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Unterwegs in Mauretanien
2004 Westafrika

Der längste Zug der Welt

Wir verlassen Nouadhibou genau in Richtung Osten. Die Piste führt entlang der Eisenbahnlinie, die das Erzabbaugebiet Zouerat mit dem 800 Kilometer entfernten Nouadhibou verbindet. Die Erzzüge befahren die Strecke mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h und werden teils von drei schweren Dieselloks gezogen und von zwei Loks geschoben. Der Zug gilt als der längste Zug der Welt.

erzzug

Erzzug in MAuretanien. Die bis zu drei Kilometer langen Züge gelten als die längsten Güterzüge der Welt

Wir folgen der Strecke über endlos lange Schotterebenen und einigen Dünenfeldern, die ein Luftablassen der Reifen erforderlich machen. Für die knapp 400 Kilometer lange Piste bis Choum brauchen wir drei Tage. Eine Nacht stehen wir direkt am Bahngleis und werden von den schweren Dieselmotoren der Loks geweckt. Als der Zug endlich auf unserer Höhe ist bietet sich ein spektakuläres Bild: Die Räder der Erzwagen schlagen teilweise Feuerfunken, wenn sie an den Gleisen entlang drehen.
Unterwegs sehen wir zwei oder drei Stellen, wo es zu einem Unglück gekommen sein muss. Erzwagen liegen verbeult auf einem Haufen im Sand neben der Strecke.
In Choum kaufen wir ein. Obwohl wir nur für unser Abendessen Gemüse kaufen haben wir fast den gesamten Markt aufgekauft. Ein Erlebnis war der Metzger, der mit einer Axt das auf dem Boden liegende Kamel in Stücke hackt und verkauft.
Wir ändern die Richtung von 90 Grad Ost auf 180 Grad Süd und erreichen nach 120 Kilometern ausgefahrener Piste die Stadt Atar.

Taxi ohne Sprit

Drei Kilometer vor der Stadt steht ein vollbesetztes Taxi mit plattem Reifen am Straßenrand. Wir halten und bieten unsere Hilfe an. Schnell ist der Druckluftschlauch ausgepackt, mit unserem Kompressor verbunden und der Reifen wieder fahrbereit, zumindest bis in die Stadt. Jetzt fehlt nur noch Diesel, denn das Taxi ist völlig trocken gefahren.

abschleppen mit deutz

Kleine Gefälligkeit, mal das Taxi zur Tankstelle geschleppt

Wir holen den Bergegurt aus der Dachbox und binden den Mercedes hinter den Deutz.
An der Tankstelle müssen alle Fahrgäste den Fahrpreis entrichten, es reicht für 6 Liter Diesel und die Taxifahrt geht weiter.
Inzwischen haben wir einige Fahrzeuge mit platten Reifen am Straßenrand wieder flott gemacht, Werkzeug verliehen und abgeschleppt. Immer kostenlos – klar. Die Mauretanier sind allerdings geschäftstüchtiger. Ein Spanier sollte für das Abschleppen seines Pajero 200 Euro zahlen.
Wir füllen unsere Vorräte an Wasser und Lebensmittel, wobei sich Lebensmittel auf Brot, Kartoffel, Zwiebel, Karotten, Mehl, Öl und – zum Glück – Coca-Cola beschränkt, viel mehr gibt es in ganz Mauretanien nicht zu kaufen.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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