Wasserfilterung im Expeditionsmobil
Die Wasserfilterung im Expeditionsmobil ist ein zentrales Thema für alle, die unabhängig und autark reisen möchten.
Wer mit einem Expeditionsmobil unterwegs ist, entfernt sich häufig weit von der gewohnten Infrastruktur moderner Städte. Sauberes Leitungswasser ist dann nicht mehr selbstverständlich verfügbar. Stattdessen müssen Reisende auf Wasser aus Brunnen, Flüssen, Seen oder sogar Tanks unbekannter Herkunft zurückgreifen. Diese Wasserquellen können jedoch mit Keimen, Schadstoffen oder Schwebstoffen belastet sein.
Selbst wenn Wasser klar aussieht, kann es Bakterien, Viren oder Parasiten enthalten. Diese Mikroorganismen können ernsthafte Krankheiten verursachen, darunter Durchfall, Cholera oder andere Infektionen. Besonders in abgelegenen Gebieten ist medizinische Versorgung oft schwer erreichbar, weshalb Prävention oberste Priorität hat.
Daher ist es unerlässlich, das Wasser vor dem Gebrauch aufzubereiten und zu filtern.
Wie sieht eine optimale Wasseraufbereitung aus?
Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort. Die Wasseraufbereitung ist so unterschiedlich wie das Reiseverhalten und die Reiseart.
Ein Fahrradreisender muss mehrmals täglich an sauberes Trinkwasser kommen. Er muss eventuell aus Pfützen Wasser zu Trinkwasser aufbereiten können. Ein Motorradreisender hat die Möglichkeit, auch mal einen Umweg von zig Kilometer zu fahren, um an Wasser zu kommen. Er wird kaum aus Pfützen aufbereiten müssen. Ein Land Rover Reisender hat mehrere Kanister an Bord und ein Expeditions-Lkw verfügt über Wassertanks, die nur alle paar Wochen ein Nachfüllen erfordern.
Mit einem Expeditionsmobil wird man nie in die Verlegenheit kommen, aus schmutzigen Pfützen zu füllen, weil man einen großen räumlichen und zeitlichen Rahmen hat, Wasser zu finden.
Welcher Komfort wird gewünscht?
Die Frage lautet also nicht: Wie sieht eine optimale Wasseraufbereitung aus, sondern wie sieht DEINE optimale Wasseraufbereitung aus.
Und diese individuellen Wünsche sind so unterschiedlich wie es unterschiedliche Aufbereitungsanlagen auf dem Markt gibt.
Unsere Wasserfilterung im Expeditionsmobil
Unsere Entwicklung:
Vor 25 Jahren, ohne nennenswerte Erfahrung im Langzeitreisen, planten wir die Wasseraufbereitung so, dass wir schon beim Befüllen des Wassertanks das Wasser filtern. Wir nahmen an, dass wir auch stark verschmutztes Wasser aus Pfützen bunkern müssen.
Die Praxis zeigte schnell, das wir fast immer sauberes Wasser aus Wasserleitungen füllen können. Hier liegt die Problematik eher im nicht ausreichenden Wasserdruck und/oder an nicht vorhandenen Anschlussmöglichkeiten eines Wasserschlauchs.
Der örtliche Wasserdruck reicht bei weitem nicht aus, um das Wasser während des Füllvorgangs durch einen guten Keramikfilter zu pressen. Schwermetalle wie Blei oder Pestizide aus der Landwirtschaft aus dem Trinkwasser zu entfernen, gelingt am Besten mit einem Aktivkohlefilter. Allerdings ist hierfür eine möglichst lange Kontaktzeit des Wassers mit der Aktivkohle erforderlich. Diese Kontaktzeit ist beim Auffüllen in der Regel nicht gegeben. Zudem hat man ein Interesse, schnell zu füllen, weil man am Brunnen oder an der Füllstelle schnell die Attraktion des Dorfes wird.
Aus diesen Erfahrungen war für uns klar: Wir füllen schnell ohne zu filtern und bereiten unser Trinkwasser in Ruhe vor der Entnahme auf.
Das ungefilterte Auffüllen
Der Anschluss im Fahrzeug besteht aus einem Gardena-Anschluss. Hier stecke ich meinen Wasserschlauch auf, dessen anderes Ende ich mit dem Rohr oder Hahn verbinde. In der Regel ist kein Schraubgewinde vorhanden auf das ich meinen Adapter schrauben könnte.

Ein sogenannter „Wasserdieb“ ist oft sehr hilfreich. Den gibt es in besserer Qualität z.B. hier TIGEREXPED oder in normaler Qualität im Baumarkt.
Sehr selten ist ein Pumpen erforderlich. Wenn zum Beispiel aus einem Tiefbrunnen per Hand in einen Eimer gefüllt wird und dieser Eimerinhalt dann in den Tank muss. Dafür verwende ich eine Vorsatzpumpe für die Bohrmaschine.
Einen kleinen Grobfilter habe ich ebenso mit Gardena-Anschlüssen dabei, um grobe Sedimente und Schwebeteilchen nicht in den Tank zu füllen. In der Praxis nutze ich diesen Filter extrem selten, weil wir fast immer an klares Wasser kommen.

Manchmal fülle ich vor dem Bunkern ein Glas mit Wasser um Klarheit und Geschmack, ja, ich probiere das ungefilterte Wasser, zu prüfen. Bei zu starkem Salz- oder Mineraliengehalt verzichte ich auf das Füllen, weil Salze sich mit meiner Wasseraufbereitung nicht herausfiltern lassen.
Wer Wasser nicht ungefiltert probieren möchte, kann sich auch eine Tasse Schwarztee mit dem ungefilterten Wasser kochen. Am Tee erkennt man ebenso sehr gut die Wasserqualität.
Eigentlich haben wir in den letzten 20 Jahren nur Wasser gebunkert, das die Bevölkerung vor Ort ungefiltert als Trinkwasser verwendet.
Also: Wasser ab in den Tank.
Aufteilung des Wassers im Expeditionsfahrzeugen
Im Fahrzeug befindet sich jetzt klares, sauberes, ungesalzenes Wasser.
Diese Wasserqualität ist für Sabine und mich (du magst andere Ansprüche haben) ausreichend, um Wäsche zu waschen, damit zu putzen, den Abwasch zu erledigen und zu duschen. (Einheimische trinken das Wasser, welches wir gefüllt haben). Aber beim Duschen kann man ja aus Versehen auch mal einen Schluck trinken. Ja, aber das kann man beim Schwimmen im See oder beim Baden im Bach auch.
Besonderheit Warmwasser zum Duschen.
Das warme Brauchwasser erhitzen wir mit einem Boiler von Tigerexped. Da wir das Wasser immer nur auf etwa 50°C erhitzen, ergibt sich in dem Boiler ein ideales Klima für die Vermehrung von Legionella-Bakterien. Legionellen vermehren sich in warmem Wasser (25°C bis 50°C), besonders in selten genutzten Leitungen, Duschen, Klimaanlagen oder Whirlpools. Die Infektion erfolgt nicht von Mensch zu Mensch, sondern durch Einatmen von vernebeltem Wasser (Aerosolen).
Die Legionellen überleben in der Regel Temperaturen nicht, die dauerhaft über 60°C oder kurzzeitig über 70°C liegen. Vorsorglich erhitzen wir unseren Boiler etwa alle 3-6 Monate einmal auf 70°C. Bei einer Temperatur von 70°C. werden die Bakterien innerhalb von Sekunden vollständig abgetötet.
Am Boiler von Tigerexped ist eine Hülse vorhanden, in die man einen Temperaturfühler stecken kann, um so auf einer Anzeige immer die aktuelle Boilertemperatur zu sehen.
Das Wasser, welches wir trinken und zum Zähne putzen verwenden
Das Wasser zum Trinken und Zähneputzen bereiten wir aus dem Tankwasser auf.
Wir haben uns für eine Filtrationsanlage aus Keramik und Aktivkohle entschieden.
Zunächst wird das Wasser durch einen Vorfilter gezogen. Dieser dient eigentlich nur dazu, die nachfolgende Wasserpumpe und die Filtersysteme zu schützen und deren Effizienz zu erhöhen.
Die Druckwasserpumpe ist erforderlich, um das Wasser durch einen Keramikfilter zu pressen.
Je höher der Druck, desto höher die Filtergeschwindigkeit bzw. der Durchsatz pro Zeiteinheit. Allerdings belastet ein hoher Druck im System auch die anderen Komponenten. Eine Alternative wäre, zwei Filter parallel zu schalten und so die doppelte Filterleistung zu haben.
Es gibt auch die Möglichkeit, Filterelemente mit größeren Poren zu verwenden, jedoch bieten diese nicht die für uns nötige Sicherheit. Filterelemente mit einer Porengröße von 1 Micrometer sind die von uns gewählten. Diese sehr feinen Poren halten Schmutz, Einzeller, Wurmeier und sogar Bakterien zurück.
Bei den Keramik-Filterelementen gibt es Preis- und Qualitätsunterschiede. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Fertigungstoleranz und den verwendeten Materialien der Schraubbefestigung. Wir verwenden seit mehr als 20 Jahren Elemente von Katadyn.
Wir verwenden eine Pumpe mit geringem Druck (2,1 bar) und nur eine Filterkerze. Daher ist die Durchlaufgeschwindigkeit durch unser Filtersystem sehr langsam. Mal eben ein Wasserglas am Hahn füllen geht so nicht. Aber da haben wir eine Lösung, auf die wir später kurz eingehen.
Unmittelbar nach der Keramik durchfließt das Filterwasser einen Aktivkohlefilter.
Aktivkohlefilter
Aktivkohle hat eine stark poröse Struktur und kann eine Vielzahl von chemischen Verunreinigungen adsorbieren. Dazu gehören Chlor, organische Verbindungen, Pestizide sowie unangenehme Gerüche und Geschmacksstoffe. Aktivkohlefilter verbessern daher nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Qualität des Wassers im Hinblick auf Geruch und Geschmack. Allerdings sind sie allein nicht ausreichend, um alle Krankheitserreger zu entfernen. Man braucht die Kombination mit einem Keramikfilter. Auch hier vertrauen wir seit mehr als 20 Jahren den Produkten von Katadyn.
Nach dieser Filtrierung ist das Wasser trinkbar und wird durch eine kurze Leitung zu einem separaten Entnahmehahn geleitet.

Die Lösung bei geringer Durchflussleistung
In der Praxis nutzen wir zwei Wasserflaschen, die wir am Filter-Hahn füllen. Eine kommt in den Kühlschrank, um immer kaltes Wasser zur Verfügung zu haben und eine Flasche ist die Trinkwasserflasche, die immer wieder gefüllt wird, wenn sie leer ist.
Flaschenwasser haben wir noch nie gekauft. Magenprobleme oder andere durch Trinkwasser verursachte Krankheiten hatten wir in den letzten 22 Jahre noch nie.

In der Praxis gibt es weitere Entkeimungsmethoden, die auch mit Keramikfiltern und Aktivkohle kombiniert werden können. Erfahrung haben wir damit jedoch keine und werden sie auch im neuen Mobil nicht verwenden. Dazu gehören z.B. chemische Desinfektionsmethoden durch Chlor oder Silberionen oder Umkehrosmose-Anlagen.
Die Bestrahlung mit UV-Licht wäre eine weitere Option. UV-Licht zerstört die DNA der Bakterien, Viren und Parasiten. Dadurch ist deren Vermehrung unterbrochen. UV-Licht-Anlagen sind besonders effektiv, benötigen jedoch eine Stromversorgung und funktionieren nur bei relativ klarem Wasser, da Schwebstoffe die Strahlung abschirmen können.
Zusammenfassung unserer Wasserfilterung im Expeditionsmobil:
Wahlweise Grobfilter bei der Befüllung
Grobfilter als Schutz von Wasserpumpe
Keramikfilter (Katadyn 1 Micrometer)
Aktivkohlefilter (Katadyn)
Bei der Auswahl eines geeigneten Filtersystems sollte auch an die Wartung und Ersatzteilverfügbarkeit gedacht werden. Filter müssen regelmäßig gereinigt oder ausgetauscht werden, um ihre Funktion zu gewährleisten. Daher sollte auf gute Zugänglichkeit der Filter geachtet werden. Beim Reinigen oder Austauschen der Filter wird immer etwas Wasser austreten, auch daran sollte schon bei der Planung gedacht werden. Die Möglichkeit, eine kleine Auffangwanne unter das Filtergehäuse stellen zu können, ist praktisch. Die Filter über elektrischen Komponenten zu montieren ist ein No-go (auch wenn man das in Profiausbauten bekannter Expeditionsfahrzeugfabrikanten sieht).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Trinkwasseraufbereitung in Expeditionsfahrzeugen unverzichtbar ist. Sie schützt die Gesundheit der Reisenden. Durch die Kombination verschiedener Filtermethoden kann Wasser aus unterschiedlichsten Quellen sicher nutzbar gemacht werden. Wer gut vorbereitet ist und in ein zuverlässiges Filtersystem investiert, kann auch in den entlegensten Regionen der Welt unabhängig und sorgenfrei reisen.
Es gibt einige Firmen, die qualitativ hochwertige Produkte liefern und eine sehr gute Beratung bieten. Ich nenne exemplarisch mal Joachim von Famous-Water und die Produkte von Katadyn, weil ich die Beratung persönlich kenne und die Produkte selber verwende.









