Expeditionsmobil kippt fast um
Algerien

Tunesien: Grand Erg Oriental – Uui, das war knapp

Um für die Fahrt zurück vom Tembaine, jener nicht sonderlich spektakulären aber markanten, kleinen Felsformation im Sandmeer südlich von Douz, nicht die gleiche Strecke zu nehmen, probieren wir etwas Neues. (GPS-Download mit allen Infos folgt.)
Zunächst fahren wir in westliche Richtung, bis wir etwa 35 Kilometer südlich der Oase Sabria sind. Die Fahrt ist relativ einfach, zwar menschenleer, aber die Dünen am Rand des Grand Erg Oriental sind nicht sonderlich weich und damit gut zu befahren. So muss es auf einer Kutterfahrt bei unruhiger See zugehen. Wir schwanken nach links, tauchen vorne in einen kleinen Kessel ein, dann geht es den Dünengrat hinauf und wir schwanken nach rechts. Und wieder bergab mit einem Schaukeln nach links. Stundenlang.

Am späten Vormittag ändern wir unsere Richtung von West auf Nordwest. Wir möchten die Sabria-Dünenkette überqueren und von Süden – aus dem großen Sandmeer kommend – in die Oase einfahren.

Die Sandhügel werden höher und man kann sie jetzt ohne Übertreibung „Dünen“ nennen. Das Fahren wird schwieriger, denn der Sand wird weicher. Aber wir wollen nicht klagen, denn die vorherrschende Windrichtung ist „Nord“ und so sind die Auffahrten, wenn man in nördliche Richtung fährt, immer die verdichteten Seiten.

Und dann passiert’s

Pistenmobil steht schräg im Sand

Pistenmobil steht schräg im Sand

Wir fahren am Grat entlang, leichte Schrägfahrt, aber auf der dem Wind zugewandten Seite. Ich gebe Gas, der Turbo pfeift und es geht bergauf. Plötzlich eine weiche Stelle, aber so etwas von weich. Der Steyr sackt sofort mit der linken Seite weg, Sabine schreit: „Wir kippen um“, und tatsächlich, im ersten Moment glaube ich es auch.
Der Steyr steht, zwar extrem schräg, aber er steht. Sabine hat nicht die Kraft, ihre Tür aufzudrücken.
Bei mir ist es dagegen ganz leicht. Ich öffne die Tür und liege schon im Sand neben unserem Wohnmobil.
„Der kippt doch gleich“, stellt Sabine mit ernster Stimme fest. „Nö, der steht jetzt erstmal ganz sicher. Musst ja trotzdem nicht in die Fallrichtung gehen, falls der Wind ihn doch umbläst.“

Pistenmobil im Sand

Pistenmobil im Sand

Mit der Schaufel möchte ich zunächst die Räder der Hangseite eingraben, damit er dort 5-10 Zentimeter runter kommt. Zudem will ich eine Spur zurück graben, um dem Allradmobil eine Richtung vorzugeben.
Meine Schaufel liegt im linken Staufach. Als ich die Stauklappe öffne, liegt mit einem Rutsch der komplette Inhalt der nicht festgezurrten Gegenstände im Sand. Tisch, Stühle, Wassereimer, Axt, Kiste mit Ersatzbremsbelägen und meine Schaufel liegen um mich herum.

Das Bergen verläuft relativ einfach und schnell. Sand ist halt kein feuchter Lehm oder Matsch. Und es funktioniert genau wie ich es mir gedacht habe. Der Steyr fährt schön gerade mit allen Sperren in der vorgegebenen Spur zurück. Geschafft. Nach 40 Minuten stehen wir oberhalb der Kuhle und ich ritze eine weitere Kerbe in meine Schaufel. Und da der Platz eben ist, bleiben wir gleich für die Nacht.
Sabine reicht mir die Wasserflasche, leicht zitternd führe ich sie zum Mund. „Na, das war ja doch ziemlich aufregend, oder?“
„Nein, das Zittern ist die Vorfreude auf das, was noch vor uns liegt“, antworte ich.
Noch 18 Kilometer dem Horizont entgegen, im endlosen Meer aus Sand, im Grand Erg Oriental.

Grand Erg Oriental

Endloses Sandmeer im Großen Erg Oriental

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 2 comments

  1. Gerolf Hinz

    Als wir in diesem Jahr von Sidi ifni zum Fort Bou Jerif gefahren sind war die Piste an verschiedenen Stelle auch so schräg. Aber das war es harter Untergrund und kein weicher Sand. Ist schon ein komische Gefühl wenn der neben Dir so weit da oben oder so weit da unten mit dir spricht.
    Aber das macht ja den Unterschied zu den Campern aus und man hat mal wieder was zum Erzählen. Wir haben leider keine Bilder, da hat sich keiner getraut Auszusteigen.
    Gruß Gerolf und Gisela immer noch in der Nähe vom Cap Barbas.

    • Dave

      Hey Gerolf,
      haben uns in der Oase am Fort getroffen, danke für den netten Abend und die spannenden Geschichten am Lagerfeuer!
      Euer Laster ist einfach zu breit, mit dem T4 war es recht unspektakulär. 😉
      Richtig Schräglage hatten wir auf der Fahrt über den Gebirgspass von Tinrhir nach M’Semrir.
      Wünsche euch noch eine gute Reise!
      Dave (grüner T4 Syncro)

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