Autohaus von Mercedes, wirklich?
2004 Westafrika

Ghana – Horror im Paradies

Sabine geht es schlecht. Fieber kommt hinzu. Vorsorglich behandeln wir auf Malaria. Sabine geht es besser, doch nach einigen Tagen kommt es heftig zurück. Im Ort möchte ich ein Taxi für die Fahrt ins 5 Kilometer entfernte Hospital organisieren, weil unser Deutz als Anker für Sonnensegel und Hängematte am Strand gebraucht wird. Das erste Taxi springt nicht an, das zweite Taxi hat nicht genügend Benzin für die 5 Kilometer und das dritte, letzte Taxi ist gerade auf dem Weg, Benzin für das zweite Taxi zu holen.
Ich will gerade gehen, als das erste Taxi doch anspringt.
In der Krankenhaus-Rezeption empfängt uns laute Musik. Auch beim Arzt ist eine Verständigung kaum möglich, weil das Radio volle Lautstärke Ghana-Musik spielt. In den Fluren sitzen Menschen dicht gedrängt, spucken auf den Boden und unterhalten sich lautstark. Hier wird man schneller krank als gesund.
Im Laborzimmer arbeiten zwei Mitarbeiter, natürlich mit zwei Radios, die verschiedene Sender in voller Lautstärke spielen. Sie stellen fest, dass es sich nicht um Malaria, sondern um eine Lebensmittelvergiftung handelt. Wir kündigen noch am gleichen Tag unserer Köchin. Nach drei Tagen geht es Sabine wieder gut.

Das Deutsche Restaurant

Im Dorf hält man mir eine ledergebundene Speisekarte eines Berliner Edel-Restaurants hin. Der Ghanaer spricht Deutsch und sagt er sei Koch in diesem Restaurant gewesen und habe jetzt hier im Dorf ein deutsches Restaurant. Obwohl mich inzwischen nur noch wenig überrascht, will ich das Restaurant sehen. Er führt mich in ein unscheinbares Haus und zeigt voller Stolz sein aus einem Tisch mit vier Plastikstühlen bestehendes Restaurant.
Ich will die Küche sehen. Zehnkilo-Dosen mit Sauerkraut, Rotkohl und Grünkohl stehen auf dem staubigen Regal. Dazu einige Dosen Hackfleisch und Rouladen, alles aus Deutschland importiert. Ich wundere mich über den Rost auf den Dosen und suche das Verfallsdatum. 1999 oder 2000 ist auf allen Dosen zu lesen.
Auf meine Frage, ob die Lebensmittel denn noch gut seien, führt er mich zu einer Gefriertruhe, öffnet diese und zeigt mir Töpfe und Schüsseln, die mit einer dicken Eisschicht überzogen sind. „Ich habe schon alles vorgekocht, wenn Gäste kommen mache ich es nur warm.“ Später stellt sich heraus, das ein Freund die Speisekarte in Deutschland geklaut hatte, er dachte wohl, die Karte sei im Menüpreis enthalten.

Zu Gast bei Nana

Nana betreibt ein kleines Restaurant im Dorf, es besteht aus einem Tisch mit vier Stühlen. Als er uns die Karte bringt, kniet er sich neben den Tisch, bekreuzigt sich und dankt Gott für seine Gäste. Es ist noch früh am Morgen, so frühstücken wir nur Rührei mit Brot und reservieren den Tisch für das Abendessen. Nana wird zum Hafen gehen und zwei schöne große Fische aussuchen. Am Abend kommt die Enttäuschung, er hat die Fische zu lange auf dem Grill gelassen und sie sind verbrannt. Kein Problem, Nana gibt uns die Haifischstücke, welche die Gäste bestellt haben, die den Tisch nach uns reserviert haben. Für diese wird er irgendwo noch ein paar andere Fische organisieren.
Nachdem wir gegessen haben tritt Nana hinter jeden einzelnen, legt die Hand auf die Schulter, schließt seine Augen und spricht ein Gebet, damit wir sein Essen gut vertragen. Wir mögen ihn und kommen jeden Tag. Kein einziges Mal gelingt ihm das Gericht, was er uns zuvor angekündigt hat. Meist kauft er dann im Nachbarrestaurant Essen, was er uns serviert.

The International Rasterman Taxi Company

Wir sitzen mit den Holländern zusammen am Strand vor unseren Autos.
Philip, ein junger Joint-rauchender Raster-Mann setzt sich zu uns und erzählt, dass er bald ein Taxiunternehmen hat. Vor zwei Jahren hat ein Engländer ihm versprochen, wenn er aus seinem Urlaub zurück in England ist, 1000 Euro zu senden. Seit dem wartet Philip auf das Geld.
„Könnt ihr mir nicht 1000 Euro leihen ? Dann kann ich in Accra ein gutes Taxi kaufen und Touristen fahren, dann gebe ich euch 2000 Euro zurück.“
„Wenn man so schnell Geld verdienen kann, dann verkaufen wir unsere Autos und kaufen 50 Taxis.“ Wir fangen an zu spinnen, planen eine internationale Taxi Company. Von New York über Rio bis nach Tokio nur jointrauchende Rastermänner in den Taxis.
Am nächsten Tag, die Spinnereien haben wir schon längst vergessen, kommt Philip mit einem potentiellen Käufer für unsere Autos. Sein Vater kommt ebenfalls in seinem besten Anzug und zeigt uns all seine Papiere und will eines der Taxis fahren. Joints rauchen ist kein Problem.
Wir erklären die Situation, schieben den schönen Traum auf zuviel Palmwein und Joints, obwohl wir wirklich nichts getrunken oder geraucht haben.
Philip tut uns leid, wir werden nie wieder solche Scherze machen, die Einheimischen glauben den Weißen einfach alles. Jetzt ist uns auch klar, warum so viele Missionare hier ihr Paradies gefunden haben.

Der Schock

Jeffrey, der Holländer ist von einem unbekannten Tier gebissen oder gestochen worden. Sein Arm wird schnell dick und verursacht höllische Schmerzen. Der Arzt empfiehlt das Hafenkrankenhaus in der 50 Kilometer entfernten Kreisstadt. Eine Spritze muss gegeben werden. Ich sitze in der Empfangshalle und warte.
Alles ganz ordentlich, keine Spinnenweben in den Ecken, kein abgeplatzter Putz um die Türpfosten und auch die Steckdosen und Lichtschalter sind nicht aus der Wand gerissen, wie ich es in dem Krankenhaus gesehen habe, wo Sabine behandelt wurde.
Vor der Eingangshalle hält ein Pick-up Geländewagen. Ein Krankenbett wird gebracht und der Kranke, der auf der Ladefläche lag, wird in die Empfangshalle geschoben.
Oh mein Gott. Ein Arm ist abgerissen und liegt neben dem schwer Verletzten. Blut überall. Der Bauchraum ist offen und blutet stark, aber der Verletzte lebt, er stöhnt und bewegt sich. Sofort springen die Passanten und Kranken auf, die mit mir in der Empfangshalle warten, stehen im Halbkreis ums Bett und gaffen. Die Krankenschwester geht in aller Ruhe eine Schere holen und schneidet ihm die Kleider vom Leib. Der Verletzte macht eine Bewegung und der Arm fällt auf den Boden. Die Schwester legt den Arm ans Fußende. Keinerlei Hektik. Der Arzt kommt, wirft einen kurzen Blick auf den Verletzten und verschwindet wieder. Nach ein paar Minuten ist er mit zwei Blutkonserven zurück. Alles in Ruhe, nicht mal der Ansatz eines Laufschrittes ist zu sehen. Immer mehr Passanten kommen ins Krankenhaus und schauen zu. Einer telefoniert mit seinem Handy und beschreibt was er sieht. Der Schwerverletzte liegt nach 10 Minuten immer noch in der Empfangshalle. Jeffrey kommt aus dem Behandlungszimmer und wir gehen.

Das Glück ist bei uns

Auf dem Camp der Wli Waterfall Lodge

Auf dem Camp der Wli Waterfall Lodge

Wir verlassen die Küste Ghanas und fahren in Richtung Nord-Ost zur Grenze von Togo.
Bei den Wasserfällen von Wli, noch in Ghana, begegnen wir Sabine und Bernhard, einem deutsches Ehepaar. Vor fünf Jahren wollten sie zwei Jahre durch Afrika reisen, haben dann diesen tollen Platz entdeckt und sind geblieben. Inzwischen haben sie einen kleinen Campingplatz, mit Restaurant und vermieten ein paar Zimmer.
Wir richten uns auf dem Camping ein. Die meiste Zeit verbringen wir mit Bernhard und Sabine auf deren Terrasse. Von hier blicken wir über tropischen Regenwald bis hin zur Gebirgskette, welche die Grenze zwischen Ghana und Togo bildet. Wir beobachten abends das Farbenspiel des Sonnenunterganges und obwohl es jeden Abend gleich ist, fasziniert es uns immer wieder neu.
Von Paula und Jeffrey, den Holländern, mit denen wir sieben Wochen in Ghana zusammen gereist sind, haben wir uns hier getrennt, sie sind jetzt auf dem Weg in den Kongo.

Ungeliebter Chef ?

Der Chef einer Truppe deutscher Entwicklungshelfer hat Geburtstag. Er möchte groß feiern und bestellt für 18 Mann ein opulentes warmes Büffet im Restaurant.Doch der Chef scheint nicht sonderlich beliebt, denn seine Mannschaft wurde reihenweise krank, Autos blieben liegen und alle fünf Minuten entschuldigte sich einer seiner Mitarbeiter telefonisch. So waren am Ende nur 5 Personen anwesend. Wir wurden kurzerhand zur Geburtstagsfete eingeladen, hatten einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen und viel Essen und Trinken.Von den Entwicklungshelfern erfahren wir, das eine Deutsche Baufirma nur 50 km entfernt ein großes Baucamp unterhält und eine Strasse baut. Die könnten bestimmt unseren immer noch kaputten Reifen reparieren. Am nächsten Tag fahren wir zu dem Camp. Fünf Deutsche arbeiten hier und 500 Arbeiter aus Ghana. Ich bin baff als ich die Werkstatt und die vollen Container mit Ersatzteilen sehe. Wir werden zum Mittagessen eingeladen und lernen einen weiteren Gast kennen. Er kommt aus Kanada und ist Missionar. Seit 14 Jahren lebt er mit seiner Frau in einem kleinen unbekannten Dorf und übersetzt die Bibel in eine Sprache, die nur in diesem und drei weiteren Dörfern gesprochen wird. Nach dem Essen bekommen wir einen gebrauchten Reifen geschenkt. Zudem wird eine große Inspektion an unserem Deutz durchgeführt und als ich ihn aus der Werkstatt hole, ist sogar das kaputte Blinkerglas ersetzt.
Nach acht Tagen verlassen wir den Campingplatz bei Sabine und Bernhard und stehen nach ein paar Stunden an der Grenze zu Togo.
Wir haben kein Visa, weil uns jeder erzählte, das Visa gibt es schnell, problemlos und billig an der Grenze. Aber nicht hier an diesem kleinen Grenzübergang. Der Grenzbeamte will seinen Vorgesetzten anrufen, doch die Verbindung kommt nicht zustande. Wir warten. Vier Stunden später, inzwischen ist es dunkel, klappt es tatsächlich und wir sollen persönlich zum Chef kommen. Zum Glück ist die Stadt nur 12 Kilometer entfernt und sowieso auf unserem Weg.
Wir werden freundlich empfangen. Der Chef möchte, das wir im Hotel übernachten und am nächsten Morgen unter Polizeischutz in die 250 Kilometer entfernte Hauptstadt gebracht werden, um dort ein reguläres Visa zu beantragen. Shit, ich will nicht in die Hauptstadt, sie liegt in entgegengesetzter Richtung und bedeutet 500 Kilometer Umweg, ich will keinen Polizeischutz, den ich natürlich zahlen muss und ich will nicht ins teure Hotel.
Unsere Lage ist beschissen, wir müssen ganz kleine Brötchen backen. Aber es gelingt uns, das wir für die Nacht auf dem Polizeihof campen dürfen – kostenlos.
Weiter Verhandlungen ergeben, dass wir unter Polizeischutz zur Grenze nach Benin gebracht werden, da wollen wir ja schließlich hin. Zudem ist diese nur 150 Kilometer entfernt. Wir einigen uns, dass wir dem Polizisten, der bei uns im Auto mitfährt, die Busfahrkarte zurück bezahlen, zudem seinen Tagesverdienst und ein Mittagessen, alles zusammen 15,- Euro. Das ist der halbe Preis des regulären Visa. Glück gehabt.
In Benin ändert sich unsere Richtung. Die Kompassnadel zeigt nun wieder nach Norden. Einige Tausend Kilometer später sind wir wieder in Bamako, der Hauptstadt von Mali. Wir suchen die Botschaft von Guinea, um Visa zu beantragen. Alle Anträge sind ausgefüllt, Kopien von diversen Dokumenten gefertigt und dann trifft uns fast der Schlag, als wir den Preis für die Visa erfahren. Umgerechnet 150,- Euro sollen wir bezahlen. Wir rechneten mit 40 Euro, wie für die meisten anderen Länder auch. Aber 150 Euro, das wären ja 300 DM und diese haben oder nicht haben sind schon 600 DM. Wie wir auch rechnen es ist uns zu teuer. Also machen wir uns auf den Weg in den Senegal, planen einen Abstecher nach Gambia und wollen ein paar Wochen am Strand relaxen, bevor wir uns auf die knapp 7000 Kilometer lange Heimreise machen.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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