Wegweiser im Dreiländereck Niger - Algerien - Lybien
Algerien

Fazit zur Algerien-Offroad-Reise

Diese Zeilen sind nicht einfach zu schreiben, denn das Algerien-Fazit ist nicht eindeutig in Top oder Flop einzuordnen.

Vorab Infos zur Reise nach Algerien:

Algerien kann man nur in einer geführten Tour bereisen. Um ein Touristenvisum zu erhalten, ist eine Einladung erforderlich. Wir haben unsere Reise bei Desert-Reisen gebucht bzw. organisieren lassen.

Der Reisepreis betrug 4.190,00 Euro für 22 Tage. Dieser Preis gilt für maximal vier Fahrzeuge. Das heißt, wenn man Mitfahrer findet, kann der Preis in der Gruppe aufgeteilt werden. Im Reisepreis enthalten war die Organisation und Durchführung der Reise. Weitere Kosten entstanden für uns für das algerische Visum (die Besorgung übernahm Desert Reisen), Treibstoff und Lebensmittel.
Wir haben uns einen Mitfahrer gesucht (Marc und Doro Heinzelmann) die gleiche Interessen (Fotografie) haben und ein Fahrzeug mit gleichen Geländeeigenschaften fährt. Unsere Fahrzeuge waren fast identisch, beides Steyr 12m18.

Der offizielle Umrechnungskurs beträgt 1 Euro = 120 Dinar. Eine Devisendeklaration ist erforderlich, das Geld wird aber weder bei der Einreise noch bei der Ausreise kontrolliert. Auf dem Schwarzmarkt bekommt man zwischen 140 und 170 Dinar für einen Euro.
Diesel kostet 20 Dinar, das entspricht bei einem Kurs von 140 rund 15 Eurocent je Liter.

Zu Desert Reisen:

Der Chef Abdelkader Touhami ist Targi aus Tamanrasset, lebt in Deutschland und spricht perfekt Deutsch. Die Abwicklung und die Durchführung der Reise war professionell. Zu seinem Team in Algerien konnten wir volles Vertrauen aufbauen. Das die Reise anders verlief als wir es uns vorstellten, lag nicht am Veranstalter oder seinem Team, sondern war der Sicherheitslage in Algerien geschuldet.
Bei aller Kritik, die später noch folgen wird, würden wir jederzeit wieder mit Desert Reisen eine Reise durchführen und können Abdelkader Touhami und sein Team uneingeschränkt empfehlen. Die Kröten, die wir unterwegs schlucken mussten, waren situationsbedingt und nicht durch den Veranstalter verursacht oder in dessen Einflussbereich. http://www.desert-reisen.de

Die Algerien-Reise:

Saman, ein Bruder von Abdelkader, erwartet uns bereits an der Grenze und ist hilfreich bei den Grenzformalitäten. Er spricht perfekt Französisch und Englisch. Auch sein Deutsch ist so gut, dass eine Verständigung einfach und problemlos möglich ist.
Saman ist nicht alleine, nachdem die Einreise erledigt war, die Fahrzeuge wurden stichprobenhaft kontrolliert, lernten wir Youcef kennen, den Fahrer des Toyota Hilux.
Youcef spricht nur Tamaschek und etwas Französisch. Er ist zurückhaltend, aber stets hilfsbereit und lustig. Schnell stellt sich ohne viele Worte Sympathie zu Saman und Youcef ein, die in den ersten drei-vier Tagen zu Freundschaft wächst und am Ende der Reise schon zu einem schweren Abschied führte. Youcef wurde von Saman als Fahrer gewählt, weil er ein begnadeter Mechaniker und Autoschlosser ist.

Ab der Grenze werden wir mit Polizeieskorte in den Süden des Landes geführt. Anfang 2015 erfolgte eine mündliche Konkretisierung der geltenden, algerischen Sicherheitsbestimmungen. Demnach sind ausländische Mitarbeiter ausländischer Firmen verpflichtet, geschäftliche und touristische Reisen bzw. Aufenthalte außerhalb des Verwaltungsbezirks („Wilaya“) von Algier mittels polizeilichem Begleitschutz (Eskorte) vorzunehmen und diese mindestens 48 Stunden vorher beim Delegierten für Sicherheit (délégué de sécurité) bei der für den Firmensitz zuständigen Behörde („Wali des Wilaya“) anzuzeigen. In glaubhaft zu machenden dringenden Fällen sind Ausnahmen von der 48-Stunden-Regelung möglich. Das braucht uns aber alles nicht zu interessieren, denn alle Genehmigungen sind von Desert-Reisen organisiert.

In der Regel werden wir mit mindestens zwei Geländewagen der Gendarmerie, auf einigen Abschnitten auch mit drei oder vier Fahrzeugen begleitet. Die Abschnitte sind meist zwischen 150 und 250 Kilometer lang. Die Übergabe an die nächste Eskorte verläuft relativ reibungslos und mit kurzen Wartezeiten. Ein Übernachten ist nur vor den Polizeistationen erlaubt, anders als ursprünglich geplant. Saman meinte, dass die Regelungen kurzfristig nach „Gefahrenlage“ entschieden werden, was aber auch nach Willkür aussehen kann.

Nach drei Tagen verlassen wir den Asphalt, hier steigt ein weiterer Führer des Touhami-Teams zu uns. Dies macht es für uns insofern einfacher, dass wir uns abends am Übernachtungsplatz zu viert in Deutsch unterhalten können, ohne der Höflichkeit wegen auf Französisch ausweichen zu müssen, während die drei Tuareg sich an ihrem Lagerfeuer in Tamaschek entspannt unterhalten können.

Geänderte Sicherheitslage:

Vor Ort erfahren wir nichts, wir haben keinen Internetzugang, merken aber eine Anspannung bei unserem Führer. Vereinbart war, dass wir der Sicherheit wegen, niemandem unseren genauen Reiseplan verraten und mit niemandem vor Ort sprechen, der neugierige Fragen zu unserer Route stellt. (Dazu gab es auf der ganzen Reise auch keine Möglichkeit.) Wir sollen keine Satellitensignale senden (Tracker oder Phone).

Nach der Reise lese ich, dass das Auswärtige Amt am 17.Jan.2017 die Sicherheitshinweise erweiterte: Es besteht weiterhin die Gefahr von Entführungen und Attentaten durch terroristische Gruppierungen, die sich auch gegen westliche Ausländer richten können.

Vor allem wird jetzt vor Reisen in die algerischen Grenzgebiete zu, Libyen, Niger, und insbesondere in den Großraum Djanet im Südosten Algeriens einschließlich des Tassili-Gebirges gewarnt. Doch genau in diesem Gebiet sind wir unterwegs.

Saman hat ein Satellitentelefon dabei, mit dem er jeden Abend unser Position an einen Kontaktmann beim Militär weitergeben muss. Zudem wird der Kontaktmann von Desert Reisen jeden Abend informiert. Aus irgendeinem Grund (so erzählt man uns) muss das Militär unsere Position nicht empfangen haben. Die Folge war eine nächtliche Suchaktion, sieben bewaffnete Militärfahrzeuge erreichen uns im Morgengrauen. In der Nacht war der Veranstalter in Frankfurt aus dem Bett geklingelt und auch der Desert-Reisen Kontaktmann aus Djanet in Aufregung versetzt worden. In Djanet ging wohl das Gerücht einer Entführung um.

Das Militär gibt uns lächelnd bekannt, dass alles in völliger Ordnung sei und dass sie die Sicherheit absolut unter Kontrolle haben. Mit Saman wird hingegen lautstark und aggressiv in arabischer Sprache diskutiert. Den Inhalt des “Gesprächs” erfahren wir nicht.
Man macht unserem Führer wohl eindringlich klar, dass er die Verantwortung für uns trägt. Für uns hinterlässt es den Eindruck, dass man ihn etwas eingeschüchtert hat. Die Folge ist, dass das Team von Desert Reisen mehr Angst um uns hat als wir selbst.
Das Militär hätte gerne, dass wir ab sofort bei Einbruch der Dunkelheit in Sichtweite ihrer Posten eintreffen und dort übernachten. Wir akzeptieren dies nicht. Saman verhandelt.
Irgendwie kommt ein Kompromiss zustande, wir setzen die Reise fort. Jedoch muss unsere Position jeden Abend und jeden Morgen an vier weitere (höhere) Stellen gemeldet werden.

Die weitere Reise verläuft, ohne dass man uns das mitteilt, unter erhöhten Sicherheitsbedingungen.
Wir merken das daran, das wir jede Ansiedlung weiträumig umfahren, selbst Nomadenlager umfahren wir außerhalb deren Sichtweite. Djanet sehen wir nicht, um einzukaufen werden unsere Fahrzeuge in den Dünen des Erg Admer versteckt. Youcef bleibt zur Bewachung zurück. Mit dem grünen Hilux geht es in einen kleinen Vorort. Gemüse und ein paar Dinge kaufen, zurück werden wir mit einem anderen Fahrzeug des Reiseveranstalters gefahren, jedoch nicht auf direktem Weg, sondern wir verlassen den Vorort in entgegengesetzter Richtung um dann außer Sichtweite einen Haken zu schlagen. Der grüne Hilux kommt später aus einer anderen Richtung zu uns in die Dünen.
Von Tag zu Tag fällt uns mehr auf, wie sehr unsere Führer bedacht sind, dass unsere Fahrzeuge niemand sieht und wir mit niemandem in Kontakt kommen.
Unsere Übernachtungsplätze werden sorgsam ausgewählt, wir verlassen die Haupttäler, biegen in enge, uninteressante Seitentäler und verstecken uns zwischen Felskegel und angewehtem Sand. Die Autos werden verdunkelt, das Feuer klein gehalten. Kein Lichtschein verlässt unser kleines Camp.
An den interessanten Punkten, wie die unzähligen Naturbrücken, die bei sternenklarer Nacht besonders fotogen wären, sieht man, das hier andere Gruppen gelagert haben. Wir jedoch sind oft zur Mittagszeit dort und machen nur Knipsbilder, um bei Einbruch der Dunkelheit in einem wenig spektakulären Seitental zu stehen.

Eine interessante Ansicht gab mir ein Soldat, der uns auf der Eskorte begleitete. Saman wunderte sich über seine offenen Worte. „Wenn man euch entführt hätte, wäret ihr jetzt tot. Auf algerischem Gebiet wird es keine Verhandlungen mit Terroristen geben, wir werden sie erschießen, ohne Rücksicht auf euch. Und wir werden es nicht zulassen, das eure Regierung unserem Präsidenten den Arm auf den Rücken dreht, um eine Ausreise nach Mali zu erzwingen um dort zu verhandeln.“

Die Schönheit

Auf der anderen Seite haben wir eine grandiose, scheinbar unberührte Wüstenlandschaft durchfahren und stundenlang nicht mal eine alte Fahrspur durchkreuzt, sind tagelang niemandem begegnet. Wir haben mit Saman und Youcef zwei edle Menschen kennen gelernt, viel über die Tuareg erfahren und vor allem haben wir durch unsere Führer Naturschönheiten gesehen, die wir ohne ihre exzellente Ortskenntnis nur schwer im Labyrinth aus Felsen und Sand gefunden hätten.

Eine der unzähligen Naturbrücken im Tassili

Eine der unzähligen Naturbrücken im Tassili

Algerien Fazit:

Wer Algerien unbedingt mit dem eigenen Allradmobil bereisen will, hat dazu die Möglichkeit. Jedoch muss mit  nicht zu kalkulierenden, kurzfristigen Restriktionen des Militärs gerechnet werden, die die Reise erheblich beeinflussen können. Ein Reisen mit der latenten Gefahr eines Überfalls oder einer Entführung und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen ist eine weitere Kröte, die man schlucken muss.
Wer es gewohnt ist, alleine zu reisen und stets die komplette Verantwortung für sich selbst zu tragen, dafür aber frei ist, wird sich oft eingeschränkt und gegängelt fühlen. Wer Algerien aus den 80iger Jahren kennt, sollte es so in Erinnerung behalten und sich die Enttäuschung nicht antun.

Kann man eine Reise mit dem eigenen Geländewagen nach Algerien empfehlen?
Ich weiß es nicht. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er das unkalkulierbare Risiko einer Entführung und die Restriktionen durch die angespannte Sicherheitslage in Kauf nehmen möchte. 
Auf der anderen Seite gibt es traumhafte Wüstenlandschaften zu erleben, die es so wohl nur in der Zentral-Sahara gibt. Für Wüstenfahrer ist Algerien fast schon ein Muss.
Für mich ist der Faktor: Gesamtkosten der Reise / Anzahl der Top Fotos
und vor allem der Faktor zu schluckende Kröten / Anzahl der Top Fotos
entscheidend und da gibt es Länder mit besseren Relationen.

Trotz allem, würde man mich fragen: “Würdest du die Reise nochmal genau so machen?” brauche ich nicht lange überlegen und “ja” sagen.

Nach einer Regennacht in der Wüste

Nach einer Regennacht in der Wüste

Das Fazit unserer Reisepartner findest du hier: http://www.landy2go.de/2017/02/eine-reise-ins-herzen-der-sahara-algerien/

 


Trescher Verlag Algerien

Aufgrund der Ereignisse im Jahr 2003 und den damit verbundenen Restriktionen für 4×4 Individualreisende war Algerien lange aus dem Fokus der Wüstenfahrer verschwunden. Jetzt öffnen sich langsam wieder Türen.
Aktuelle Reiseführer gibt es eigentlich nur einen einzigen aus dem Trescher Verlag aus dem Jahr 2015.
Ich habe ihn in unseren Shop aufgenommen: Mehr Infos

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 11 comments

  1. Oettl's Stephanie und Alexander

    Hey ihr 2…unglaubliche Worte…Hammer Story…schön das ihr wieder GANZ zurück seid…Davon sind wir noch weit entfernt von…Jedoch fühlen wir uns auf unserer ersten Reise und mit unseren Umzug ins “Oedddlmobil” definitiv wohl und auf einem guten Weg …Vielleicht schaut ihr ja auch mal rein….Beste Grüße aus Südspanien/Grenze Portugal
    Die Oettl’s

    • Uwe + Gerti

      Hi Ihr Oettl´s; wir brechen Anfang März nach Südspanien / Grenze Portugal auf und hätten gern einen Info-Austausch mit Euch; da wir diese Gegend erkunden wollen.

      Und das sind wir: Gerti + Uwe, in den letzten Jahre kreuz und quer in allen Ländern Südamerikas unterwegs mit unserem Hilux, mit dem es nun wieder hier in Europa und gründlich überholt auf Reisen gehen wird.

      Es freuen sich auf Eure Nachricht
      Gerti + Uwe – noch nicht wieder ONTOUR – NEZZ2022Qgmx.net

    • DENIS

      Bonjour,
      Merci pour votre carnet de voyage en Algérie la présence des militaires et parfois un peu pénible pour des passionnés du Sahara. Je suis Français de la région des Vosges , je connais bien l’Algérie pour l’avoir parcouru avec un Toy 78 et j’y serais fin Février 2017.
      Un conseil toujours prendre une agence locale de la région que vous souhaitez visité , avec des Touareg de la région de Djanet comme El Housseini AYOUB agence AZJAR Tours. http://www.azjar.com . Les contacts seront plus facile avec des gens du coin comme les militaires .

  2. Max

    Vielen Dank für die aussagekräftige Reportage. Sehr hilfreich für die Planung meiner eigenen nächsten Sahara Reise. Ich freue mich für euch, dass alles gut ausgegangen ist und ihr so tolle Erlebnisse hattet. Keep rolling!
    Lg Max

  3. pilotholgi

    Habe gerade mit meinem Freund gesprochen !! Er kommt von da Unten und war paar Monate in seiner Heimat ! Er sagt absolute Lebensgefahr !!!! Alles ausser Kontrolle ! Nur Banden, die jeden hoch nehmen ! Ich würde abraten !! Auch Einheimische müssen höllisch aufpassen !! So schön die Fotos auch sein mögen !

    Gruß Holger

  4. Peter

    Hallo Ihr Beiden
    ein iranisches Srichwort sagt:
    Das beste was Du von einer Reise mibringst ist Deine heile Haut.
    Von daher alles gut.
    Die Bilder sind phantastisch das negative verblasst mit der Zeit.
    LG vom Jumbo Team aus Muskat

  5. Oeltzschner Josch

    Wir waren zur gleichen Zeit mit 13 Motorrädern im selben Gebiet unterwegs und haben Euch auch im Tadrart gesehen. Unsere Reise war wesentlich entspannter und keiner unserer Gruppe hatte je Sicherheitsbedenken oder dergleichen. Unser Guide hatte alles perfekt organisiert, nächstes Jahr auf jeden Fall wieder.
    Viele Grüße aus Starnberg
    Josch

    • Burkhard Koch

      Der Unterschied liegt in der Gruppengröße.
      Wir versuchten Einfluss auf Lagerplätze etc. zu nehmen und waren jederzeit dicht an unserem Führer dran. Wahrscheinlich waren bei euch die Nachtplätze nicht diskutabel und schon beim Erreichen der Gruppe aufgebaut und mit Sicherheit war das Militär mit einem Posten in der Nähe. Hast du mitbekommen, mit wievielen Stellen dein Guide jeden Abend und Morgen telefonieren musste? Habt ihr mal versucht, den geplanten Routenverlauf zu ändern?
      Hattet ihr Kontakt zu Nomaden oder Einheimischen? Bei uns wurde darauf geachtet, dass dieser nicht zustande kam. Außer in vorher arrangierten und sicheren Begegnungen.

  6. Roman

    Hallo Ihr 2, schön dass Ihr diese phantastische Wüstengegend ohne größere Probleme besuchen konntet. Ich war zuletzt im Februar 2003 im Tassili und würde einiges darum geben da noch mal hinzukommen. Für mich ist das eine der schönsten saghara-gebiete überhaupt.
    So erscheint mir mögliche Gängelei für mich erträglich, danke für das interessante Resumee. Ein paar weitergehende Fragen zum Thema werde ich versuchen bei nächster Gelegenheit persönlich bei Euch los zu werden und jetzt freue ich mich auf Photos !

    LG Roman

  7. Manfred

    Hallo Burkhard,
    sehr interessanter Bericht.
    Dieser bestätigt unsere Meinung zum Thema Reisen in Algerien heute.
    Zum Glück konnten wir 5 Reisen mit eigenem Geländewagen nach Algerien auf eigene Faust durchführern (1998/1990 u. 2001/2002/2003) Wir hatten auch großes Glück 2003 nicht zu den Entführten zu zählen…
    Die Sahaharalandschaften südlich von Djanet sind ein Traum u. wir sind froh diese gesehen u. auf eigene Faust entdecken konnten.
    Nun sind wir seit 2004 in Marokko unterwegs u. es gibt immer noch etwas zu entdecken, vor allem man kann sich seine Übernachtungsplätze in der Wüste frei aussuchen u. muss nicht mit Überfällen rechnen (bis jetzt!).
    Weiterhin erfolgreiche Reisen u. vielleicht fährt man sich in Maroc mal über den Weg.
    Grüße, Manfred

  8. Michael Hirsch

    Hallo Burkhard und Sabine,

    Zuerst ein ganz grosses DANKE für den ausgezeichneten Reisebericht, die fantastischen Fotos und Videos, und die vielen nützlichen Hinweise. Der Bericht von Euch war mit ein Grund, dass ich im Dezember 2017 an einer organisierten Motorradreise von Illizi ins Tadrart und retour teilgenommen habe. Die Organisation der Reise erfolgte durch Thomas Trossmann (“www.wuestenfahrer.com”) in Zusammenarbeit mit Mezrirene Aventure aus Illizi (“www.tuareg-reisen.de”).

    Die Kurzfassung: die Reise war ein tolles Erlebnis, perfekt organisiert, und betreffend Sicherheitslage hatte ich nie den Eindruck, dass eine Bedrohung besteht.

    Die Langversion: Die Reiseroute war ähnlich wie die von Euch, also Start in Illizi, dann nach Tamdjert, von dort Offroad westlich von der Teerstrasse N3 nach Djanet, dann weiter für ein paar Tage ins Tadrart. Zurück nach Illizi ging es östlich von der Teerstrasse durch das Tikoubaine und die letzten 150km auf der N3. Überhaupt scheint diese Route so etwas wie die “Standardtour” im Tassili zu sein, wohl weil sie von den Behörden für Touristen “freigegeben” ist. Wir haben immer gezeltet, ausser einer Hotelübernachtung zur Halbzeit in Djanet.

    Wir waren 6 Motorräder und ein Lastwagen, der Gepäck, Wasser und Verpflegung transportiert hat. Unser Führer war Ahmed Zegri, der Inhaber von Mezririne Aventure. Er ist um die 70 Jahre alt, aufgewachsen in Tamadjert, und lebt heute in Illizi. Er kennt die Gegend wie seine Hosentasche und wusste vor allem ganz genau, wo das Gelände fahrbar ist und wo nicht. Er ist im Lastwagen mitgefahren und hatte kein eigenes Fahrzeug. Die Strecke war ziemlich genau vorausgeplant. Wir haben GPS Tracklogs erhalten, denen wir gefolgt sind. Das lief dann so, dass wir am Morgen mit den Motorrädern losfuhren und um die Mittagszeit auf den Lastwagen gewartet haben. Der kam meistens innert einer Stunde. Am Nachmittag hat sich das Spiel wiederholt, mit Warten auf den Lastwagen am im Voraus vereinbarten Treffpunkt (GPS Koordinaten). Vor dort hat Ahmed dann zu einem schönen Lagerplatz geführt, der nicht wie bei euch in versteckten Seitentälern lag, sondern einfach da, wo es schön war. Die Tagesetappen waren eher kurz, nie über 170 Kilometer, so dass auch genug Zeit bliebt, um die vielen Felsmalereien und Felsgravuren zu besichtigen.

    Wir sind unterwegs ein paar Mal auf Militärposten gestossen, bei denen wir dann warten mussten, bis der Lastwagen mit Ahmed und den notwendigen Papieren eingetroffen ist. Die Soldaten waren alle sehr freundlich, absolut korrekt und hatten sichtbar Freude, zur Abwechslung mit ein paar Touristen zu plaudern. Ahmed war offensichtlich eine Respektperson, den viele kannten. Die Kontrollen waren immer sehr entspannt und locker, es gab nie ein böses Wort. Ahmed musst auch unsere Position nicht jeden Abend melden. Da er kein Satellitentelefon dabei hatte, wäre das auch nicht möglich gewesen. Ich denke, dass sich die Sicherheitslage seit Eurer Reise wieder deutlich entspannt hat.

    Mein Fazit: Die Reise war für mich landschaftlich die schönste Tour in der Sahara, die ich bisher gemacht habe. Auch die Streckenwahl war ausgezeichnet, weil sehr viele echte “offroad” Abschnitte dabei waren, also ohne Pisten oder irgenwelche Spuren. Wenn man kein Problem damit hat, an einer organisierten Reise mit vorgegebener Route teilzunehmen, und Routine im Sandfahren mit einer Enduro hat, dann kann ich die Reise sehr empfehlen.

    Ich war in den 1980er Jahren einige Male in der algerischen Sahara, damals auf eigene Faust. Das geht heute leider nicht mehr. Trotzdem hat mir die aktuelle Reise gleich gut gefallen. Ein Grund ist, dass niemand Gepäck auf dem Motorrad mitschleppen musste und so das Fahren ein Genuss war. Ein weiterer Grund waren die vielen echten “offroaf” Abschnitte, bei denen wir dank des lokalen Führers nie befürchten mussten, irgenwo an einen Punkt zu gelangen, wo es nicht mehr weiter geht.

    Viele Grüsse und weiterhin alles Gute auf Euren Reisen,

    Michael H
    Schweiz

    P.S. Einige Fotos von der Reise sind hier:
    https://fechfech.smugmug.com/Public/Motorcycles/Africa/2017-12-Algeria/

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