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Raus aus der Wüste und schnell wieder rein

Genau 25 Tage ist es her, dass wir unseren Steyr an einer einsamen Stelle im weiten Talkessel parkten. Doch jetzt müssen wir unseren abgelegenen Platz verlassen, um uns zu versorgen. Wasser und Lebensmittel, vor allem Gemüse und Obst, sind knapp.
Vor zwei Wochen hatten wir die Telefonnummer eines „Generals“ bekommen (siehe hier), der uns den Weg in den nächsten Ort ermöglichen wollte. Wie die aktuelle Lage in Marokko ist, wissen wir nur aus dem Internet. Angeblich wird die Ausgangssperre scharf kontrolliert, Mund/Nasen Masken sind Pflicht und das Nicht-Tragen in der Öffentlichkeit wird auch mal mit Knast bestraft.
Andere, ebenso festsitzende Reisende, haben ein amtliches Dokument erhalten, auf dem genau ihr Weg zum Supermarkt vermerkt ist. Bummeln im Park ist nicht erlaubt.

Sabine hat sich einen Mundschutz genäht, ich nutze mein Buff als Schutz und los geht’s.
Den General haben wir am Tag zuvor unterrichtet, dass wir den Weg nach Rich antreten werden. Eine Antwort haben wir nicht erhalten, schon etwas seltsam.

Nach 8 Kilometer stoßen wir auf die Asphaltstraße und folgen dieser gen Norden. Kein Verkehr, die Cafes sind geschlossen. Vor der Moschee sitzen ein paar alte Männer auf einer Mauer, ohne Mundschutz. 12 Kilometer später erreichen wir den Kreisel, in dem es nach Rich abzweigt. Hier ist ein Polizeicheckpoint, der die Zufahrt nach Rich abriegelt. Alles diskutieren nutzt nichts, ihre Anweisung ist klar, niemand ohne schriftliche Genehmigung fährt hinein, niemand ohne Genehmigung verlässt die Stadt. Wo wir her kommen interessiert nicht weiter. Die Telefonnummer vom „General“ lasse ich stecken, zum einen möchte ich keine Extrawurst, zum anderen sind Tomaten auch nicht so wichtig, dass ich deswegen telefoniere und um Hilfe bitte. Unseren Wassertank konnten wir schon auf der Hinfahrt an einer Tankstelle problemlos auffüllen. Auch hier keiner mit Mundschutz.
Drei oder vier kleine Läden hatten wir am Straßenrand schon entdeckt, diese besuchen wir auf der Rückfahrt. Wir bekommen die Basics, wie Kartoffel, Reis, Nudel, Thunfisch in Dosen, Karotten, Tomaten, Zwiebel, Orangen und Äpfel. Damit sollten wir drei weitere Wochen draußen in der Abgeschiedenheit überleben können. Masken gibt es übrigens hier nirgends zu kaufen.

Die Verkäufer sind freundlich, so wie immer, keine Angst, keine Panik. Während wir immer auf einen Mindestabstand achten, interessiert es die Einheimischen wenig. Im kleinen Laden drängen sich vier Männer an den Verkaufstresen, unterhalten sich, lachen. Ich frage mal vorsichtig nach der Abstandregel, die der König vorgibt und werde ausgelacht. „Wir kennen uns, hier ist niemand krank.“
Vor einem anderen Geschäft ist es 50:50. Die eine Hälfte von sechs Männern steht dicht gedrängt, während noch sieben weitere Personen mit Abstand warten, dass sie bedient werden.

Auf dem Land wird auf den Feldern gearbeitet, wie immer, die Cafes sind geschlossen, die Straßen leer. Keine Schulkinder, kein Verkehr.
Wir biegen von der Asphaltstraße auf unseren Schotterweg und verlassen diesen nach wenigen Kilometern, um querfeldein unseren Platz zu erreichen.
Wir haben den Eindruck, in den letzten 25 Tagen nichts verpasst zu haben.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 4 comments

  1. Uwe & Bianka

    Hallo Sabine und Burkhard,
    es ist herzerfrischend Euren Artikel zu lesen. Wir senden Euch herzliche Grüße von einem Campingplatz in der Einsamkeit Mittelschwedens. Vielleicht habt Ihr mitbekommen, dass Schweden hinsichtlich Corona als einziges Land Europas einen eigenständigen Weg geht und es hier nur Empfehlungen, aber keine Verbote gibt. Wir können uns frei bewegen und haben beschlossen, so lange zu bleiben, bis sich die Lage in Deutschland wieder normalisiert.
    Euch noch eine gute Zeit in Marokko. Bleibt gesund!

  2. Lisa Caravanci

    Hallo,
    ich lese hier schon seit langem immer mal mit und finde es aktuell – da ich selbst mit meinem rollenden Zuhause nicht in Deutschland bin – besonders interessant, von euren Erfahrungen zu lesen. Es freut mich sehr, dass ihr doch relativ problemlos an Frischwasser und frische Lebensmittel gekommen seid.
    Hier in der Türkei ist an diesem Wochenende das erste Mal Lockdown – ziemlich spontan am Freitagabend beschlossen, woraufhin viele Menschen unterwegs waren… ob diese 2 Tage so manchen Massenauflauf an Kiosken und Tankstellen rechtfertigt? Naja, es bleibt spannend.

    Ihr seid normalerweise aber auch nicht so lange an genau einem Ort oder? Wie gehts euch damit, wenn ich fragen darf? 🙂

    Euch einen schönen Ostersonntag und uns allen gutes Durchhaltevermögen.
    Viele liebe Grüße von Asien nach Afrika 😀
    Lisa

    • Markus Meier

      Moin!
      Da ist unser Kontaktbereichs Militär ja besser drauf.
      wir stehen seid 4 Wochen ca.30km östlich von tagounite mit 2 Steyr,das Militär hatte uns nach 2tagrn entdeckt. Länge Diskussion,dann wären wir uns einig ,dass wir dort eigentlich richtig stehen. Seid dem kamen die alle 3tage vorbei,fragen ob wir irgendwas brauchen. es gab eine Telefon Nummer vom nächsten Posten. Nach einer Woche haben die dann nach Liste für uns eingekauft und uns das auf den nächsten berg gebracht. Vor drei Tagen sind wir dann in den Nächsten Talkessel umgezogen…mit dem Militär Platz gesucht,die Nächstlegende Farm noch angewiesen uns Wasser zu geben usw.
      Heute morgen kam dann der Oberst selbst mit einer Abordnung..die haben uns jetzt ungefragt essen für 200€ gebracht…incl. hähnchen, Rindfleisch,90 Eier, Gemüse..und Masken. und das alles umsonst! und wenn wir was brauchen oder einkaufen wollen…nur bescheid sagen…
      ohne Worte..stellt euch das Mal in Deutschland vor!
      Bin jetzt das dritte Mal in Maroc…es gibt jedes Mal eine Steigerung!
      Gruß Markus

  3. Detlev

    Hallo,
    ich freue mich, dass es Euch Reisenden egal ob in Marokko, Schweden oder der Türkei gut geht und Ihr egal wo, auch gesund seid.
    Ich kann es mir nicht verkneifen mal eine Lanze für D zu brechen:
    Sicher würde man hier kaum von irgendeiner Kommune oder Behörde ein Care-Paket gebracht bekommen, was m. E. hier allerdings auch kaum nötig wäre. Aber im Moment gibt es für eine große Masse an Menschen sehr großzügige finanzielle Hilfen, abgesehen davon, dass ca. 240.000 Menschen vom AA aus aller Welt nach Hause geholt wurden. In Marokko leben viele Menschen an der Armutsgrenze. Ich weiß nicht, ob die auch Care-Paketen erhalten. So rührend und freundlich ich solche Gesten auch gestrandeten Touristen gegenüber finde.
    Ob der schwedische Weg mit Covid-19 umzugehen sich bewährt, bleibt abzuwarten. Ganz ungeteilte Zustimmung findet dieser Weg auch nicht bei den vielen schwedischen Wissenschaftlern und die ersten Verbote sind auch bereits erlassen.
    Beachtenswert finde ich bei all den Erfahrungen und Bewertungen auch die Strukturen eines Landes einzubeziehen. In D mit seinen 83 Mill. Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von ca. 232 Menschen/km² wird man sicher einen anderen Weg einschlagen müssen als bei z.B. 10 Mill. Einwohnern in Schweden wo 23 Menschen pro km² leben.
    Bleibt alle gesund und lasst es Euch gut gehen wo immer Ihr seid.
    Viele Grüße aus Berlin / Brandenburg
    Detlev

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