Schotterpiste Alpen
Westalpen - Gardasee

Abenteuer Alpen – Der Start

Tag 1: Nach langer Zeit haben wir uns heute noch mal den Wecker gestellt. Um 10 Uhr haben wir in Frankfurt einen Termin zum Röntgen. Eine Röntgenuntersuchung ist notwendige Voraussetzung für unser australisches „Longstay“-Visum. Also starten wir um 6:30 Uhr in Köln, lassen uns am späten Vormittag röntgen und sind nachmittags mit Freunden in Heidelberg verabredet. Das super tolle Sommerwetter lässt uns lange draußen am Grill bzw. Lagerfeuer sitzen.

Übernachten im Wald

Übernachten im Wald

Tag 2: Der Tag ist schnell beschrieben: Autobahn, Mc Donalds, Autobahn. Am Abend fahren wir kurz hinter Reute (Österreich) in einen kleinen Wiesenweg, der an einem Bach endet. Von der Hauptstraße nicht einsehbar, bauen wir unser Zelt auf einem kleinen Wiesenstück auf. Unser Rest Brot muss dran glauben und dann geht es mit dem Sonnenuntergang ins Bett, bzw. in den Schlafsack. In der Nacht beginnt es zu regnen. Wie romantisch.

 

Schotterweg durch Wald
Schotterweg durch Wald

Alles ist nass

Tag 3: Es regnet. Das Zelt ist dicht, aber irgendwann müssen wir wohl mal raus in den Regen. Die dichte, dunkle Wolkendecke bedeutet auch, dass wir alles nass im Regen zusammenpacken. Die Romantik ist weg. Abenteuerreise mit Geländewagen und Zelt hatten wir uns anders vorgestellt. Aber wir nehmen es gelassen, gehört dazu und letztendlich sind es die unangenehmen Geschichten, die im nach hinein in Erinnerung bleiben.
Es geht durch die Berge, mal im Regen mal im Nebel, auf den Passhöhen weht zudem ein kalter Wind. Am Reschensee regnet es so sehr, dass wir gar nicht aussteigen wollen. Mir graut vor dem Abend. Unsere Klamotten sind noch nass von der letzten Nacht und gleich alles im Regen wieder aufbauen. Ich mache Sabine mal den Vorschlag, nur andeutungsweise, dass wir ja durchaus auch ein Zimmer für die Nacht mieten könnten. „Das können wir uns doch aufheben für den Fall, dass wir wirklich mal ein Zimmer brauchen.“

Wir sind in Italien, genauer gesagt bei San Martino, und der Regen lässt etwas nach. Wir nutzen die Gunst, biegen in einen Fortweg ein und bauen auf einer Waldlichtung das nasse Zelt auf. Oh welch ein Glück, zufällig läuft keine 100 Meter entfernt ein glasklarer Gebirgsbach an unserem Zelt vorbei. Das Wasser nutzen wir zum Kochen und Waschen. Das Wasser ist nicht nur glasklar, sondern auch eiskalt. Der Wald schützt uns überraschend gut vor Regen und vor allem vor Wind, zudem ist es nicht kalt. Mit dem Geräusch der Regentropfen auf der Zeltplane schlafen wir ein.

Auf dem Weg zum Monte Lisser

Auf dem Weg zum Monte Lisser

Monte Lisser

Tag 4: Blaue Flecken zwischen den grauen Wolken. Gelegentliche Sonnenstrahlen. Das Zelt ist nicht mehr nass, sondern nur noch feucht. Kaum zu glauben, wie sich doch unsere Gedanken um unsere Behausung, sprich Zelt drehen. Kaffeeduft vermischt sich mit dem modrigen Duft des Waldes. Sonnenstrahlen erwärmen uns und Nebelschwaden ziehen auf. Ein Morgen im Wald, traumhaft schön.

Italienische Landstraßen, mal gut ausgebaut, Tunnel, Brücken, mal knapp zweispurig und kurvenreich. Gebirge immer in Wolken, gelegentlich wenn die Wolkendecke für ein paar Sekunden in Fetzen gerissen wird, bieten sich grandiose Blicke auf die schneebedeckten Gebirgszacken der Dolomiten.
Am Nachmittag fahren wir ein kleines Schottersträßchen zum Sperrfort auf dem Monte Lisser und schlagen unser feuchtes Zelt etwas weiter unten bei den ehemaligen Mannschaftsunterkünften auf. Die Sonne hat sich durchgekämpft. Die Fernsicht und das Fotolicht ist miserabel, aber egal, Hauptsache unser Zelt, Schlafsack und die anderen Klamotten trocknen. Unser Kocher und vor allem der selbstgebaute Windschutz bewähren sich gut. Wenigstens eine warme Mahlzeit.

Hohlgasse auf dem Weg zum Monte Lozze

Hohlgasse auf dem Weg zum Monte Lozze

Monte Lozze

Tag 5: Sonne und Wolken wechseln sich ab. Es ist trocken. Dass mein Tagebuchauszug meistens mit dem Wetter beginnt, zeigt schon unsere Abhängigkeit von diesem. Mit der Pistenkuh wäre es uns gerade mal egal. Wir hätten uns vielleicht über das schlechte Fotolicht geärgert, aber auch nicht wirklich, hätten einfach solange auf dem Gipfel gewartet, bis das Foto sich lohnt.

Den ganzen Tag sind wir auf Schotterwegen im Gebiet zwischen Monte Lisser und Monte Lozze unterwegs. Im 1.Weltkrieg verlief hier die Frontlinie und so sind viele Anlagen aus dieser Zeit zu entdecken. Aber uns interessieren vor allem die abenteuerlichen Schotterwege aus dieser Zeit und auch da gibt es einige schöne Strecken.
Am Abend bauen wir unser trockenes Zelt neben dem Landy auf, kochen, trinken ein Glas Wein und gehen wie jeden Abend mit dem Sonnenuntergang ins Zelt. In der Ferne bilden sich dunkle Wolken und ziehen auf uns zu.

Campen beim Fort Verena.

Campen beim Fort Verena.

Fort Verena

Tag 6: Endlich, der Tag beginnt. In der Nacht hatte es nicht nur geregnet, sondern gehagelt. Ich hatte weniger Angst um unser Zelt, als um unseren Landy. Der Wagen ist neuwertig und nur gemietet, er soll in etwa im gleichen Zustand zurückgegeben werden. Das Prasseln der Hagelkörner lies vermuten, dass der Landy total verbeult da stehen wird. Zum Glück keine einzige Delle im Dach oder auf der Motorhaube.

Als wären wir mit Regen nicht schon genug gestraft, jetzt fallen die Temperaturen auch noch deutlich und im heftigen Wind ist an einen warmen Kaffee nicht zu denken. Wieder nasses Zelt zusammen legen und weiter auf alten Militärstraßen zum Fort Verena.
Die Foto- und Filmaufnahmen gleichen sich mit denen vom Vortag. Die Schotterwege verlaufen oft im Nadelwald. Es sieht überall gleich aus. Egal, der Spaß beim Fahren mit dem Landy entschädigt für Alles. Am Abend brechen Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Hoffentlich beginnt jetzt der Sommer. Wenigstens das Zelt trocknet.

freies campen auf einer Bergwiese

Freies campen auf einer Bergwiese

Bella Italia

Tag 7: Der Morgen fängt super gut an. Sonne. Aber nicht nur das. Als wir aus dem Zelt kriechen traue ich meinen Augen nicht. Hier oben haben zwei Rentner eine Bierzeltgarnitur aufgebaut, dazu einen Sonnenschirm und im Moment schmieren sie Toastbrote.
Die beiden grinsen uns an und rufen herüber: „Bonjorno, Aqua Mineral, Cafe, Vino, Sandwich, Formaggio.“

Wir werden zum Frühstück eingeladen. Eine Verständigung ist kaum möglich, aber wir erfahren, dass der ganze Aufwand nicht für uns betrieben wurde, sondern gleich werden die ersten Läufer eines Marathons erwartet. „Und für die ist der Vino?“ Morgens um 9 Uhr? Wir wundern uns. Doch unser Gegenüber zuckt nur mit den Achseln. „Bella Italia“. Wir packen das TROCKENE Zelt ein und sind wieder auf Schottersträßchen unterwegs. Wir suchen kleine, nicht gesperrte Forstwege in Richtung Osten.

Schotterwege über Weiden

Schotterwege über Weiden

Weiter durch Nadelwald

Die Landschaft ändert sich nicht. Hellgraue Felsen in sattgrünen Almwiesen und im Tal Nadelwald. Mittags ziehen dunkle Wolken auf und wenig später schalten wir den Scheibenwischer ein, Nachmittagskaffee gestrichen. Im Regen bauen wir unser Zelt auf, das Abendessen wird auf eine Ration Brot mit Dosenwurst gekürzt.

 

Unsere Laune ist überraschend gut. Irgendwie erinnert es uns an unsere erste gemeinsame Fahrradreise mit 17. Auch damals hatten wir ununterbrochen Regen, aber heute sind wir viel besser ausgerüstet. Unser Zelt ist wind- und regendicht, damals das Zelt war bestenfalls blickdicht. Heute kostet der Gegenwind maximal etwas Diesel, damals richtig Kraft.
Wir übernachten auf einer Kuhweide, dass war uns schon beim Aufbau klar, doch richtig deutlich wurde es, als plötzlich vier, fünf Kühe unser Zelt belecken und schnauben. Auch unser Landy wird abgeschleckt und jetzt wird es Zeit aufzustehen, raus aus dem warmen Schlafsack und im Regen die Kühe vertreiben, den ich befürchte sie könnten, ohne es zu wollen, mit ihrer dicken Kuhglocke unseren Land Rover demolieren. Bei meinem eigenen Karren wäre es mir egal, dafür würde ich nicht aufstehen, aber bei einem gemieteten Neuwagen schon.

Fort aus dem 1.Weltkrieg in den Alpen

Fort aus dem 1.Weltkrieg in den Alpen

Offroad Strecken in den Alpen

GPS Offroad Reiseführer Westalpen PistenkuhZu den legal befahrbaren Offroad-Strecken in den Alpen haben wir einen GPS-Offroad-Reiseführer Alpen zusammengestellt. Er enthält eine genaue Pistenbeschreibung, zudem alle Waypoints, Tracks und Routen als GPX-Format auf einem USB-Stick fürs NAVI. Ebenso ist eine Detail-Karte von Freytag und Berndt auf dem Stick.

Offroad Impressionen Westalpen PistenkuhZum Einstimmen auf die abenteuerlichen Pisten in den Bergen gibt es einen Reisefilm Offroad Impressionen Alpen von uns.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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