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Allrad-Technik und Tipps

Sägezahn bei Stollenreifen

Immer wieder die gleichen Probleme, Sägezahn bei Stollenreifen und die gleichen Fragen: Liegt es am falschen Reifenfülldruck, am Profil, am Alter oder sollte ich einen anderen Reifenhersteller wählen.

Die Antwort ist einfach, es liegt an der Art der Nutzung.

Meine im wahrsten Sinne „Erfahrung“ ist die, dass sich ein extrem unterschiedliches Reifenabfahrbild herausarbeitet, je nachdem welche Strecke man befährt. Der Einfluss der Strecke ist deutlich größer als der der Reifenmarke oder des Reifenalters.
Je schneller der Reifen läuft, je monotoner die Strecke, um so großer ist die Neigung zum Sägezahn bei Stollenreifen.

Beispiele

Anreise nach Indien mit einem Dunlop SP921, 14.00R20, Alter 3 Jahre, neuwertig aus Militärbestand.
Strecke: Autobahn Deutschland, Österreich, Kroatien,
Landstraße Bosnien, Serbien, Montenegro,
autobahnähnliche Strecke, Albanien, Griechenland, Türkei, Iran
knapp 5.000 km gute Asphaltstraßen, oft 80 km/h.
Ergebnis: leichter Sägezahn bei der Einreise nach Pakistan.

In Pakistan und Indien dann viel Landstraße, Kurven, Städte und der Sägezahn bildete sich zurück.

Auf dem Rückweg „bummelten“ wir durch Iran, fuhren Offroad, in der Türkei folgten wir der damals schmalen Asphaltstraße entlang der Schwarzmeerküste. Nebenstraßen durch Albanien und Balkan. Es bildete sich kein Sägezahn.

Beispiel Russland, Finnland, Schweden

Reifen: Michelin XZL, 14.00R20, Alter 8 Jahre, neuwertig aus Militärbestand

Die Strecke von knapp 15.000 Kilometer fuhren wir größtenteils Landstraßen, wir wählten besonders die kleinen Nebenstraßen, selten stieg die Tachonadel auf die 80iger Marke.
Es bildete sich kein Sägezahn.

Der Fachmann zum Sägezahn bei Stollenreifen

Vor ein paar Tagen war ich genau zu diesem Thema ins CC eines E-Mailverkehrs zwischen einem Reisenden und einem Produktmanager eines Reifenhersteller gesetzt und es bestätigt meine Erfahrung. Ich zitiere mal den Produktmanager in Ausschnitten:

… Grundsätzlich gilt, bei Profilblöcken bildet sich immer ein gewisser sägezahnartiger Abrieb. Selbst bei Lamellenreifen lässt sich das feststellen.
Pauschal gilt, um so grobstolliger das Profil ist, um so leichter kann er das bekommen. Weiterhin tritt dies auch verstärkt auf, wenn der Reifen in einem verhältnismäßig verschleißarmen Einsatz läuft.
D. h. auch, wenn der XZL, Pista, SP921 etc.  klassisch im kommunalen Nahverkehr und / oder im Gelände eingesetzt wird, gibt es keinen nennenswerten sägezahnartigen Abrieb.

Wenn das Fahrzeug jedoch viel auf Autobahnen oder Schnellstraßen etc. fährt, tritt der Sägezahn bei Stollenreifen eher auf. Dabei spielt nicht nur die Profilgestaltung eine Rolle, auch der Unterbau des Reifen, sprich der Stahlgürtel, hat einen Einfluss auf das Abriebbild.

So ist es möglich, dass bei optisch ähnlichen Reifen bzw. Profilgestaltung die Reifen unterschiedliche stark ausgeprägte Abriebbilder zeigen.

Weiterhin spielt der Reifenfülldruck eine wichtige, nicht zu unterschätzende Rolle. Zu viel Druck führt zu erhöhtem Schlupf der Reifen. Bei zu geringem Druck federt der Reifen stärker ein und er walkt mehr. Beides führt zu verstärktem und sägezahnartigem Abrieb.

… Reifen, die nicht laufrichtungsgebunden sind, wie z.B. der XZL oder Pista, können gedreht werden. Aber Achtung, wenn der Sägezahn schon stark ausgeprägt ist, kann es passieren, dass die Fahrgeräusche dadurch steigen … wenn der Reifen zusätzlich einen unterschiedlich starken Abrieb auf den Schultern zeigt, kann es sinnvoll sein, den Reifen auf der Felge zu drehen – bei gleicher Achsposition.

Je nach unterschiedlich starkem Verschleiß einzelner Reifen kann es auch sinnvoll sein, die Achsposition zu wechseln.

Generelle Empfehlung, unabhängig vom Hersteller

Bei Anzeichen von ungleichmäßigem Abrieb frühzeitig Achsposition und / oder Drehrichtung wechseln. Beim Wechseln der Räder von links nach rechts ändert sich die Drehrichtung der Reifen ohne sie auf der Felge gedreht zu haben.

Wenn  Räder von vorn nach hinten, diagonal gewechselt werden, gleicht sich zusätzlich der eventuell vorhandene, unterschiedlich starke Verschleiß der Achsen aus.

Und natürlich sollte der Reifenfülldruck regelmäßig geprüft und angepasst werden.

… ein Reifen der 9 Jahre alt ist, stellt kein Sicherheitsrisiko dar, sofern der Reifen entsprechend der Vorgaben gelagert wurde.

Das Nachschneiden der Reifen, richtig durchgeführt, führt nicht zu Einschränkungen hinsichtlich Nutzbarkeit der Reifen. D.h. der Reifen wurde konstruktiv dafür vorgesehen. Es nicht zu nutzen ist nicht nur schade sondern gleichermaßen eine Verschwendung von Ressourcen und Wirtschaftlichkeit. Durch das Nachschneiden kann man rund 25 % Laufleistung gewinnen und betreibt den Reifen in einem Bereich in dem er einen geringen Rollwiderstand hat bzw. besonders kraftstoffsparend betrieben wird. …

Soweit die Ausführungen des Technikers eines großen Markenherstellers.

Oder kurz: Meidet schnelle Autobahnfahrten, fahrt mehr Offroad.

Lies auch mal hier:
https://pistenkuh.de/expeditionsmobil/technik-und-tipps/offroadreifen/

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 5 comments

  1. Peter

    Hallo Burkhard,
    nun ist es leider so dass die Anfahrt zu diversen Offroad Zielen mehr oder weniger über Land Bundes oder gar Autobahnen führt. In den vergangen 5 Jahren hatten wir eigentlich immer Sägezahn an den Contis HCS 14.00. Regelmäßiges drehen und wenn nötig nachschneiden ist notwendig. Auch sind eigentlich gleiche Reifen auch immer unterschiedlich. Der zweite Satz Dunlop HCS ist deutlich lauter im Abrollgeräusch wie der vorhergende. Viel Kreisverkehr in FR brachte uns geringfügig höheren Verschleiß vorne rechts.
    Gruß
    Peter vom Jumbo Team

  2. Klaus

    Hallo Burkhard,

    inzwischen wurde mir auch von einem weiteren Ausbauer die Reifengröße 385/65R22,5 empfohlen.
    Der Reifen wäre weltweit überall zu bekommen, der 365/80R20 z. B. (Militärprofil) könne in manchen Regionen nicht oder nur schwer zu finden sein, die Geländeeigenschaften des 22,5″ lägen bei etwa 95 % des 20″, also für normale Fahrer nicht wirklich erfahrbar.
    Vor allem aber spare man bei fünf kpl. Rädern ca. 120 kg Gewicht, da die Decke (Karkasse) nur ca. halb so dick sei.
    Wie siehst denn Du das?
    Und bedeutet eine dünnere Decke nicht auch ein höheres Risiko eines Platten?

    Liebe Grüße und weiterhin gute Reise

    Klaus

    • Burkhard Koch

      Reifen im Straßenprofil auf 22,5″ Felge ist sicherlich eine gute Lösung für Wohnmobile auf LKW-Basis und die Empfehlung der Reisemobilbauer macht da sicherlich Sinn. Die Reifen sind günstig und auf Asphalt schön leidse.
      Doch vom offroad-fahren haben diese offensichtlich wenig Kenntnis und Praxiserfahrung.
      Du brauchst doch “Raum” damit der Reifen sich lang machen kann, wenn du den Reifenfülldruck reduzierst um die Auflagefläche zu erhöhen. Da ist der Unterschied zwischen einem 14.00R20 und einem 385/65R22,5 deutlich mehr als 5%. Zudem musst du den Reifen reparieren können, d.h. du musst ihn von der Felge bekommen. Gibt es 22,5″ Felgen als Sprengring? oder geschraubt? Nein.
      Du darfst die Aussagen von Wohnmobilbauern nicht mit den Expeditionsmobilbauern in einen Topf werfen. Zwei verschiedene (Reise-)Welten.

      • Klaus

        Die Empfehlung, die 22,5″ aus Gewichtsgründen einzusetzen kam unabhängig von 2 (in Worten: zwei) Allrad-Expeditionsmobilbauern aufgrund der Gewichtseinsparung, da ich mit dem Gewicht nicht in den LKW-Führerschein-Bereich kommen möchte, da ich diesen alle 5 Jahre erneuern lassen müsste.
        Einer von beiden empfahl dann auch noch 2 Reserveräder, also Räder – nicht Reifen, auf massiver Heckkonstruktion mitzunehmen. Hintergrund: Auf Pisten könne man sowohl mit Vorderrad als auch mit Hinterrad auf einen spitzen Stein treffen, wodurch dann beide geplattet würden. Meine Frage, ob denn die 22,5″ aufgrund der erheblich dünneren Decke zu den 20″, woraus der Gewichtsvorteil resultiert, nicht öfter dazu neigen würden, geplattet zu werden, mußte er mit ‘JA’ beantworten.

        Für meine Wahrnehmung ist dann der 20″ auf zweiteiliger Alu-Felge z. B. plus einem Reservereifen sie bessere Alternative, die auch optisch noch besser aussieht.

        Was ebenso auffällt ist, daß gewerbliche Ausbauer den konkreten(!) Gewichtsangaben privater Selbstausbauer in der Regel mißtrauen, um es mal konservativ zu sagen.

        Ob so geniale Reisemobile wie http://www.gelberunimog.de (U2450L38 mit 800 l Diesel und 400 l Wasser auf 14R20 samt Reservefelge und Reservereifen) tatsächlich reisefertig vollgetankt und gepackt die 7,5 t (+10 %) Grenze nicht überschreiten, müßte eine Fahrt auf die Waage …
        Aber so ist das nun mal, eine attraktive Frau fragt man nicht nach ihrem Alter und erst recht nicht nach ihrem Gewicht ….

        Sitzen zwei griffige Frauen mit üppigen Rundungen im besten Alter im Cafe und schlemmen groß Stücke Sahnetorte. Auf die Kalorien angesprochen meint die eine …. Natürlich achten wir penibel auf unser Gewicht. Aber doch nicht den ganzen Tag …

        Liebe Grüße

        Klaus

        • Burkhard Koch

          Hallo Klaus,
          ich kann dir wirklich nur empfehlen, dich an Firmen zu wenden, die sich mit EXPEDITIONS-Fahrzeugen beschäftigen, Reisemobilhersteller sind eine andere Liga.
          Ein Reifen 14.00R20 hat einen Abrollumfang von etwa 3.750mm ein 385/65R20 (Niederquerschnittsreifen) hat einen Abrollumfang von etwa 3.250mm. Wenn man bedenkt, das grob der Radius des Rades im Quadrat in die Formel zur Geländefähigkeit eines Fahrzeuges eingeht, wirst du mit dem 385/65 im Gelände keinen Spaß haben.
          Das überfahren von spitzen Steinen stellt keine große Gefahr auf Expeditionen dar. Die Reifenlauffläche ist stabil und robust. Die Gefahr sind Risse in den Flanken, die sich nicht einfach reparieren lassen. Durchstöße in der Lauffläche, sollten sie wirklich vorkommen, hatte ich noch NIE, lassen sich auch von einem Laien relativ einfach flicken (auch ohne Reifendemontage).
          PS. Welche Firma empfiehlt denn den 385/65 als idealen Reifen für Offroad-Expeditionen? Antwort auch vertraulich per Mail.

          Wenn sich Privatleute bezüglich Gewicht, Verbrauch, Fahrleistung in die Tasche lügen, nehme ich das hin.
          Aber es gibt auch genügend (auch sehr bekannte) Firmen, die dem Kunden 7,5 t Fahrzeuge verkaufen und dann beim Gewicht deutlich über das Ziel hinaus schießen. Konkreter Fall: Ein Kunde holt sein neues Expeditionsmobil beim Hersteller ab. Wie vereinbart zul. Gesamtgewicht 7,49 t. Zuladung: 200 Kg.
          Kunde wiegt nach und der Ausbauer muss zugeben, dass beim Wiegen das Reserverad und die Bordbatterien nicht an Bord waren, sowie der Wasser- und Dieseltank “nicht ganz voll” waren.

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