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Ich muss was verkaufen

Ein paar Dinge sind zu besorgen. Karkassenflicken und 4 Schrauben M10x30, Festigkeit 12.9.
Bevor ich in Afrika rumrenne, um den richtigen Laden zu suchen, der dann doch nicht das hat was ich brauche, da kaufe ich die Dinger doch viel schneller in Deutschland. Deutschland = schnell, günstig, Top Qualität, guter Service, denke ich.
Fangen wir mit den Reifenflicken an.
Firma Reifen Weigert oder so ähnlich.
„Hallo, ich hätte gerne vier Karkassenflicken in der größten Größe und je vier Pilze in 6 und 10 mm.“
Der Mann an der Servicetheke schaut sich um, kein Kollege in der Nähe, dem er den Auftrag übertragen könnte.
„Da muss ich erst mal gucken, ob wir so was haben“, und schon ist er im Lager verschwunden. Die Zeit vergeht.
Mit einem Lächeln im Gesicht, aber leeren Händen kehrt er zurück: „Die verkaufen wir nicht, die brauchen wir nur in der Werkstatt. Bringen Sie den Reifen vorbei und wir reparieren den.“
Ich erkläre mit langer Rede, dass der Reifen in Namibia liegt.
„Da muss ich mal telefonieren.“
Kein Problem, ich hab Zeit.
„Hallo Bettina, ich muss hier was verkaufen. Ich hab hier einen Kunden, der will unbedingt Flickzeug kaufen. – Ja, hab ich ihm schon gesagt. – Nein. – Wie mach ich das? – Alles klar, tschüß.“
Er verschwindet wieder im Lager und kommt nach kurzer Zeit mit einem Karton zurück, den er intensiv absucht. „Aha“, denke ich mir, er hat die Artikelnummer gesucht.
„Ich muss noch mal telefonieren.“
„Ja, ich hab Zeit, Hauptsache ich krieg die Dinger.“
„Hallo Bettina, noch mal ich, die gibt’s nur im Karton zu 24 Stück. – Nein, haben sie nicht. – Soll ich den Artikel anlegen? – Wie mach ich das? – Nee, der ist krank, ich bin hier allein. Alles klar, tschüß.“
Zu mir gewandt: „Das geht so nicht, die gibt’s nur im Karton zu 24 Stück.“
Mein Vorschlag: „Können Sie mir nicht einfach vier Stück geben und ich ballere was in die Kaffeekasse?“ „Nee, das geht nicht, will der Chef nicht, das muss alles auf Rechnung gehen.“
Nächster Vorschlag: „Kann man nicht einfach ne Rechnung über vier Ventile ausdrucken, die ich dann bezahle und mir stattdessen vier Flicken geben?“
„Um Gottes willen, da haben wir ja das größte Chaos, dann stimmt ja gar nichts mehr.“
„War ja nur so ne Idee, in Afrika wäre das so gegangen.“
„Wir sind hier nicht in Afrika.“
„Vielleicht sagen Sie einfach was die Dinger kosten, ich bezahle und Sie machen die Rechnung in aller Ruhe, wenn ich weg bin. Meine Rechung können Sie ja dann in den Müll werfen.“
„Müsste gehen.“
Er tippt an seinem Computer.
„Ich muss noch mal telefonieren.“
„Kein Problem, ich hab Zeit.“
„Hallo Bettina, ja wieder ich. – Nee, das klappt nicht. – Bei mir ist kein VK angegeben, da steht nur der EK. – Okay, wie viel tu ich drauf? – Soviel? – Alles klar, tschüss.“
Er gibt mir die vier Flicken: „So, das macht dann genau 60,- Euro plus Steuer, macht 71,40.“
Ich zahle und bedanke mich für die Mühe. Im Auto wird mir erst klar, dass es echte Euro waren und keine Namibische Dollar

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 1 comment

  1. bessybess

    Durch Zufall bin ich Ihre absolut für mich interessante Website gekommen. Darüber freue ich mich sehr, denn so interessante und detaillierte Berichte findet man im Netz eher selten. Die Länder die sie bereisen, sind so interessant für mich, weil man nur selten etwas darüber findet. Wie z.B. Mauretanien oder dem Iran. Mein Mann und ich haben uns vor 1 1/2 Jahren ein kleines Wohnmobil angeschafft und sind auch oft damit unterwegs. Aber solche Reisen wären damit nicht möglich!
    Ich wünsche Ihnen weiterhin schöne Erfahrungen und spannende Momente wo auch immer sie sind. Ich freue mich jetzt schon auf Ihren nächsten Reisebericht. Bis dahin wünsche ich aus dem leider verregneten und kalten Deutschland frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2018.
    Helga Koch aus Lippe

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