Flughafen Windhuk
Kapstadt - Kairo

Don’t stress me

Dienstag Abend, mein Bruder hat uns zum Frankfurter Flughafen gebracht und wir stehen am Schalter der SAA (South African Airways).
“Wir können Sie so nicht mitnehmen, Sie brauchen ein Rückflugticket.”
“Das ist unser Rückflug.”
“Nein, die Bestimmungen sagen, Sie brauchen ein Rückflugticket.”
“Wir möchten Namibia auf dem Landweg verlassen – hier, unser Carnet, unser Auto steht bereit.”
“Ich telefoniere mal mit unserem Leiter.”
Kurzes Gespräch, nichts zu machen. Wir brauchen ein Rückflug-Ticket.
Schließlich einigen wir uns auf ein Ticket von Windhuk nach Joburg und die Dame, sowie deren Vorgesetzter versichern uns, dass wir das Geld für das sogenannte Refound-Ticket an jedem Schalter der SAA zurückbekommen. Nicht in Euro sondern in Landeswährung, aber überhaupt kein Problem. 504,- Euro gehen über den Tresen.

Ankunft in Joburg
Der Flug ist okay, das Bordpersonal freundlich und nett und die Landung klappt auch ganz gut. Ich freue mich, wieder in Afrika zu sein, wo man auch mal 4,3 als gerade durchgehen lassen kann. Plötzlich eine Lautsprecher Durchsage und der Captain bittet um Geduld, denn die Gangway steht nicht bereit und es findet sich auch niemand, der sie bedient, aber der Captain hat bereits den Tower informiert. Die ersten Fluggäste regen sich auf, uns stört es wenig.
Der Weiterflug nach Namibia geht gut, hier angekommen fehlt das Fluggepäck von 40 Passagieren. Und wieder regen sich Fluggäste auf – Leute ihr seid in Afrika. Ihr müsst auch mal fünfe gerade sein lassen. Seht mich an, ich bin ganz entspannt, (allerdings ist mein Fluggepäck angekommen).

Schießt den Weißen in die Köpfe
Langsam bewegen wir uns in der Schlange vor dem Immigration-Schalter nach vorne. Vorne angekommen lege ich meinen Pass und das bereits ausgefüllte Einreiseformular auf den Schreibtisch der Dame. Sabine steht neben mir.
“Warten Sie hinter der roten Markierung, Sie haben sich an die Gesetze in Namibia zu halten”, wird Sabine barsch angefahren. “Ou”, denke ich mir, “die ist aber böse.”
“Ich gebe ihnen ein Visum für 12 Tage.”
“Nur 12 Tage, können Sie uns nicht 90 Tage geben?”
“Nein, 12 Tage.”
Bisher gingen wir davon aus, dass wir bei jeder Einreise 90 Tage Aufenthaltserlaubnis bekommen, dies ist jedoch nicht so und wir dürfen pro Jahr nur 90 Tage in Namibia bleiben. 78 Tage waren wir für dieses Jahr bereits im Land.
“Aber auf der ITB hat Ihr Fremdenverkehrsminister uns zugesichert, wir bekämen weitere 90 Tage Touristenvisum, weil wir ja auch Geld ins Land brächten.”
“Nein, Deutsche die länger als 90 Tage in Namibia bleiben wollen, sind unerwünscht.”
“Nennen Sie mir bitte Ihren Namen oder Ihre Dienstnummer und geben Sie uns 12 Tage, den Rest kläre ich beim Ministerium.”
“Ich bin nicht verpflichtet, Ihnen überhaupt ein Visum zu geben, Sie sind in Namibia unerwünscht und Sie fliegen mit der nächsten Maschine zurück. Ich gebe ihnen kein Visum.”
Die Dame steht auf und verschwindet mit unseren Pässen in einem Büro. Diskussion mit ihrem Vorgesetzten.
Als sie zurück kommt stempelt sie uns 12 Tage in den Pass und knallt die Pässe auf den Tresen.
“Bitte noch Ihre Personalnummer.”
“Machen Sie den Schalter frei oder ich lasse die Polizei kommen.”
Was soll’s, draußen warten unsere Freunde, und die wollen wir wegen dieser doofen Beamtin nicht noch länger warten lassen.
Jetzt erfahren wir, dass der Ex-Präsident Nujoma vor wenigen Tagen in einer Rede gesagt hat, dass man allen deutschsprachigen Weißen in den Kopf schießen soll, wenn sie sich hier nicht benehmen.” Die Rede hielt er übrigens wenige Tage nachdem ein deutscher Farmer erschossen wurde. Jetzt ist wenigstens auch dem Letzten klar, dass der Ex-Präsident Namibias nicht alle Tassen im Schrank hat.

Don’t stress me – Teil 2
Fünf Tage waren wir bei unseren Freunden auf der Farm, wo auch unsere Pistenkuh die Zeit auf der Weide verbracht hat.
Jetzt aber auf nach Windhuk es ist jede Menge zu erledigen.
1. müssen wir zur SAA unsere 504,- Euro wiederholen
2. müssen wir unser Carnet beim Zoll umstempeln lassen
3. wollen wir ein Malariamittel als Stand By besorgen
4. haben wir vor 3 Monaten einen Werkstatttermin ausgemacht, um alle Radbremszylinder zu tauschen und diesen Termin vor 14 Tagen nochmals bestätigt.
5. haben wir vor 3 Monaten drei DVDs bestellt, die man uns innerhalb 14 Tage besorgen und zurücklegen wollte

Dann mal los.
Im Büro der SAA ist man freundlich und mit einem Lächeln weist man uns darauf hin, dass es kein Geld gibt. Rückzahlung erfolgt nur dort, wo man das Ticket gekauft hat, also in Frankfurt.
“Aber in Frankfurt hat man mir zugesichert, ich bekäme das Geld in jedem Büro der SAA.”
“Dann war das eine Falschinformation”.
Macht nichts, wir haben ja ein Jahr Zeit, mal in Frankfurt bei der SAA vorbei zu schauen.

Beim Zoll hat man so ein Carnet noch nie gesehen. Ich erkläre der Dame genau, was zu tun ist und sie hört interessiert zu. Aber sie stempelt nicht. Ihre Vorgesetzte wird gerufen. Die weiß zwar auch nicht, was ein Carnet ist, meint aber, dass es im Industriegebiet eine Außenstelle des Zolls gibt, die sich mit so etwas auskennen müssten. Adresse der Außenstelle kennt man im Hauptzollamt natürlich nicht. Afrika, wir sind zurück!

Das Malariamittel bekommen wir in der Apotheke nicht. Wir brauchen ein Rezept. Also zum Arzt. Die Sprechstundenhelferin klärt uns auf: “Wir stellen Rezepte nur aus, wenn Sie den Arzt konsultieren, dass macht 300 NAM-Dollar und Sie brauchen einen Termin. Lassen Sie mich nachsehen, wie passt es Ihnen nächste Woche Mittwoch?”
“Kann ich nicht gerade mal zum Arzt rein? Nur ein kleines Schwätzchen und das Rezept abgreifen?”
“Nein, frühestens nächste Woche. Aber Sie sind ja nicht krank, da können Sie auch zu einem schlechten Arzt gehen, bei dem brauchen Sie auch nicht zu warten.”
Den schlechten Arzt suchen wir uns dann in Südafrika.

Jetzt noch zum DVD-Laden
“Ich habe vor drei Monaten drei DVDs bei ihnen bestellt.”
“Ja, ich erinnere mich, da muss ich gerade mal nachhören, wo die sind.”
Der Weiße im Burenhemdchen verschwindet im Lager.
“Die sind bestellt, kommen Sie doch in 14 Tagen noch mal vorbei.”
“Ich guck dann mal woanders.”

Der erste Tag in Windhuk ist rum und kein einziger Punkt auf der Liste ist abgehakt.
Für die Nacht auf einem Campingplatz (Arebbusch) will man 20,- Euro. Wer schlafen auf der Straße im Industriegebiet vor unserer Bremsenwerkstatt (Mast-Garage).

Am nächsten Morgen wird pünktlich begonnen, die Bremstrommeln runter zu nehmen.
Doch dann stoppt die Arbeit, der Chef fährt los, um die passenden Teile zu besorgen.
Ich wundere mich, dazu war doch mehr als drei Monate Zeit, zudem hatte ich bereits einen Zylinder ausgebaut, den er vermessen hatte und auch als Muster behalten konnte.
“Kein Problem,” hieß es damals, “die Zylinder sind bei Mercedes immer vorrätig.”
Heute heißt es “Unfortunately sind vorgestern die vier letzten verkauft worden.”
“Das ist jetzt ein Scherz, oder? Wir haben doch vor mehr als drei Monaten den Termin vereinbart und ich habe doch ein Musterteil hier gelassen.”
“Ich hab da noch eine Möglichkeit, ich fahre mal zu TATA, die Zylinder müssten auch passen.”
Nach 40 Minuten kommt er zurück.
“Unfortunately haben die auch keine, aber ich kann welche bestellen, wir können ja einen Termin machen für in zwei oder drei Wochen.”

Im Industriegebiet ist der Zoll mit etwas Mühe gefunden. Die übergewichtige Beamtin heizt ihr Büro mit einer rot glühenden Herdplatte und verputzt gerade ein halbes Hähnchen von KFC. Ich fasse es nicht, die Dame stempelt das Carnet ohne zu zögern und entschuldigt sich sogar für die von ihr verursachten Fettflecken auf dem Dokument.

Jetzt geht’s nach Südafrika

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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