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Iran - Arabische Halbinsel

Offroad-Abenteuer in der Nefud-Desert

Auf dem Satellitenbild sieht die Landschaft beeindruckend aus. Am südlichen Rand der Nefud-Desert ragen schroffe, blau-schwarze Felsmassive aus dem gelben Sand in den Himmel. Der Anblick aus dem Weltall ist bizarr, wie verrückt mag diese Landschaft vor Ort aussehen? Ein Grund hinzufahren und es sich anzusehen. Das Offroad-Abenteuer in der Nefud-Desert beginnt.
Wir verlassen die Asphaltstraße, die von Al-Ula nach Hail führt, genügend Diesel für den 200-300 Kilometer Abstecher durch weichen Sand haben wir an Bord.
In der Kühle des Morgens fahren wir nach Norden. Zunächst ist die Orientierung einfach, ein Spurenbündel verläuft genau in unsere Richtung. Vor ein paar Tagen hat es geregnet und so bildet sich gleich ein Flaum aus frischen Gräsern auf dem weiß-gelben Sand. Kaum zu glauben, dass so viele Samen in der Wüste die Trockenheit überstehen, bis zu dem Tag, an dem der Regen fällt.

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An sandigen Passagen fächert sich die Piste auf, oft folgen wir einzelnen Spuren, die von unserm Kurs nach Osten abdriften und nicht zu unserem Ziel führen. Hohe Sanddünen gibt es hier nicht, daher ist Gelände relativ einfach zu befahren. Der Sand ist zwar weich, aber mit abgesenktem Reifenfülldruck keine Herausforderung für unseren Steyr. Wegen der flachen Wüstenlandschaft ist auch die Orientierung einfach. Am frühen Nachmittag erreichen wir die erste bizarre Felsformation und beschließen Brot zu backen und die Nacht hier zu verbringen.

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Offroad-Abenteuer in der Nefud-Desert

Am folgenden Tag kommen wir zunächst schnell voran. Wir folgen einer sandigen Piste, die wieder Nord-Nord-Ost führt und kontinuierlich an Höhe gewinnt. Vor uns erscheint die erste schwarze Geröll und Felsbarriere, die an dieser Stelle die Nefud zum Süden abriegelt und durch die wir einen Durchlass finden müssen. Wir weichen nach Osten aus, auf der Detailkarte ist hier ein Pass eingezeichnet, durch den der Übergang gelingen könnte. Tatsächlich, wir treffen auf Spuren, die zielstrebig auf den Sattel zusteuern. Wir gewinnen nochmals an Höhe und stehen drei Kilometer später auf dem Pass. Doch statt weiter Aussicht in die Nefud-Desert sehen wir ein seltenes Naturschauspiel. Im Tal, entlang der Felsbarriere, ziehen dichte Nebelwolken auf. Ein faszinierender Anblick, den man sonst nur von Küstenwüsten wie der Namib kennt, doch hier ist das nächste Meer, der Persische Golf, rund 1.000 Kilometer entfernt. Wir kochen Kaffee und sehen zu, wie die aufsteigende Sonne die Nebeldecke nach oben treibt, sich Wolken bilden die höher steigen und in nichts auflösen.

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Die Abfahrt nach Norden ist ein Abenteuer für sich. Die Piste endet auf dem Pass, nur Spuren, die scheinbar von zwei Geländewagen stammen, führen weiter. Nach Norden fällt das sandige Plateau relativ steil ab und der Sand ist deutlich softer als auf der langgezogenen südlichen Steigung.
Die Spuren schlängeln sich durch Felsbrocken und führen stetig im weichen Sand bergab. Wie Skifahrer im Neuschnee schwingen wir mit dem Steyr ins Tal.
Doch dann rücken die Felsen an einer Stelle so dicht zusammen, dass der Platz soeben für die Passage mit Geländewagen evtl. noch für Fahrzeuge in Sprintergröße ausreicht. Für unseren Steyr ist es auf jeden Fall zu eng. Blöd nur, dass genau vor dieser Engstelle eine etwa 30 Meter lange, steile, weiche Abfahrt war. Klar, man hätte vorher die steile Passage mal zu Fuß abgehen können, man hätte mal gucken können, wie es hinter dem Eck weiter geht. Klar, hätte, hätte Fahrradkette. Blöde Situation. Vorwärts geht es nicht weiter, Drehen ist in der Düne ohne umzukippen nicht möglich und etwas Anlauf nehmen geht auch nicht. Es geht nur rückwärts und ohne Schwung. Also die Hinterachse sperren (Untersetzung und Mitteldifferentialsperre sind sowieso schon eingelegt) und dann mal vorsichtig anfahren.

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Shit, es bewegt sich nichts, die Räder beginnen gleich zu graben. Einzige Chance, den Reifenfülldruck auf ein Minimum reduzieren. Ich lasse den Druck auf 1,5 bar ab, nicht ganz das machbare Minimum aber mit 1,5 habe ich Erfahrung, es war auch noch nie nötig, noch weiter abzulassen. Tatsächlich, der Steyr setzt sich in Bewegung. 1600 Umdrehungen zeigt der Drehzahlmesser, der Turbo pfeift und rund 220 Pferde schieben unser Wohnmobil mit halber Schrittgeschwindigkeit die Düne hoch als sei sie aus Beton.
Oben angekommen kocht Sabine erst mal Kaffee, während ich den Druck in den 14.00-Reifen wieder auf 2,5 bar erhöhe.

Irgendwie müssen wir in das nördliche Tal hinab kommen. Es bleibt nichts anderes übrig, als weiter nach Osten auszuweichen, notfalls die Felsbarriere komplett zu umfahren, was etwa 60 Kilometer zusätzlich bedeutet. Wäre aber kein Problem, denn Diesel ist genügend an Bord.
Der zweite Versuch bei einem Pass etwa 6 Kilometer östlich scheitert ebenso. Die Fahrspuren enden in einem Abhang aus Geröll, mit Steinbrocken so groß wie Kühlschränke. Doch nach 20 Kilometer gibt es einen befahrbaren Durchlass, der uns die nördliche Ebene der Nefud-Wüste frei gibt.

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Kilometer um Kilometer fahren wir auf festem Sand. Immer wieder führt unser Weg an grotesk geformten Felsengebilden vorbei. Mal schroff, hart und unnachgiebig aus schwarzem Gestein, mal aus hellgelbem über ocker bis hin zu rotem Sandstein und vom Wind rund und weich geschliffen.
Für die Nacht wählen wir eine windgeschützte Nische in einem der eigentümlich geformten Sandsteine.

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Am nächsten Tag fahren wir entlang der Felskette weiter nach Norden. Immer wieder sehen wir Durchbrüche in der Felswand, kleine Fenster, aber auch mehrere gigantische Torbögen.

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Obwohl der Sand kaum Unebenheiten aufweist und wir hier schnelles Tempo fahren könnten, steigt die Tachonadel selten über die 30iger Marke hinaus. Zu sehr beeindruckt uns die Landschaft, an der wir uns nicht satt sehen können. Gegen Mittag erreichen wir die Asphaltstraße, die eine Beduinensiedlung an Hail anbindet.

Diese Drei-Tages-Tour ist kein Highlight, sondern Reisealltag in Saudi-Arabien. Bisher sind wir acht Routen gefahren und jede dieser Strecken bietet dem Offroad-Reisenden diesen Wow-Effekt bei dem man sich fragt, wo sonst auf der Welt gibt es diese Kombination aus Schönheit, Freiheit und Fahrspaß?

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This article has 4 comments

  1. Martin

    Next Level Bilder und insgesamt ein schicker Post, hast nochmal richtig zugelegt, Burkhard! Viel Spaß weiterhin!

  2. Bernhard

    Herrliche Eindrücke,
    herzlichen Dank dafür.
    Euch weiter gute Fahrt und safe return
    Bernhard

  3. EDi&Cordy

    Sehr beeindruckend wie Ihr diese Solofahrt in unbekanntes (undokumentiertes?) Terrain „erledigt“!

    Alles Gute!
    Edi&Cordy
    we-travel.at

  4. Ingrid

    Umwerfende Bilder!
    Aber das Beste: in eurem jüngsten Newsletter schreibt Ihr, dass Ihr ein Tourenbuch über Saudi-Arabien schreibt.
    Hammer !!! :-)) Wir freuen uns sehr!
    Hoffentlich sind genügend Touren auch für Fahrzeuge wie unseren Defender enthalten.

    Alles Gute für Euch weiterhin und ein schönes und gesundes Jahr 2023

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