Ruinen des Ksar von Meski
Marokko

Marokko – Der alte Ksar von Meski

Beeindruckend, absolut beeindruckend liegen die Ruinen des alten Ksar Meski hoch oben auf einem Fels der rechten Flussseite des Ziz-Tals, nur ein paar Kilometer von der Provinzhauptstadt Errachidia entfernt.
Als Ksar werden traditionelle, ländliche, befestigte Siedlungen oder Speicherburgen der Berber im Maghreb bezeichnet.
Bei den Blauen Quellen (Blue Source of Meski), die unterhalb der monumentalen Ruinen im Palmenhain liegen und zur Zeit der französischen Besatzung (1906-1956) von Fremdenlegionären als Erholungsstätte angelegt wurden, lernen wir Larbi kennen.

Einladung zum Tee bei Old Meski

Larbi kann uns leider zu den alten Gemäuern nur wenige Informationen geben, aber sein 83jähriger Vater ist dort aufgewachsen und am folgenden Tag sind wir bei ihm zum Tee eingeladen. Der traditionelle Minztee ist süß, extrem süß, so wie man ihn wohl zu Festlichkeiten vor 70 Jahren zubereitet hat.

Das Gassengewirr in Old Meski

Das Gassengewirr in Old Meski

Der alte Mann freut sich über unser Interesse und erzählt. Wie alt die Ruinenstadt Meski wirklich ist, weiß er auch nicht, man hat damals noch nichts aufgeschrieben. Einige Quellen gehen von zirka 500 Jahren aus, aber er weiß, dass er und sein Vater genau wie alle anderen männlichen Bewohner, gemeinschaftlich die Stadtmauer ausbessern musste. Der geschlossene Mauerring ist recht ungewöhnlich und nur wenige marokkanische Ksar besitzen einen solchen Schutz. Innerhalb der Mauer standen um die 300 in sich verschachtelte Häuser, in denen etwa ebenso viele Großfamilien lebten. Meski war lediglich über ein Tor im Norden und eines im Südwesten zugänglich.
Der alte Mann kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind Angst hatte, auch geschürt von seiner Mutter, bei Einbruch der Dunkelheit nicht rechtzeitig im Ort zu sein, denn die Tore wurden bei Dunkelheit von Torwächtern geschlossen. In Meski gab es einen Brunnen, 165 Meter tief, aus dem mit Esel Wasser gezogen wurde. Neben dem Brunnen stand die Moschee, heute kann man die Ruinen noch gut erkennen. Hier wurde er als Kind in der Koranschule unterrichtet. Alle Kinder gingen damals in die Koranschule, lernten aber weder schreiben, lesen, rechnen, sondern Koranverse auswendig. Er erinnert sich, dass die Schüler dem Marabut Essen mitbringen mussten.

Im Ziz gab es immer Wasser und das Tafilalet war sehr fruchtbar. Es war eine der Kornkammern Marokkos. Das Tafilalet oder Tafilalt ist die südlichste einer vom Wadi Ziz durchzogenen Gruppe mehrerer Oasen. Diese Oasengruppe ist mit 300 Dörfern und bis zu 150.000 Einwohnern übrigens die ausgedehnteste Oasengruppe der Welt.

Luftbild von Old Meski in Marokko

Luftbild von Old Meski in Marokko

Als 1965 nördlich von Errachidia der Stausee gebaut und damit das Wasser im Ziz geregelt wurde, versiegte der Brunnen. Gleichzeitig entstand auf der anderen Flussseite die haupt Verbindungsstraße und eine Wasserleitung nach Erfoud und so zogen die ersten Familien auf die andere Flussseite, ins heutige Meski. Die Häuser wurden jetzt aus gebrannten Lehmziegeln errichtet und hielten den Wetterbedingungen viel besser stand.
Im gleichen Jahr oder 1966, er kann sich nicht mehr genau erinnern, gab es Schnee in Meski und viele Dächer stürzten ein. Viele Tote waren zu beklagen so dass sogar ein neuer Friedhof angelegt werden musste. Diese führte zu einer großen Abwanderung auf die andere Seite des Flusses. Einige Jahre später wurden viele Häuser Opfer einer Feuersbrunst, die im Ort ausbrach. Meski stand in Flammen, die Dächer und Decken waren aus Palmholz gefertigt und die Zerstörung durch das Feuer enorm. Auch hier musste für die Feueropfer ein Friedhof angelegt werden, so findet man vor der Befestigungsmauer insgesamt drei Friedhöfe. Etwa 1975, so schätzt der alte Mann, haben die letzten Familien den Ksar verlassen, seitdem verfällt die Ruinenstadt kontinuierlich.

Die Moschee von Old Meski in Marokko.

Die Moschee von Old Meski in Marokko.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. Martin Geier

    Hallo Burkhard
    Ich hätte einige Fotos vom Land Rover in Marokko.
    Danke für die Typs

    Martin und Astrid aus Südtirol

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