Reifenfülldruck manuell anpassen
Grundsätzlich gilt:
Der auf das Gelände angepasste Reifenfülldruck ist für das Vorwärtskommen so entscheidend wie Fahrzeuggewicht, Reifengröße und Motorleistung. Insbesondere wenn der Untergrund weich ist, wie im Sand, Schlamm, Schnee etc. ist der Reifenfülldruck und das Fahrzeuggewicht entscheidend, ob man im weichen Morast stecken bleibt oder die Fahrt vorwärts weiter geht.
Den Reifenfülldruck zu reduzieren, bringt oft deutlich mehr als Differentialsperren oder erhöhte Geschwindigkeit.
Offroadneulinge erkennt man oft daran, dass sie den Fülldruck im Gelände nicht reduzieren und damit das Fahrzeug unnötig belasten und oft an Stellen steckenbleiben, die man mit reduziertem Druck gar nicht als Problem wahrgenommen hätte.
Also: Pass immer den Reifendruck an das Gelände an. Als Faustformel, ganz grob über den Daumen kann man sich merken: Je weicher der Untergrund, desto geringer muss der Fülldruck sein. Im Schlamm reduzierst du den Druck um mindestens 25% und wenn es noch weicher wird, z.B. in unverspurtem Sand, dann kannst du den Druck ruhig halbieren.
Natürlich passt du auch deine Geschwindigkeit an. Mit halbem Straßendruck fährt man auch nur halb so schnell wie auf der Straße.
Kleiner Werbeblock: In unserem Shop gibt es einen Aufkleber, auf den man sich mit einem Edding oder Kugelschreiber seinen zum Fahrzeug und Reifengröße passenden Reifendruck eintragen und diesen dann zum Beispiel an den Türholm kleben kann.
Ab jetzt ist es nur noch für Allrad-LKW interessant.
Reifenfülldruck manuell anpassen
Ich will euch eine Möglichkeit zeigen, wie ich schnell unterwegs meinen Reifenfülldruck reduziere. Immer wieder sieht man Reisende, die mit dem Schlüssel oder Streichholz den Ventileinsatz rein drücken, um so Luft abzulassen. Bei einem 14er Reifen dauert das ewig. Und das Ganze dann mal vier. Also steht man ewig mal vier in der Sonne und hört dem Zischen zu.
Ich bin eigentlich nur mit vier verschiedenen Reifendrücken unterwegs. Bei unserem Steyr (Reisegewicht 8,6 Tonnen, Reifengröße 14.00R20) fahren wir auf Landstraßen und Autobahnen mit 5 bar Druck. Auf Pisten reduziere ich auf 3,5 bar, im weichen Sand fahren wir tagelang mit 2,5 bar und in extremen Situationen reduziere ich für kurze Distanzen bei langsamer Geschwindigkeit auch mal auf 1,8. Theoretisch könnte man auch noch etwas tiefer gehen, aber das war bei unseren bisherigen Geländesituationen noch nie erforderlich.
Um die Luft abzulassen, hantiere ich nicht mit Schlüssel oder Schraubenzieher, sondern ich drehe mit einem Ventilschlüssel den Ventileinsatz komplett heraus. Aufpassen, dass der Ventileinsatz nicht durch den Luftstrom weg fliegt. Nach 90 Sekunden, die Zeit kann man stoppen, irgendwann hat man es aber im Gefühl, ist der Fülldruck bei 3,5 bar. Jetzt schraube ich den Ventileinsatz wieder rein. Nach weiteren 90 Sekunden bin ich bei 2,5 bar und nochmal 90 Sekunden sind 1,8 bar im Reifen. Natürlich sitze ich nicht bei jedem Rad eine Minute, sondern drehe den Ventileinsatz raus, warte 10 Sekunden und gehe zum nächsten Rad und schraube auch hier den Einsatz raus. Nach etwa 30 Sekunden zischt es aus allen vier Reifen. Und dann drehe ich meine Runde und schraube alle Ventileinsätze wieder rein. Das heißt nach knapp 2 Minuten geht die Reise mit reduziertem Fülldruck weiter. Hier mal ein kleines Video dazu:
Wie weit sich der Druck in 90 Sekunden reduziert, bzw. wie lange es dauert, um von Straßendruck auf Pistendruck zu kommen, ist natürlich abhängig von der Reifengröße. Du musst die Werte einmal für deine Reifengröße ermitteln. Damit man die Werte nicht vergisst, habe ich dafür auch einen kleinen Aufkleber drucken lassen, in den man sich die Werte einträgt und diesen z.B. auch in den Türholm klebt.
Zum Schluss noch zwei kleine Tipps:
Statt den Ventileinsatz raus und rein zu schrauben, kann man auch ohne Einsatz fahren. Dafür muss eine dichtende Ventilkappe aufgeschraubt werden. Dichtende Ventilkappen erkennt man an dem kleinen eingebauten Dichtring. In der Regel sind diese Kappen aus Metall. Diese Metallkappen gibt es auch in einer langen Ausführung. Diese kann man viel besser festhalten und dies erleichtert das Aufschrauben. Denn auch bei 3,5 bar muss man aufpassen, dass die Kappe nicht weg fliegt. Ist etwas Übungssache.
Einen einfachen, preiswerten Ventilausdreher gibt es für rund 3 Euro. Ich habe einen professionellen Ausdreher an Bord, der einen Hohlgriff hat, in dem man Ersatzkappen oder Ersatzventileinsätze aufbewahren kann.
In Wüstengebieten fahre ich monatelang ohne Ventileinsätze und habe noch nie einen Druckverlust in den Reifen gehabt.
Auch das Füllen der Reifen geht schneller, wenn ohne Ventileinsatz gefüllt wird. Probier es bei deinem nächsten Wüstentrip mal aus.
Hier noch mal die Links zu den erwähnten Produkten:
Ventilausdreher Basic
Ventilausdreher Profi
Aufkleber Reifenfülldruck
Aufkleber Ablasszeit
Lange Ventilkappen mit Dichtung









