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Straßenschild in Australien
Australien

Spiel des Wissens – Queens Geburtstag?

Wie oft habe ich in den letzten Wochen an die Worte meines Englisch Lehrers Dr. Schulgen gedacht? Ich weiß es nicht. Ich wechselte damals als Streber der Hauptschule nach der 10. Klasse aufs Gymnasium. Es waren seine ersten Sätze in der ersten Englischstunde, ich konnte sie mir auch nur deshalb merken, weil er sie auf Deutsch sprach. Danach wurde in einer Sprache unterrichtet, die mir spanisch vorkam.
„Diejenigen, die mich aus der Mittelstufe kennen, werden sich wundern. Ich werde Sie ab heute siezen. Das ist ein Zeichen meines Respekts Ihnen gegenüber. Den gleichen Respekt erwarte ich von Ihnen. Diejenigen, die bisher von anderen Lehrern in Englisch unterrichtet wurden, werden am Anfang nicht jeden meiner Witze und nicht jede Redewendung verstehen. Das liegt daran, dass ich in Oxford studiert habe und Oxford Englisch unterrichte. Sie sind vielleicht von einem Lehrer unterrichtet worden, der in Cambridge studierte.“

Mein Wilnsdorfer Englisch ist meilenweit, genau 404 Meilen von Oxford entfernt und somit ist verständlich, dass die Differenz zwischen mir und meinem Lehrer größer war als zwischen jemandem der in Cambridge oder Oxford studierte.
Australien ist 10.589 Meilen von Oxford entfernt und jetzt könnt ihr erahnen, wie die Verständigung von einem Wilnsdorfer mit einem Australier auf der Basis von Oxford Englisch klappt.
Ein Beispiel: „We fixed on our truckies big spoties, new shockies and lockies. After we get some coldies, yep, we love the stuppies.”
Auf Deutsch: “Wir montierten an unsere Geländewagen große Zusatzscheinwerfer, neue Stoßdämpfer und Differenzialsperren. Später holten wir ein paar eiskalte Bier, wir lieben die kleinen Bierflaschen.“

Eine Verständigungsschwierigkeit anderer Art:

1080

Wir sind irgendwo in Queensland unterwegs, keine Ahnung, ob es jetzt ein Nationalpark, eine Wildernes Area oder ein Staatsforst war, jedenfalls zig Kilometer durch dichten Wald. Menschenleer. Nur gelegentlich Schilder: „Vorsicht 1080. Pass auf deinen Hund auf.“
Jeden Tag sehen wir bestimmt fünf bis zehn solcher Warnschilder, doch wovor wird hier gewarnt? Zwei Tage später steht ein HZJ 79 (gleicher Toyota Geländewagen wie wir ihn fahren, jedoch als Pickup) der Parkverwaltung, wir sind also in einem Nationalpark, auf einer kleinen Freifläche, die einen grandiosen Ausblick ins Tal bietet.
„Wovor warnen die Schilder mit der großen Zahl eintausendachtzig?“
„Welche Schilder?“
„Na, die überall am Wegrand aufgestellt wurden.“
„Wo?“ Ich fasse es nicht, er muss mindestens 10 solcher Schilder auf dem Weg hierher passiert haben, vielleicht hat er sie sogar selbst aufgestellt, und fragt mich jetzt, wo.
„Überall, eintausendachtzig in roten Zahlen.“
„Nee, ich weiß nicht, wovon ihr sprecht.“
„Kein Problem, tolle Aussicht hier oben.“
„Ja, wenn ihr Glück habt, seht ihr Adler hier oben fliegen, wir haben hier vier Pärchen.“
Nach dem Smalltalk geht er kopfschüttelnd zu seinem Fahrzeug und murmelt: „Eintausendachtzig.“ Plötzlich dreht er sich um und seine Schritte sind doppelt so weit als vorher. „Ihr meint das Schild zehn achtzig?“ „Ja, meinetwegen zehn achtzig?“ „Zehn achtzig ist ein Gift das als Fressköder gegen die Überpopulation der Füchse ausgelegt wurde. Wenn der Hund das frist, war’s das.“

Queens Birthday

Straßenschild in Australien

Straßenschild in Australien

Eigentlich sagt das Bild alles. Ich komme mir vor wie bei einer Schnitzeljagd. Man muss den richtigen Weg finden und zwischendurch Fragen beantworten. Wann hat die Königin Geburtstag? Welche Königin? Königin Victoria oder Elisabeth oder die Schönheitskönigin von Sydney? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß noch nicht einmal, wie viele Königinnen es auf der Welt überhaupt gibt.
Wann ist der Melbourne Cup? Welcher Cup? Wo ist Melbourne? Okay, Melbourne finde ich auf der Karte. Aber vom Melbourne Cup habe ich noch nie etwas gehört. Diejenigen, die den Geburtstag der Königin nicht wissen, zahlen hohe Strafen.
Was wäre, wenn wir ein Verbotsschild aufstellen: „Die Straße ist gesperrt in der Zeit zwischen Kaiser Wilhelms Geburtstag und dem Großen Preis auf der Pferderennbahn in Essen. Bei Zuwiderhandlung wird eine hohe Strafe fällig.“ Die Welt hielte uns für verrückt, vielleicht sogar mit Recht.
Wer beim Spiel des Wissens immer verliert, sollte besser nicht nach Australien fahren. Es könnte teuer werden.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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