur Fahrzeugdurchsuchung, die ein weiterer Beamter bescheinigen und ein weiterer beglaubigen muss. Natürlich jeweils in anderen Containern.
In unser Fahrzeug schaut niemand hinein, ich muss nicht mal die Türe öffnen, dennoch wird bestätigt und beglaubigt. Mir soll es recht sein.
Alle Papiere und Stempel sind jetzt vorhanden, bis auf die Verwaltungsgebühr. Man zeigt mir zwei Quittungen über die Versicherung in Dinar und die Verwaltungsgebühr, doch das ist die Umtauschquittung über 24 US-Dollar der Bank. Niemand versteht mein Problem, alle meinen, ihr Englisch sei zu schwach. Abgesehen davon ist alles erledigt, ich könne doch jetzt einfach gehen.
Keine Chance, lediglich 2 US-Dollar bekomme ich zurück, weil ich eine arabische vier von einer fünf auf der Quittung unterscheiden kann.
Fertig sind wir jedoch noch lange nicht. Der Zettelstapel muss noch vier mal kopiert werden und eine Kopie beim Eingangsgate abgegeben werden. Eine Kopie muss zu „Achmed“, eine Kopie zum Zoll, eine Kopie brauche ich am Ausgangsgate.
Das Tor öffnet sich und wir sind in Irak. Die Sonne geht zu diesem Zeitpunkt unter.

Insgesamt sind wir 3,2 km zu Fuß gelaufen, um alle Papiere und Stempel für die Einreise nach Irak zusammen zu haben. Ich habe aus Spaß mal unseren Fußweg getrackt.

Basra

Wir fahren wenige Kilometer, biegen auf eine Nebenstraße ab und halten am Straßenrand für die Nacht. Diese ist ruhig und ungestört.

Nach Kuwait sind es nur 90 Kilometer über die gute Stadtautobahn durch Basra. Das Leben in Basra verläuft normal. Geschäfte haben geöffnet, das von weitem sichtbare Riesenrad dreht sich im Vergnügungspark, Straßen werden gefegt und die Ambulanz versucht sich mit Sirenengeheul einen Weg durch den morgendlichen Stau zu bahnen. Erfolglos. Wir überqueren die gigantische Brücke über den Schatt al-Arab (Zusammenfluss von Euphrat und Tigris), danach wird der Verkehr weniger und die Tachonadel erreicht die 80iger Marke.

Normales Leben in Basra.

Wir haben uns Basra nicht angesehen, sind nur im Transit durchgefahren, daher nur ein paar „Knipsbilder“ aus dem fahrenden Steyr.

90 Minuten später stehen wir an der Grenze Irak / Kuwait, das wird die nächste Geschichte.

In Irak haben wir keine Militär- oder Polizeifahrzeuge gesehen. Es gab in Basra keinerlei Kontrollen. Wir fühlten uns absolut sicher.
Beim Gespräch mit einem Polizisten auf dem Zollgelände meinte dieser, dass unsere geplante Strecke für den Rückweg (Kuwait – Irak – Türkei) über Basra, Bagdad, Erbil sicher zu befahren sei und es für uns keine Probleme geben sollte.

Fazit Einreise Irak

Die Einreise nach Irak gestaltet sich langwierig. Man sollte für den Grenzübertritt den gesamten Tag einplanen. Die Beamten sind hilfsbereit und freundlich. Die Kosten belaufen sich auf:
76 US-$ für Visa p.P.
100 US-$ Straßenbenutzung
24 US-$ Versicherung
24 US-$ Verwaltungsgebühr
Insgesamt haben wir bei der Einreise 300 US-$ gezahlt.
Ein Fixer ist nicht nötig, es geht mit ihm nicht schneller und wird auch nicht billiger, eher im Gegenteil.

Dieses Grenzprozedere muss auch die Inspiration für diese Geschichte geliefert haben:

This article has 2 comments

  1. Kai

    Tolle Beschreibung, vielen Dank dafür, insbesondere auch, dass ihr auch Erfahrungen anderer mit abbildet. „Gumrück“ (eigentlich gumruk, جمرك) bedeutet Zoll 😉
    A38 kannte ich gar nicht, hab mich weggeschmissen: GENAU SO ist das in Ägypten zumindest…

  2. Carsten

    Passierschein A38 – ein Klassiker. Herrlich 🙂

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