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Steyr steckt im Schlamm
Island

Drei Tage im Schlammloch

Tagelang haben wir schlechtes Wetter, die Pisten im Hochland von Island sind noch geschlossen und die Befahrung steht unter Strafe. Auf der Internetseite http://www.vegagerdin.is gibt es fast täglich Aktualisierungen und immer mehr Pisten werden für Geländewagen geöffnet.

Piste ist geöffnet

Unsere Reise soll über einen sogenannten „nummernlosen Jeeptrack“ weit im Osten der Kjölurpiste führen. Endlich, die Wintersperre für das Gebiet wird aufgehoben. Wir tanken genügend Diesel und bunkern Lebensmittel für etwa 5-6 Wochen, auch wenn wir nur mit drei Tagen Fahrt rechnen. Wir fahren am Haifoss vorbei, einem sagenhaft schönen Wasserfall.

Haifoss Wasserfall

Haifoss, der Wasserfall ist ein Highlight in Island

Zunächst führt die Piste über gras- und moosbewachsene Hügel und Täler, auf denen die Bauern ihre Schafe weiden lassen. Das Grasland ist durchzogen mit kleinen Bächen, die in unzähligen Windungen dahin mäandern und deren Ränder von leuchtend grünem Moos gesäumt werden.

Traktorspuren enden

Am letzten Schafsstall enden die Traktorspuren, ab hier sind wir die ersten, die für diese Sommersaison die Strecke befahren wollen. Es regnet, unzählige Bäche sind zu durchfahren, problemlos, alle 5-10 Meter breit, maximal knietief und mit festem Geröll auf dem Grund.

Furt in Island

Nur 40 Zentimeter tief, aber lange Furt

Die erste spannende Furt ist die Querung des Flusses Dalsa. Die Furt ist lang, größere Steine liegen im Flussbett, über die der Steyr im Kriechgang hinwegklettert. Das Wasser ist milchig, der Untergrund nicht zu erkennen, der Wasserstand etwa 80 Zentimeter tief, an der tiefsten Stelle. Spannend, das ist der Thrill den wir lange vermisst haben. Geschafft.
Die Fahrspuren steigen auf eine Anhöhe, ein idealer Platz für eine Kaffeepause. Drei Kilometer weiter ereignet sich dann das Missgeschick.

Immer auf der Piste bleiben

In einer Senke steht Wasser von der Schneeschmelze und dem Regen der vergangenen Tage und Wochen, etwa 150 mal 50 Meter misst der kleine See.
Die Piste ist in unregelmäßigen Abständen mit Stöcken markiert, die Fahrspur führt direkt am See entlang und genau neben dem See steht eine der Pistenmarkierungen. Es führen aber auch Spuren im weiten Abstand um die Senke herum.
Der Steyr ist in leichtem Trapp, die Entscheidung, welche Spur ich nehme, muss schnell getroffen werden. Unser Leitsatz ist klar: In unberührter Natur bleiben wir auf der Piste, ohne Ausnahme. Die markierte Piste führt in die Senke.

Island Schlammpiste

Island Schlammpiste

Es geht relativ schnell: Der Schlamm bremst unseren 12M18 als sei die Luftleitung zur Handbremse gerissen. Alle vier Räder drehen durch, der Steyr sinkt tiefer. Ich springe raus und versinke bis zu den Waden im Schlamm. Kaltes Wasser läuft in die Schuhe.
Sandbleche vom Halter und hinter die Räder, den Reifendruck habe ich durch Abschrauben der Ventilkappen (wir fahren ohne Ventileinsätze) schnell auf 0,8 Bar gesenkt. Rückwärtsgang und ganz vorsichtig die Kupplung kommen lassen. Keine Chance, der kleine Versuch brachte uns fünf Zentimeter näher zum Erdmittelpunkt, aber keinen Millimeter ans rettende Ufer.

Steyr steckt im Schlamm

Der Steyr steckt fest, keine Chance

Keine Chance

So haben wir keine Chance und hier wird wohl auch in den nächsten Tagen niemand vorbei kommen und selbst wenn, ein normaler Geländewagen zieht hier nichts. Zu unserem Glück steht die Pistenkuh halbwegs gerade und wir können den Wohnaufbau ganz normal nutzen. Also machen wir erst mal nichts, kochen Kaffee, schalten die Heizung ein und richten uns auf mehrere Tage Warten ein. Wir werden erst eine Chance haben, wenn das Wasser abgelaufen ist. Entwässerungsgräben anzulegen ist unmöglich, die Achsen sind auf Seeniveau, die Räder sogar tiefer als der See, wo sollte ich das Wasser hin leiten?

Ich lege einen Stein ans Seeufer, um das Sinken des Wasserspiegels abschätzen zu können. Tatsächlich, am nächsten Morgen ist der Wasserstand einige Zentimeter niedriger, jedoch ist unser Steyr ebenfalls über Nacht 1,5 Zentimeter gesunken. Dennoch eine positive Bilanz. Den nächsten Tag verbringen wir mit Lesen und Brot backen. Es regnet den ganzen Tag, der Wasserstand verändert sich kaum, aber er steigt auch nicht.

Eigentlich wäre es besser im Bett liegen zu bleiben und einfach auf das Abfließen des Wassers aus dem See zu warten, aber irgendwie meint man wohl immer, etwas tun zu müssen. Die Schaufel in die Hand zu nehmen, ist der größte Fehler, das habe ich in den letzten 10 Jahren bereits lernen dürfen. Alles was man – egal wo unter dem Auto – abgräbt, nivelliert sich und dabei sinkt der Wagen nur tiefer. Erst muss das Wasser weg, dann wird geschaufelt.

Schotter und Kies muss man haben

Ich sammele Steine und Schotter und verdichte diese unter dem Wagen. Nichts abgraben, sondern auffüllen. Mit Wagenheber und Sandblechen werden die Steine unter dem Wagen in den bodenlosen Schlamm gedrückt. Es ist mir eigentlich schon fast egal, ob es was nützt oder nicht, Hauptsache ich bin beschäftigt.

Der MAN KAT

Sabine hat eine gute Idee: Auf der Fähre haben wir Andreas und Marika kennen gelernt. Sie reisen mit einem MAN KAT 4×4 und dieser hat eine Winde. Das wäre doch ein mögliches Bergefahrzeug. Auf der Fähre hatten wir die Handynummern ausgetauscht und vereinbart, wenn einer von uns in Schwierigkeiten gerät, uns gegenseitig zu helfen, sofern der Andere in der Nähe ist. Vom nahen Hügel haben wir in Richtung Tal schwachen Empfang, zumindest reicht es für eine SMS.

Island MAN KAT

Island MAN KAT

Der KAT steht 250 Kilometer entfernt, sofern er von Norden auf der Piste zu uns käme. Es sind von unserem Schlammloch noch etwa 45 Kilometer bis zur Hütte am Kerlingarfjöll, wo der KAT auf jeden Fall hinkommen könnte. Wie es danach aussieht, weiß keiner, wir gehen davon aus, der KAT kommt durch.
Andreas will sich gleich auf den Weg machen, ich will lieber noch zwei Tage im Bett liegen bleiben und warten, bis das Wasser abläuft und wir doch aus eigener Kraft aus dem Schlammassel kommen. „Okay, zwei Tage, dann kommen wir und ziehen euch raus.“
Es regnet viel und wenn es nicht regnet versenke ich Schottersteine und große Steinbrocken. Nachts um halb zwölf ist es dann so weit. Ich will es wissen. Morgen früh startet der KAT in unsere Richtung. Der Boden ist fester als vor drei Tagen. Jetzt mit der Schaufel die Achsen frei gegraben, die Bleche unter die Räder und Gas. Yeah, es klappt, die Kuh steht sicher am Ufer.

Es brummt wieder

Am nächsten Tag setzen wir die Reise fort. Eine schmale schmierige Lehmpiste am Hang ist spannend. Hier hätte ich den KAT nicht her schicken wollen. Der Fluss Kisa führt extrem viel Wasser, wir steigen mit der Pistenkuh hindurch, anschließend stehen die Blinkergläser voll Wasser. Die Piste führt durch eine Schotterhochebene mit fantastischem Blick auf den Gletscher Hofsjökull. Es geht steil bergauf, Untersetzung 2. Gang, Mittel- und Hecksperre. Die Spuren führen an Schneewechten vorbei. Und auf dem Pass ist dann Schluss.
Es beginnt zu schneien, das Thermometer zeigt Minus 2 Grad. Einen Kaffee im Schnee und dann drehen wir um. Irgendwann kommen wir wieder, garantiert.

Offroad Strecken in Island

GPS Offroad Reiseführer Island PistenkuhZu den legal befahrbaren Offroad-Strecken und sogenannten „nummernlosen Jeeptracks“ in Island haben wir einen GPS-Offroad-Reiseführer Island zusammengestellt. Er enthält eine genaue Beschreibung, zudem alle Waypoints, Tracks und Routen als GPX-Format fürs NAVI zudem eine Karte von Reise-Knowhow und einiges mehr.

Offroad Impressionen Westalpen PistenkuhZum Einstimmen auf die faszinierende grün schwarze Insel gibt es einen Reisefilm Offroad Impressionen Island von uns.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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