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Der lila PistenlandyRumänien

Seilwinde für den Offroad-Einsatz am Defender

„Wenn wir zurück sind, muss ich Stephan die Hände küssen.“ „Wofür“, fragt Sabine erstaunt.
Sieben Wochen Rumänien liegen hinter uns. Kein Badeurlaub im Donaudelta, sondern schlammige Offroadstrecken durch Wälder und sumpfige, grasbewachsene Ebenen.

„Dafür, dass er mit eine Sperre in die Vorderachse eingebaut hat und für die Winch.“
Die Ashcraft Sperre in der Vorderachse war ein Missverständnis, ich wollte eine Sperre in der Achse und Stephan verstand Sperren in den Achsen. Gut, dass sie drin ist. In Rumänien habe ich sie mehrmals gebraucht. Aber dazu schreibe ich noch mal gesondert.

Für die Winch bin ich ihm ebenso dankbar, nicht für die Winch, sondern für die Beratung.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir in seinem Büro in Bühl saßen und das Konzept für unseren Pisten-Landy besprochen haben.

Konzipiert für Offroad-Reisen in Wälder und Berge

„Mach mal die Tür zu, muss ja keiner mitkriegen, aber ganz ehrlich, ich brauche die Winde mehr zum Angeben, als zum Bergen. Wir machen Offroad-Reisen, ich will kein Rallye-Bergefahrzeug bauen, sondern ein halbwegs sinnvolles Reisefahrzeug für Wald und Bergtouren. Aber die Optik soll auch stimmen.“

„Das macht doch keinen Sinn. Wenn du eine billige Winde nimmst, ärgerst du dich, wenn du sie wirklich brauchst und sie entweder keine Kraft hat oder sogar gar nicht funktioniert. Der Montageaufwand und die Windenstoßstange machen nachher auf der Rechnung mehr aus, als die Differenz von einer billigen Winde zu einer guten Seilwinde für den Offroad-Einsatz.“

Und damit hat er ja recht. Zum Glück, denn in Rumänien haben wir die Winde vier mal gebraucht. Zweimal wären wir ohne Winde fast verreckt und zweimal haben wir andere befreien können.

Aufgeweichte Böden erschweren das Vorwärtskommen in den rumänischen Wäldern.

Die erste Situation war nach drei Regentagen im Wald. Die Böden waren aufgeweicht, ein Fahren wie auf Schmierseife trotz der Open Country MT Reifen. Fast geschafft, nur noch 1,2 km bis zur Schotterpiste im Tal, doch diese 1,2 km bedeuten auch einen Höhenunterschied von einigen hundert Metern. Es sieht von oben steil aus und wird wegen einiger Auswaschungen auch nicht ganz einfach zu befahren sein. „Ganz ruhig Sabine, nicht kreischen, wenn die Kuh gleich losrennt und uns abwerfen will.“ Damit beuge ich schon mal vor, denn Schreie auf dem Beifahrersitz machen mich in Situationen, in denen ich eh schon angespannt bin, zusätzlich nervös.

Es geht bergab.

Hinter einer Biegung traue ich mich nicht weiter. Das Gefälle nimmt nochmals zu und da wir bis hier hin schon mehr rutschten als fuhren, war klar, die verbleibenden 400 m werden wir nicht überleben. Zumindest nicht ohne Safty-Case. (Überrollbügel).
Also zurück, doch im gleichen Moment wird uns bewusst, der Point of Return ist überschritten, wir kommen nicht mehr zurück. Den Defender in acht Zügen zu wenden ist schon eine eigene Story, ständig droht er seitlich den Hang runterzurutschen oder umzukippen.

Die Fahrt bergauf klappt nicht. In Untersetzung im ersten Gang steht er im Hang mit vier durchdrehenden Rädern (danke Stephan für die Sperre in der VA). Der Reifendruck ist schon auf ein Minimum reduziert. Rumänien ist waldreich und hier stehen Fichten und Buchen in Reichweite des 30 m langen Windenseils. Zudem bietet der Baumankergurt nochmals etwa 2 m.

Meine Sorgenfalten weichen, das Grinsen kehrt zurück, als ich mit der Fernbedienung langsam das Seil aufwickeln lasse und ganz langsam im Defender nach oben gezogen werde.

Leider nur etwa 15 Meter, dann muss das Seil an dem nächsten Baum befestigt werden. Stunden vergehen, bis wir uns etwa 300 Meter nach oben gewincht haben. Teilweise so steil, dass der Defender mit blockierenden Rädern den Hang runterrutschte, wenn ich das Seil lösen wollte.

Insgesamt musste ich das Seil 18 mal umsetzen. Auf jeden Fall gehört ein weiteres 30 m langes Seil beim nächsten Mal in die Bergekiste.

Stunden im Dauereinsatz. Die Nova-Winch hält durch.

Wieder erinnere ich mich an das Gespräch bei 4ward4x4 mit Stephan.
„Die Ramsey-Winch ist absolut top, da gibt es kaum was besseres, aber die ist sauteuer.“
„Gibt es Alternativen, ich kenne mich mit Winden nicht so aus.“
„Klar, die Warn-Winden sind gut, kann ich empfehlen, auch die ComeUp.“
Dann zählt Stephan ein paar Namen auf, die ich schon wieder vergessen habe, von Windenherstellern von denen ich besser die Finger lassen soll.

„Die Nova-Winch ist auch top, wird von den Chinesen gebaut. Nova Winch ist staatlicher chinesischer Seilwinden Hersteller, welcher unter anderem auch für große Seilwinden-Hersteller fertigt. Nova Winch rüstet die gesamte Chinesiche Arme mit  elektrischen sowie hydraulischen Seilwinden aus und hat, im Verhältnis zur Qualität die man bekommt, einen günstigen Preis.“

„Mach ich mit der Nova-Winch was falsch, wenn ich die nehme?
„Nein. “
„Welche Zugkraft sollte ich nehmen?“
„Nimm die 12.5 pro mit einem Synthetik Seil. Das Ding zieht 5,6 Tonnen. Der Preisunterschied zu denen mit weniger Zugkraft ist gering. Mach bei der Seilwinde für den Offroad-Einsatz keine Kompromisse.“

Jetzt freue ich mich über die enorme Zugkraft, und kann mir das Arbeiten mit Umlenkrolle sparen.

Nova-Winch nach hartem Einsatz.

Seilwinde für den Offroad-Einsatz

Ein paar Tage später brauchten wir die Winch erneut und hier kam es fast noch mehr auf Zugkraft drauf an als in der Situation, in der ich den Defender „nur“ den schlammigen Hang hoch ziehen musste.

Der Pisten-Landy sitzt fest. Mit Schaufel und TRED allein ist da nichts zu machen.

In einer morastigen Ebene hatte ich eine „Pfütze“ falsch eingeschätzt. Es war keine Pfütze, sondern bodenloser Morast. Die Hinterachse verschwand komplett, erst als der Defender mit dem Heck flächig aufsaß, stoppte der Sinkvorgang. Ein Baum war weit und breit nicht vorhanden, ein zweites Fahrzeug wäre jetzt schön gewesen.

Die einzige Chance sich zu befreien war, einen Erdanker zu improvisieren und sich mit der Winde aus dem Sumpf zu ziehen.
Inzwischen bin ich darin etwas geübt und die Anfängerfehler wie vor 16 Jahren in Mauretanien passieren mir nicht mehr.

Ich rolle das Windenseil bis auf die letzte Lage ab. Zum einen brauche ich die Zugkraft und zum anderen muss der Anker möglichst weit weg vom Fahrzeug sein, um das Seil in einem möglichst spitzen Winkel führen zu können. Denn die Zugkraft soll den Anker gegen das Erdreich ziehen und nicht nach oben aus der Grube.

Die Grube muss tief sein und das Seil muss in einem Schacht seitlich an den Anker geführt werden.

Mit meiner „Kinderschaufel“, die überraschenderweise sehr gute Dienste leistet, grabe ich tief, richtig tief. Zur Not könnte ich mein Reserverad als Anker nutzen, doch ich habe einen stabilen Balken im Gras gefunden, um den ich das Seil ziehe.
Ein schmaler Graben dient als Seilführung und dann sitze ich wieder grinsend hinter dem Steuer, als der Defender sich erst Millimeter für Millimeter, dann Zentimeter für Zentimeter nach vorne bewegt.
Geschafft.

Kraftvoll zieht die Nova-Winch den Defender aus dem Schlamm.

Ja, ich muss Stephan wohl die Hände küssen. Dafür, dass er uns aus diesem Loch befreite. Nicht mit handwerklichem Einsatz, sondern durch faire Beratung, dass wir das Tool am Fahrzeug haben, auf das man sich offroad verlassen kann.

Die am Pisten-Landy verbaute Winch ist diese:

https://4ward4x4.de/novawinch-12500-pro-sr


Offroad-Reiseliteratur zu Rumänien und anderen Zielen gibt es in unserem kleinen Shop.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. Christoph Schmid

    Tolle Info, danke.
    Nova Winch kannte ich bisher noch nicht, aber wenn es sowas wie “gut und günstig” auch im Winch-Segment gibt, dann umso besser.
    Vielleicht lasse ich meinen kleinen Pickup dann auch noch irgendwann mit Winde ausstatten… spätestens für eine Rumänientour scheint sich das ja zu lohnen… 😀

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