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Elefantenfelsen in Mauretanien
Mauretanien

Elefantenfelsen in Mauretanien

Der Elefantenfelsen oder Rocher de Makhrouga wie er offiziell heißt, war eines der Hauptziele unserer Reise nach Mauretanien. Im Vorfeld waren kaum Informationen zu bekommen, eine Pistenbeschreibung im Netz unauffindbar. Kein Wunder, denn es gibt keine Piste.

Als Ausgangsort wählten wir die Stadt Tidjikja, die eher armselig erscheint aber dennoch Provinzhauptstadt ist. Über eine gute Sandpiste fahren wir nach Tichitt, eine der heiligen islamischen Städte neben Chinguetti, Ouadane und Oualata in Mauretanien. Sie teilen sich den Titel als Weltkulturerbe. Die Aufteilung des Titels scheint eher Marketingfunktion zu haben, sodass der interessierte Tourist eine Rundreise machen muss, sofern er alle geschichtlich religiöse Stätten besichtigen will

Diesel in Tichitt

Tichitt

Tichitt aus der Sicht eines Vogels.

In Tichitt gibt es die letzte Möglichkeit, Diesel nachzutanken (Benzin ist nicht vorrätig). Doch dazu muss erstmal der Tankwart aufgetrieben werden. Auf den rund 200 Kilometern von Tidjikja nach Tichitt bekommt man einen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Treibstoffverbrauch der nächsten rund 500 Kilometer. Gut 100 Liter nimmt sich der Sechszylinder unseres Steyrs 12m18.
Die Kinder sind nervig, betteln nach „Cadeau“, aber nicht aggressiv. Die Erwachsenen sind freundlich und hilfsbereit, wie eigentlich überall in Mauretanien. Viele Touristen scheinen sich das Dorf nicht anzusehen, denn wir werden an der Tankstelle persönlich vom Polizeichef, Dorflehrer und Bürgermeister begrüßt. Der Dorflehrer, der gleich gegenüber der Tankstelle wohnt, bietet gegen ein kleines Entgelt (Verhandlungssache) eine Führung durch Tichitt an. Damit ist man zumindest den nervigen Kindern entledigt und kann die alten Häuser in Ruhe ansehen und sich fragen, wie kommt das Dorf an den Titel „Weltkulturerbe“? Beim Dorflehrer kann man auch Wasser auffüllen.
Der Diesel an der Tankstelle ist überraschend günstig, kostet rund 5% mehr als in der Provinzhauptstadt, obwohl er 200 km in die Wüste gekarrt werden muss.

Besiedelung in der Steinzeit

Reste einer Siedlung aus der Steinzeit

Reste einer Siedlung aus der Steinzeit

Über eine weite Ebene, auf der die Tachonadel auch die 50iger Marke erreicht, fahren wir weiter gen Osten. Der Wasserturm von Akrejit wird langsam in der staubigen Luft am Horizont erkennbar. Der Ort bietet nichts, Tiere, vor allem Schafe, werden am Brunnen getränkt. Ab hier wird die Orientierung etwas schwieriger, denn die Piste besteht nur noch aus einer Spur und ist wegen der vielen Tierspuren oft kaum zu erkennen. Dafür wird die Landschaft etwas abwechslungsreicher.
Das Gebiet entlang der Falise (Plateau-Abbruchkante) war vor tausenden von Jahren bereits besiedelt. Überreste neolithischer Siedlungen sind an einigen Stellen zu finden und sehen aus der Luft deutlich spektakulärer aus, als vom Boden.

(Das Neolithikum ist die zwischen 9000 und 8000 v. Chr. einsetzende und etwa 6 000 Jahre währende letzte Epoche der Steinzeit; sie endete etwa 2400 bis 1800 v. Chr. mit dem Beginn der Bronzezeit, in der metallurgische Fähigkeiten erstmals die Herstellung von Werkzeugen und Waffen aus den Rohstoffen Kupfer und Zinn ermöglichten.)

Die Navigation zum Elefantenfelsen wird schwierig

Wir suchen unseren Weg zum Elefantenfelsen, zum Makhrouga, den wir als Zielpunkt ins GPS eingegeben haben. Wir navigieren mit dem i-Pad und der APP MapOut, haben aber zusätzlich IGN Karten 1:200.000 auf dem parallel laufenden Toughbook.

Der Dieselverbrauch bleibt relativ hoch und pendelt sich so um die 40 Liter je 100 Offroad-Kilometer ein. Okay, wir hatten auch schon Strecken mit 150 Liter auf 100 Kilometer, aber das waren reine Erg-Querungen in der libyschen Wüste.

Mittags des vierten Tages nach dem Aufbruch in Tidjikja sehen wir erstmals unser Ziel, den Sandsteinfelsen Rocher de Makhrouga im Dunst am Horizont.
Noch 8 Kilometer Luftlinie zeigt das GPS.

Der Elefantenfelsen ist beeindruckend, für mich viel beeindruckender als erwartet, denn die Bilder, die ich im Internet gefunden habe, zeigten immer nur den „Elefanten“ und den auch immer nur bei schlechtem Licht. Um optimale Bilder aus der Wüste mit zu bringen, bleiben wir zwei Tage.

Die Felsformation, die dem Sandstein den Namen gab: Elefantenfelsen

Die Felsformation, die dem Sandstein den Namen gab: Elefantenfelsen

Der Elefantenfelsen aus der Vogelperspektive

Mit der Drohne fliege ich bei Sonnenaufgang:

Sorry, ich kann den Film wegen geringer Internetbandbreite nicht uploaden, ich hole das in Marokko etwa Mitte Januar nach. Ich schicke einen Newsletter, wenn es soweit ist. 

Die Landschaft im Umkreis des Elefantenfelsens ist nicht minder spektakulär, nur macht sich hier wohl kein Abenteurer die Mühe, mal ein paar Erkundungstouren mit dem Geländewagen zu drehen.

Ich freue mich über die einzigartigen Fotomotive und noch viel mehr, dass ich dank digitaler Technik nicht durch die Anzahl der mitgenommenen Filme begrenzt werde.

Hier beim Felsen enden auch die letzten rudimentären Spuren. Wir fahren weiter gen Osten im Sand. Den Reifendruck habe ich schon vor Tichitt auf  2 bar reduziert und so ist der Sand nicht das Problem. Das Gelände ist relativ flach und stellt keine zu hohen Anforderungen an Navigation oder fahrerisches Können. Das ist auf der einen Seite angenehm, auf der anderen ist die Landschaft dadurch auch eintönig und öde.

Auf dem Weg durch die mauretanische Wüste passieren wir immer wieder einzigartige Felsformationen.

Auf dem Weg durch die mauretanische Wüste passieren wir immer wieder einzigartige Felsformationen.

Irgendwann treffen wir wieder auf Nomaden, ab hier sind auch wieder vereinzelt Fahrspuren, die sich mit jedem Kilometer dem wir den Enji-Pass, unserem nächsten Orientierungspunkt näher kommen, verdichten.

Kamelherden am Brunnen

Herde Dromedare am Brunnen in Mauretanien

Es ist immer ein großes Spektakel, wenn eine Herde Dromedare den Brunnen erreichen.

An einem Brunnen werden in den Morgenstunden große Kamelherden getränkt. Die Kameltreiber sind relaxt, ich kann ungestört fotografieren und sie haben sogar Spaß dabei, absolut ursprünglich.

Der Enji-Pass ist steinig, aber die Steine sind weder scharfkantig noch muss ich so dicht an Felsbrocken vorbei fahren, dass die Reifenflanke beschädigt werden könnte, ich lasse den Reifendruck bei 2 bar. Hinter dem Pass finden wir einen schönen Lagerplatz für die Nacht.

Am folgenden Tag sind es nur ein paar Stunden bis wir Oualata erreichen. Die Menschen sind überaus freundlich und sehr zurückhaltend, das hätte ich von einem „Touristenort“ anders erwartet. Aber Oualata, 150 Kilometer von der Grenze zu Mali entfernt, ist wohl so abgelegen, dass sich kaum Touristen hier her verirren.
Die letzten sandigen 100 Kilometer nach Nema sind langweilig, die flache Landschaft, über die ein heißer Ostwind fegt, verändert sich über Stunden nicht. Kurz vor Nema pumpe ich die Reifen auf Straßendruck auf, denn hier treffen wir wieder auf das schwarze Asphaltband, das uns zu unserem nächsten Offroad-Abenteuer, beginnend in Ayoun el Atrous, bringt.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 2 comments

  1. Arno

    Hallo ihr Beide!

    Eine schöne Strecke habt ihr da bewältigt die kaum jemand wagt. Mich würde noch interessieren wie das Verhalten der Kinder in Tidjika gegenüber Sabine war?
    Waren an den Brunnen Aratane Nomaden?
    Soweit ich mich noch erinnere ging es hinter Aratane vom Plateau hinunter in die kleine Schlucht.
    Habt ihr Pfeilspitzen zum Kauf angeboten bekommen?
    Habt ihr die Felsmalereien entdecken können?
    Ist schon eine Weile her das ich dort mit den Al28 nur mit Kompass und veralterten IGN Karte entlang gefahren bin.

    Viele grüsse derzeit aus Tasmanien

    Arno

    • Sabine Koch

      Hallo Arno,
      in Tidjikja haben wir nur kurz in einem Laden etwas eingekauft, und sind nicht weiter durch den Ort gegangen, daher kann ich nichts sagen zu dem Verhalten von den Kindern dort. Beim Brunnen Aratane haben wir Nomaden angetroffen, die haben gerade ihre Kamele mit Wasservorräten beladen, wir durften fotografieren. Die Männer waren sehr nett. Überhaupt haben wir in Mauretanien gute Erfahrungen mit den Menschen gemacht, anders als manche Jahre davor.
      Lediglich in El Beyed (Tal nördlich des Guelb Er Richat) sind die Leute aufdringlich und wollten uns alles mögliche verkaufen.
      Die Leute freuen sich, dass endlich wieder etwas mehr Touristen kommen als die Jahre davor.
      Wir haben eine Pfeilspitze geschenkt bekommen, von einem Hirten der uns auch zu Felsmalereien geführt hat. Burkhard hatte zuvor seinen Autoreifen geflickt.

      Liebe Grüße nach Tasmanien
      Sabine

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