Lagerfeuer am Abend, jeden Abend
Australien

Abenteuer: Canning Stock Route

Tanz mit dem Sand

1750 Kilometer geht es mit dem Geländewagen auf einem historischen Viehtreck durchs Outback. Die Canning Stock Route (CSR) ist eine der abgelegensten Offroad Pisten der Welt. Die Befahrung zählt zu den großen Abenteuern in Australien.

Das hat heute Nacht der Bilby gebracht

Endlich kann es losgehen, nach Ostern starten wir auf die Canning, die wochenlange Wartezeit in Kambalda ist vorbei. Wir haben die Zeit genutzt, unser Reisefilm „Australien Diagonal“ ist fast fertig und einige hundert Stunden Arbeit stecken im Aboriginesbuch.
Die Zeit war gut, wir haben Freundschaften geschlossen, insbesondere mit unserem direkten Nachbarn. Ein seltsamer Typ, 26 Jahre, mehrfach vorbestraft, dreimal gesessen, immer wegen Autoklau, alkoholisiertem Fahren ohne Führerschein, Schlägerei mit Körperverletzung, Einbruch und ein bisschen Kleinzeug. Seine Freundin verdient die Kohle, man kann sie stundenweise „buchen“. Wir sitzen jeden Abend zur „Happy Hour“ zusammen, trinken ein paar Bier und ich lerne, wie man Autos knackt, man weiß nie wofür man es mal gebrauchen kann. Er ist ganz okay, im Gespräch ganz vernünftig, einsichtig. Ich denke immer, „den kriegt man auf die richtige Bahn“, aber das haben zig Sozialarbeiter schon versucht und alle sind gescheitert. Und manchmal hat er einen totalen Aussetzer, knackt einen Karren und fährt in zu Schrott. Macht ihm einfach Spaß.

Schokoladen Bilby

Schokoladen Bilby

Aber was erzähle ich euch das, es geht ja auf die Canning. Jedenfalls stehen  am Karfreitag vier Kanister mit je 25 Liter Diesel vor unserer Pistenkuh. Auf dem Tisch zwei Schokoladenbilbis, der australische „Osterhase“. Unser Nachbar sitzt vor seinem runtergekommenen Wohnwagen und grinst. „Was soll das, wo kommt das her?“ „Das hat heute Nacht der Bilby gebracht.“
Ach du Scheiße, was soll ich machen? Soll ich am letzten Tag zur Polizei gehen und meinen Freund, verraten? Am Karfreitag? Soll ich das Zeug zur Polizei bringen und sagen ich hätte es „gefunden“. Einfach am Straßenrand abstellen, damit es sich ein anderer in den Tank füllt?
Nee, das ganz gewiss nicht. Also, rein in den Tank und weg.

500 Kilometer Teerstraße nach Wiluna, hier endet der Asphalt.

Auf der Canninmg Stock Route

Die breite Piste verliert sich in der flimmerten Hitze am Horizont. Flache mit Gras und Büschen bewachsene Landschaft zieht an uns vorbei, Kilometer um Kilometer. Monotonie.

Staubige Piste

Staubige Piste

Im Rückspiegel beobachte ich die Staubfahne, die von der tief stehenden Sonne ockerfarben leuchtet. Je länger ich hinsehe, umso mehr scheint der aufgewirbelte Sand zu tanzen.
„Ist was?“ Sabine schaut mich an und reißt mich aus meinen Gedanken. „Der Sand tanzt und will mir etwas erzählen, aber ich kann ihn nicht verstehen.“ „Du spinnst.“ Sabine verdreht die Augen und wendet ihren Blick ab. „Du gehst auch als halber Aborigine durch.“

260 Liter Diesel an Bord

40 Kilometer später verlassen wir die breite Piste, ein fahrzeugbreites Wegelchen zweigt nach Osten ab, dreht aber bald wieder auf nördlichen Kurs. Gäbe es nicht das deutliche Hinweisschild, man würde den Einstieg in die CSR glatt verpassen.
Unser Land Cruiser ist voll getankt. 180 Liter Diesel sind an Bord, zusätzlich vier 20-Liter-Kanister, also 260 Liter insgesamt. Dazu Lebensmittel für etwa 30 Tage und 100 Liter Trinkwasser. Waschwasser soll man an einigen Brunnen ergänzen können, Treibstoff nur in einem Aboriginal-Dorf in etwa 1.000 Kilometer Entfernung.
Ob wir dort ankommen, ist nicht sicher, denn in etwa 600 Kilometern ist ein Fluss, der Savory Creek und eine Sumpflandschaft zu durchqueren. Wenn wir dort scheitern, muss der Diesel für den Weg zurück reichen. Wir rechnen mit einer Reisedauer von 12-16 Tagen, haben aber dennoch soviel Lebensmittel dabei, um im Falle eines Fahrzeugdefekts 3-4 Wochen beim Fahrzeug ausharren zu können. Wir reisen allein und haben keine Kommunikationsmittel an Bord.

Aber jetzt kratzen die Büsche der zugewachsenen Piste erst mal Striemen in den Lack unseres Toyos. Die Orientierung ist einfach, es gibt nur diese eine Piste und die wenigen Gabelungen sind auf unserer Detailkarte exakt genug eingezeichnet.
Am späten Nachmittag passieren wir Well 2. Das Windrad dreht sich quietschend im leichten Westwind und bringt das Wasserreservoir zum Überlaufen. Der Sand tanzt müde hinter dem Toyo.
Das Prozedere der ersten Nacht wird sich jeden Abend wiederholen. Einen ebenen Platz im Sand suchen, Feuerholz sammeln und mit einer Dose eiskaltem Emu-Bier in der Hand der untergehenden Sonne zusehen, wie sie den Horizont von hellgelb langsam über dunkelrotviolett zu tiefblau färbt. Während die Steaks auf der Glut liegen, geht das Kreuz des Südens am nächtlichen Sternenhimmel auf.

Warum gibt es die Canning Stock Route

Lagerfeuer am Abend, jeden Abend

Lagerfeuer am Abend, jeden Abend

Wie oft wird Alfred Canning in seinem Schlafsack neben dem Feuer gelegen und diesen Blick gehabt haben. Vielleicht hat er genau hier im warmen Sand gelegen und wie ich nach oben geschaut. Ich denke mich 100 Jahre zurück.
1900. In Wiluna wurde Gold gefunden. Ein Goldrausch setzte ein, eine Mine nach der anderen eröffnet und die Bevölkerung wuchs schnell auf über 3000. Die „Big Mine“ war zu jener Zeit die größte Mine auf der Südhalbkugel. Man sieht den einzigen Wohlstand der heute etwas heruntergekommenen Aboriginal Siedlung nicht mehr an, aber zum Höhepunkt des Goldrausches verfügte Wiluna über vier Hotels, der längsten Bar der Welt, fünf Sportplätze, drei Schwimmbäder, Bahnanschluss und fast städtische Versorgung.
Nur Viehzucht war in dieser trockenen Gegend nicht möglich und die Goldsucher zahlten Höchstpreise für Fleisch. Anders die Situation in den Kimberleys, gutes Weideland, aber kaum Nachfrage und somit die Preise im Keller.

Alfred Canning war ein bekannter Landvermesser der damaligen Zeit und wurde 1906 von der Regierung beauftragt, einen Weg durchs Outback zu erschließen, auf dem Rinderherden von Halls Creek ins 1.500 Kilometer entfernte Wiluna getrieben werden konnten. Fünf Monate brauchte Canning, um den Weg zu erkundschaften.
Anschließend stellte er ein Team aus 30 Mann zusammen und machte sich mit 70 Kamelen, 250 Ziegen für Nahrung und Milch und über 100 Tonnen Bau- und Versorgungsmaterial auf den Weg, um etwa alle 40 km einen Brunnen zu graben, an dem die Rinderherde getränkt werden konnte. Vier Jahre später kehrte Canning mit seinem Team zurück, über 50 Brunnen waren angelegt und der Rindertreck konnte beginnen.

Die einsame Wellblechpiste zieht schnurgerade durch roten Sand dem Horizont entgegen und wen man ihn erreicht, eröffnet sich das gleiche Bild.

Endlose Weite auf der Canning Stock Route

Endlose Weite auf der Canning Stock Route

 

Brunnen entlang der Canning Stock Route

Brunnen entlang der Canning Stock Route

Die damals angelegten Wasserschächte, zwischen 3 und 30 Meter tief, sind teilweise restauriert, einige aber auch verfallen. Wasser nach oben ziehen ist mühsam, aber es vermittelt einen Eindruck wie kräftezehrend der Job des Drovers, des Viehtreibers war.
Im Schnitt trieben 30-50 Cowboys Herden von um die 500-800 Rinder, die jeden Abend getränkt werden mussten und jedes Rind säuft rund 50 Liter.
Die ersten Sanddünen sind zu bewältigen, aber sie sind für unseren Land Cruiser keine Herausforderung. Dort wo Andere Anlauf nehmen müssen, um den Dünenkamm zu erreichen und sich dabei alles kaputt fahren, fährt unser Toyo mit den großen Rädern und reduziertem Reifendruck völlig souverän im Schritttempo nach oben. Wo andere stecken bleiben, kann ich den Toyo sogar anfahren.

Savory Creek

Der sechste Tag beginnt, der spannendste Tag der Reise. Die Flussdurchquerung des Savory Creek steht an und die kann das ganze Unternehmen zum Scheitern bringen, wenn der Wasserstand zu hoch ist. Unsere Reisezeit ist nicht optimal, wir haben Ende der Regenzeit im Norden, die beste Reisezeit wäre August/September.
Am frühen Morgen geht es weiter über Dünen und Buschland. Ein paar Stunden später sehen wir erstmals den Savory-Creek, jenen tückischen Fluss, vor dem wir den größten Respekt auf der Canning haben. Wir müssen auf die andere Seite.
Das Wasser ist extrem salzig und aggressiv. Die Fahrspuren haben eine tiefe Rinne gebildet, der Unterboden wird mit der ätzenden Brühe in Berührung kommen. Aber warum ist noch nie jemand neben der Spur gefahren? Sind wir die ersten Cleveren hier? Wo ist der Haken? Oder sind wir die ersten Blöden, die zehn Meter neben der Spur fahren und stecken bleiben? Ich entscheide mich für meinen eigenen Weg. Es klappt, nicht einmal die Felgen werden nass.

Der Savory-Creek, das Furten ist eine leichte Übung

Der Savory-Creek, das Furten ist eine leichte Übung

Am Nachmittag ändert sich das Wetter. Ein Wolkenbruch nach dem anderen geht runter und wir sind mitten in der Sumpfebene. Die Freude über die so einfache Flussquerung weicht der Angst, hier in den Sümpfen zu versacken. Alles ist weicher Schlamm, oft sind wir kurz vor dem Stecken bleiben, obwohl wir mit reduziertem Reifendruck unterwegs sind und Mud-Profil fahren.

Da müssen wir durch

Da müssen wir durch

Und dann passiert es doch, ich will ein Schlammloch umfahren, aber der Boden ist so weich, dass unser Toyo sofort versinkt. Wir laden den Cruiser aus, er muss leicht werden. Genau aus diesem Grund habe ich auch die Reservekanister noch nicht in den Tank gefüllt, um immer die Option zu haben, 100 Kilo Gewicht reduzieren zu können. Schaufeln, Maxtrax in den Schlamm und raus aus dem Morastloch.

Maxtrax im Einsatz

Maxtrax im Einsatz

Wir umfahren Wasserlachen weiträumig, den benötigten zusätzlichen Diesel haben wir zum Glück an Bord. Die Orientierung wird nun extrem schwierig, denn wir fahren in einer weiten flachen Sumpflandschaft zickzack querfeldein. Der nächste Mensch ist 600 Kilometer weit weg. Zwei Tage später liegen die Sümpfe hinter uns, das Wetter ist gut, wir sind zurück auf der Canning-Piste, jetzt macht es wieder Spaß, unterwegs zu sein.

Staubige Angelegenheit

Staubige Angelegenheit

Die Piste führt durch eine Schwemmtonebene. Uralter roter Sand wird von hellem, vor kurzem von weit her angewehtem, überlagert. Im Rückspiegel wird daraus ein seltsamer Tanz. Der alte Sand wirkt träge und schwer, tanzt wie in einem Wachschlaf, der helle Sand tanzt hyperaktiv, energiegeladen, führend bis dominierend. Es ist ein Tanz, wie ich ihn noch nie gesehen habe, kein schöner Tanz.

Kunawarritji

Der Sendemast der Aboriginal-Siedlung Kunawarritji reißt mich aus meinen Gedanken.
68 Aborigines der Martu-People leben hier. Nach dem ihnen in den 80ziger Jahren ihr Land zurückgegeben wurde, haben sie sich entschieden, hier, 600 Kilometer von der Zivilisation entfernt, traditionell zu leben. Weiße managen die Community, riesige Dieselgeneratoren versorgen die Tiefkühltruhen des Supermarktes, die Fernsehgeräte in den sozialen Wohnungen, vor denen die traditionellen Land Cruiser parken.

Zappzarapp – du weißt schon

Mit Bill, dem Manager kommt man leicht ins Gespräch: „Wie wird man eigentlich Manager in Kunawariti?“ „Ich bin Bauer, hatte früher eine Milchfarm, aber die brachte nichts ein. Dann war ich Fahrer in einer Nickelmine. Ein Freund rief an und sagte, guck mal in der Zeitung, das Government sucht einen Ausbilder für Aborigines in Viehwirtschaft. Der Job war schon weg, aber mein Lebenslauf lag jetzt bei denen in der Schublade und dann rief plötzlich das Government an, ob ich nicht eine grüne Oase im Outback managen wollte. Ich suchte sowieso was anderes, die gebotene Bezahlung passte und dann haben wir einen Anhänger gepackt und sind hier raus gefahren.“ Inzwischen hat sich Albi, der Mechaniker zu uns gesellt. Er kommt ursprünglich aus Rumänien, hat in Österreich gearbeitet und spricht deutsch. Sieht aus als wäre er kurz vorm Rentenalter und seine Schlitzohrigkeit sieht man ihm an.
„Gab es eine Schulung bevor Sie den Job antraten?“ „Nein, dazu war keine Zeit, mein Vorgänger wurde kurzfristig abberufen.“ Albi fällt ihm ins Wort: „Zapp Zarapp, du weißt schon und mit einer Handbewegung deutet er an als würde er sich was in die Tasche stecken.
Böse Blicke vom Manager zu Albi, aber der grinst nur. „Es kriegt ja am Ende keiner mit, was hier draußen ab geht. Der Supermarkt, die Werkstatt, die Tankstelle, alles gehört der Community. Von April bis Oktober kommen etwa 1.000 Geländewagen über die Canning. Alle müssen hier tanken. Der Supermarkt und die Tankstelle machen alleine rund eine halbe Millionen Dollar Profit. Ob ich Gemüse verkaufe, oder als verdorben ausbuche, merkt keiner. An jedem Touristenauto ist was kaputt, keiner will ne Rechnung. Ich könnte hier locker 50.000 im Jahr bei Seite schaffen. Meine Frau schmeißt den Supermarkt, wir haben noch eine Lehrerin, zwei Krankenschwestern, einen Altenpfleger, Albi, unseren Mechaniker und einen Fahrer.“

„Acht Weiße managen das traditionelle Leben von 68 Aborigines, ist das nicht verrückt?“
„Ich sage es Ihnen mal ganz ehrlich: Mit einem Speer kann hier keiner mehr ein Känguru erlegen, mit Heilpflanzen kennt sich niemand mehr aus. Wenn wir gehen, stehen in drei Tagen die Generatoren. Es ist eine Frage der Humanität, für Bildungschancen, medizinische Versorgung und menschenwürdiges Leben zu sorgen. Das traditionelle Leben gehört der Vergangenheit an, wir müssen das akzeptieren.“ Bill zeigt nach draußen auf einen alten Land Cruiser: „Da kommt Christopher, er ist der „Chef“ der Martu hier, sein Vater hat damals entschieden, mit seinem Stamm Kunawarritji zu gründen. Geht mal zu ihm, vielleicht kann er euch was zur Tradition erzählen.“

Heilige Plätze der Aborigines

Christopher ist ruhig, hört sich konzentriert unseren Wunsch an, mehr von seinem Land zu erfahren. „Okay, kommt mit.“ Albi springt ebenso auf die Ladefläche des Pick-Ups.

Christopher Elders der Martu

Christopher, Ältester der Martu

Mit seinem klapprigen Land Cruiser fahren wir etwa 10 Kilometer raus auf eine Anhöhe, die einen 360° Rundblick ermöglicht, die letzten Meter gehen wir zu Fuß in einem weiten Bogen.
„Warum gehen wir keine Gerade auf die Höhe?“, will ich wissen, „ist dort ein heiliger Platz?“
„Nein, die Bäume dort sind gefährlich, ich will nicht, dass ihr ihnen zu Nahe kommt.“ „Wie bitte?“ „Wer sie berührt, stirbt.“ Ich sehe ihn fragend an. „Die Bäume, die an dieser Stelle wachsen, haben einen besonderen Zauber. Ich habe einen Speer von meinem Vater bekommen, der ihn von seinem Vater bekommen hat, der aus diesem Holz gemacht wurde. Man muss den Feind damit nur berühren und er wird sterben.“ „Kann ich den Speer später mal sehen?“ „Nein.“ Ich frage nicht weiter nach.

Sein Blick schweift über die Ebene. Er zeigt in die Ferne „Seht dahinten, da ist ein Streifen heller Sand.“ „Nein, es sieht alles gleich aus.“ Und ich kann wirklich keinen Unterschied in der Sandfärbung erkennen. „Guck genau hin. Dieser Streifen ist heilig, dort darf kein Tier getötet oder gejagt werden.“ Tatsächlich, es gibt einen etwa 500 Meter breiten Streifen mit einer nuanciert anderen Sandfärbung. „Deswegen zünden sie dort das Gras an, damit die Kängurus auf das Land springen, wo sie sie schießen dürfen“, erklärt Albi mit breitem Grinsen. Böse Blicke von Christopher. Christopher führt uns zu Wasserlöchern, zeigt uns Felsmalereien, erklärt, wie die Ahnen die Sterne machten, so wie es sein Vater ihm erklärte.
Unsere Fragen werden nicht alle beantwortet, oft ist die Antwort: „Das ist geheim.“
Zum Beispiel werden in seinem Stamm Hochzeiten arrangiert. Sein Vater wählte seine Frau als er noch Kind war und er wird die Braut für seinen Sohn wählen. Nach welchen Kriterien bleibt geheim. „Sie muss aus einem anderen Stamm sein“, ist alles was wir erfahren.

Kennst du Rüdi?

Albi sieht meine Filmkamera: „Ich bin auch in einem Fernsehfilm zu sehen. Kennst du Rüdi Nehberg?“ „Na klar, Rüdiger Nehberg, der bekannteste Abenteurer Deutschlands.“ „Sie haben hier den Film „Human Race“ gedreht.“ In dem Film geht es um ein Wettrennen durchs Outback. Ein Amerikaner, ein Deutscher und ein Aborigine sollen sich 300 Kilometer durchs Outback schlagen, können nur das Essen, was sie finden.
„Ich war der Fahrer und Koch von Rüdi. Beim Fernsehen immer gutes Futter, du weißt schon.“ Böse Blicke von mir, ich glaube nicht, dass das Fernsehen irgendwas türkt, er war bestimmt Fahrer und Koch vom Filmteam. Rüdiger ist immer hungernd zu Fuß gelaufen.

Wir verbringen die Nacht nahe der Community am Windrad des Well 33.

Sonnenuntergang am Well 33

Sonnenuntergang am Well 33

Mord und andere Verbrechen

Es nimmt kein Ende, hunderte von Dünen sind zu queren. Dazwischen peitschen Äste an unseren Cruiser. Wieder beobachte ich den Sand im Rückspiegel. Er tanzt wild, aggressiv, bedrohlich. Ockerfarbener Sand, dazwischen pulsierend dunkel roter Staub, so dunkelrot wie geronnenes Blut.

Grab von Michael Tobin

Grab von Michael Tobin

Wir passieren das Grab von Michael Tobin. Er überraschte ein Aborigine beim Viehdiebstahl, dieser rammte seinen Speer in Michaels Schulter, er erschoss den Aborigine und verblutete selbst wenige Stunden später an seiner schweren Verletzung.
Aborigines erzählen die Geschichte anders: Der Aborigine Mungkututu schickte seine junge Frau zu Michael um Tabak zu erbetteln. Als sie nach zwei Tagen nicht zurück war, machte er sich auf die Suche. Sie wurde von den Viehtreibern verschleppt und vergewaltigt. Mungkututu rammte sein Speer in die Schulter von Michael um seine Frau zu befreien und wurde erschossen.
Auf der Canning sind in den 48 Jahren, in denen Vieh getrieben wurde, wohl mehr Morde geschehen als Brunnen angelegt. Das Grab von Michael Tobin ist nicht das Einzige.

Thring Rock an der Canning

Thring Rock an der Canning

Die letzten staubigen Kilometer

Das Spinifexgras wird dichter, Windrotoren fördern Wasser für Rinder, die ersten Zeichen der Zivilisation. Wenige Kilometer später treffen wir auf die Tanami-Road.

Die letzten staubigen Kilometer, die Piste ist breit geschoben. Bald werden wir auf das Asphaltband treffen, das uns nach Halls Creek, unserem Ziel, eigentlich Ausgangspunkt der CSR, bringt. Ein letzter Blick in den Rückspiegel. Der Sand zeigt Trauer, trägt heute ein aschgraues Kleid und hat keine Freude am Tanz. Aber ich verstehe, was er mir sagt: „Komm zurück, tanz mit mir und ich erzähle dir mehr.“

Ein letzter Blick zurück

Ein letzter Blick zurück

Alle Infos zur Strecke findest du hier: Offroad – Canning Stock Route

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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