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Es ist nicht Karneval, sondern der tägliche Stadtbus.
Landweg nach Indien

Pakistan

Die Strecke durch Belutschistan

Die Strecke durch Belutschistan

Die Strecke von der iranisch – pakistanischen Grenze bis nach Quetta, entlang des afghanischen Grenzgebietes, gilt als gefährlich. Daher übernachten wir nicht wie sonst draußen, sondern auf dem Gelände des Gästehaus des kleinen Städtchens Dalbandin. Den Weg zeigt uns ein junger Mann, der perfekt Englisch spricht. Er lädt uns zum Tee ein.
Nach dem Tee wollen wir in der Stadt Obst und Gemüse einkaufen.
„Deine Frau bleibt besser auf dem Gelände des Gästehauses, Frauen gehen hier nicht auf die Straße.“
„Das ist doch quatsch.“
„Ja, aber hier sind alle sehr ungebildet, sie kann mit kommen, aber besser sie bleibt hier. Hier ist Frauen jede Unterhaltung verboten. Frauen dürfen kein TV sehen und nicht Radio hören und ihr Haus nicht verlassen, nur als Tote.“
Sabine schreibt einen Einkaufszettel und wir machen uns auf den Weg. Das Zentrum ist vielleicht 200 Meter entfernt.
Tatsächlich, ich sehe keine einzige Frau, noch nicht mal in eine Burga verpackt.
Überall nur Männer mit langen Bärten und Kinder. Der Straßenverkehr ist völlig chaotisch, es scheint keine Regeln zu geben. Ich muss höllisch aufpassen, um nicht im selbigen zu enden.
Wir erreichen die Obst- und Gemüsestände. Es ekelt mich an. Die Trauben und Äpfel sind schwarz von Fliegen, genau wie die vergammelten Bananen. Der Händler wedelt mit der Hand und tausende von Fliegen erheben sich und geben den Blick frei auf angegammeltes Obst. Dazu ein Gestank von Fäkalien, der bei mir Brechreiz auslöst. Aber ich kann mich beherrschen. Unter den Marktständen fließt langsam das schwarze Abwasser in einer Rinne und verursacht den Gestank.
„Wir haben hier keine Kanalisation, viele Häuser haben keine Toilette. Nur die Häuser hier im Zentrum haben ein Klo.“
Das Abwasser und die Fäkalien fließen aus einem Rohr aus dem Haus direkt auf den Gehsteig und dann in einen offenen Graben an der Straße entlang.
Gelegentlich ist der Graben unterbrochen und die Gülle fließt direkt auf die Straße. Ich versuche diesem stinkendem Rinnsal so gut es geht auszuweichen, die Langbärtigen laufen in ihren Badeschlappen mittendurch. Ekelhaft.
Der Einkauf wird kürzer als gedacht, ich kaufe nur ein paar Kartoffeln und Eier.
An einem Baum haben Kinder eine kleine Katze mit einer Schlinge aus Schürsenkel um den Hals aufgehangen. Die Katze zappelt, kann sich aber nicht befreien. Die Kinder stehen zirka fünf Meter entfernt hinter einer Linie und werfen mit Steinen auf das Tier.
„Die spielen Steinigung.“
Nach ein paar Minuten zappelt die Katze nur noch bei Treffern.
Am nächsten Tag liegt die Kreatur tot auf dem Gehsteig und die Bärtigen laufen darüber hinweg.
Wir laden unseren Führer, den jungen Pakistani zum Abendessen ein. Kartoffeln und Gemüse aus der Dose.
Er ist sehr gebildet, kann fast alle Nobelpreisträger aufzählen und hat von vielen deren Werke gelesen. Er studiert in Quetta Soziologie und Politik.
„Warum ist das Gebiet für uns so gefährlich?“, will ich wissen.
„Weil hier alle ungebildet und fanatisch sind. Die meisten gehören zur Volksgruppe der Taliban und leben in deren Strukturen. Gefährlich ist es für Ausländer immer dann, wenn es zu Fehlverhalten kommt. So sind männlichen Ausländern schon zwangsweise auf offener Straße die langen Haare abgeschnitten worden, oder Frauen ohne Schleier mit Farbbeutel beschmissen worden. Gefährlich wird es auch, wenn nach dem Freitagsgebet der Mob aufgehetzt wird. So sind letztes Jahr die Hütten und Geschäfte der Hindus angezündet worden. Heute lebt die kleine Minderheit unter Polizeischutz am Rande der Stadt. Vor einigen Monaten sind Touristen erschossen worden wegen der Karikaturen in Dänemark, daraufhin wurden die europäischen Touristen von der Polizei vom Gästehaus ins Gefängnis gebracht und eingesperrt, auch Deutsche. Dem Mob hat man gesagt, man würde sie wegen der Karikaturen inhaftieren, in Wirklichkeit war es nur zu deren Schutz. Am nächsten Tag wurden sie zur Grenze eskortiert.“
„Aber in Pakistan ist die Religionsfreiheit im Gesetz verankert.“
„Ja, das Gesetz gilt vielleicht in Islamabad, aber nicht hier. Hier gilt was der Mullah sagt.
Ich zum Beispiel bin kein Moslem. Ich bin ein Ungläubiger, dass darf aber keiner wissen sonst bin ich am nächsten Tag tot. Gesteinigt wie die Katze.“
„Aber man wird denjenigen verurteilen!“
„Es wird keine Anzeige geben. Hier glaubt niemand, dass es Unrecht ist, einen ungläubigen umzubringen und wer Anzeige erstattet, ist der Nächste. Auch letztes Jahr, als viele Hindus mit Knüppel erschlagen oder erschossen wurden, gab es keine einzige Verurteilung.“
„Waffen gibt es hier zu kaufen?“
„Die Grenze zu Afghanistan ist nur wenige Kilometer. Dort und auch hier kannst du jede Waffe kaufen die es gibt, na ja Atombomben nicht, noch nicht. Wenn du willst kann ich dich zu einem Waffenmarkt führen. Die Taliban stammen hier aus diesem Gebiet, von daher gibt es viele verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan. Diese Beziehungen werden für den Schmuggel von Rauschgift und Waffen genutzt.“
„Die Regierung tut nichts dagegen?“
„Die Regierung hat andere Probleme. Die Amerikaner kennen die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan und wissen, das Bin Laden und sein Gefolge sich leicht nach Pakistan zurückziehen und verstecken kann.
Unser Präsident hatte die Wahl: Amerika als Feind oder sein Volk als Feind.
Wenn er jetzt auch noch den einträglichen Drogenschmuggel stören würde, kann er sich gleich selbst umbringen.“
„Und du bist ungläubig, wie kommt so etwas?“
„Ich bin aus der Art geschlagen, für mich sind Menschenrechte sehr wichtig und die Trennung von Religion und Staat, so wie bei euch in Deutschland. Ich glaube das es einen Gott gibt, aber mehr nicht. Vielleicht bin ich ein Jude, ich hätte gerne Kontakt zu einem Juden, aber hier wird wohl niemals ein Israeli her kommen.“
Spät in der Nacht verabschieden wir uns und verabreden uns für den nächsten Tag. So bleiben wir zwei Tage obwohl es in dem Ort nichts gibt, was einen Aufenthalt rechtfertigen würde.

Polizeieskorte

Polizeieskorte barfuß in Schlappen auf dem Moped

Auf der Strecke nach Quetta werden wir eskortiert, mal von Polizeiwagen, dann von einem Ambulanzwagen, aber meist von unbewaffneten Polizisten in Badeschlappen auf einem Moped, das nicht schneller als 40 km/h fährt.

Als wir Quetta verlassen ist es der erste Tag nach Beendigung des Fastenmonats Ramadan. Alle feiern und so sind alle Checkpoints auf den Straßen verwaist und auch unsere Bodyguards sind nicht zu sehen. Wir fahren die angeblich verbotene Strecke nach Zhob. Die Strecke ist besser ausgebaut, verläuft aber dicht an der afghanischen Grenze.

Gebirgspiste entlang der afghanischen Grenze

Gebirgspiste entlang der afghanischen Grenze

Islamabad

In Islamabad fahren wir auf das Foreigner-Tourist-Camp nahe des Diplomatenviertels. Hier trifft sich alles was nach Indien will, um das Visum zu organisieren und wir treffen die ersten europäischen Touristen seit der Türkei. Die Tage vergehen wie im Flug.
Meinten wir vor einigen Tagen noch, der Iran sei preiswert, so müssen wir dies korrigieren.
Hier kann man für die Hälfte der iranischen Preise im Restaurant essen. Die Tagessuppe kostet sieben Euro-Cent und für 40 bis 80 Cent wird man satt.

Foreigner-Tourist-Camp

Kostenloses campen auf dem Foreigner-Tourist-Camp in Islamabad

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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