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Transafrika

Burkina Faso 2007

Abuja, 32,17 Grad, leicht bewölkt

Liebe Freunde,
wir sind in der Hauptstadt Nigerias und besorgen einige Visa.
Uns geht es so richtig saugut. Wir sind Gäste einer großen deutschen Firma und leben wie der Hochadel.
Wir könnten auf dem Rücken liegen und mit den Beinen strampeln, so gut geht es uns.
Aber jetzt erst mal unser Weihnachts-Bericht.

Geburtstage
Mir wird ganz heiß, ich lese die e-mail meines Freundes und in seinem Erlebnisbericht wird sein Geburtstag am 16. November erwähnt. Zum ersten Mal seit über 30 Jahren habe ich seinen Geburtstag vergessen. Das kann passieren, aber es kommt noch schlimmer. Ich habe seit langem keinem mehr zum Geburtstag gratuliert. Ich habe einfach vergessen, das es Geburtstage gibt. Also all jene, die in den letzten Monaten Geburtstag hatten, nachträglich herzlichen Glückwunsch.

Das Zeichen des Herrn
Weihnachten steht vor der Tür. Nicht überraschend, aber dennoch unvorbereitet. Seit Tagen versuchen wir etwas schönes für Weihnachten auf die Gabel zu bekommen, aber da wo wir unterwegs sind, auf schmalen Buschpisten in Burkina und Benin, gibt es nur ein beschränktes Warenangebot. Auf den kleinen Dorfmärkten gibt es Hirse, Mais, Erdnüsse, Yams und lebende Hühner. Von Hotels, wo man weihnachtlich dinieren könnte, gar nicht dran zu denken. Noch nicht mal Mehl und Eier waren zu bekommen, um ein paar Plätzchen zu backen, von Butter ganz zu schweigen.
„Das gibt ja dieses Jahr ne besinnliche Nacht”, meint Sabine schon seit Tagen.
„Wir können uns ja ein frisches Brot backen, Vollkornmehl haben wir noch und zum Abendessen gibt es Spagetti mit scharfem Ketchup, wo noch ein Rest in der indischen Flasche ist. Weihnachten muss ja nicht am 24. gefeiert werden, wir feiern wenn wir das nächste Mal Eier und Butter kaufen können” und in pastoralem Ton in Anspielung auf den Missionar ergänze ich: „Sei geduldig, der Herr wird ein Zeichen geben, wenn der Tag gekommen ist.”

Piste in BurkinaDer 24. beginnt wie immer. Staubige Pisten, die Sonne berennt auf uns herab. Wir fahren
durch kleine Weiler in denen es außer Hirse und Hühner nichts gibt. Gegen Mittag erreichen wir eine größere Ortschaft, aber der Markt gibt nichts her. Kein Obst, kein Gemüse nur das was es schon die letzten Tage gab, aber ein Internetcafe ohne Kaffee. Wir freuen uns, noch nie gab es soviel Weihnachtspost für uns.
Freunde aus Goa schreiben: „Es ist die Zeit für Krebse und Prawns, die uns täglich für 1 Euro ans Auto gebracht wurden. Oft essen wir mittags einen ganzen Topf voll Krebse und abends dann auch noch eine ganze Pfanne Prawns in Knoblauch satt geschmurgelt. Es ist wie im Schlaraffenland.”
Weihnachten in Goa, das wäre es gewesen. Mit Freunden unter Palmen sitzen bei Bier und Langusten. Paradiesisch.
Nächste e-mail aus Deutschland: „… Wildschwein aus der Oberschale … frische Steinpilze für die Semmelknödel …”
Wir sind nur noch aufs Essen fixiert. Wenn es hier wenigstens Butter gäbe. Die nächste e-mail auch aus Deutschland: „… Zurück im Hotel nahmen wir zunächst in unserem Zimmer das Rosenblütenbad. Man hatte uns alles dafür bereitgestellt, sodass wir die wohltuende Wärme des Wassers in Ruhe genießen konnten. Danach ging es in das Restaurant zum Drei Gang Candlelight-Dinner, selten haben wir so köstlich gespeist. Am folgenden Samstag gab es zunächst ein Frühstück im Bett. Dazu stellte uns die Bedienung einen Servierwagen in das Zimmer und wir konnten uns nach Herzenslust bedienen.”
Und die letzte e-mail aus Hamburg: „… wir werden wohl die nächsten Tage eine Diät machen und nur Salat, Joghurt und Karotten essen…”
Heilig Abend verbringen wir alleine im Gebüsch, kochen Nudeln mit Ketchup und ein Rest Mayonnaise. Mein toller Pastorenspruch „Sei geduldig, der Herr wird ein Zeichen geben, wenn der Tag gekommen ist”, tröstet Sabine nicht so richtig.

SchweinAm nächsten Morgen, dem 25. Dezember fahren wir aus dem Buschland auf die Teerstraße.
„Das ist das Zeichen des Herrn”, sage ich zu Sabine, „heute ist der Tag gekommen”, und zeige auf das Moped vor uns. Hinten auf dem Gepäckträger sind ein paar Baumstämme gebunden und ein Schwein daran gefesselt. „Wildschein aus der Oberschale.”
Wir rollen in eine größere Stadt. Ein kleiner Laden, von französischen Nonnen geführt. Wäre ich in meinem Unglauben nicht so gefestigt, ich würde Zweifel kriegen. Im Regal gibt es Wein, Whisky und Likör. Im Kühlregal gibt es Butter und Äpfel aus Südafrika. Wir machen unseren Weihnachtseinkauf, verlassen die Stadt und folgen nach 20 Kilometern eine zugewachsene Piste zu einem Wasserfall. Hier sind wir ganz alleine, noch nicht mal Fliegen oder Moskitos, paradiesisch, hier verbringen wir die nächsten zwei Tage.

wasserfall

Dann geht es weiter nach Nigeria.

Liebe Grüße
Sabine und Burkhard, die u.a. den Kalifen gesprochen haben

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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