Krater Tenoumer bei Sonnenaufgang
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Krater Tenoumer – Wie das Bild entstand

Der Krater Tenoumer gehört zu den beeindruckendsten Einschlagkratern die man auf der Erde finden kann. Weit abgelegen jeglicher Zivilisation und nur schwer zu erreichen, liegt er im Wüstensand der Sahara. Schon das Satellitenbild bei Google-Earth zeigt die außergewöhnliche Formation.
N 22° 55′ 0″ / 10° 24′ 0″

 

Dieser Krater war ein Ziel unserer Mauretanien-Expedition 2017/18, wobei mehr der Weg das Ziel war als der Krater selbst.
Mit einem Durchmesser von rund 2 Kilometern war mir von Beginn an klar, dass es schwer sein wird, diesen kreisrunden Wall auf ein Bild zu bannen. Ideal würde wohl ein Luftbild sein.

Über weite Schotterfelder und einigen von Nord nach Süd verlaufenden und zu querenden Sanddünen kamen wir gut voran. Wobei wir aus Sicherheitsgründen die Hauptpisten mieden und auch sonst Nomadenlager etc. aus dem Weg gingen. Es sollte sich nicht herumsprechen, dass Fremde auf dem Weg nach Ostmauretanien sind.

Krater Tenoumer ist erreicht

Als wir am Abend des dritten Tages den Krater Tenoumer erreichten, beschlossen wir, im Krater zu übernachten. So waren wir nur für jene sichtbar, die sich die Mühe machen, in den Krater hinein zu fahren. Um die ersten Bilder mit der aufgehenden Sonne zu fotografieren, stellte ich mir den Wecker auf 6 Uhr.
Mit verschlafenen Augen blicke ich zum Fenster hinaus und bin sofort hellwach. Über Nacht sind Wolken aufgezogen, ein Anblick, den man hier nur sehr selten erleben wird.
Das geben einmalige Bilder, geht es mir sofort durch den Kopf, aber die Zeit wird verdammt knapp. Ich muss mit der Phantom (Drohne von DJI) schnell in die Luft. Ich verzichte darauf, mich anzuziehen, springe aus dem Bett, schnappe die Drohne und renne raus in den Sand. Während ich den Akku einstecke, steckt Sabine das i-Pad, welches wir als Monitor verwenden, an die Fernsteuerung. Es weht ein heftiger Wind, die Drohne ist kaum zu starten, denn bereits im Stand droht der kalte Wind sie umzustoßen.

Der Flug

Ich drücke den linken Gashebel nach vorn, die Drohne gewinnt schnell an Höhe. Sabine bringt mir meine warme Jacke, damit ich nicht ganz nackt im Wind stehe. Meine Überlegung, ob ich das Bild mit der Sonne oder gegen die Sonne aufnehme, nimmt mir der Wind ab. Ich habe gar keine Chance gegen den Wind zu fliegen und der kommt aus der Sonnenrichtung. Also wird es eine Gegenlichtaufnahme. 500 Höhenmeter sind erreicht, inzwischen ist die Phantom 1,2 Kilometer von mir entfernt, aber der Krater ist immer noch nicht vollständig auf dem Bild. Jeden Moment werden die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erleuchten, Die Zeit rennt. 1,8 Kilometer, 2 Kilometer, jetzt ist der Krater vollständig, aber das Bild noch nicht optimal. Ich fliege weiter mit dem Wind von mir weg.
Jetzt kommen die ersten Sonnenstrahlen, ich habe keine Zeit die Drohne anders zu positionieren, jetzt muss fotografiert werden. Ein kurzer Blick auf die eingestellten Werte von ISO, Blende und Belichtung –  passt. Zum Glück vergesse ich nicht das Fokussieren und „klick“, schon höre ich das simulierte Auslösegeräusch der Fernbedienung. „Klick,  klick, klick“, ich mache etwa 60 Bilder, dann wird das Rot langsam blass und die Kontraste flacher.

Die Energie wird knapp

Der Akkustand zeigt 72% als ich den Rückflug beginne. Dabei realisiere ich, dass die restliche Energiemenge nicht ausreichen wird, um 2,4 Kilometer gegen den Wind zu fliegen. Bei Vollgas erreicht die Drohne eine Geschwindigkeit von 8 km/h über Grund. Bei Windstille wären es 70 km/h!
Ich reduziere die Höhe, denn die Windgeschwindigkeit steigt mit der Höhe überproportional an.
Dummerweise stehe ich ja im Krater, um den ein etwa 150 Meter hoher Wall liegt, ich kann nicht so tief gehen, dass die Funkverbindung abreißt. Also fliege ich genau an der Grenze, bei der mal das Kamerabild zu sehen ist und mal der Bildschirm schwarz bleibt.
Die Hände sind feucht, ich brülle die ganze Zeit nur „Scheiße, Scheiße, Scheiße, das wird nichts.“
Der Akkustand sinkt schnell, noch 1,2 Kilometer Entfernung. Warnsignale ertönen, dass die Energiemenge nicht mehr ausreicht um zurück zu kommen.
Es bleibt nichts anderes übrig als außerhalb des Kraters ohne Sicht im starken Wind zu landen.

Gedanklich habe ich die Drohne abgeschrieben, kann mir nicht vorstellen, dass sie das überleben wird.
Ich richte die Kamera nach unten, um einen Platz zu finden, der sich für eine Landung eignen könnte, also auf dem keine großen Steinbrocken liegen, wie eigentlich überall rund um den Krater.
Jetzt den linken Steuerknüppel nach unten und die Phantom geht in den schnellen Sinkflug. Bei 80 Höhenmetern bricht die Bildübertragung ab, ich stelle die Kamera nach oben, um das Objektiv bei der zu erwartenden unsanften Landung zu schützen.
Wir machen uns auf den Weg, die Drohne zu suchen, 1,2 Kilometer in westliche Richtung.
Als ich sie nach fast einer Stunde entdecke, kann ich es kaum glauben, sie ist fast unbeschädigt, lediglich ein Flügel ist bei der Landung an einen Stein angestoßen und beschädigt. Das Objektiv ist kratzerfrei. Flügel habe ich als Ersatz dabei, alles kein Problem.

Bild des Jahres 2017

Den Speicherchip lese ich sofort aus und freue mich über das atemberaubende Bild.
Das ist mein bestes Drohnenbild 2017.

Einige Wochen später google ich nach Bildern von Krater Tenoumer. Es gibt ein paar Knipsbilder, aber eigentlich keine wirklich guten Fotografien und Luftbilder schon mal gar nicht. Und die ersten Sonnenstrahlen mit den seltenen Wolken machen das Bild so einmalig, dass es sich anfühlt als hätte ich einen roten Rubin im Wüstensand gefunden.
Wer genau hin sieht, entdeckt die violette Pistenkuh rechts im Krater  und mich nackt daneben

Weiterführende Links zum Krater Tenoumer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tenoumer

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 8 comments

  1. Jens

    Geiler Bericht!!! Und absolut atemberaubendes, einzigartig geiles Bild!!! Mein Herzlichen Glückwunsch!!
    Ich wünsche Euch auf euren Wegen alles gute…
    Liebe Grüße JENS

  2. Heiko

    Fantastisches Bild und tolle story!
    Die Dimension dieses Krates so festzuhalten ist echt herausragend!
    Weiterhin gute Reise,
    Gruss Heiko

  3. Roger

    Hi Sabine und Burkhard:

    WOW, einfach nur WOW! Eine unglaublich schöne Aufnahme! Daher: meinen höchsten Respekt, diese Tour auf Euch zunehmen und im richtigen Augenblick voll dabei zu sein! Wirklich: herzlichen Glückwunsch zu diesem fantastischen Bild!

    Wir danken Euch für die nach wie vor spannenden Berichte mit Details und Koordinaten und wünschen Euch allzeit eine gute Reise – und immer viel Spaß und Erfolg! Wir sind jeden Tag in Gedanken mit Euch dabei!

    Viele Grüße, Roger vom Team fernab

  4. Peter Eich (dinovan.de)

    Tolle Geschichte zu einem großartigen Foto. Gewagt und gewonnen!

  5. Gerhard

    Ein tolles Foto!
    Bei starken Wind starte ich die Phantom übrigens aus der Hand. Wenn möglich nehme ich sie auch beim landen mit der Hand auf. Das verkürzt den Start und Landevorgang und minimiert das Crash Risiko in Bodennähe 🙂
    Weiter gute Reise.
    Gruß, Gerhard

  6. Walcher Sigrid Klaus

    Hallo Sabine u. Burkhard !
    Verfolgen eure tollen Reisen, werden nach Ostern noch immer mit unserem alten LANDY nach Marokko aufbrechen !
    Wünschen euch noch erlebnisreiche Wochen im schönen Marokko !
    Liebe Grüße von Sigrid und Klaus aus der Ramsau

  7. Tom Koch

    Fantastisch. Gratulation zu diesem Bild und dem Durchhaltewillen es sich zu “erkämpfen” oder zu “erfliegen”.

  8. Jürgen

    Sehr schöner Bericht um die Entstehung des sehr gelungenen Fotos 😉

    gibt es eine Möglichkeit das Foto in bester Auflösung zu sehen ?
    Oder wird dies nur auf einem zukünftigen Kalenderblatt zu entdecken sein ? 😉

    weiterhin viel Erfolg und ähnlich interessante Eindrücke im Osten ….

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