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Umweltzone in Siegen

In unserer kleinen Stadt Siegen soll eine Umweltzone eingerichtet werden.
Recht schön beschreibt ein Leserbrief in der örtlichen Tageszeitung den Wahnsinn.
Leider ist der gute Text nicht von mir.

Bürokratiemonster

Jetzt also doch, Siegen soll ab 2015 eine Umweltzone bekommen. Es ist unerträglich zu lesen, wie die Verantwortlichen von Stadt und Bezirksregierung sich die Umweltzone schönreden. Wider allen mittlerweile Bundesweit gewonnen Kenntnissen über Sinn oder Unsinn einer solchen Maßnahme soll diese in Siegen umgesetzt werden. Für die paar noch betroffenen Fahrzeugbesitzer bedeutet diese Maßnahme eine kalte Enteignung. 50000 Euro aus der klammen Stadtkasse werden ohne Nutzen verbrannt. Dabei ist klar: die Plakettenfarbe sagt nichts über den tatsächlichen Schadstoffausstoß von Fahrzeugen aus. Gerade moderne Dieselfahrzeuge der Euro-Klasse 3 bis 5 mit grüner Plakette (also aktuelle Diesel PKW) und Nutzfahrzeuge der Euro 3 Klasse mit CRT Partikelfiltersystem (z. B. die meisten Busse mit grüner Plakette in Siegen) haben technisch bedingt einen wesentlich höheren Stickstoffdioxidausstoß als ältere Diesel PKW / NFZ oder neueste Fahrzeuge mit der seit September 14 gültigen Euro-6 Norm. Diese Ergebnisse zeigte eine Untersuchung des unabhängigen IFEU- Institutes in Heidelberg. Untermauert wurde diese Untersuchung durch den Zwischenbericht des Bundesumweltamtes am 19.08.2014. Die Behörde teilte mit, dass die Luftqualität in fast allen grünen Umweltzonen sehr schlecht ist, gerade was die gestiegene (!!!) Stickstoffdioxidbelastung angeht. Warum das in Siegen funktionieren soll, bundesweit aber nicht, ist mir schleierhaft. Ganz toll auch die Vorabmessung der Luftschadstoffe im Stadtgebiet, z.B. in der Frankfurter Str.: Der sog. Passivsammler wurde an einem Verkehrsschild kurz vor dem Kreisel aufgehängt, also dort, wo sich jeden Tag ein zur Feierabendszeit langer Stau bildet. Durch den steten Stop and Go Verkehr wurden dort natürlich Luft- Schadstoffwerte vergleichbar mit Peking ermittelt.
Die eigentlichen Hauptverursacher für den durch den Verkehr erhöhten Stickstoffdioxidanteil in der Stadtluft (der veraltete ÖPNV, auch grün plakettiert, s.o.) bekommen einen Freifahrtschein.
Die HTS, die Bahnlinie, wo Diesellokomotiven mit gigantischen Ruß- und Stickoxidausstoß – ungefiltert versteht sich – unterwegs sind, Betriebe der Schwerindustrie, sowie private Kleinfeuerungs- und Heizungsanlagen sind Umweltengel. Die werden bei der Diskussion der Verantwortlichen schlicht- und ergreifend nicht hinzugezogen.
Da ist es einfacher, auf die paar verbliebenen Fahrzeughalter einzuprügeln, die sich nicht an der Ex- und Hopp Verbrauchsmentalität beteiligen möchten (angeblich im Kreis SI 10 Prozent Fahrzeughalter, 4 Prozent nur noch Bundesweit, Quelle Kraftfahrbundesamt) Aus diesen Zahlen wird auch klar, die Verantwortlichen haben ein Mathematik / Statistik Defizit! Es müssten ja permanent alle 10 Prozent Fahrzeuge zusammen (Bundesweit 4 Prozent) die Zone befahren und so die Luftqualität mindern.
Das dies natürlich nicht so ist, würde deutlich, wenn sich die Verantwortlichen (gerade die „Experten“ aus Arnsberg) mangels Mathematik- und Statistikkenntnissen sich einfach mal in die ausgewiesene Zone setzen und die Fahrzeuge zählen, die verbannt werden sollen.
Klar ist somit: Die Umweltzone aus heutiger Sicht ist nichts anderes als ein mit Plaketten zugeklebtes Bürokratiemonster ohne Wirkung, außer für die Stadtkasse, Plakettenhändler und die Autoindustrie.
Alternativ zum Neuwagenkauf ist der Erwerb eines Fahrzeuges mit mindestens 30 Jahre alter Motoren- und Abgastechnik. Oldtimer, auch gewerblich genutzt, dürfen ohne Einschränkung in die Zonen einfahren.
Dieser plakettierte Zonen- Schwachsinn wird dem mündigen Bürger von den beamteten Kompetenz- Simulanten als Allheilmittel gegen die schlechte Luft verkauft. Schlimm nur für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, das effektive Maßnahmen für eine bessere Luft in unserer Stadt nicht ergriffen werden. Möge der gesunde Menschenverstand spätestens im Stadtrat eine Chance bekommen, der hoffentlich diesem Unfug einen Riegel vorschiebt.

Jürgen Hermann, 57074 Siegen

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

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