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Landweg nach Indien

Karakorum-Highway

Auf dem Karakorum-Highway

Wir sind auf dem Weg zur chinesischen Grenze. Nicht nach China, sondern nur mal über den Zaun schauen und Sabine möchte unbedingt den Nanga Parbat sehen.
Der Highway ist in Wirklichkeit ein kleines knapp zweispuriges kurvenreiches Sträßchen, auf dem die Tachonadel selten über die 40iger Marke hinaus geht.
Zelte im ErdbebengebietZunächst geht es durch das Erdbebengebiet von 2005. Überall sieht man Zeltstädte des Roten Kreuzes und chinesischer Hilfsorganisationen. In Hallen lagern Hunderttausende von Getreidesäcken, hauptsächlich aus USA.In Batagram gehen wir durch die Straßen. Die Menschen sind überaus freundlich, oder besser die bärtigen Männer, Frauen sehen wir auch hier nicht. Ein Restaurantchef möchte, dass wir unbedingt in sein Lokal kommen. Normalerweise nerven mich die Schlepper, aber hier habe ich Mitleid und gönne ihm das kleine Geschäft das er mit mir machen kann. Wir bestellen das Tagesgericht und Tee. Beim Abschied nimmt er mein Geld nicht an. Wir seien seine Gäste. Das Gleiche passiert uns am Nachmittag bei der Teepause in einem anderen Restaurant. Ab jetzt kläre ich vor der Bestellung, dass wir auch zahlen.
Am nächsten Tag treffen wir einen Deutschen, der für das belgische Rote Kreuz arbeitet und wir unterhalten uns eine Weile auf der Straße.
Dann sagt er plötzlich: „So, ihr solltet jetzt die Stadt verlassen und ich muss zurück ins Lager.“
„Warum?“ frage ich.
„Heute ist Freitag, in knapp zwei Stunden gehen sie zur Predigt in die Moschee.“
„Aber die sind doch alle so freundlich.“
„Die Freundlichkeit kann trügerisch sein“, sagt er. „Bei allen ausländischen Hilfsorganisationen gibt es Freitagnachmittag ab 14 Uhr eine Ausgangssperre für die Mitarbeiter. Erst wenn die Predigt vorbei und analysiert ist, wird die Ausgangssperre aufgehoben oder verschärft.“

Nanga ParbatZwei Tage später sehen wir den über 8000 Meter hohen Nanga Parbat, leider führt die Straße im Norden vorbei, so das er ständig im Süden zu sehen ist, das bedeutet ständig Gegenlicht und somit nur mittelmäßige Fotos. Einige Hundert Kilometer später sind wir im Hunza-Tal und haben einen tollen Blick auf die Gletscher des Rakaposchi.

Hunzatal

Im Hunza-Tal fühlen wir uns wohl. Die Glaubensrichtung hier ist liberal und tolerant. Frauen sind auf der Straße und teilweise auch ohne Kopftuch. Mädchen besuchen die gleichen Schulen wie die Jungen und bis vor kurzem durfte der Muezzin keine Lautsprecher an der Moschee verwenden.

IndusAuf der Landkarte ist eine kleine Straße zu sehen, die auf die Rückseite des Nanga Parbat führt. Das letzte Stück dürfte nicht schmaler für unseren Deutz sein.
Leider ist der Berg völlig in Wolken und ich verzichte aufs Fotografieren.
Vom Tourismus bekommen die Menschen hier scheinbar nichts ab. Sie leben in ihren Hütten ohne elektrischen Strom und holen ihr Wasser in Eimern aus dem Fluss.
Das Thermometer sinkt Nachts in Richtung Gefrierpunkt.
Am nächsten Morgen ist das Dorf wieder um unser Auto versammelt. Barfuss und in löchrigen T-Shirts warten sie frierend auf unser Erscheinen am Fenster.
Selten hatten wir soviel Mitleid und verschenken den größten Teil der Kleider, die uns Anja mitgegeben hat. Der einzig Englisch sprechende bekommt die Aufgabe alles so zu verteilen, das jede Familie ein Kleidungsstück bekommt. Er macht seine Aufgabe sehr gewissenhaft und gut.
Nach zwei Tagen sind wir von unserem Ausflug auf die Südseite des Nanga Parbat zurück und fahren wieder nach Islamabad auf die Campsite.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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