Offizier bei der Einreise nach Russland
Russland - Mongolei

Einreise nach Russland

Für den Grenzübertritt von Lettland nach Russland wählten wir den Grenzübergang Terehova.

An den wartenden Lastwagen fuhren wir einfach vorbei, so wie es auch PKWs und Busse tun. Die Ausreise in Lettland verlief schnell und unkompliziert. Für die Einreise nach Russland benötigten wir jedoch drei Stunden. Nicht weil viel Betrieb herrschte, eher im Gegenteil, die Fahrzeuge, die in den drei Stunden die Grenze passieren wollten, konnte man an zwei Händen abzählen. Auch nicht wegen Personalengpass, die Beamten waren gegenüber den Fahrzeugen deutlich in der Überzahl.

Warum es dauert ist nicht ersichtlich, es dauert eben. Aber die Beamten der Zollstelle sind freundlich, hilfsbereit und korrekt, wobei hilfsbereit und korrekt sich manchmal ausschließen, doch dazu später mehr.

Der Ablauf der Grenzformalitäten verlief geordnet und strukturiert, keine Hektik, kein Chaos.

Einreise nach Russland – es wird fotografiert

Ich wundere mich, dass ein Zöllner jedes Auto mit einer kleinen Kamera fotografiert. Den Motorraum, zu allen Türen ein Bild hinein und in den Kofferraum. Zum Schluss noch das Kennzeichen. Jedes Auto wurde an diesem Tag gründlich kontrolliert und wir, aus welchem Grund auch immer, ganz besonders genau. Ehrlich gesagt hatten wir in den 14 Jahren und mehr als 90 Landesgrenzen noch nie eine solch genaue Fahrzeugkontrolle. Der Drogenhund musste im Fahrzeug an allen Kisten schnüffeln, musste in die Fahrerkabine und zum Schluss musste ich den kompletten Laderaum ausladen, damit auch hier der Hund überall suchen konnte. Damit nicht genug, zwei Zöllner wollten im Wohnbereich jeden Schrank, jede Klappe geöffnet haben, selbst die Matratze musste angehoben werden.

Backscatter-Technologie aus USA

möglich, dass die Bilder so aussehen.

Mit der kleinen Kamera von Canon, sah aus wie eine Powershot, wurde jede Kiste und jeder Schrank fotografiert, bestimmt mehr als 50 Fotos und dann wurde noch in der Fahrerkabine alles abfotografiert. In den Kisten wurde nicht gesucht, es sei nicht nötig, auf den Bildern könne man alles erkennen. Röntgenbilder? Ich bekam keine Antwort. Nach etwa zehn Minuten waren die Daten auf dem Speicherchip ausgewertet und ich konnte meinen Kram wieder einpacken. Die Schranke öffnete sich, der Zöllner wünschte eine „gute Reise“ und wir nahmen russischen Asphalt unter die Räder.

Später in Moskau

Später in Moskau trafen wir Reisende, die mit einem Wohnmobil unterwegs waren und in dessen Heckgarage ein Motorroller transportiert wurde. Beide Fahrzeuge waren auf den Mann zugelassen, doch nach Russland (wie auch in einigen anderen Ländern) darf nur ein motorisiertes Fahrzeug pro Person temporär eingeführt werden. Mit einem 100 Euroschein konnte das Problem gelöst werden, der Roller wurde in den Pass eingetragen.

Andere Russlandreisende, die zur gleichen Zeit denselben Grenzübergang nutzten wie wir, wurden nur oberflächlich durchsucht, die extrem gründliche Durchsuchung scheint nicht die Regel, das Fotografieren der Ladung jedoch schon.

Frage zu den Fotos

Kann es sein, dass es sich um Backscatter-Technologie basiert auf dem Röntgen Compton-Streueffekt von Röntgenstrahlen, eine Form von ionisierender Strahlung handelt?

Kennt sich damit jemand aus? 

Inzwischen habe ich mehrere Antworten von Grenzbeamten und Technikern bekommen.Sie schließen aus, dass Durchleuchtungsbilder mit Geräten möglich sind, die die Größe einer Handkamera besitzen. Es werden an der Grenze wohl wirklich nur JPGs aufgenommen.
Der Grund ist für mich nicht ersichtlich, aber ich bin auch kein russischer Grenzbeamter.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. Wolfgang

    Euer Artikel zur russischen Fahrweise hat uns aus der Seele gesprochen. Wir sind öfters in Russland gewesen, einmal mit unseren Motorrädern bis Wladiwostok gereist und können Eure Erfahrungen nur teilen. Besonders ist uns in den großen Städten das Verhalten an den “Zebrastreifen” aufgefallen. Zum Teil gingen die Fahrzeuge regelrecht “in die Eisen” um Fußgänger das Überqueren zu ermöglichen.
    Was die Möglichkeit der Bestechung angeht, würde ich jedem Reisenden raten diesbezüglich alle Geschichten mit Vorsicht zu genießen. Unser Eindruck war eher der, dass ein solcher Versuch wohl hart bestraft werden könnte, Im Prinzip also nicht anders als bei uns in Deutschland. Aber folgende Geschichte hat uns gezeigt, wie leicht es ist mit dem Mainstream zu schwimmen. Bei der Grenzabfertigung nach Kaliningrad standen wir zusammen mit einem Reisebusfahrer am Grenzschalter. Die Kontrollen hatten wir, wie schon von euch beschrieben, hinter uns. Jetzt fehlten nur noch die “Stempel”. Nach einer völlig problemlosen Abfertigung ging der Busfahrer (ein Berliner) zu seinen Fahrgästen ( der Bus stand neben unseren Motorrädern ) und sammelte von seinen Fahrgästen Geld ein, weil er angeblich 100 Euro bezahlt habe, damit man nicht stundenlang warten müsse. Er hatte garantiert keinen Cent bezahlt, aber eine geschickte Tour drauf seinen nur allzu leichtgläubigen Fahrgästen ein zusätzliches Trinkgeld abzuknöpfen. Uns kniff er bei der Aktion noch ein Auge zu. Wir hatten keine Lust einzuschreiten, waren uns aber sehr wohl bewusst, dass es nun wieder 50 Leute mehr sind die in Deutschland von der Bestechlichkeit russischer Grenzbeamten zu erzählen haben.

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