Namibia
Südliches Afrika

Namibia Teil-2

Die Maschine der SAA landet mit etwas Verspätung in Windhuk. Wir werden am Flughafen erwartet und fahren direkt zur Lodge, auf der unser Deutz die sieben Wochen auf uns gewartet hat.
Batteriehauptschalter an, Zündung an und … sofort springt der Motor an, als könne er es gar nicht erwarten, aus dem dunklen Schuppen zu kommen. Wir sind jedoch vom Nachtflug total geschafft und fahren nur wenige Meter auf die Campsite.
Alles ist so, wie wir es verlassen haben, nichts ist geklaut oder beschädigt und auch im Inneren ist nichts verändert, Glück gehabt.

Am folgenden Tag geht’s raus. Erst mal im Supermarkt zwei Einkaufswagen füllen und die Basisvorräte wieder auffüllen, so dass wir wieder wochenlang autark sein können.
Unser Ziel ist der Norden, wieder ins Kaokoland und weiter zum Etoscha, bei dem wir uns mit Freunden treffen wollen. Auf dem Weg dorthin planen wir, durchs Ugab-Valley zu fahren. Straße oder Piste gibt es dort nicht, aber wir hoffen, im Flussbett fahren zu können und dort auf Wüstenelefanten zu stoßen. Dann mal los.

Reifenprobleme

Keine 150 Kilometer später verliert unser linker Hinterreifen Luft. Bisher dachte ich, dieser Reifen sei einer der Besten, die ich noch habe, hätte eher damit gerechnet das der rechte, mit zahlreichen Rissen versehene Reifen seinen Geist aufgibt. Shit.
Auf der Farm von Freunden repariere ich den Reifen mit den aus Deutschland mitgebrachten Karkassenflicken. Die Reparaturbedingungen sind ideal. Kein Zeitdruck, kein Dreck, warme Dusche, alles da. Beim Reparieren bemerke ich, dass aus dem Bremszylinder Flüssigkeit in nicht unerheblicher Menge rausläuft. Auch das Problem ist schnell behoben, ich klemme die Leitung einfach ab. Drei gebremste Räder reichen in Afrika auch.
Zwei Tage später die große Enttäuschung, meine Reparatur war nicht erfolgreich, im weichen Sand des Ugab löst sich der Flicken und Luft entweicht. Zudem wird der Riss immer länger. Unser Reservereifen ist nur noch ein Notrad, was die besten Zeiten schon lange hinter sich gelassen hat. Aber es wird schon klappen. Bis jetzt ist es ja noch immer gut gegangen.

Ugab Tal

Unterwegs auf der Suche nach Wüstenelefanten

Restaurantbesuche

In Windhuk gehen wir in eines der besseren Restaurants, das wegen seiner guten Küche in unserem Reiseführer ausdrücklich gelobt wird.
Die Steaks schmecken wirklich gut, ebenso die Beilagen und die „Monkey“-Soße – richtig gut.
Ich traue mich gar nicht zu fragen, aber ich will das Rezept von der Soße. Der Kellner holt den Koch aus der Küche, ich verspreche, das Rezept nicht zu veröffentlichen und nur für mich zu behalten.
Der Koch flüstert mir ins Ohr: „Wenn Sie es nicht weitererzählen, die Soße ist aus dem Supermarkt, die mache ich nur heiß. Gucken sie im Spar nach Soßen der Firma Steers, die mit dem violetten Deckel, schneiden Sie eine halbe Zwiebel und etwas Knoblauch rein und einen kleinen Schuss Portwein oder Madeira, fertig.“
(Anm. Monkey-Gland Soßen sind in Afrika üblich und kommen heute ohne Affenfleisch aus.)

Ein Freund erlebte im Restaurant folgendes:
Wir hätten gerne einen Tisch für Zwei.
– Suchen Sie sich einen aus, alle sind frei.
Wir nehmen den am Fenster.
– Der ist leider reserviert.
Dann der daneben?
– Der ist auch reserviert.
Welcher ist denn nicht reserviert?
– Nur der dahinten.

Unberührte Landschaft im Ugab-Valley

Unberührte Landschaft im Ugab-Valley

Fast verreckt

Wieder auf guter Piste unterwegs

Wieder auf guter Piste unterwegs

Seit vier Tagen sind wir im Ugab unterwegs immer auf der Suche nach Elefanten, aber ohne Glück. Wir umfahren den Brandberg (Namibias höchster Berg, 2.573 m) auf der Südseite und stoßen bei den Gobobosebbergen auf die kleine Schotterstraße D2342. Die ganze Gegend ist menschenleer, keine Farmer, keine Nomaden einfach nur Natur, Springböcke, Oryx-Antilopen, Zebras.
Plötzlich am Straßenrand ein altes Auto, und drei Männer die wild winken. Scheinbar hat der Wagen eine Panne, also halten wir an.

Im Wagen, ein zweisitziger Peugot mit Ladefläche, sitzen zwei Frauen und freuen sich, uns zu sehen. Seit drei Tagen sitzen sie am Straßenrand und warten, haben kein Wasser und nichts zu essen dabei.

Panne am Straßenrand

Panne am Straßenrand und beinahe verreckt.

Sie waren auf dem Weg von Swakopmund nach Khorixas und haben sich kurz vor Uis verfahren. Sie sind auf die D2342 eingebogen, und haben den Fehler erst bemerkt, als nach 90 Kilometern der Sprit ausging. Wir kochen erst mal Tee und einen Maisbrei, der hier billig zu haben und das eigentliche Hauptgericht der Schwarzen ist. Nebenbei erfahren wir, dass es sich nicht nur um fünf Personen handelt, wo ich mich da schon gefragt habe, wie die alle in dem Wagen Platz haben wollen, denn die Ladefläche ist vollgepackt mit Spermüll, sondern zwei weitere Männer sind auf dem Weg, den Gipfel des Brandbergs zu besteigen.
Ich halte es zunächst für einen Scherz, aber dann werde ich belehrt.
„Wir haben ja kein Wasser und unsere Freunde wollen vom Gipfel aus nach einer Farm Ausschau halten., wo wir Wasser und Essen kriegen.“ Das es sich hier nicht um die Cleversten handelt, wird noch deutlicher.
„Warum seit ihr bei Uis falsch abgebogen, die D2342 führt doch genau nach Westen, während ihr nach Norden müsst.“
„Es war niemand da, den wir hätten fragen können.“
„Ihr hättet es doch am Sonnenstand merken müssen?“
„Wir wissen nicht, wann die Sonne über Khorixas steht.“
Ich ziehe am Drucklufthorn und eine Stunde später kommen die Beiden angerannt. Also noch mal Tee und Maisbrei kochen.
Motorhaube auf. „Scheiß die Wand an, die haben den Motor hingerichtet“, sage ich zu Sabine. Der Vergaser ist auseinander gebaut und alle Schlauchleitungen durchgeschnitten.
„Was habt ihr gemacht?“
„Wir haben die Leitungen durchgeschnitten, weil wir dachten, da muss irgendwo noch Benzin drin sein. Das wollten wir mit der Kolaflasche auffangen und in den Motor schütten und so zurück nach Uis fahren.“
Ich gucke ungläubig: „Mit dem Sprit aus den Leitungen wolltet ihr 90 Kilometer fahren?“
„Ja.“
Auf unserer Landkarte ist in 15 Kilometer Entfernung eine Minen-Ruine eingezeichnet und auch ein Campingplatz.
„Wir fahren zum Camping und gucken, ob dort jemand ist. Falls ja, ziehen wir euren Wagen dorthin, falls nicht, suchen wir eine andere Lösung. Wir kommen auf jeden Fall zurück.“
Auf dem Camping leben zwei schwarze Familien und ein paar Hühner, also zurück und die Havarierten dorthin ziehen.
Erst mal müssen wir die Reifen aufpumpen, denn die haben in den drei Standtagen jegliche Luft verloren.
Das Abschleppseil sieht nicht vertrauenserweckend aus, aber es hält. Es sind alte Plastiksäcke, die sie in Streifen geschnitten und aneinander geknotet haben.

Reifenreparatur auf afrikanisch

Reifenreparatur auf afrikanisch

Auf halbem Weg platzt der Vorderreifen am Peugot. Innerhalb von 10 Minuten ist der Reifen geflickt. Geflickt ist eigentlich der falsche Ausdruck, denn der Riss im Schlauch wird nicht geflickt, sondern einfach abgebunden, dazu nimmt der Fahrer seine Schnürsenkel.
Auf dem Camping angekommen, stellt sich das nächste Problem heraus. Die Sieben haben keinerlei Geld dabei. Ihr ganzes Geld haben sie zusammengelegt und in Swakopmund in den Tank gefüllt. Es hätte genau bis Khorixas gereicht. Auf dem Camp können sie kostenlos bleiben, aber Essen gibt es für sie nicht und Benzin, das es nur in 90 Kilometer Entfernung gibt, auch nicht ohne Geld. Also lassen wir Maismehl, Zucker und etwas Geld zurück und machen uns auf den Weg.
„God bless you“, rufen die sieben hinter uns her.
Die Segnung fand vor 43 Jahren statt, bei der Geburt in einem reichen Land.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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