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Geisterdorf-Oreja in Spanien
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Das Geisterdorf Oreja in Spanien

Das Geisterdorf Oreja in Spanien besteht aus dem Ort mit kleiner Kirche und der rund 300 Meter entfernt liegenden Burgruine, von der man eine sehr gute Aussicht auf die gesamte Flussebene hat.
Die Burg von Oreja wurde im 10. Jahrhundert erbaut und diente der Verteidigung. Heute ist neben den Grundmauern nur ein Turm erhalten geblieben.

Die Geschichte Orejas

Man geht davon aus, dass hier um 100 v.Chr. erstmals Römer siedelten und die Villa Aureliae gründeten. Die Geschichte der Burg ist etwas unklar und es gibt viele unterschiedliche Informationen. Es scheint, als hätten die Muslime die Burg / Fort in dieser strategischen Position gebaut, um das Gebiet, einschließlich des Tajo-Flusses, bewachen und kontrollieren zu können. 1085 eroberten die Christen die Burg, doch wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1113 führten die muslimischen Herrscher im Süden eine große Armee von Kavallerie, Infanterie und Bogenschützen in das Gebiet und griffen die Burg von Oreja an. Wiederum 1139 ergaben sich die Muslime aufgrund von Hunger und Durst und die Burg viel erneut an die Christen, die die Stadt neu bevölkerten.

Dann wird es ruhig um den Ort. Im Jahr 1827 gab es eine Volkszählung. Der Ort bestand aus 10 Häuser, in denen 45 Personen lebten.
1959 bestand der Ort aus etwa 14 Häusern, die U-förmig angeordnet und von zwei Außenstraßen umschlossen wurden. Viele der Häuser hatten zwei unabhängige Wohnungen. Die oberen Wohnungen waren über Treppen im Innenhof zugänglich.

Blick aus der Vogelperspektive auf das Geisterdorf Oreja

Blick aus der Vogelperspektive auf das Geisterdorf Oreja

Das Leben im Geisterdorf Oreja in Spanien

Die Bewohner bewirtschaften die Felder in der Eben des Tajo in dem sie dort hauptsächlich Rüben, Mais, Blumenkohl, Kohl und Oliven anbauten. Im oberen Teil der Stadt, wo die Felder nicht bewässert wurden, reichte der Niederschlag aus, um Gerste, Weizen und Roggen anzubauen. In geringem Umfang hielt man Hühner, Schafe und Ziegen.

Im Ort lebten neben den Bauern und Hirten auch ein Lehrer.
Geschäfte gab es nicht, die Bewohner versorgten sich auf den Wochenmärkten in Aranjuez.

An Sonntagen schickte der Priester von Aranjuez einen Mönch ins Dorf, um die Messe zu lesen.
1959 wurde der Ort aufgegeben und verlassen. Im Jahr 1960 war er bereits komplett unbewohnt.
Für die Aufgabe des Ortes waren zwei Faktoren wesentlich: Zum einen gab es im Ort keine Einigkeit, ob man den Ort ans Stromnetz anschließen möchte, bzw. waren nicht alle Bewohner bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Die gleiche Situation war bei einer geplanten Wasserleitung, die das aufwändige Herantragen des Wassers in Krügen vom Tajo überflüssig machen sollte. Da auch hier keine Einigung über die Kosten erzielt werden konnte, gaben einige ihrer Häuser auf und siedelten in der Ebene neu.

Am 15. August jeden Jahres feierten die Bewohner ein Fest zu Ehren ihrer Schutzpatronin, der Jungfrau Maria. An diesem Tag waren Süßigkeiten-Verkäufer und Musiker in der Stadt und es wurde bereits am Vorabend auf dem Platz vor der Kirche getanzt.
Dieses Fest findet auch heute noch am 15. August statt, auf dem sich die Nachkommen des Ortes treffen. Daher ist die Kirche auch renoviert und relativ gut erhalten. Allerdings ist sie vergittert und nicht zugänglich.

Zerfallen und unbewohnt, das Schicksal von fast 3.000 spanischen Dörfern.

Zerfallen und unbewohnt, das Schicksal von fast 3.000 spanischen Dörfern.

Kommentar zum Geisterdorf Oreja

Bei der Recherche zu dem Ort fand ich einen Besuchsbericht eines Hobby-Archäologen:

Ich fand drei Mauergruppen im östlichen Teil (auf der Seite gegenüber der Burg), deren Boden mit Kies gepflastert war.
Der alte Zugang zur Stadt ist trichterförmig und steigt durch einen sehr alten und schmalen Graben an, der auf beiden Seiten von diesen Mauergruppen flankiert wird.
Suchen Sie in diesem Bereich nach Überresten, die als Hinweis und Beweis für den römischen Aufenthalt in diesem Bereich dienen könnten.
Der Ort ist stark durch Müllreste verschmutzt. Fliesenstücke aus dem Dorf und eine große Menge Keramikfragmente, wahrscheinlich arabischen und mittelalterlichen Ursprungs.
Bei all dem fand ich jedoch etwas, was ich nicht erwartet hatte.
Zwei kleine Fragmente bemalter Keramik, deren Motive zweifellos keltiberisch waren, aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Und dem 1. Jahrhundert n. Chr., Und ein einzelnes winziges Fragment einer unverwechselbaren hispanischen Terra Sigillata.
So dass in der Tat die Römer an diesem Ort anwesend waren.
Dieser Ort sollte richtig studiert und bewertet werden. Der Ort ist aus meiner Sicht wichtiger als er scheint.

Die Lage des Geisterdorf Oreja in Spanien

 

Rundflug um das Geisterdorf Oreja

 

 

 
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Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. Bernd Tesch

    06.04.2021, 01:50 Uhr
    Liebe Sabine und Burkhard, > von Bernd (Tesch. *1941) im EIFEL-Wald neben der Rur in Germany

    – RIESENDANK für die gute Pistenkuh-Post immer! Trotz hunderter emails an mich, lese ich die immer, da auch kurz und bündig; oft gut recherchiert. Supererere Fotos!
    – Die Geisterstadt-Berichte sind Spitze!

    Verspätete Ostergrüße, aber dennoch herzliche!

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