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Dorf in Westafrika
2020 Mali - Guinea

Mit dem Expeditionsmobil unterwegs in Mali

Mali: Von Kayes nach Bamako

Getreu unserer Devise, lieber auf einer guten Nebenstrecke fahren, als auf einer mit Schlaglöchern übersäten Hauptstraße zu holpern, wählen wir für die Fahrt von Kayes nach Bamako die Route über  Manantali und Kita nach Kayes.

Ich erinnere mich an unsere erste Reise nach Westafrika und frage Burkhard: „Hast du geglaubt, dass wir noch mal die Strecke Kayes – Kita fahren?“

„Nee, niemals, man war das eine Scheiße, das war ja mehr ein Mopedpfad. Das war doch da, wo ich mehrmals die Säge rausholen musste.“
„Keine Angst, damals müssen wir irgendwo falsch abgebogen sein, diesmal habe ich genau recherchiert, da kommen wir durch“, sage ich.

Damals, jetzt schon 12 Jahre her, waren wir mit der altbewährtem Michelinkarte „Westafrika“, Maßstab 1 : 4 Mio. unterwegs, gutes Kartenmaterial in brauchbarem Maßstab gab es von Mali einfach nicht. Dabei hatten wir auch den dicken Wälzer „Durch Afrika“ von Klaus Därr aus dem RKH-Verlag, in den 90zigern die „Bibel“ der Afrika-Fahrer. In dem Buch sind unzählige Routen aus fast jedem Land Afrikas von Reisenden zusammengefasst worden. Die GPS-Koordinaten konnte man per Hand ins GPS-Gerät tippen, um wenigstens halbwegs einen Plan zu haben.

Dagegen ist die Navigation heutzutage mit iPad und GPS-Empfänger, der jede Sekunde auf dem Display genau anzeigt, wo wir uns gerade befinden, regelrecht langweilig. Missen möchte ich das Ding trotzdem nicht mehr.

Nach dem ersten Schlagloch-Abschnitt wird die Straße endlich besser. Wir fahren grob immer am Senegal-Fluss entlang, kurz hinter Diamou bekommen wir ihn erstmals nach Kayes wieder zu Gesicht und überqueren den Fluss über eine Brücke. Die Straße wendet sich nun vom Fluss ab, grob Richtung Osten und dreht nach 50 km wieder südwärts.

Afrikanische Fähre

Erneut muss der Senegal überquert werden, diesmal mit einer kleinen motorisierten Fähre.

senegal-faehre

Fähre über den Senegal-Fluss

Genauer gesagt wollen wir nur den Nebenfluss des Senegal überqueren, der hier bei Bafoulabé in den Hauptstrom mündet. Denn unser Ziel heißt ja Manantali, über eine Nebenroute die östlich des Senegal verläuft.

Auf der Fähre geht es fast afrikanisch zu, lachende Mädchen wuseln um uns herum und bieten uns Manjok-Stücke zum Knabbern an. Der Geschmack ist etwas gewöhnungsbedürftig, ich lehne dankend ab und rücke stattdessen ein paar Bonbons raus.

Die Gebühr ist ein Festpreis, kein Feilschen und Handeln, 7.500 CFA, mit ordentlicher Quittung, eben nur fast afrikanisch.

Gemächlich bahnt sich die Fähre den vorgegebenen Weg durch tiefes Gewässer, um nicht auf Grund zu laufen. „Oh nein, ich glaube wir legen auf der falschen Seite an, dabei habe ich doch erklärt, dass wir nach Manantali wollen.“ Etwas aufgeregt frage ich mich, nach welchem System die Fähre hier wohl verkehrt. An der Anlegestelle von Bafoulabé angekommen, müssen wir erst mal runter von der Fähre und stellen uns direkt wieder an. „Wir wollen da rüber“, Burkhard spricht mit dem Fährmann und zeigt auf das gegenüberliegende Ufer. Es beginnt ein großes Palaver, wir verstehen kein Wort, doch schließlich sollen wieder auf den Kahn drauf fahren und werden doch noch an das gewünschte Ufer gebracht.   

Das Stampfen von Maniok, Mais und Hirse gehört zu den täglichen Aufgaben der Frauen.

Wir kommen an malerischen Dörfern mit schön verzierten Rundhütten vorbei, das Leben auf dem Land scheint sich seit unserer letzten Reise nach Mali kaum verändert zu haben. Frauen stampfen Manjok oder bereiten Erdnussbutter in mühevoller Handarbeit zu. An den Essenständen gibt es Fufu zu kaufen, frittierte Teigbällchen mit scharfer Soße. Tine und Michael, die uns mit ihrem Unimog begleiten, sammeln ihre ersten Eindrücke von Schwarzafrika, sie sind völlig begeistert von der Freundlichkeit der Leute, die immer ein Lachen auf den Lippen haben.  

Hinter Manantali hört die Straße an der Staumauer des riesigen Lac Manantali auf, wir sind wieder auf Piste unterwegs, diese ist in mehr oder weniger gutem Zustand und zwingt uns zu langsamer Fahrweise. Rund einhundert Kilometer später treffen wir auf die Hauptverbindung Tambacounda (SEN) – Bamako, und müssen uns erst mal an das hohe Verkehrsaufkommen der LKWs gewöhnen.

Buschwalk durch ein Felslabyrinth

Im Vorüberfahren entdeckt Michael eine interessant aussehende Felsformation abseits der Straße.

„Ob man da wohl irgendwie hinkommt?“, fragt er uns über Funk. Immer auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz meint er: „Es ist zwar erst kurz nach Mittag, aber macht ja nichts oder?“

Am frühen Nachmittag schon das Nachtlager aufschlagen, gerade richtig zur Kaffeezeit, genau unser Ding, so suchen wir nach einer Piste, die Richtung Felsentürme führen könnte. Am Ortsrand von Badinko biegen wir von der Straße ab, kurz später führt eine schmale Brücke über ein Flussbett. Wir folgen der Piste geradeaus und biegen nach 3 km auf einen Pfad ab, der wenig später an einem spärlich bepflanzten Feld endet. Die Felsen sind in Sichtweite, wir beschließen, hier zwischen den Palmwedeln, die wie riesige Fächerpalmen aussehen, unser Nachtlager aufzuschlagen und in der untergehenden Sonne zu Fuß einen Erkundungsgang zu machen. Der kleine Buschwalk tut gut, Bewegung kommt unterwegs irgendwie immer zu kurz. Staunend nähern wir uns dem imposanten Naturgebilde und entdecken immer neue Fotomotive in dem Labyrinth aus grauem Fels.

Felsenlabyrinth

Felsenlabyrinth bei Badinko

„In Australien wäre das ein Nationalpark und wir müssten die Campsite vorbuchen“, sinniere ich und freue mich, dass wir „unser Felsenlabyrinth“ ganz für uns allein haben.

 

GPS-Koordinaten Felsenlabyrinth, 155 km westlich von Bamako:

Abzweig beim Dorf Badinko: N 12° 57,940‘ W 9° 13,255‘

Brücke über das Oued: N 12° 58,797‘ W 9° 13,007‘

Nachtplatz, etwa 900 Meter von den Felsentürmen entfernt: N 12°59,580‘ W 9° 12,889‘

Felsenlabyrinth: N 12°59,586‘ W 9° 13,438‘

Man kann auch versuchen, mit dem Auto direkt bis zu den Felsen zu kommen, indem man nach der Brücke links dem Weg folgt.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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