Russischer Bergepanzer in Aktion
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Bergepanzer in Aktion

Die Lektion mit dem Bergepanzer

„Das dauert länger, da koche ich mal einen Kaffee“, meint Sabine beim Anblick der blockierten Piste durch eine Planierraupe.
In der Zeit bis das Kaffeewasser kocht, sehe ich mir die Arbeiten an der Baumaschine mal an. Eine Handvoll Arbeiter schlägt mit einem Vorschlaghammer Blech krumm, ein Dieselgenerator läuft und erzeugt Strom, mit dem der Schweißer etwa 10mm dicke Bleche an den Ketten fixiert.

Liebherr Planierraupe wird abgeschleppt, wie ein Schlitten

Liebherr Planierraupe wird abgeschleppt, wie ein Schlitten

Wir sind auf der holprigen Piste zurück von der Rybatschi-Halbinsel. Der Chef erklärt, dass die Raupe im Morast versenkt wurde, einen Motorschaden hat und die Antriebswellen blockiert sind.
Mit dem Bergepanzer wird sie nun wie ein angehangener Schlitten die 60 Kilometer zur Asphaltstraße gezogen.
Und schon gibt der Kommandant das Signal zum Aufbruch. Ich denke noch kurz über die Kosten der Aktion nach. Denn zum Bergepanzer gehört ein Ural mit einem 3.000 Liter Dieseltank und insgesamt tanzen 12 Männer bei der Bergeaktion. Möge es uns mit der Pistenkuh nie widerfahren, dass ein solches Gerät mit massivem Aufgebot anrücken muss.

Bergeaktion einer Planierraupe mit Bergepanzer

Bergeaktion einer Planierraupe mit Bergepanzer

Der Panzer startet den Motor, schwarzer Qualm hüllt uns ein. Es riecht angenehm nach verbranntem Diesel. Und dann zerrt das Ding los. Ich habe Mühe, mit dem Steyr das Tempo auf der schlechten Piste zu halten. Die 18 Tonnen der Raupe, die er hinter sich her schleift,  interessiert den Panzerfahrer nicht. Für mich als Ungedienten ein mächtiges Spektakel. Die Erde bebt.

An einem breiteren Stück lässt er mich überholen, aber nur um mir Angst zu machen.
Er lässt nicht locker und jagt die kleine Pistenkuh mit dem Panzer vor sich her. Die Raupe rutscht hinter dem Panzer hin und her wie ein Schlitten auf abschüssiger Piste. Der Blick in meinen Rückspiegel macht Angst und beeindruckt mich zugleich.
Nach etwa 2 Minuten muss der Kommandant wohl seinen Spaß gehabt haben und gibt scheinbar Anweisung, das Tempo zu drosseln und wir vergrößern den Abstand.
Eine beeindruckende Aktion.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 3 comments

  1. Stephan und Heidi aus Big Blue vom Hof Schwarzes Moor

    Tja, die einfachsten Lösungen sind oft die effektivsten. Deswegen hat der Westen ja so Angst vor den Russen. Die kommen zu Fuß oder Fahrzeugen ohne Elektronik, Navi und Einparkhilfe. Und helfen dann sogar noch. damals beim Elbehochwasser haben ehemalige Sovjettruppler mit ihren riesigen Vierachsern teilweise Hindernisse aus der Elbe gezogen und gefährliche Gegenstände geborgen und gesichert.
    Auch das war beieindruckend. Und deswegen sind diese Leute bei uns eher willkommen als angsteinflößend.

  2. Bernd

    Klasse! Weiter so.

    Ich freue mich auf 2019, da ist Karelien geplant.

  3. Max

    Wie immer, ein Lesevergnügen!

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