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Landweg nach Indien

Der Opiumhändler

Wir wollen nach Afghanistan

In Pakistan fahren wir bei Regen in die Hauptstadt Islamabad, wegen der leckeren Sahneteilchen und dem Candellight-Dinner-Büffet des Holiday Inn. Sahneteilchen waren wieder super, doch das Büffet hat an Auswahl nachgelassen und der Preis ist um 25% angehoben worden. Zudem war der Service unaufmerksam, weil gerade ein Kricket-Spiel im Fernsehen lief.
Am übernächsten Tag dann nach Peshawar am Fuße des Khyber-Passes. Wir wollen versuchen über Afghanistan in den Iran zu fahren.
Wir brauchen ein Touristen-Visum für Afghanistan, eine Straßenbenutzungserlaubnis für unsere Kuh und eine Fahrgenehmigung mit Bewachung über pakistanisches Stammes-Gebiet bis zur Grenze.

Der Opiumhändler

Am Abend gehe ich auf den Markt, kaufe Hühnchen und Fladenbrot. In einer Nebengasse werden Waffen jeder Art angeboten. Von Kleinstwaffen in Form von Kugelschreibern bis hin zu Geräten, die man auf einem Anhänger transportieren müsste. Alles in Pakistan gefertigt. Fotografieren habe ich mich nicht getraut, hatte Angst die Dinger gehen los.
Eine Straße weiter wird Rauschgift (Opium) offen in kleinen und auch größeren Tüten in kleinen Geschäften angeboten. Das Zeug kann man hier kaufen wie bei uns Mehl und Zucker.
Hinter einer der Theken sitzt ein Mann in meinem Alter, sieht aus wie Bin Laden persönlich, wir kommen ins Gespräch. Nach dem üblichen Smalltalk frage ich:
Maschinengewehr„Ich will nach Afghanistan, nach Kabul, Mazar e Sharif und Herat, meine Regierung sagt es sei äußerst gefährlich, andere sagen, das Risiko sei relativ gering. Was ist ihre Meinung?“
„Aha, du willst da hin wegen der Mädchen“, davon war nie die Rede und ich bin überrascht das er sofort damit beginnt. „In Afghanistan findest du die hübschesten, jüngsten und billigsten Mädchen und Frauen. Und die Frauen lieben die Deutschen, viele haben von den Soldaten deutsch gelernt. Bei den Kasernen gibt es Bordelle, die von den Soldaten gerne besucht werden.“ Er sieht meinen skeptischen Gesichtsausdruck, „du glaubst mir nicht. Fahr hin und guck es dir an.“ Ich glaube es ihm wirklich nicht, aber nach kurzem Überlegen ist mir dann schon klar, das natürlich für das leibliche Wohl von Tausenden von Soldaten fern der Heimat gesorgt werden muss. Und Afghanistan ist eines der ärmsten Länder, wo jeder und jede sieht, wie man zu Dollars oder Euros kommt.
„Und wie ist es mit meiner Sicherheit?“
„Mach dir keine Sorgen, keiner wird einem Gast etwas schlechtes zufügen. Gastfreundschaft hat bei uns eine lange Tradition.“
„Aber es kommt gelegentlich zu Übergriffen auf deutsche Soldaten.“
„Ich habe dir doch gesagt, dass Gastfreundschaft eine lange Tradition hat, aber wer zu uns kommt und unsere Tradition bekämpft, der kann keine Gastfreundschaft erwarten.“
„Tun das die Soldaten?“
Pakistani„Nimm als Beispiel das Opium. Opium wird bei uns seit Jahrhunderten angebaut und geraucht, es ist eine legale Droge, so wie bei euch Bier und Alkohol, der bei uns verboten war. Der Opiumanbau gehört bei uns zur Tradition, so wie bei euch das Bierbrauen. Jetzt soll der Opiumanbau verboten werden und die Soldaten, vor allem die Amerikaner, brennen unsere Felder ab. Bier und Whisky kann man jetzt in jeder Stadt ganz legal kaufen. Die brennenden Opiumfelder sind ein Symbol dafür, dass ihr unsere Kultur und unsere Traditionen niederbrennt und zerstört.“
„Aber wir helfen doch beim Aufbau, wir bauen neue Straßen und Infrastruktur auf.“
„Dafür erwartet ihr Dankbarkeit. Die bekommt ihr auch von den korrupten Regierenden und den reichen Geschäftsleuten, die sich an euren Aufträgen erst einmal selbst bereichern. Und guck dir an, wer auf den neuen Straßen unterwegs ist, das sind vor allem eure gepanzerten Wagen und die der Reichen. Dem Bauern ist es egal, ob er mit seinem Esel auf einer alten oder neuen Straße reitet.“
Ich nehme mein Hühnchen und gehe. Sicherlich ist die Aussage eines Opiumhändlers nicht repräsentativ für Afghanistan.

Am nächsten Tag machen wir die Behördenrunde. Die Fahrgenehmigung bis zur Grenze gibt es problemlos im Home- and Triblearea-Department der Polizei. Das Touristenvisum gibt es für 30 Dollar innerhalb von zwei Stunden und gilt 30 Tage. Nur die Straßenbenutzungsgenehmigung für Afghanistan wird uns verweigert. Diese gab es bis vor einigen Monaten noch problemlos für ein paar Dollar in der afghanischen Botschaft. Jetzt ist der Botschafter nicht mehr befugt, diese Genehmigung zu erteilen. Dafür müssten wir zurück nach Islamabad und auch dort wird sie nur noch für humanitäre Hilfstransporte erteilt. Wir könnten aber mit dem Bus zur Grenze fahren und uns mit öffentlichen Verkehrsmittel in Afghanistan frei bewegen.
Wir hätten uns für Pakistan ein Touristenvisum holen sollen, denn so bleibt uns nicht die Zeit für den Genehmigungsaufwand in Islamabad. Irgendeine Organisation, der wir einen Sack Reis nach Kabul gefahren hätten, hätte sich schon gefunden.
Also geht es durch Belutschistan nach Iran.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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