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Spanien – Unser Trucklife-Alltag unter Corona

Ich bin wirklich etwas überrascht, dass sich Leser für unseren Alltag interessieren und dazu etwas zu schreiben ist nicht einfach, wir erleben einfach nur alltägliche Dinge, eigentlich recht langweilig.

Aber ein paar langweilige Zeilen sind schnell geschrieben.

Dieser Winter ist anders. Statt irgendwo in Saudi-Arabien oder auch nur in Marokko zu überwintern, sitzen wir in Spanien im Wald.
Reisen ist das nicht, wir bewegen uns kaum, halten weiten Abstand zu Menschen. Und doch sind wir froh, in Spanien zu sein, denn hier ist es wärmer und sonniger als in Königswinter oder in Hanau, wo wir bei unserer Tochter oder Freunden Asyl bekommen könnten.
Leben im Camper ist ein schönes Leben, solange man die Feuchtigkeit aus dem Wagen bekommt, und das geht bei sonnigen, warmen Temperaturen besser als im kalten Nieselregen.

Spanien als Winterziel

Für uns kamen für das Überwintern nur zwei Länder in Betracht: Griechenland oder Spanien. Letztendlich viel die Wahl auf Spanien wegen der besseren Verkehrsanbindung (schnell hin – schnell weg), dem trockenerem Klima und vor allem unserer besseren Ortskenntnis. In Spanien kennen wir ein paar Gegenden in denen uns niemand findet, sollten die Beschränkungen verschärft werden.

Aber zu unserem Alltag unter diesen Bedingungen.

Eines war uns klar, für eine Zeit von rund 5 Monaten brauchen wir eine Aufgabe. Zum Glück konnten wir im Sommer mit unserem Pisten-Defender Rumänien erkunden und haben so eine gut gefüllte Festplatte mit Material für ein weiteres Offroad-Tourenbuch. Dieses Buch ist die Hauptaufgabe für den Winter.

Ein typischer Platz, irgendwo mitten im Wald

Ein gewöhnlicher Tagesablauf:

Wir schlafen erst mal aus. Jede Stunde die man verschläft braucht man nicht gestalten, also bleibt der Wecker aus und zwischen halb 9 (bei Sonnenschein) und halb 10 (bei Morgennebel) werden wir langsam wach. Sabine kocht den ersten Kaffee, den wir gemütlich im Bett trinken und dabei schon mal die Schlagzeilen bei N-TV auf dem iPad lesen.
Aber danach raus aus dem Bett und ab ins Büro, welches ja nur einen Meter entfernt ist.
Zweiter Kaffee und zwei Stunden konzentriertes Arbeiten am Buch.
Mittagessen, meist irgendeine Kleinigkeit oder das, was vom Vorabend übrig blieb.

Nach dem Mittagessen unternehmen wir einen mal kurzen mal längeren Spaziergang durch den Wald, je nach Wetter und Laune.

Den Nachmittagskaffee gibt es dann bei Sonnenschein draußen vor unserem Camper.
Vom späten Nachmittag bis zum frühen Abend nutzen wir die Zeit wieder am Rechner. Sabine arbeitet am Buch, während ich die eingegangenen E-Mails abarbeite, Nachrichten lese und dabei auch mal Hintergründe zu Themen die mich interessieren, tiefer recherchiere.

Nach dem Abendessen ist es dunkel, den Sonnenuntergang verpassen wir meist, daher gibt es einen Gin-Tonic oder auch „nur“ ein Glas Wein nach dem Sundown.
Der Abend ist dann unterschiedlich. Ich blödel im Internet rum, guck mir Autos an, die ich mir nicht leisten kann oder setze Fähnchen auf der Weltkarte, wo es schön wäre, mal mit der Drohne zu fliegen. Sabine liest Bücher oder setzt auch Fähnchen in die Weltkarte an Stellen, die sie gerne mal sehen will.

Auf einer weiteren Festplatte schlummern noch fast 400 Filme und Dokumentationen, doch Video-Abende sind selten, kommt vielleicht 4-5 mal im Jahr vor.

Alle 10-15 Tage ändern wir unseren Standort. Immer dann, wenn wir unseren Steyr sowieso bewegen müssen um Wasser zu bunkern und einzukaufen.
Dazu fahren wir auf direktem Weg zum Supermarkt und kaufen für 15 Tage ein, was etwa einem gut gefüllten Einkaufswagen entspricht.
Und nach dem Einkauf geht es auf direktem Weg raus aus der Zivilisation in Gegenden, in denen man ganze Dörfer für einen Euro kaufen könnte.
In diesen strukturschwachen Landstrichen leben kaum Menschen die sich für uns interessieren, so sehen wir eigentlich tagelang niemanden. In den letzten 12 Tagen haben wir genau einen Pilzsammler gesehen, der sich aber weder für uns noch für unser Auto interessierte.
Der einzige Kontakt zu Menschen ist der beim Einkaufen. Die Spanier sind relativ diszipliniert. Jeder trägt einen Mund-Nasen-Schutz und achtet auf Mindestabstand, anders als wir es in Frankreich erlebten. Ins Gespräch kommen wir nicht.

Alle 14 Tage verlassen wir den Wald, um Wasser und Lebensmittel zu bunkern.

Fragen? Dann stell sie doch einfach mal.

 

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 10 comments

  1. Max

    Klingt recht entspannt … wahrscheinlich schon zu entspannt für Euch ;-). Aber hier in D ist man in dieser Zeit als Mobillebender gefühlt ständig auf der Flucht. Auf der Flucht vor irgendwem, der sich daran stört, dass man sich im WoMo von allen Kontakten zu isolieren versucht. Die weitgehend sinnfreie Sperrung der WoMo-Stellplätze drängt einen in die Illegalität ab. Man könnte ja auf einer Spaßreise sein… Naja, man kann es nicht ändern und Hauptsache gesund!

  2. Christoph Schmid

    Schön dass man auch in Europa noch abgelegene Gegenden finden kann.
    Hierzulande kommt es einem so vor als wohnt alle 2 Meter irgendwer, wirklich ungestört ist man nichtmal im tiefsten Schwarzwald.
    14 Tage Autarkie ist natürlich auch eine Hausnummer.
    Viel Spaß euch beiden, genießt das “chillen” in der Wärme.

  3. Petrec

    Die „Mobillebende“ stören sich an den „Sesshaften“ und die „Sesshaften“ an den „Mobillebenden“!
    Was für ein Paradoxon:-))

    Weiterhin gesunde Fahrt, nette Schattenparkernachbarn und sonstige schöne Begegnungen!

  4. Michael Basting

    Hallo Burkhard,
    ja, es muss eben nicht immer nur Action sein. Mir gefällt Deine unaufgeregte Sicht der Dinge und ebenso Dein Schreibstiel. Weniger ist manchmal mehr. Danke für die Detailreichen Einblicke. Euch eine gute Zeit.

  5. Bernd Tesch

    Lieber Burghard mit Sabine in Spanien, > von Bernd (Tesch) im Paradies-Dorf-Haus in Hammer/EIFEL

    – es ist immer recht interessant, von Eurem außergewöhnlichen Dasein zu erfahren. DANKE!
    – Ihr seid für mich nicht die ersten Langzeitreisenden, mit denen ich in Kontakt stehe / stand, aber sicher die “Modernsten”, die alle Wege des Publizierens kennen/nutzen.
    – Ich muss mit 79,2 jungen Jahren noch immer für Geld arbeiten, aber gehöre nicht zu den üblichen nur Schnurrern dieser Gesellschaft, die nur nehmen und nichts geben. Ich mache Euch deshalb den Vorschlag, Euch einen nächsten Einkaufswagen mit € 50,00 zu bezahlen. Dazu bräuchte ich Eure Kto-Verbindung per email und die Kopie eines Einkaufsbeleges. BaiBeiByeBerndTesch.

    P.S. Ach ja, einen Gefallen Könntet Ihr mir und der Allgemeinheit noch tun: Beschäftigt Euch mal mit http://www.teschipedia.de und berichtet über EUREN Eindruck darüber auch in Euren Newsletter. Es ist der Welt größte Datenbank über 12.500 REISE-Bücher. Reiner Service, eine nichtkommerzielle Seite.

    P-S. P.S. Im Oktober 2020 habe ich am letzten Tag vor dem Gang zum Altpapier der Welt größte private Sammlung von ca. 1.300 Auto-REISE-Büchern gerettet. Der im Seniorenheim mit 92 leider verstorbene Rudolf von Bergen hatte keine Kinder und so konnte ich plötzlich darüber verfügen. Ein Mann aus Bern hat die Sammlung von Genf in 23 Bananen-Kisten abgeholt.

    • Burkhard

      Hallo lieber Bernd,

      vielen Dank für deinen Kommentar und dein großzügiges Angebot, uns einen Einkaufswagen zu spendieren. Wir haben uns darüber sehr gefreut und deine Absicht hat uns sehr beeindruckt.
      Aber wir können das Geschenk nicht annehmen, wir hätten ein schlechtes Gewissen.

      Es ist ja nicht so, dass wir selbstlos über unser Leben berichten und unsere Erfahrungen weitergeben, sondern über die Pistenkuh-Seite verkaufen wir unsere Bücher und andere Produkte.
      Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen, kann ich sagen, dass unser Verlag von den Reiseeinschränkungen nur minimal betroffen ist. Unsere Bücher verkaufen sich trotzdem gut.
      Daher sind wir finanziell entspannt und frei und hätten ein schlechtes Gewissen, wenn wir das das Geschenk annehmen, auch mit dem Wissen, dass andere Reisende und andere Reise-Buchverlage in dieser Situation mehr leiden und deutlichere Einbrüche haben als wir.
      Das schmälert aber nicht unser Empfinden, wie sehr uns deine Geste beeindruckt und gerührt hat.

      Zu Teschipedia habe ich noch keine Meinung, da muss ich erst mal ein bisschen drüber nachdenken.

  6. Arnold Worresch

    Hallo da habt ihrs gut erwischt. Ich wünsch euch weiterhin eine gute Zeit und freu mich schon auf den Rumänien Führer.

  7. F.T.

    Hallo Burkhard,
    Danke für den Bericht über eueren Tagesablauf. Bei euerem Bericht sind mir zwei Themen in den Sinn gekommen, welche mich über all die Jahre immer wieder beschäftigen.

    Thema 1 ist Essen einkaufen.
    Unter meinen normalen Reisebedingungen kann ich nahezu täglich Essen einkaufen.
    Mein Vorrat ist ziemlich groß. Ich möchte aber möglichst jeden Tag frischen Salat oder Obst essen. Deshalb muss ich gefühlt spätestens nach fünf Tagen wieder einkaufen gehen. Es wäre also mal interessant zu erfahren, was bei einem 14 tägigen Einkauf so alles auf den Tisch kommt. Und ob da am 13 Tag noch etwas frisches Obst, Gemüse oder Salat dabei sein kann.

    Thema 2 ist körperliche Betätigung. Der Freilauf im Womo ist doch relativ begrenzt. Da ist körperliche Betätigung nicht ganz so einfach. In euerem Tagesablauf geht ihr einmal am Tag spazieren. Habt ihr sonst nach tägliche Aktivitäten zur Erhaltung der körperlichen Fitness?

    Gute Reise im sonnigen Spanien wünscht
    F.T.

  8. Burkhard

    Hallo F.T.

    danke für deine Email und deine Nachfrage.
    Beim Einkauf kaufen wir an Obst und Gemüse alles was wir in den nächsten 3-5 Tagen verbrauchen können. Für die Tage 5-15 wird die Auswahl dann geringer, Blumenkohl, Salat etc. geht dann nicht mehr. Hier bleibt nur noch haltbares Obst (Äpfel, Birnen, Orangen, Zitronen, Bananen und an Gemüse nur Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Karotten halten sich auch lange, müssen aber in den Kühlschrank. Aber daraus lassen sich auch am 10 Tag noch schöne Kombinationen zaubern. Obstsalat (Äpfel, Birne, Banane, Orange) geht immer, und auch Karotten mit Ziebel und Mayo schmeckt gut, oder Karotten mit Abfelsinensaft, Rosinen und Honig.

    Körperliche Betätigungen sind ein größeres Problem, insbesondere wenn man so faul ist wie wir. Wir machen da wirklich zu wenig. Spazierengehen und Federball ist derzeit das Einzige.
    Während des Reisens sind wir etwas aktiver durch das Fotografieren. Mal schnell auf den Hügel hoch für ein Autobild auf der Piste, mal in das glasklare Wasser unter dem Wasserfall für ein Bild, Feuerholz herbei zerren etc. Aber jetzt werden wir in Spanien fett.

    Lieben Gruß aus Spanien
    Burkhard

  9. Hartmut Walter

    Guten Tag zusammen,

    herzlichen Dank für eure erfrischenden Berichte!
    Ich hätte gerne noch gewußt, wie Ihr es mit der Energie-Autrakie macht.
    Wasser hat man im Griff, Lebensmittel kann man kalkulieren und Gasvorräte auch.
    Aber was ist mit dem Strom? Habt ihr einen Kompressor-Kühlschrank? I-Pad, Licht und Wasserpumpe brauchen Strom, evtl. auch noch weitere Verbraucher. Scheint die Sonne ausreichend intensiv und lang, um für 2 Wochen die Bordbatterie nachzuladen?
    Reicht der Ausflug zum Supermarkt alle 2 Wochen, um alle Batterien wieder aufzuladen?

    Ich wünsche euch weiterhin einen unbehelligten und gemütlichen Aufenthalt und beste Grüße vom Bodensee

    Hartmut Walter

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