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Ägypten Sinai
Ägypten

Weihnachten

Weihnachten kommt Nicole nach Sharm el Sheik geflogen. Weihnachten werden wir bei Beduinen im Zelt sein. Wir werden den Sonnenuntergang von einem Berggipfel beobachten, von dem man weit in den Sinai sehen kann und dann ein paar Hühnchen grillen.

Oase Ain Hudra auf dem Sinai

Oase Ain Hudra auf dem Sinai

Wir haben die Beduinen vor ein paar Tagen kennen gelernt, ganz nette Leute.
Nach Weihnachten fahren wir nochmals nach Kairo, wollen Nicole die Pyramiden zeigen, die wir uns dafür aufgehoben haben und selbst noch nicht besichtigt haben. Dann geht es zurück auf den Sinai nach Nuweiba, wo wir ein tolles Hippi-camp gefunden haben. Wir haben eine Bambushütte am Strand gemietet und werden hier Silvester feiern.

Der Bericht ist von unserer Tochter Nicole, die uns Weihnachten besuchte und zwei Wochen mit uns reiste. Viel Spaß beim Lesen.

Nachdem ich den unten folgenden Bericht noch mal gelesen habe, musste ich feststellen, dass er vielleicht etwas spitze Kommentare gegen die „Pauschaltouristen“ enthält. Deshalb kurz vorweg: Alles was ich so „verallgemeinernd“ geschrieben habe, ist nicht persönlich zu nehmen, auch dann nicht, wenn man selber doch eher Pauschaltourist ist. Die meisten Touristen fallen nicht negativ auf, jedenfalls nicht mehr als ich und meine Eltern auch, unten aufgeführte Beispiele haben sich allerdings so ereignet und mich persönlich verärgert. Man kann selbstverständlich einfach nur in den Urlaub fliegen – nach Mallorca oder Italien, da kann man dann auch FKK machen und sich frei fühlen. Aber wenn ich mir ein Reiseland mit so unterschiedlicher Kultur und Religion aussuche, kann ich mich darüber etwas informieren und es ist nicht mehr als anständig, fremde Kulturen zu respektieren und diesen Respekt auch zu zollen, erst recht, wenn ich mich in diesem Land aufhalte. Von daher die betreffenden Zeilen nicht persönlich nehmen, denn die meisten Touristen sind ja lieb und für das Land notwenig und diejenigen unter euch, die tatsächlich mit Minirock und Oben ohne durch einen Canyon wandern, dürfen’s auch persönlich nehmen!! Und nur so zum Trost: die meisten Ägypter werden sich davon nicht halb so angegriffen fühlen wie ich!
Ich lande um 14.00 Uhr Ortszeit am Flughafen von Sharm El-Sheik. Ein Gewusel von ägyptischen Hotelangestellten schreit um die Wette, damit die ankommenden Touristen den Bus zum Hotel finden. Irgendwo dazwischen entdecke ich meine Eltern, zum Glück schreien sie nicht auch so laut.

Ich möchte noch mal zurück in die Ankunftshalle, um meinen Rückflugtermin zu bestätigen, aber ich werde nicht hineingelassen. Ich muss die Schuhe ausziehen, denn da sind Metallösen dran, dann geht’s weiter. Auf Socken durch die Departure-Hall, meine geliebten Schuhe (die einzigen, die ich für die zwei Wochen dabei habe) laufen irgendwo auf einem Fließband im Kreis.
„Herrlich“, denke ich, „ das gibt’s auch nur in Afrika“ und fühle mich gleich wohl und zu Hause. Unverrichteter Dinge, kehre ich mit meine Schuhen und schwarzen Socken zurück, den Rückflug kann ich am Flughafen nicht bestätigen, sondern nur im Büro in der Stadt. Ich bin belustigt, meine Eltern genervt – am Anfang sei’s ja noch witzig, aber ich würd’ schon noch sehen, das ginge immer so…

Wir fahren nach Dahab, wo meine Eltern die letzten Tage schon verbracht haben, um die besten Restaurants zu testen. Denn wenn’s kleine Baby kommt, dann gibt’s nur das Beste! – das war mir auch neu, so bin ich nicht erzogen worden! Am Anfang dachte ich, mein lieber Daddy übertreibt ein bisschen in seiner Euphorie, er sprach von frühstücken gehen, abends essen gehen, einfach ein bisschen am Feuer im Café sitzen und Säfte trinken… Nie hätte ich gedacht, dass ich tatsächlich wähle zwischen Pfannekuchen, Omelett, Sandwich, Beduinenfrühstück, frischem Säften aller Art, Hähnchen, Rind und Fisch, mit Pommes, Reis und Gemüse, Pizza, Riesotto, Burger…na ja, aber die Aufgabe, über’s Essen zu berichten, überlasse ich mal den typischen Pauschaltouris, die auf Grund ihrer „all inclusive Buchung“ von keinem weiteren Erlebnis als dem abendlichen Büffet berichten können.

Tauchen im Roten Meer

Tauchen im Roten Meer

In Dahab stehen wir in der Lagune, etwas abseits der Stadt, es ist ein ruhiger Ort und nachts ungestört, die Lichter der Hotelanlagen schaffen eine ganz nette Atmosphäre. Bei guter Sicht kann man über das rote Meer hinweg sogar Saudi-Arabien sehen. Tagsüber werden die Touristen in Geländewagen in Scharen an den Strand gefahren, man kann Pferde leihen und zeigen wie gut man reiten kann – oder sich schrecklich blamieren. Die vielen Tauchschulen gehen hier mit den Anfängern ins Wasser, man hat immer was zu beobachten.
In das Vergnügen des Tauchens bin ich auch gekommen, bei einer deutschen Tauchschule habe ich einen Schnupperkurs machen dürfen, 8 Meter in die Tiefe zu den bunten Fischen. Man glaubt gar nicht wie schwer es ist, in diese verflixten Neopren anzüge hineinzukommen und hinterher wieder hinaus, wenn das Ding auch noch nass ist! Da kommt man richtig ins Schwitzen! Und dann noch die Flasche und der Bleigürtel, gut dass es bald ins Wasser ging! Hier ist dann alles nicht mehr so anstrengend, jedenfalls dann nicht, wenn man sich von seinem Tauchbegleiter durch die Gegend schieben lässt und vor lauter Umherschauen das Paddeln ganz vergisst, aber das hat ihm nichts ausgemacht, der war groß und kräftig!

Blue Hole

Ein beliebter Ausflugsort für Schnorcheler und Taucher ist auch das Blue Hole. Unheimlich viele verschiedenartige Fische in allen unglaublichen Formen und Farben und jeglichen nur vorstellbaren Kombinationen kann man hier munter tollen, raufen, schwimmen, jagen und fressen sehen, man mag sich gar nicht vorstellen, dass die hübschen Viecher abends tranchiert und flambiert werden. Und an meinen Fisch vom Abend vorher mochte ich da auch nicht mehr denken… was es wohl für einer war? So ein roter mit blauen Punkten? Oder eher der, der da in allen Farben schillert, je nachdem wie die Sonne scheint? Vielleicht auch der Lilafarbene, mit den gelben Flossen und den blauen Streifen… Aber es scheint Eigenschaft des Menschen zu sein, sich seine Nahrung vorher erst mal anzusehen.

Die Hotelausflügler bekommen in mütterlicher Weise Care-Pakete von ihrem Hotel gepackt, schön mit viel Plastik und Folien. Später fliegen die leergefutterten Pakete in der Gegend umher. Und da in Ägypten ja eh alles nicht ganz so europäisch sauber und rein ist, kommt es auf den Müll auch nicht mehr an, der Wind verweht es ja eh. Man tut halt was man kann, um sich den Sitten des Landes anzupassen, nicht das es hinterher heißt, man habe sich nicht über Kultur und Begebenheiten informiert!

Wir verlassen Dahab, um die Wüsten- und Gebirgslandschaften des Sinai zu erkunden. Auch hier haben meine Eltern vorausgekundschaftet, sodass ein müheloses Anfahren der schönen Gegenden gesichert war. Am Abend des 24. fahren wir in den „Coloured Canyon“, der wegen seiner verschieden Gesteins- und Sandfarben „farbig“ genannt wird.

Beduine am Lagerfeuer

Beduine am Lagerfeuer

Wir bringen Gemüse, frisch geschlachtete Hähnchen und Reis mit, die Beduinen, die dort ein schönes modernes Café eröffnet haben, sollten es uns lecker zubereiten und mit uns den Abend am Feuer verbringen.
Doch leider stellte sich heraus, dass der allein zurückgelassene Beduine (der ohne Zweifel sehr freundlich war), kein Wort englisch sprach und auch nicht kochen konnte. Aber zum Glück kann das ja meine Mama, so gab’s dann doch noch leckere gegrillte Hähnchen und Obstsalat.

 

Am nächsten Morgen haben wir noch vor dem Frühstück den Abstieg in den Canyon gemacht, man musste schon ein bisschen klettern und so mancher Pauschal-Deutscher hätte da mit Sicherheit nicht durch jedes Loch gepasst – ob das wohl bei der Reisekoordination berücksichtigt wird? Nicht das man da viel Geld für eine begleitete Canyontour bezahlt und in der Mitte stecken bleibt?

Coloured Canyon

Coloured Canyon

Ob wohl bei der Reisekoordination darauf hingewiesen wird, dass es da eventuell staubig sein könnte oder dass man in Kontakt mit Gestein kommt? Ob man wohl im Hotel weiß, dass der Weg nicht geteert sondern uneben ist? Ich glaube nicht, denn sonst wären mir doch sicher nicht so viele Touristen mit Minirock, Gucci-Handtäschchen, weißem Kostüm oder Stöckelschuhen begegnet? Aber so sind sie halt, woher soll’n sie’s auch wissen?

White Canyon

 

Klettern im White Canyon

Klettern im White Canyon

Neben dem Coloured Canyon haben wir auch noch den „White Canyon“ (weißes Gestein) und einen dritten, dessen Namen ich jetzt nicht mehr weiß (was nicht so schlimm ist, da die meisten Ägypter selber nicht wissen, dass sie den überhaupt haben) besucht und durchklettert. Das ist wirklich ein schönes Erlebnis, wie beeindruckend es doch ist, wenn man in mitten von einem Canyon läuft, hohe Felswände links und rechts emporsteigen und der Weg sich nicht einsichtbar schlängelt und man nicht sieht wie es um die nächste Biegung weiter geht. Es ist schon gewaltig, wie viel Macht die Natur doch hat, da hat der Mensch wirklich ganz kleine Brötchen zu backen.

white-canyon

White Canyon auf dem Sinai

Da wir nun einmal in Ägypten sind, und man nicht nach Ägypten reisen kann, ohne die historischen Bauwerke der alten Ägypter zu besichtigen, haben auch wir uns nach Kairo gewagt, um die Pyramiden zu bestaunen. Mitten in der Stadt stehen sie im Dunst, und wenn man nicht wüsste, dass sie jetzt hier irgendwo sein müssen, würde man sie wohl glatt übersehen.
Wir kommen bei Nacht in Kairo an und verlieren durch einen Tankstopp die Anbindung an die Ringroad, so befinden wir uns irgendwo mitten in der 20-Millionen Stadt und fahren erst mal geradeaus, was anderes bleibt auch nicht übrig, da nicht mal eine Handbreite Platz an allen vier Seiten des Autos ist, bis schon das Nächste auch nur geradeaus fährt. Spannend ist es, das Verkehrsleben in Kairo. Am spannendsten wohl als Fußgänger.
Als wir den folgenden Tag zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt unterwegs waren, half uns ein junger Ägypter über die eigentlich vierspurige Autobahn, die aber aufgrund der Fahrweise achtspurig war. Als er einfach loslief und wir ganz brav europäisch warteten, schaute er verständnislos, da könnten wir noch ne Stunde warten! „Lieber `ne Stunde an der Straße, als `ne Woche im Krankenhaus.“, antworteten wir und er schaute noch verständnisloser und lachte unsicher, hielt es wohl für einen Witz.

Am Abend zuvor war ich froh und fühlte mich sicher, ist der Magirus doch höher als die meisten Autos und auch stärker als der ein oder andere Esel. Als es dann aber hieß, in so einen kleinen Minibus, auch „Helldriver“ genannt – und das zu Recht! – einzusteigen, habe ich doch mal einen Moment an meine Freunde zu Hause gedacht und überlegt, ob ich mich von allen verabschiedet habe… Puh, Sitzplätze für neun Personen, aber 15 passen auch irgendwie rein. Türen oder Motorhauben – purer Luxus! Und so fahren wir, mit arabischer Musik im Hintergrund, der Fahrer singt mit, während er, den Fuß auf dem Gas, die Hand an der Hupe, von rechts über alle vier oder sechs oder wie viel auch immer Spuren wechselt um gleich darauf doch wieder am Seitenstreifen einen anderen Minibus zu überholen, der seinerseits auf dem Gehsteig einen LKW überholt. Habe ich schon vom Blinkverhalten geschrieben? Naja, ist auch nicht so wichtig, gibt ja eh keins. Die meisten haben noch nicht mal einen Blinker.
Lichthupe- das einzige Mittel um sich und sein Überholmanöver anzukündigen! Da das Fernlicht in der Regel nicht funktioniert, kann man vorher natürlich nicht mit Licht fahren, sonst funktioniert ja das clever ausgeklügelte Prinzip nicht… Und so fahren wir vorbei, an links entgegenkommenden Eselskarren, einem Moped, natürlich ohne Licht, mit fünf Personen drauf, tote Esel, Hunde, Katzen ,im Graben liegenden umgekippten LKW’s, der Reifen ist geplatzt oder besser: das letzte bisschen Gummi ist gerissen, das hätte man wahrscheinlich auch mit bloßen Händen geschafft…
Kinder laufen zwischen den Fahrbahnen entlang und verkaufen Taschentücher oder blinkende Weihnachtsmannmützen.

Kairo ist furchtbar dreckig. Die Nilkanäle, die durch die Nebenstraßen fließen dienen als Müllhalde. Häufig sieht man kein Wasser mehr, da die Oberfläche übersäht ist mit Flaschen, Tüten und Plastik. Da wird nichts mehr leben, jedenfalls nichts mit mehr als einer Zelle. Kinder waten in dem Wasser herum, tränken ihre Esel oder Ziegen. Frauen waschen Geschirr, Männer ihre Autos. Es stinkt. Fliegen überall. Kein schöner Ort. Wir sehen die Müllabfuhr, freuen uns, denken „na immer hin“. Aber fünf Meter weiter kippen sie es in den Nil. Der Mensch ist schon ganz schön robust. Unter solchen Umständen zu überleben ist sicherlich nicht einfach.

Wiedereinmal wird mir die Bedeutung der Religion bewusst. Wenn man ein solches Leben führt, bleibt einem nichts mehr als die Hoffnung und der Glaube, dass es eines Tages alles besser wird. Das Ausüben der religiösen Praktiken wird akribisch verfolgt. Wir laufen in Kairo durch die Gassen, über die einheimischen Märkte, lassen uns treiben und erleben das Leben, erkunden die Gewürzgasse, die Metzgergasse und die Schmieden. Mir kommt eilig ein Mann entgegen, der die Stirn schmutzig hat. Etwas belustigt denke ich mir: “Oh, wohl zu fest aufgeschlagen beim Beten“ und gehe weiter. Plötzlich fallen mir immer mehr Männer mit dunklen Flecken auf der Stirn auf. Sie beten tatsächlich so hingebungsvoll, dass ihre Stirn darunter leidet.
Auch in der Metro (übrigens ein sicheres und angenehmes Verkehrsmittel) herrscht ein emsiges Gemurmel, da Jeder für die Fahrt von zwei drei Stationen den Koran auspackt und ließt. Die größte Angst für diese Menschen muss es sein, an diesem verfluchten Ort auf der Erde und in dem Leben vergessen oder zurückgelassen zu werden.
Kairo ist die zweitgrößte Stadt der Welt mit über 20 Millionen Einwohnern. Jährlich kommen ca. 1 Million dazu. Die Ägypter sind also emsig damit beschäftigt, eine Stadt um die andere an Kairo dran zu bauen. Nur so zum Vergleich: Siegen hat hunderttausend Einwohner, also ca. 10 mal Siegen im Jahr. Um die vielen Toten zu bestatten, werden sogenannte Totenstädte erbaut, jede Familie hat ein Totenhaus, wo alle Leichen hereinkommen. Die Armut nimmt überhand, so müssen die Totenstädte teilweise mit Elektrizität versorgt werden, weil sich die Familie kein weiteres Haus in der Stadt leisten kann und dort lebt.

Die Menschen die uns begegnet sind, sind durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Den meisten ist es wichtig, ihr Land international gut darzustellen. „Die Europäer sollen sehen, dass in Ägypten gute Menschen leben, denen man vertrauen kann.“ Sie scheinen mit ihrem derzeitigen Bild in der Öffentlichkeit nicht zufrieden zu sein. Einige Gefälligkeiten sind wohl auch meinetwegen, oder besser, wegen meines deutschen Passes erfüllt worden. Das scheint der größte Traum, nach Europa, in den Westen, Hauptsache ein Visum. Da hat sich der ein oder andere natürlich auf der Stelle aus tiefstem Herzen in mich verliebt… Meine Eltern erzählten von einem Ägypter, den sie getroffen haben. Er würde heiraten, er ginge nach Europa, er hätte es geschafft. Bei genauem Nachfragen stellt sich heraus, dass er eine Russin heiraten wird und nach Moskau geht. Der wird sich wundern- genauso ein scheiß Leben, nur jetzt auch noch in der Kälte.

Wir beschlossen, uns einfach mit der Metro durch Kairo fahren zu lassen, um so einen Rundumeinblick zu bekommen. Ein ägyptischer Bankangestellter bekam das mit und war entsetzt. Zwei Stunden nur Metro vom einen bis zum anderen Ende? Er war traurig, da wir so die schönen, sehenswerten Ecken Kairos nicht sehen würden und vielleicht von der Stadt enttäuscht sein könnten. So bot er an, uns am Abend wiederzutreffen, um uns Kairo bei Nacht und die schönen Stellen zu zeigen. Wir waren gespannt, in welchem Souvenirladen das Ganze enden würde, ließen uns aber darauf ein, hatten ja nichts Besseres zu tun. Zu unserem Erstaunen und entgegen all unseren Erwartungen hatte er wirklich nur im Sinn, Touristen die Stadt zu zeigen (und vielleicht ein bisschen mit mir und meinem Pass zu shakern).

Jetzt hätte ich beinahe ganz vergessen, dass wir natürlich nicht nur an den Pyramiden vorbeigefahren sind, sondern diese auch besichtigt haben. Wir beschlossen, in einem etwas größeren Radius um die Anlage herum zu spazieren, um auch wirklich jeden Fotowinkel genutzt zu haben. Camel- und Pferdbesitzer bieten ihre Transportdienste, für fußmüde oder abendteuerlustige Touristen. „You need a camel?“ „No, I am the camel!“ – die Antwort meines Vaters, woraufhin die Guides belustigt über diesen blöden Deutschen das Weite suchten.

Die Pyramiden sind gar nicht so groß wie man sie sich vorstellt. Natürlich immer noch gewaltig, wenn man bedenkt, in welchem Zeitraum und mit welcher Mühe und Anstrengung damals Stein auf Stein geschichtet wurde.

Pyramiden in Kairo

Ganz schön beeindruckende Bauwerke am Stadtrand von Kairo

Total verrückt! Aber immerhin führt es dazu, das Ägypten im Gegensatz zu so manchem anderen Land eine glorreiche, königliche Geschichte mit Traditionen hat, schade nur, dass die Ägypter daraus heutzutage nicht mehr schöpfen.
In Dahab freunden wir uns mit einem Restaurantangestellten an, er heißt Rudi – wie Rudi Völler, da legt er Wert drauf!
Er konnte gar nicht glauben, dass man an deutschen Schulen im Geschichtsunterricht etwas über sein Land lernt. Wir führen nette Gespräche und besuchen ihn nahezu jeden Abend, manchmal begleitet er uns durch die Strandpassage von Dahab. Am letzten Abend ist er nicht in seinem Restaurant und wir begegnen ihm zufällig in der Stadt. Er hat gekündigt. Und er hat ein Grundstück gepachtet, wo er sein eigenes Restaurant eröffnen will. Wir freuen uns und überlegen an einem geeigneten Namen. „Revolution“ möchte er es nicht nennen.

Es macht Spaß, über die Avenue zu schlendern, mit dem Schleppern zu reden, mit ihnen Konditionen für Essen und Getränke auszuhandeln oder Rätsel und Spiele zu machen, immer darum, ob wir bei ihm einkehren oder nicht.

Dahab, Hippi-Flair im Paradis

Dahab, Hippi-Flair im Paradis

In den Restaurants und Cafes sitzen wir auf Teppichen um ein Lagerfeuer, zwischen Palmen. Überall werden abends gemütliche Feuer entzündet, der Koch spielt ein bisschen mit der Ölflasche auf seinem Grill, hohe Flammen lodern auf und die Ägypter tanzen zur Musik. Es hat schon seinen Sinn, dass der Koran Alkohol verbietet, sonst würde da keine einzige Bude mehr stehen. Die Cafes befinden sich direkt an der Küste, man hört das Meerrauschen, bekommt bisweilen sogar den ein oder anderen Gischtspritzer ab. Wir lernen einen Deutschen Lehrer kennen, der in Kairo an einer deutschen Schule unterrichtet – es weckt bei mir gleich ganz neue berufliche Reize. Auch ein deutsches Paar, welches eine Weltumsegelung plant, leistet uns an mehreren Abenden angenehme Gesellschaft. So vergeht die Zeit, ein lauer Abendwind weht, die Stimmung ist gut und man vergisst sogar, dass man irgendwann Silvester feiern muss. 12 Uhr haben wir einfach in einem Café verquatscht. Ägypten reizt mit unheimlich tollen, vielfältigen Landschaften, mit wirklich sehr gastfreundlichen Menschen, die Kinder betteln nicht und man bekommt außer Tee nichts aufgedrängt.

Mein Papa versucht sich immer wieder als Geschäftsmann und übernimmt für eine Stunde das T-Shirtgeschäft eines Freundes – ohne Erfolg. Aber er hat es wirklich versucht. Überhaupt ist mein Papa schon sehr hilfsbereit, wenn wir abends Richtung Auto laufen, werden wir immer gefragt:“ Taxi, Sir. Taxi?“ „No, sir, I have no taxi, you need one? Wait, I get you a taxi!” Nett, oder? Auch versucht er Überlebensstrategien zu vermitteln. An einem Schmuckstand entdecke ich eine Kette, mein Vater versucht sie gegen zwei Hunde einzutauschen. „I give you two dogs. One black, one white. Than you have food for about five days! I’ll catch them on the street.” Die Ägypter erkennen früher oder später den Joke, lachen sich kaputt, feixen, es folgen Einladungen zum Tee, man grüßt sich. So vergehen die Tage, der Abflug naht und bevor in Ägypten noch irgendetwas schief geht, bin ich schon drei Stunden eher am Flughafen. Ich befürchte, dass die Maschine vielleicht nicht pünktlich starten würde und es Probleme mit meinem Anschlussflug von Nürnberg nach Köln geben könnte, doch es läuft alles prima. Nach der Landung in Nürnberg wähne ich mich zu Hause, sind wir doch wieder in Europa, wo alles seine Ordnung hat und vor allem Wert auf Pünktlichkeit und genaue Zeiteinhaltung gelegt wird. Entsetzt lese ich auf dem Bildschirm, dass mein Flug vier Stunden später als geplant weiterfliegen würde, und ich denke, dass gibt’s doch nicht, wir sind doch in Deutschland! Bis sich heraus stellt, dass man auf Passagiere einer zweiten Maschine wartet, die, ich mag’s kaum sagen, aus Ägypten kommt und dort Probleme beim Abflug hatte!

Kunstwerk auf dem Sinai

Kunstwerk auf dem Sinai
Ein belgischer Künstler hat hier mit zig Tonnen blauer Farbe die Felsen angemalt.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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