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Landweg nach Indien

Hilfe nur gegen Vorkasse

Hilfe nur gegen Vorkasse

Überall in Nepal findet man große Hinweisschilder verschiedenster Hilfsorganisationen, die sich ihrer guten Taten loben. Alle namhaften Organisationen sind hier vertreten.
In einem Hotel treffen wir beim Abendessen ein Paar, das für zwei Jahre in Nepal für eine Organisation arbeiten wird und nun eine dreiwöchige Schulung in Kultur und Sprache bekommt. Zuvor waren sie zur Ausbildung in Tansania, wo es ein Trainingscamp für 300 Volontäre gibt, die danach in verschiedene Länder geschickt werden.
In Pokhara gehen wir Abends immer in den Biker-Club Busy Bee, hier wird live fetzige Rockmusik gespielt und mir gefällt die Bee, welche die Getränke bringt.
An einem Abend liegt eine Flyer auf dem Tisch: Helfen Sie mit ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung die Zivilisation Nepal voran zu bringen. Dazu schöne Bildchen ein ansprechender Text und Sabine und ich sind uns schnell einig: Warum nicht mal unterwegs arbeiten, für ein Hilfsprojekt natürlich kostenlos, ohne unsere Dienstleistung in Rechnung zu stellen. Neue Erfahrungen und Kontakte sammeln.
Also den Manager der Organisation angerufen und ein Gesprächstermin vereinbart.
150 Volontäre arbeiten für die Organisation aus allen Herren Ländern.
Welche Erfahrung wir haben und über welches Wissen wir verfügen will er wissen.
Da sind wir auch schon beim ersten Problem: Wir können und wissen eigentlich nichts.
Wie wir der Organisation helfen könnten?
Nun, wir könnten die Zielerreichung in den verschieden Projekten dokumentieren und analysieren, dazu ein Hilfsinstrument entwickeln, das die Kontrolle über die Zielerreichung vereinfacht und so die Effektivität der geleisteten Hilfe transparent macht und die Planungssicherheit der nächsten Projekte erhöht. Wir könnten die Verwaltung analysieren und gegebenenfalls rationalisieren.
„Wie sieht den die Zielsetzung der Organisation genau aus?“, wollen wir nun wissen.
Da sind wir auch schon beim zweiten Problem: Die Organisation hat gar keine klaren Ziele definiert. Nur schwammiges gibt der Manager von sich. Schwafelt immer von Hilfe und schrecklich armen Menschen. Aber in der Verwaltung versichert er uns, läuft alles hoch effizient, da gibt es keinerlei Handlungsbedarf. Aber wir könnten in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden und über AIDS aufklären, oder in der Schule über Basishygiene informieren, oder die Bevölkerung über die Ursachen und Wirkung der Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung informieren. Es gibt viele Projekte, in denen wir nützlich sein könnten.
„Okay, wir machen das. Zum Schluss nur noch ein paar Fragen: Für wie lange müssen wir uns verpflichten, können wir mit unserem Deutz an einer Schule oder beim Krankenhaus parken und dort Wasser und Toilette nutzen, gibt es eine Aufwandsentschädigung für Transport, Unterrichtsmaterial etc.?“ (das haben wir in Mali gelernt: Nie Hilfe kostenlos anbieten. Erst wenn der gegenüber bereit ist für Hilfe zu zahlen (kleinste Beträge) ist er wirklich an der Hilfe interessiert bzw. braucht sie dringend. Dann kann man immer noch zum Schluss auf das Honorar verzichten.)
„Ihr könnt zwei Wochen oder vier Wochen bei uns arbeiten. Zunächst bekommt ihr eine kleine Einweisung in die Sprache, Sitten und Religion. Untergebracht werdet ihr in den Orten direkt bei den Familien und ihr könnt bei den Familien mit essen.“
„Okay, und wie werden Auslagen abgerechnet?“
„Ihr zahlt einen kleinen Beitrag, davon werden die Auslagen bezahlt, euer Essen in den Familien und eure Unterkunft in den Familien.“
„Sorry, Sir, mein Englisch ist very bad, ich habe verstanden ich muss was zahlen, habe ich da richtig gehört?“
„Ja, nur einen kleinen Betrag, für die armen Familien bei denen ihr esst und wohnt.“
„Wie hoch ist der Beitrag?“
„250 Euro pro Person wenn ihr zwei Wochen helfen wollt und 400 Euro wenn ihr vier Wochen helft. Das sind dann 500 oder 800 Euro, wirklich nicht viel für Europäer.“
Unsere Entscheidung steht fest, wir behalten unser Wissen, unsere Erfahrung und unser Geld, und seine Visitenkarte, good bye.
In Pokhara zeige ich einigen Leuten die Visitenkarte, keiner kennt ihn. In Sarankot, einem kleinen Ort in den Bergen treffe ich endlich jemand der ihn kennt.
„Ja, den kenne ich, das ist hier der Schulleiter.“
„Ist der Reich?“, will ich wissen.
„Ja, sehr reich.“
„Woher?“
„Keine Ahnung.“
Ich schenke ihm den Flyer aus und die Visitenkarte.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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