Warenkorb

Ratte in der Falle
Landweg nach Indien

Islamabad – Ratte im Auto

Wir sind immer noch auf dem Camp in Islamabad.
Nachts um drei werde ich wach. Es raschelt im Auto. Sabine wird ebenfalls wach.
„Was ist das?“
„Keine Ahnung, aber jetzt ist es ruhig.“
„Da – jetzt wieder. Das kommt aus dem Mülleimer. Steh auf und guck mal.“
Also steh ich auf und öffne den Mülleimer.
Ich sehe nur noch ein faustgroßes etwas davon huschen. Ich öffne die Sitztruhe und leuchte mit der Taschenlampe. In der hintersten Ecke guckt ein langer Schwanz hervor. Eindeutig der einer Ratte.
Ich schließe die Truhe und gehe zurück ins Bett.
„Mach doch was“, sagt Sabine aufgeregt.
„Was soll ich machen? Soll ich die Ratte mit den Händen fangen? Morgen kaufe ich eine Falle. Schlaf jetzt wieder.“
Die Ratte macht Krach. Mal raschelt es im Lebensmittelschrank, mal unter dem Podest. Aber irgendwann schlafe ich doch wieder ein.
Am nächsten Morgen gehe ich in die Stadt. Beim Metallwarenhändler schildere ich mein Problem, was in der ganzen Gasse für Gelächter sorgt.
„Willst du eine Rattenfalle oder einen Rattenkiller?“
Er zeigt mir einen Drahtkäfig mit dem man Mäuse und Ratten lebend fangen kann und eine Metall-Schnapp-Falle, die aussieht wie eine kleine Bärenfalle.
„Ich nehme den Rattenkiller.“
Beim Auto angekommen lege ich den Köter auf den Auslöser und spanne den Bügel.
„Booh, geht der Bügel schwer. Wenn da die Ratte zwischen kommt spritzt es im ganzen Auto rum“, sage ich zu Sabine.
Unser Nachbar Walter hat zum Glück einen Drahtkäfig dabei, auch er hatte schon öfters Mäuse im Auto.
Ich räume alle Kisten aus dem Auto und Sabine wäscht alles Geschirr und alle Kisten aus. Zum Glück ist unser Lebensmittelschrank rattensicher und so konnte dort kein Schaden angerichtet werden.
Ich stelle den Käfig mit Tomate unter das Podest und nach 10 Minuten ist die Ratte gefangen.
Alle Anwesenden bestaunen den Fang. Sabine putzt die Schränke aus. Die Ratte hat doch einigen Dreck hinterlassen und macht einen ganzen Tag lang Arbeit.
Ich mache mich auf in den Stadtpark, um die Ratte frei zu lassen. In den gegenüberliegenden Restaurants wird sie sicherlich ihr Auskommen haben.

Metzgergasse in Islamabad

Metzgergasse in Islamabad

Die nächste Ratte

In der folgenden Nacht träume ich, dass es raschelt und eine Ratte im Auto sei. Zum Glück wache ich auf und der Alptraum ist vorbei. Doch dann höre ich es unter dem Podest rascheln.
Kein Alptraum, sondern im richtigen Leben.
„Sabine, wach auf, die Ratte ist zurück.“
Sabine hört das Tapsen des Nagers und beginnt zu heulen.
Ich stehe auf und räume alles aus den Kisten auf den Tisch, um nicht wieder alles putzen zu müssen. Um drei Uhr in der Nacht wecke ich Walter, der mir seinen Käfig erneut leihen muss.
Aber die Ratte geht nicht rein. Irgendwann schlafen wir trotz des aktiven Nagers ein. Erst nach dem Frühstück kommt Sabine freudig mit der gefangenen Ratte aus dem Auto. Ich bringe sie wieder in den Stadtpark. Die Ratte war aber etwas kleiner als die vom Vortag, also nicht das selbe Tier.
Man würde es nicht glauben, aber alle Anwesenden vom Camp können es bezeugen, in der folgenden Nacht hatten wir die dritte Ratte im Wagen. Inzwischen ist es Gewohnheit. Kisten ausräumen, alles rattensicher machen und Falle ausleihen.
Aber die Ratte ist clever. Sie stielt das Futter aus der Falle, ohne hinein zu gehen. Ich gehe wieder zu den Handwerkern und kaufe mir meine eigene Falle, einen Catcher, der etwas größer ist, so dass die Ratte hinein muss, um an die Traube zu gelangen.
Die Ratten kamen durch einen kleinen Tunnel im Faltenbalg des Durchgangs und dann durch eine Kabeldurchführung in den Schuhschrank und von dort in den Innenraum der Wohnkabine. Die Wohnkabine ist inzwischen rattendicht, jedoch ist der Faltenbalg noch unsicher. Daher bauen wir vorsorglich jeden Abend die Rattenfalle im Führerhaus auf und tatsächlich fangen wir fünf Tage später in Indien unsere vierte Ratte.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.