Canon EOS 6d Digitalkamera
Fotografieren - Technik und Tipps

Welche Kamera für die große Reise

Was würdet ihr einem Reisenden für eine Kamera empfehlen? Diese Frage bekommen wir oft gestellt.

Eine Empfehlung abzugeben ist jedoch fast unmöglich, zumindest extrem schwierig.

Fotografen und Profis wissen genau, was ihnen bei der Fotoausrüstung wichtig ist, auf welche Kamera-Features sie ganz individuellen Wert legen und mit welchen Objektiven sie ihre Bildkompositionen am optimalsten umsetzen können. Sie fragen keinen – bestenfalls mittelmäßigen – Fotografen wie mich um eine Empfehlung. Daher richtet sich die Beantwortung der Frage an einen Anfänger oder einen ebenfalls mittelmäßigen Fotografen, der den Wunsch nach Entwicklung hat, sonst würde er ja nicht fragen.

Das Zitat von Helmut Newton

Wer sich mit Fotografie beschäftigt stößt sehr schnell auf das Zitat von Helmut Newton (1920-2004), der in einem Restaurant vom Koch erkannt wurde und dieser sagte: „Ihre Fotos gefallen mir, Sie haben bestimmt eine gute Kamera!”
Und Helmut Newton entgegnete nach dem Essen: „Das Essen war vorzüglich – sie haben bestimmt eine gute Pfanne.”

Grundsätzlich hat er damit natürlich Recht und ich denke an einen Meisterkoch, der mir mal sagte, dass er seinem Gulasch einen Espresso hinzugibt, weil die Röstaromen des Kaffees die Schmoraromen des Gulaschs verstärken. Das Wissen um Geschmacksaufbau, die Kreativität der Komposition ist entscheidend, nicht der Name oder der Preis der Pfanne. Auf der anderen Seite gelingt ein perfektes Gulasch nur in einer Pfanne, die gleichmäßig Wärme abgibt, auf einem Herd, der sich nahezu perfekt regeln lässt. Dazu muss die Pfanne exakt gearbeitet sein und dies ist letztendlich nicht von einer Billigpfanne zu erwarten. Was wir vergessen haben, ist ein preiswertes Utensil, ohne das jedoch keine Kreation möglich ist, den Kochlöffel, mit dem der Koch die Zutaten in der Pfanne zur richtigen Zeit an die richtig temperierten Stellen schieben kann.

Der Kochlöffel der Fotografie

jeep rubicon unlimited

Jeep Rubicon Unlimited in Russland unterwegs.
Bild mit Lightroom bearbeitet

Im übertragenen Sinne ist der Kochlöffel die Bildbearbeitungssoftware und hier sollte auch die erste Investition getätigt werden. Jedes Bild, das man veröffentlichen will, muss bearbeitet werden, grundsätzlich! Selbst wenn es die Kamera ohne Eingreifen des Fotografen erledigt, z.B. das Bild zu komprimieren und im JPG-Format auszugeben, ist es bearbeitet. Horizont begradigen, die Größe zuschneiden, Belichtung und Farbtemperatur korrigieren, ist das Minimum der Bearbeitung. Letztendlich wird mit der Bildbearbeitungssoftware der Espresso untergerührt, der den Geschmack verstärkt. Als Software nutzen viele Fotografen, ich auch, Adobe Photoshop Lightroom 6.
Ohne Bildbearbeitungssoftware nutzt das beste Objektiv und die beste Ausbildung nichts.

Jetzt zu Herd und Pfanne, sprich Kamera und Objektiv.

Die Kamera

Was empfehlen wir dem Reisenden.

Eine bestmögliche Bearbeitung von Bildern ist nur im RAW-Format möglich. Kameras, die nur komprimierte JPGs ausgeben, eignen sich fürs Knipsen aber nicht fürs Fotografieren.
Die Kamera ist wichtig, aber noch wichtiger sind die Linsen, bzw. Objektive. Es sollte auf jeden Fall eine Kamera sein, bei der man das Objektiv wechseln kann. Auch wenn man zunächst (z.B. aus finanziellen Gründen) nur mit einem Standard Zoom-Objektiv fotografiert, behält man so die Option, später seine Ausrüstung um weitere oder bessere Objektive zu ergänzen.
Damit scheiden die Kompaktkameras schon aus, es sei denn, geringes Gewicht und geringes Packmaß haben oberste Priorität.

Für die Bildqualität und die Option, später Ausschnitte aus dem fotografierten Bild zu nehmen, ist die Sensorgröße der Kamera entscheidend. Dieser sollte möglichst groß sein. Eine Kamera, bei der der Sensor die gleiche oder die volle Größe hat wie früher ein Dia oder Kleinbild (36mm x 24mm) wäre optimal. Solche Kameras bezeichnet man als Vollformatkameras.

Ein weiterer Vorteil von Vollformatkameras zeigt sich bei sehr schwachem Licht, hier nehmen sie noch rauscharme Fotos auf und auch Bildschärfe und Kontrastumfang sind höher als bei Kameras mit kleinerem Sensor. Wobei auf Bildschärfe und Kontrast die Qualität des verwendeten Objektivs ebenso einen großen Einfluss hat.

Als preiswerten Einstieg in die Fotografie im Vollformat kann ich dir die Canon EOS 6D empfehlen. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, sollte dies in gute Objektive investieren und erst wer ein Budget zur Verfügung hat, das sowohl für gute Objektive als auch für Top-Kamera ausreicht, kann sich mal die Canon EOS 5D MarkIII oder vergleichbare Profimodelle von Nikon oder Sony anschauen.

Bei „kleinem“ Budget würde ich zur Canon EOS 6D das  Canon EF 24-105 mm 1:4.0 L IS USM Objektiv nehmen. So ist man mit einer Investition von etwas mehr als 2.000 Euro ganz gut aufgestellt.
Bedenke aber bei der Budgetplanung, dass evtl. noch weitere Anschaffungen wie Stativ, Rucksack, Ersatzakku etc. nötig sind.

Möchte man zu Beginn nicht so viel für die Fotoausrüstung ausgeben wäre meine Wahl eine Kamera mit einem kleineren Sensor, wie z.B. die Canon EOS 700D oder eine vergleichbare Kamera von Nikon, z.B. die Nikon D3300, oder ein Modell von Sony.

Hierzu würde ich zwei Objektive kaufen, das Canon EF 18-55mm IS STM und das  EF 55-250mm IS STM bzw. die Kamera direkt als Set mit diesen Objektiven wählen. Man wäre dann bei um die 800 Euro.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 6 comments

  1. Wolf Müller

    Hallo, ich habe gerade meine DSLR Kamera verkauft und mir dafür die Fuji XT 2 gekauft mit einem 34/f2 und 50-140/f2.8 gekauft. Bildqualität identisch zur Vollformat, dafür aber deutlich kleiner und leichter, gerade auf Reisen ein Riesenvorteil

  2. Sergej

    Hi,

    Ansich sehr guter Artikel und gerade der Kochlöffel gefällt mir gut. Ich denk hier kann man auch mit ner kleinen Kamera ansetzen und gute Ergebnisse bekommen. Für jeden (unerfahren) Anwender kann ein ordentlicher Satz “Presets” helfen… Ein Klick und die Hauptarbeit ist getan.

    Dann aber noch ein Punkt zu den Kameras:
    Eine Vollformat Ausrüstung liefert unbestreitbar die beste Qualität, aber für viele (mich auch) ist das Gewicht ein No-Go.

    Ich hab mich deshalb bewusst für das m4/3-Format entschieden, also Kameras von Panasonic oder Olympus. Die Kameras und vor allem die Objektive sind noch einmal kleiner man hat aber weiter den Vorteil eines “großen” Sensors und Wechselobjektiven.
    Mein Kauftipp wäre die Panasonic g70 + 14-140 f3.5-5.6 Objektiv. Falls Interesse besteht kann ich auch noch mehr Vor- und auch Nachteile erklären.
    Vielleicht will Burkhard auch noch etwas dazu sagen. Auch er hat ja eine Panasonic GH3 in Gebrauch.

    • Burkhard Koch

      Danke für deinen Beitrag. sehr richtig deine Argumente. Ich kenne Profis, die auf wirklich hohem Niveau fotografieren, die ihr System zu Gunsten einer Panasonic GH5 mit entsprechenden Objektiven gewechselt haben. Genau aus den Gründen, die du beschreibst, wie geringes Volumen und Gewicht.

  3. Sebastian

    Ich kann die Sony Alpha 6000 empfehlen mit den beiden Set Objektiven 16-55mm und 50-210mm
    https://www.amazon.de/Sony-Systemkamera-Megapixel-LCD-Display-SEL-P1650/dp/B00IE9XH90
    Sie ist klein leicht und für mich als Neuling
    gut geeignet.
    Als Programm habe ich Photoshop mir geholt

  4. Thorsten

    Mit der Fotoausrüstung habe auch ich mich jahrelang herumgeschlagen.
    Bin ich einst noch mit 14 KG auf dem Rücken den Grand Canyon runter, erledigt das heute ein “kleines” m3/4 System und ich überlege mir vorher sehr genau, was ich wohin mitnehme.

    Mittlerweile muss/kann man allerdings sagen, das fast jede neuere Kamera – egal ob klein oder groß – schon so gute Bilder schießt, dass sich die Frage nach dieser Technik fast gar nicht mehr stellt.

    Wer es extrem klein und leicht mag, aber nicht auf Bildqualität und manuelle Möglichkeiten verzichten will, dem sei eine Sony RX 100 (MK I-IV) ans Herz gelegt.
    Mit Recht kann man sagen, das diese Reihe sicherlich zu den besten der Kompakten gehört, wenn nicht sogar die Beste überhaupt ist und sich hinter Vollformat, Crop und m3/4 nicht zu verstecken braucht.

    Mit der entsprechenden Software holt man dann das letzte aus seinen Bildern heraus.

    Aber was nützen die beste Kamera und die tollste Software, wenn das Auge dahinter einen Knick in der Pupille hat? 🙂

    Happy shooting while traveling

    T:K

  5. Günter Sachse

    Wenn einer eine Reise macht, so kann er was erzählen und auch vorzeigen. Für mich war es wichtig, zu wissen, wo genau das Bild aufgenommen wurde. Viele Kameras haben kein eingebautes GPS. Deswegen habe ich mir für meine Kamera (Nikon D7000) ein kleinen Empfänger gekauft, welcher direkt an die Kamera gesteckt wird. Er verbraucht so wenig Energie, dass man ihn immer an der Kamera lassen kann. Per Bluetooth werden dann die GPS Daten von einem externen GPS Empfänger direkt in die Meta-Bilddaten geschrieben.
    https://www.foolography.com/products/unleashed-09/
    Als Empfänger habe ich einen GPS Datenlogger Columbus V900. Legt man den V900 hinter die Windschutzscheibe, wir so nebenbei die ganze Reiseroute aufzeichnet. Es können natürlich viele andere Datenlogger benützt werden.
    Das nur zur Anregung und Ergänzung, denn eine Kameraempfehlung ist ja eh sehr schwierig.

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