Konvoi in Ägypten auf der Nilstrecke
Ägypten

Konvoifahrten

In Kharga war die freie Fahrt durch die Wüste zunächst beendet. Am Polizei-Check-Point vor der Stadt mussten wir warten bis ein Polizeiwagen uns abholt. Als Ziel geben wir die Tourist-Police in der Stadt an und werden dorthin geführt. Wir möchten ein Permit, dass wir direkt ca. 400 Kilometer nach Abu Simbel fahren dürfen. Zudem ein Permit, dass wir ohne Polizeibegleitung reisen können. Beides ist unser Meinung nach aussichtslos und von uns auch nur als dreister Versuch gedacht. Doch zu unserer Überraschung ist beides möglich, beide Permits sind sogar kostenfrei. Wir müssen eine Verzichtserklärung schreiben, das wir ausdrücklich auf eigenen Wunsch auf Polizeischutz verzichten, im Ernstfall niemanden in Regress nehmen und über die Risiken aufgeklärt sind und auf eigene Gefahr reisen. Auf welche auch sonst?
Beide Permits werden von Touristenpolizei und Sicherheitspolizei abgestempelt. Dann geht es quer durch die Stadt zur Militärpolizei. Diese kassiert beide Permits und wir müssen draußen an einem Holztor warten. Nach einer halben Stunde geht eine kleine Klappe auf, mein Name wird gerufen. Ich gehe zur Klappe und der Militär sagt einfach nur: “No“. „Why not?“, „No“ Klappe zu, beide Permits weg, insgesamt über zwei Stunden umsonst gewartet.
Das kleine blaue Auto der Polizei, besetzt mit einem halben Dutzend Polizisten bringt uns an die Stadtgrenze. Wir machen ihnen klar, dass wir die 300 Kilometer nach Isna (bei Luxor) alleine fahren, Touristenpolizei und Sicherheitspolizei haben ja zugestimmt.
Tatsächlich, wir sind frei und dürfen fahren. Fünf Minuten später sehe ich in den Rückspiegel und traue meinen Augen nicht. Mit zwei Meter Abstand werden wir von einem Auto mit Blaulicht verfolgt. Ich gebe Gas, das Auto ebenso. Ich fahre an eine Tankstelle und tanke 100 Liter Diesel nach, das Blaulichtauto mit fünf Polizisten ebenso.
Nach zehn Kilometer ergibt sich eine schöne Möglichkeit Off-Road zu fahren. Ein Straßengraben hält uns nicht auf und dahinter geht es direkt in die Sanddünen. Das Blaulichtauto bleibt stehen und die Polizisten winken wie verrückt. Wir winken wie wild zurueck. Freundlich sind sie ja, selten so einen herzlichen Abschied gehabt.
Das Polizeiauto fährt zurück und wir suchen uns an anderer sichtgeschützten Stelle einen ruhigen Übernachtungsplatz.
Am nächsten Morgen werden wir an allen folgenden Polizei-Check-Points durch gewunken. In Isna müssen wir fast zwei Stunden warten und diskutieren, bis wir ohne Begleitung nach Assuan fahren dürfen. Ich will halten und Tee trinken wo es mir passt, ich will mit Leuten sprechen, ohne das ein Polizist mit am Tisch sitzt. Ich fühle mich nicht sicherer, wenn schwer bewaffnete Bodygards mir beim Pieseln in ihren kugelsicheren Westen Deckung geben. Und sollten wirklich in Ägypten einige Irre umherlaufen, die mich umbringen wollen, dann nichts leichteres als in einem Konvoi. Der Konvoi fährt täglich zu den gleichen Zeiten ab. Hält täglich zur gleichen Zeit vor den gleichen Restaurants, die entgegen allen touristischen Anlagen nicht geschützt sind.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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