Manon am Südpol
MarokkoSüdliches Afrika

Tractor Girl Manon

Träume lassen sich realisieren

Ich bin ja jemand der immer sagt: „Erfolg hängt nicht von Glück, sondern von Willenskraft, Durchhaltevermögen, Mut, Fleiß und anderen Faktoren ab, die man größtenteils selbst bestimmen kann. Wer an seine Idee, an sich selbst glaubt und nicht aufgibt, wird Erfolg haben und sein Ziel erreichen.“ Davon bin ich fest überzeugt. Und dann gibt es Träumer, die schaffen es nie, die werden ewig träumen. Solche Träumer sind schnell erkannt, wie zum Beispiel Manon, eine junge Frau aus Holland.

Ägypten 2005

Fayoum

Nur wenige Reisende fahren ins Fayoum-Gebiet

Wir treffen sie 2005 in Ägypten, genauer gesagt als wir im Fayoum unterwegs sind, auf der Suche nach Walknochen die irgendwo in der Wüste rum liegen sollen.
Manon ist mit einem grünen Deutz Traktor unterwegs, erst vor ein paar Monaten in den Niederlanden aufgebrochen. Völlig unbedarft, vielleicht etwas durchgeknallt. Sie wunderte sich, dass man für einen Traktor ein Carnet für Ägypten braucht und man sie nicht einreisen lassen wollte.  Ja Mädel, wie naiv bist du denn?
Sie fragt mich: „Kann ich da nach Süden oder Westen weiter fahren? Ist die Wüste dort schön? Ich will nach Südafrika.“
„Wie soll das gehen? Guck doch mal auf die Karte, wie viel Diesel hast du denn dabei?“ „Och, ich dachte das ginge.“ Ihre einzige Karte ist eine Michelin, Maßstab 1:4.000.000.
„Und du willst nach Südafrika?“, frage ich leicht spöttisch, ich nehme sie nicht ganz für voll. „Ja, aber im Moment ist mein Geld zu Ende. Ich war am Theater, ich spiele in den Dörfern unterwegs Pantomime und verdiene so mein Essen und etwas Sprit.“ „Aah, okay, in Äthiopien verdienst du dir dein Essen mit Straßenschauspielerei, verstehe.“ Der fehlen ein paar Sicherungen, denke ich. „Und mit dem Geld kommst du bis nach Südafrika? Alleine?“ Holla hi, holla hopsassa, wie Pippi Langstrumpf, geht es mir durch den Kopf.

„Nein, ich will mit meinem Traktor zum Südpol, ich will zeigen, dass man Träume erreichen kann.“ „Ach so, da hast du ja einen schönen Traum.“  Booh, ist die durchgeknallt. „Ja, ich sammele unterwegs Träume ein. Viele Kinder sind durch Kriege traumatisiert, ich will ihnen mit meinem Theater helfen und zum Schluss malen oder schreiben sie ihren Traum auf ein Stück Papier und ich nehme ihren Traum mit zum  Südpol, dann geht er in Erfüllung.“ „Alles klar, dann fahr du mal zu Südpol mit deinem Trekker, Baujahr 1964 und sammele Träume ein.“
Wir verabschieden uns, ich mache noch nicht mal ein Foto.
„Was meinst du“, fragt mich Sabine, „in zehn Tagen, spätestens an der sudanesischen Grenze ist der Traum ausgeträumt. Papi kann dann Geld schicken, damit das Kind irgendwie nach Hause kommt.“

Namibia 2008

Vier Jahre später: Mit fünfzehnhundert Umdrehungen blubbert unser V6 vor sich hin, endlos zieht sich das Asphaltband durch den schmalen Streifen zwischen Angola und Botswana, dem Caprivistreifen, der zu Namibia gehört. Mit unseren Freunden Lothar und Marion die ebenfalls einen Deutz fahren, reisen wir ein paar Tage gemeinsam. Wer kommt uns entgegen? Ich fasse es nicht, der grüne Deutz Trekker. Manon. Respekt. Wir schlagen unser Camp im Busch auf, es gibt viel zu erzählen, Manon spannt ihre Hängematte zwischen der Pistenkuh und ihrem Trekker.

Manon in der Hängematte

Manon in der Hängematte zwischen ihrem Traktor und unserem Magirus

Vier Jahre ist sie jetzt unterwegs, nicht mehr alleine, sie hat jetzt einen Hund dabei. Ihr alter Deutz hat ein Schattendach aus Stroh bekommen und ihre ganzen Habseligkeiten transportiert sie in einer Holzkiste, die kleiner ist als ein Kühlschrank einer Zweizimmerwohnung.
Sie spielt immer noch Theater, aber satt wird sie davon nicht. Ihr erstes Buch ist gerade erschienen, Sponsoren sind nach einem Bericht im Spiegel auf sie aufmerksam geworden. In ein paar Wochen geht es zum Kältetraining nach Kanada. Sie stellt gerade ihr Team zusammen. Sie muss nach Windhuk zum Flughafen, in zwei Wochen fliegt sie nach Italien um einen Vortrag zu halten und Sponsorenverträge zu unterschreiben. „Von Südafrika zum Südpol, das ist ja völlig naiv“, klärt sie mich auf, „das geht nur von Südamerika.“ Wir sitzen lange am Feuer, sie erzählt von ihrem Trauma, wie es zu der Entscheidung kam, alleine mit dem Traktor auf zu brechen. Ich will es hier nicht wiedergeben, weil ich nicht weiß in wieweit es öffentlich ist. Meinem abwertenden Belächeln ihrer Idee oder ihres Traumes nach Südafrika zu fahren ist Respekt gewichen. Nie hätte ich geglaubt, dass sie hier ankommt. Sie jedoch war davon immer überzeugt. Wir verabschieden uns am nächsten Morgen, ich winke ihr noch lange nach.

Manon wieder auf ihrem Weg

Manon wieder auf ihrem Weg

Marokko 2014

Vier Jahre später, Mitte November 2014 blödel ich im Internet rum, finde die Facebook-Seite von Manon. Ein Bild ist online, ihr neuer Traktor im Rumpf einer Maschine auf dem Weg zum Südpol.

Manon am Südpol

Geschafft. Nach 5 Jahren ist Manon am Südpol

Scheiße, warum habe ich ihr damals meinen Traum nicht mitgegeben. Er würde sich jetzt erfüllen.
Nie wieder werde ich jemanden belächeln, der mir von seinen Träumen erzählt. Sie lassen sich realisieren. Man muss an sich selbst glauben und durchhalten. Ich habe es ja schon immer gesagt, man kann die verrücktesten Ideen verwirklichen, nur einmal habe ich nicht daran geglaubt, bei Manon.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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