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Offroad Rumänien 2022 Adventure Scout Blog Nicky & Reinhard

OffRoad durch die Karpaten – Graf Dracula bittet zum Tanz!

„Jetzt rechts!“
„OffRoad durch die Karpaten – Graf Dracula bittet zum Tanz!
„Jetzt rechts!“
„Hier?“
„Ja, und dann gucken wir mal, ob es da ein Plätzchen für uns gibt“, sage ich.
„Muss auch – hab grad keine Lust mehr“ sagt Reinhard.
Wir sind in Rumänien angekommen, draußen sind 34°C im Schatten. Die letzten Tage sind wir über Landstraße einigermaßen durchgefahren – wir wollen ein paar Tage Kraft tanken und uns dann in den Karpaten auf die Spur von Graf Dracula … – ähm, ach nee – auf die Spur von Pistenkuh begeben!
„Guck mal nach oben“, sagt Reinhard mit dem Weinglas in der Hand. Ein paar imposante Gewitterwolken ziehen auf – auch ein Grund für ein wenig Auszeit – drei Tage Gewitter soll es geben. Tatsächlich donnert es die nächsten zwei Tage unentwegt – ab und zu ein bisschen Regen, dann wieder Sonne.


Am Sonntag gesellen sich ein paar Einheimische zum Picknick zu uns auf „unsere“ Lichtung und immer wieder kommen Einige, um sich an einer nahen Quelle ihre Wasservorräte aufzufüllen. „Das Wasser hier ist viel besser als aus der Leitung, wir trinken es und kochen damit“, erklärt uns eine Frau, die ganz verzückt unseren kleine Hündin Gina streichelt, während ein kleines Rinnsal langsam ihren Wasserbehälter füllt.
Erst scheinen die Leute abweisend aber sobald man ihnen einmal zugewunken hat, freuen sie sich sehr und gute Wünsche werden zugerufen.
Unser letzter Abend an diesem tollen Platz – das Lagerfeuer brennt, Gina liegt eingerollt auf meinem Schoß und dann – ja dann fängt es an zu regnen und wir packen alles zusammen, um viel früher als gedacht ins Bett zu gehen – morgen fahren wir weiter.

Man wächst mit seinen Aufgaben.

„Guten Morgen, habt ihr gut geschlafen?“, ruft Bouke, einer der beiden Besitzer des Camps OffRoadventure, uns zu. „Ja sehr gut!“, sage ich. Manuela und Christoph sind auch schon wach und stehen vor ihrem Land Cruiser – und auch die beiden haben gut geschlafen. Wie auch wir, haben die Beiden am Tag zuvor auf dem wunderbaren Platz vom Niederländer Bouke Zuflucht gesucht – denn wie der Regen, der wir ein Sturzbach aus dem Himmel fiel, fielen auch die Temperaturen von 34°C auf 13°C. Gestern hat uns das in der tollen Gesellschaft von Manuela, Christoph und Bouke, einem leckeren Abendessen mit Bier und Wein nicht gestört – sehr schön und gemütlich war es!


Trotz der dicken Wolken weiter oben, gehen wir es an – die Route „5BH“ aus dem Offroad Buch von Pistenkuh, mit Schwierigkeitsgrad 5!
Wir sind jetzt nicht die erfahrensten Offroader und dachten uns, wenn es uns zu heftig wird, kehren wir halt wieder um…
Soweit die Theorie – und die Erfahrenen unter euch feixen sich jetzt bestimmt schon einen! Zu Recht!
Unsere Strecke und auch die angepriesene schöne Aussicht, verschwindet komplett in der nassen Wolke durch die wir gerade fahren.
Es wird unübersichtlich und ich will vorgehen, um die Strecke zu checken. Als ich aussteige sagt Reinhard „hier sollte eigentlich ein Funkmast stehen“ und zeigt auf ein leeres Fundament direkt neben dem Auto. Ich gehe ca. 20 Meter voraus und pruste lachend in mein Handfunkgerät: „Hier ist er! Ich stehe direkt vor ihm!!“ Scheibenkleister – was für eine dicke Suppe!
Oben, am höchsten Aussichtspunkt angekommen, sehen wir außer einer Hütte und einem allumwarbernden Weiß gar nix. Ok – war schon bei Abfahrt so zu erwarten – also weiter.
Es geht über ewig viel Geröll – immer weiter – irgendwann sagt Reinhard: „komme was da wolle, das fahren wir nicht wieder zurück!“
Ich bin ganz seiner Meinung und steige wieder zur Erkundung des Weges aus. Ich gehe auf die Kuppe und bleibe stehen „Ach – du – Sch…!!!“ denke ich und schaue nur fassungslos auf das vor uns liegende Stück. Die Funke rauscht und Reinhard fragt: „Was ist denn? Was stehst du da?“
„DAS musst du dir selbst angucken kommen“, antworte ich, noch immer in einer leichten Schockstarre verharrend. Reinhard kommt dazu und: „Ach du Sch…!“ entfährt es ihm – ein bedächtiges Kratzen am Hinterkopf folgt.
Vor uns geht es bergab, was erstmal nicht schlimm ist aber in Mitten des Weges ist ein teilweise bis zu 1 Meter ausgewaschener, ausgebrochener Graben – zudem auf halber Strecke ein Kurve.
Erst sagen wir beide: „Nie im Leben!“, „auf keinen Fall!“ – doch dann fangen wir uns und gehen zusammen die Strecke ab.
Der, der vor uns sein Glück versucht hat, ist an zwei Stellen eingebrochen und die mögliche Spur ist weg – wir atmen tief durch und entscheiden: „Das machen wir jetzt!“ Reinhard gibt die Richtung an und ich fahre – so machen wir das.
Gaaaanz langsam geht es dort runter – an den zwei extrem kritischen Stellen muss ich schneller rüber, um nicht auch wegzubrechen – da würde mich dann nur noch ein Kran raushebe können.
Und dann ist‘s geschafft – souverän haben wir das gemeistert! Mit weichen Beinen umarmen wir uns freudig und loben uns gegenseitig.

Und wie wenn der Himmel sich mit uns freut, lässt die Wolke, die uns umgibt immer mal und immer öfter eine Lücke – so sitzen wir dann irgendwann zufrieden mit einer dicken Jacke, einer Tasse heißen Tee und einem Glas Rotwein vor unserem Auto und genießen die grandiose Aussicht!

Suchtgefahr!

Rumänien ist fantastisch!! Und die atemberaubenden Fernsichten werden es anderen Reisen echt schwer machen – denn die Messlatte liegt hoch!
Meist so auf 1.400 Metern – ja gut, in Marokko hat man auch grandiose Aussichten auf 2.000 m ABER hier kann man auch genau dort übernachten! Man sitzt nun da, schaut und schaut und schaut und – ab und zu ein Schluck Wein und ein: „Ach, watt schööön!“
In der Ferne sehen wir, dass sich noch jemand zu uns gesellen will – „was für ein Mist!“ denke ich – doch als der hornalte Iveco vor rollt und uns ein freudestrahlender Fahrer „Hallo“ zuruft, ist das Eis gebrochen. Ingmar reist mit seinem geländegängigen Oldtimer namens Arwakr durch Rumänien – ebenfalls auf den Spuren von Pistenkuh. Spontan beschließen wir fürs Abendessen zusammen zu legen – ein toller Abend!

Um 6:30 Uhr in der Früh klopfe ich an den Iveco: “Ingmar, aufwachen! Das musst du sehen!!“
WAS – FÜR – EIN – SONNENAUFGANG!!! Unglaublich!!


Da sind wir nun wohl auf ewig für die touristisch ausgelegten Aussichtspunkte verdorben.

Süchtig macht nicht nur diese Fernsicht und die menschenleere Ruhe hier oben – sondern auch das was in den nächsten Tagen folgt!

Tage wie dieser…

„Da ist ein Bär“ sagt Reinhard, als wäre es das Normalste von der Welt, als er geschmeidig die nächste Serpentin-Kurve nimmt.
„Ein Bär! Ein Bär!“ bin ich völlig aus dem Haus und zücke alles was irgendwie Bilder für die Ewigkeit speichert – zack vorbei – zu spät. „Soll ich umdrehen?“ fragt Reinhard während er schon die nächste Wendemöglichkeit ansteuert und zurück fährt. Und da sitzt er – ein Bär!

Traurig sieht er aus – schwer atmend schwankt er mit dem Oberkörper leicht hin und her und lässt sich fotografieren. Ein Motorradfahrer steigt sogar ab, zieht seine Handschuhe aus, kramt das Handy raus und macht aus ca. 10-15 Metern seelenruhig Bilder. Schnell bildet sich ein kleiner Stau – alle wollen den Bären sehen, der keinerlei Scheu zeigt. Der rumliegende Müll lockt die Bären aus dem Wald – Touristen und vielleicht auch Einheimische lassen Obst in den Haltebuchten liegen um sie anzulocken – nein, das ist nicht schön und es macht mich ein bisschen traurig – aber ich muss zugeben, nur kurz, denn wir haben heute drei Bären in freier Wildbahn gesehen – bin halt auch nur ein Mensch.
Wir sind auf der legendären Passhöhe Transfāgārāsan von Süd nach Nord unterwegs, die erst mit den Bären und dann mit seinen über 2.000 Höhenmetern besticht.

Wunderschöne Aussichten bietet der Weg und ganz oben am höchsten Punkt einen Bergsee. „Oh klasse, baden und sich mal wieder richtig waschen!“ sagt Reinhard noch, kurz bevor wir nach der nächsten Kurve im Stau stehen.
Unfassbar viele Autos! Und wir hatten noch Glück – denn der Stau aus der anderen Richtung zum Gipfel ist um ein viel-vielfaches länger! Und auf dem Gipfel ein Chaos aus Fressbuden, Nippesständen, Parkplatz suchenden Autos und Menschenmassen! Wir sind uns einig, dass das mit der vielen Körperpflege eh überbewertet wird und fahren weiter.
Die Nacht wollen wir in Sibiu verbringen – Hermannstadt, wie die Stadt auch heißt – und was soll ich sagen? Toll, einfach eine tolle, schöne Stadt! Restaurants und Musik überall – ganz wunderbar. Ich glaube, ich habe mich ein bisschen in Rumänien verliebt.

Schmerzfrei

„Ist das tief?“, frage ich. „Wohl nur das in der Mitte“, sagt Reinhard. „Guck mal, da leben Frösche in der Pfütze! Ganz viele!“, freut sich Ingmar, der sich uns kurzerhand mit seinem Iveco angeschlossen hat – denn alleine wäre er die Route 4LB a+c, die nun vor uns liegt, wohl nicht gefahren. Und die hat es wirklich in sich!!
Es ist durch die vielen Gewitter in den letzten Tagen nicht soooo trocken wie man es sich wünschen würde aber auch nicht sooo nass wie man es befürchten könnte. Wir sind unternehmungslustig – oder sollte ich sagen – waghalsig genug, um die Route mit Schwierigkeitsgrad 5 anzugehen!

Wir fahren sie in die entgegengesetzte Richtung als im Buch beschrieben und irgendein schräger Optimismus ließ uns glauben, dass das Schlimmste nach diesem Schlammloch ausgestanden sei! Rückblickend völlig verrückt! Denn nach diesem Schlammloch kamen noch wirklich viele! Und so schräg wie die Annahme, es würde leichter, wurde die Piste – und zwar abschüssig im Wald – vor eben wieder so einem Schlammloch. Heute fahre ich und ich spüre wie das Heck leicht in Richtung Abhang rutscht – weiter, weiter, jetzt nur nicht hektisch lenken oder vom Gas gehen – immer weiter! Und dann bin ich durch. Aus dem Funkgerät kommt ein leicht panisches „Ich rutsche!“ von Ingmar aus dem Iveco. Reinhard setzt sich auf den Beifahrersitz und gibt in seiner unendlich ruhigen Art Anweisungen: “Weiter rechts, nicht so weit einlenken, sachte, das machst du sehr gut, nicht stehen bleiben, sehr gut,…“
Ein- zweimal rutscht das Heck des Ivecos ein Stück gen Abhang und dem armen Ingmar dürfte ordentlich die Düse gegangen sein.
Schwer erleichtert über unseren Etappensieg fallen wir uns in die Arme!

Ein Schlammloch weiter sitze ich dann auf – durch das Schlammloch durch, geht nicht – ist zu tief – über die nasse Wiese links vorbei geht auch nicht – zu abschüssig und glatt – fu**, ich muss mit den linken Rädern auf der Randböschung bleiben und mit der rechten Seite durch den Schlamm. So der Plan – und wieder rutscht das Schicksal lachend vom Stuhl und ich mit den linken Rädern von der Böschung langsam auf die Wiese – zack, saß ich auf.
Mit der Untersetzung und der Schubkraft von Reinhard und Ingmar habe ich es dann doch auf die Wiese geschafft. „Gar nicht so schlimm die Schräglage hier“ denke ich – offensichtlich anders denkt das Ingmar, der mit erschrocken aufgerissen Augen sein Gewicht an die Beifahrerseite hängt, um gegen zu halten, während Reinhard nun doch etwas zügiger Richtungsanweisungen gibt – gesagt, getan und die sichere Piste hat mich wieder! Was für ein Ritt!! An dieser Stelle sei vermerkt, dass Ingmar mit seinen nicht so umfänglichen Offroad-Erfahrungen den Iveco meisterhaft durch das Gelände gebracht hat!! So unterschiedlich wie unsere Fahrzeuge, sind auch die Schwierigkeiten – wo der Iveco, dank seiner Bodenfreiheit und Kraft „einfach“ durch ist, musste der Defender Geschicklichkeit beweisen – während an anderen Stellen der Defender, so klein wie er ist, „einfach“ durch den Wald fährt oder Schräglagen meistert, ist’s mit dem Iveco dann dort schwieriger.
Trotz all dem sind wir zusammen und als Team glücklich wieder im Tal angekommen – und das pünktlich bevor ein lautstarkes Gewitter mit einer enormen Menge Regen über uns einbricht – aber da sitzen wir dann schon gemütlich beim gemeinsamen Abendessen im Iveco.

Der Plan taugt nix!

Das Wetter ist prima – noch, denn es soll ab morgen wieder viel Gewitter geben.
Grad noch richtig um heute Route 3TT zu fahren . „Nicht schwer – nur bei Regen ein bisschen schwerer“ steht im Routen-Buch. Na dann mal los! Wir fahren sie andersrum als beschrieben und so kommt es immer wieder vor, dass wir Absätze nicht ganz mit der gebotenen Sorgfalt lesen beziehungsweise dessen Sinn nicht ganz auflösen – Stichworte wie „steil“ oder „tiefe Auswaschen“ und „bei Regen besser nicht“ … nun ja …

Erst geht es durch ein schönes Waldgebiet immer an einem Bach entlag – alles ganz einfach. „Jetzt links“ sage ich und zeige auf eine kleine Brücke über die wir müssen. Auf der Wiese dort liegt eine korpulente Frau beim Sonnenbaden auf einer Decke – sehr sehr wenig an hat sie – doch das ändert sich erstaunlich fix als sie uns bemerkt.
Jetzt wird die Route interessanter – erst steinig, dann ausgewaschen und dann atemberaubend!

Auf einer Höhe von 1.800 Höhenmetern spuckt uns der Wald auf freie, wiesenbedeckte Berge! Eine traumhafte Aussicht! „Der Himmel wird erst schön durch ein paar Wolken“ jubiliere ich den Gewitterwolken entgegen, steige aus und fotografiere – es ist einfach zu schön!!
„Nicky, beeile dich, der Regen kommt direkt auf uns zu!“ ruft Reinhard und zur Bestätigung zuckt ein imposanter Blitz durch die Wolken, gefolgt von einem mächtigen Donnergrollen.
Und dann stehen wir da, alleine auf einem Gipfel auf 1.900 Meter Höhe, die Hagelkörner fliegen horizontal an uns vorbei und die Spurrillen werden zu Sturzbächen.


„Der Wetterfrosch war wohl schon im Wochenende – so war das nicht geplant“ sagt Reinhard während wir das Naturspektakel, keksessend abwarten. Dann noch 10 Kilometer die wir tapfer abarbeiten – nach 7 Kilometern ist alles Knochentrocken, wie wenn nix gewesen wäre! Verrückt. So sitzen wir zum Abend wieder hochzufrieden mit uns und der Welt, an einem Bach bei einem kleinen Feuerchen und lassen das Abenteuer von heute Revue passieren – klasse war’s!!

Ausgenockt

Es ist Samstag und es sind 195km nach Pitesti in der großen Walachei. Mit 30km/h fahren wir über die Serpentinen – Reinhard und ich als Beifahrer, mit Gina auf dem Schoß und Fuchur huckepack – auf einem Abschleppwagen des ACR, dem rumänischen ADAC.
Unser Vorderachs-Differential oder das Verteilergetriebe hat es zerlegt – das mechanische Krachen beim Lastwechsel hat uns gestern sofort rechts ranfahren lassen – Glück im Unglück, denn wir waren auf der Transalpina (Asphaltstraße) und nicht Offroad! Da wir hier so nicht wirklich was machen können, rufen wir die gelben Engel. „Der Weg ist sehr weit und das geht erst morgen“ sagen sie – kein Problem, denn wir stehen in einer kleinen Einbuchtung bei den Pilzsammlern, die hier auch im Auto schlafen.


Am nächsten Morgen verschlafen wir, sodass der Abschleppwagen noch vor dem Frühstück da steht. Egal, dann ist’s halt nur ein Snickers zum Frühstück.
Es ist sehr warm im Abschlepper, die Klimaanlage funktioniert nicht und im Armaturenbrett leuchten vom Service über Temperatur und Handbremse bis hin zur Lichtmaschine alle erdenklichen Lämpchen unbeachtet vor sich hin. Der ACR-Fahrer beugt seinen Oberkörper weit über das Lenkrad und wackelt mit selbigem immer leicht vor und zurück – wie wenn er dem Fahrzeug helfen möchte, doch noch ein bisschen schneller voran zu kommen. Nun – ganz offensichtlich hat dieses aber andere Pläne und das tut es kund, in dem es einfach den Motor absterben und uns in einer Haltebucht anhalten lässt. Ich schaue Reinhard an „tot?“ frage ich – „ja, tot“ sagt er.
Wir lassen Fuchur langsam von der Ladefläche rollen und warten auf den nächsten Abschleppwagen.
Wir haben unsere Stühle rausgeholt und verharren in Fuchurs Schatten. Die schmale Haltebucht riecht abwechselnd nach Exkrementen und Fauligem, direkt neben meinem Stuhl liegen ein schwarzer Stringtanga, 7 leere Kondomtütchen und diverse Taschentücher – „Respekt“ denke und beobachte weiter die vielen Autos und Lkw, die nur knapp an Fuchur vorbei donnern.
Nach etwa 1,5h geht es weiter – etwas 100km liegen noch vor uns – die sind dann aber schneller gemeistert als gedacht.
Wir nehmen uns zunächst für drei Nächte ein Zimmer in Pitesti – letztendlich sollen es 6 werden.

Montag früh, in der Werkstatt für Jaguar und Land Rover schauen sich drei Mechaniker unseren Fuchur an. „Was ist das?“, fragt der eine verdutzt und zeigt auf ein Draht-Konstrukt zwischen Turbolader und Katalysator. Reinhard erklärt: „Offroad ist uns der Auspuff vom Krümmer abgerissen, ich habe ihn kurzerhand mit Draht hochgebunden, ist sogar fast dicht!“ Der Mechaniker schaut skeptisch und kratzt sich am Kopf. „Das hält schon eine Woche härteste Offroad-Strecken!“, versichert Reinhard stolz – die Mechaniker lächeln leicht überheblich und widmen sich dem derzeitigen Problem.

Wir sind hier zwar in einer Land Rover Werkstatt aber leider haben die herzlich wenig bis gar keine Ahnung – mit Hilfe eines unserer Facebook-Bekannten ist das schuldige Bauteil zwar schnell identifiziert aber noch lange nicht repariert. Denn die „Fachwerkstatt“ hat weder eine neue Zwischenwelle, noch den benötigten Abzieher(!) um die ausgeschlagene Wellenaufnahme ausbauen zu können – schweißen kann auch keiner. Einer der Mechaniker gesteht: „Wir machen das hier noch nicht lange und so einen Defender hatten wir hier noch gar nicht.“ Wo es erst so arrogant begann – so nach dem Motto „Fremdteile verbauen wir hier nicht“, mussten sie dann doch schnell einsehen, dass so ein Standpunkt ein bisschen albern ist, wenn man als Werkstatt selbst nichts beschafft bekommt.
Wir organisieren also mal wieder ein Bauteil aus Deutschland per Express – und die Werkstatt das Werkzeug.  Zu unserer großen Freude wird die neue Zwischenwelle bereits einen Tag später im Hotel abgegeben – und so kommt es, dass die Reparatur Donnerstag erledigt wird. Die erst so bornierten Manager und Mechaniker haben Reinhard kurzerhand im Team aufgenommen, denn eigentlich gibt es mit ihm nur zwei, die wissen was sie tun – zu guter Letzt wird Reinhard mit einer Flasche Sekt als Dankeschön für den Support herzlich verabschiedet.
Während alldem bleibe ich mit unserer Hündin Gina im Hotel, dessen Kosten der ADAC übernimmt. Alles in Allem hätte es uns schlechter treffen können, denn das Hotel ist ganz nett und steht direkt an der Fußgängerzone – umgeben von vielen tollen Restaurants, netten Menschen und einer riesigen Springbrunnen-Landschaft, die inmitten der sozialistischen Plattenbauten zum Verweilen einlädt. Freitagmorgen ist Fuchur dann wieder bereit für neue Abenteuer – die Reise geht weiter!

 

Alle guten Dinge sind drei!

Wir wollen einen Rundkurs aus den Routen 3CH, 3TS und 3BX fahren und unsere Sucht nach atemberaubenden Aussichten in 2000 Höhenmetern auf einsamen Bergkämmen stillen, aber…
Unser erster Anlauf wurde bereits vor 15(!) Tagen vereitelt, als wir an der Transalpina am Wegpunkt BTx17 zwei Tage in einer dicken Wolke auf besseres Wetter warteten, was sich im wahrsten Sinne als aussichtslos erwies und wir die folgenden drei Tage Gewitter lieber im Flachland abwarteten.

Nach einem Abstecher, den wir zusammen mit unserem neuen Freund Ingmar gefahren sind, wollten wir nun ein zweites Mal zu dem geplanten Einstieg auf den Rundkurs – doch dieses Mal streikte 23 Kilometer davor unser Auto Fuchur (siehe Text „Ausgenockt“) und die gelben Engel schleppten uns 190 Kilometer  weit weg in eine Werkstatt in Pitesti.

Nach einer Woche Werkstatt und schönstem Wetter in Pitesti sind wir nun wieder unterwegs und starten den dritten Anlauf, der jäh von einer dicken Regenfront ausgebremst wird. Wir verschieben den Start auf morgen und wollen den Regen in einer tollen Schlucht weiter unten im Tal abwarten. „Morgen scheint dann wieder die Sonne“, sagt Reinhard, auf das Handy schauend, während sich draußen unglaubliche Wassermassen an der Schlammkruste unseres Autos abmühen.
Es ist etwa 20:00 Uhr, wir sitzen in Fuchur wohlig warm mit einem alkoholischen Getränk, welches uns von innen wärmt, umgeben von hohen Felsen, inmitten eines Funklochs. Seit einigen Stunden kein Netz – und so lesen wir die gespeicherten Bücher auf unseren Handys.
Plötzlich:“Sch*** – was ist das denn!!“, rufe ich erschrocken und schmeiße fast das Handy weg, das plötzlich einen sehr lauten, extrem schrillen und noch nie gehörten Ton von sich gibt! „Was ist das denn?“, fragt nun auch Reinhard erschrocken. Ein Text in rumänisch und englisch ist zu lesen. „Das ist eine Unwetterwarnung“, sage ich.  „Wie kommt die denn ohne Netz hier an?“, fragt Reinhard gerade als auch sein Handy los schrillt.
Wir stehen zwar hoch und so weit wie der Regen es zulässt, trocken – trotzdem geht Reinhard zum nahegelegenen Bach der mittlerweile zum reißendem Fluss mutiert ist. „Alles in Ordnung“, beruhigt er. Trotzdem wird er noch weitere Male raus in dem Regen zum Fluss gehen – nur in Unterhose weil er jedesmal nach nur wenigen Metern pitschnass ist – denn obwohl wir den Ton vom Handy ausgeschaltet haben, schrillt es noch 3x in der Nacht – „Katastrophenmeldungen Code Red“ für einen nicht weit entfernten Fluss.

Ich erwache am Morgen… – und es regnet. „Na toll“, sage ich missgestimmt. „Sind die Wetterfrösche schon wieder zu früh ins Wochenende?“, fragt Reinhard, denn zu Beginn unserer Reise hieß es jeden Tag, ganze zwei Wochen lang, dass übermorgen(!) das Wetter besser wird.
„Wir fahren jetzt einfach mal die Piste ein Stück hoch, ich backe einen Kuchen und wir warten dort auf die angesagte Sonne – guck mal, es nieselt nur noch!“, sage ich – dann fahren wir los.
Ich backe einen Kuchen – ich koche einen Kaffee – wir sitzen buchstäblich in den Wolken und blasen Trübsal…
Spontan beschließe ich: “Pack alles ein, wir fahren nach Hause“, denn draußen regnet es nun wieder ununterbrochen und die Wetter-App verspricht nun erst wieder für übermorgen(!) besseres Wetter.
Alle guten Dinge sind drei aber es sollte jetzt wohl nicht sein.
So geht dieses Abenteuer etwas früher als erwartet nach einem Monat zu Ende, aber es steht außer Frage – wir kommen wieder!!
Denn Rumänien hat uns im Sturm erobert – grandiose Landschaften, tolle Menschen, außerordentlich tolle Routen, die wir ohne Pistenkuh niemals gefahren wären!
Dafür ein dickes Dankeschön an euch, Sabine und Burkhard!
Auch hat es sehr viel Spaß gemacht für euch zu schreiben – und vielleicht ja nochmal irgendwann, wenn es wieder heißt „Fuchur on Tour!“


Offroad Tourenbuch Rumänien

Offroad Tourenbuch Rumänien

Unterwegs mit dem 4×4-Offroad-Tourenbuch Rumänien

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 5 comments

  1. christian hennek

    Feuer machen bei 34 Grad – warum ? Überall brennen in Europa im Sommer die knochentrockenen Wälder. Ein neuer Wald benötigt 80 Jahre um zu wachsen. Für das typischen Lagerfeuer Foto und ein paar gerillte Würstchen ist das Risiko einfach zu hoch.

    • Burkhard

      Warum kommentiert man etwas, wenn man die Hintergründe nicht kennt?
      Hatte es vorher geregnet?
      Ist es eine offizielle Feuerstelle?
      Ist es eine Kiesbank im Bachbett?
      Finde es immer wieder interessant, wie man aufgrund eines Bildes vom Sofa aus die Situation beurteilt und den Oberlehrer spielt.

  2. christian hennek

    Ich bin gerade in Island und heute zum aktiven Vulkan gewandert, kein Sofa daher. Dafür sogar noch heißer. Um im Sommer in Südeuropa bei 34 Grad eine Waldbrandgefahr zu erkennen muss man weder vor Ort sein noch Oberlehrer. Das ist einfach ein no-go, weil ein neuer Wald ein Menschenleben braucht um nachzuwachsen. Das Risiko ist zu hoch und Ressourcen um einen entstehenden Waldbrand zu bekämpfen sind kaum vorhanden.

    In Norwegen ist 6 Monate lang absolutes Feuerverbot und die haben ihre Wälder noch im Gegensatz zu Italien, Spanien, Griechenland, Rumänien … lebt es einfach richtig vor, wie Müll sammeln und nicht alles kaputt fahren. Danke.

  3. Petra von Abenteuertour.de

    Der Offroad Rumänien 2022 Blog ist toll geschrieben, mir macht es viel Spaß, ihn zu lesen. Freue mich immer, wenn es weitergeht. Eine super Idee, an dieser Stelle Eure Leser und Tourenfahrer berichten zu lassen. Weiterhin viel Spaß allen! Petra

  4. Andre

    Hallo Ihr Zwei,
    tolle Story, tolle Reise trotz der Werkstatt-Zwangspause.
    Eine Frage, welche ADAC-Mitgliedschaft habt ihr, die ein Hotel während einer Reise übernimmt? Wir hatten mal ein ähnliches Problem in Spanien (2 Tage Zwangspause), anschl. telefonierte ich in Deutschland mit dem ADAC, die mir trotz Premium-Mitgliedschaft lediglich 100km abschleppen billigen würden.

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