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Adventure Southside von oben
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Adventure Southside 2019 – Aus Sicht eines Händlers

Man könnte heulen, wochenlang das beste Wetter und auf der Fahrt zur Adventure Southside am Bodensee wird der Grauton der Wolken, den die Wetterapp für Freitag anzeigt immer dunkler. Ich habe den Pisten-Landy vollgeladen mit Papierprodukten, daher sind meine Sorgenfalten etwas tiefer als derer, die Regenjacken und Gummistiefel verkaufen.

Das Messegelände ist leicht zu finden, Andrea und Ralf – die Veranstalter – begrüßen uns froh gelaunt, lassen sich ihren Stress, den man wohl hat, wenn mehr als 150 Messeteams der Aussteller anreisen, nicht anmerken.
Unseren Platz müssen wir nicht suchen, „Immer dem Quad hinterher.“ Das nenne ich mal guten Service.

Ich parke den Landy, baue das Dachzelt auf (wir werden auf dem Messegelände im Zelt schlafen) und unser Freund Holger kümmert sich bereits um unseren Messe-Pavillion, die Beachflag und den Tapeziertisch, den wir mit einem violetten Betttuch überspannen.

Es geht los

Freitag, 10 Uhr, die ersten Messebesucher treffen ein, nicht viele, dafür umso mehr E-Mails von Freunden, dass sie sich in Anbetracht der Wetteraussichten doch nicht auf den Weg machen. Ach, schade.
Es blitzt und donnert, Regen prasselt auf uns ein, doch Geld in die Kasse spült er nicht, es tröpfelt eher. Am Ende des Tages sind die Kassen der Händler so klamm wie unser Zelt.

Samstag scheint die Sonne, aber es ist selbst mittags nicht zu heiß für einen Gang über die Ausstellung, so ist ständig Betrieb und ich habe nicht mal Zeit, etwas zu essen. Das Standpersonal der Nachbaraussteller ist ebenso ausgelastet, soweit ich es aus dem Augenwinkel beobachte. Das ist der perfekte Tag für Händler und Aussteller.

Sonntag gilt bei den Händlern immer als nerviger Tag. Besucher, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, sondern nur einen „Spaziergang“ machen wollen und mit Fragen nerven wie, ob man am Unimog auch kleinere Reifen aufziehen kann, damit man besser ein und aussteigen kann und ob man überhaupt einen Geländewagen braucht.
Doch auf der Adventure Southside ist es anders. Es gibt so wenig Depperte, dass sie nicht auffallen und ich den Eindruck habe, von Freitag bis Sonntag sind nur Interessierte unterwegs die bereits im Bereich Offroad, Fernreise, Expedition Erfahrung haben oder sich zumindest vorab schon intensiv mit dem Thema befasst haben.

Adventure Southside von oben

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Kritik und Lob

Ich fange mit dem Lob an:
Auf Messen sind die Toiletten immer ein Schwachpunkt. In der Regel steht man vor einem Dixi an, die nur morgens gereinigt werden. Wer nach Mittag in die Plastikkabine muss, bereut dass er einen zweiten Kaffee beim Catering geordert hatte.
Anders auf der Adventure Southside. Es waren mehrere Toiletten und Duschcontainer auf dem Messegelände aufgestellt. Kein einziges Mal musste man auf einen freien  Platz warten. Und ich weiß nicht, wie sie es machen, aber jedes Mal sahen die Porzellanschüsseln aus, als seien sie gerade gereinigt worden. Toiletten absolut top.

Kritik gab es von einigen Ausstellern wegen des Essens beim Ausstellerabend. Dieses wurde als nicht sonderlich gelungen beschrieben, um es mal wohlwollend auszudrücken. Einige hätten lieber etwas mehr gezahlt und dafür ein besseres Essen erhalten. Ich selbst kann dazu nichts sagen, ich war mit dem Preis/Leistungsverhältnis meiner im Pistenlandy selbst aufgewärmten Dose Ravioli zufrieden.

Fazit zur Adventure Southside 2019

Wir waren zum ersten Mal auf der Messe und für uns war sie sehr gut. Obwohl die Messe weniger Besucher hat als die Abenteuer Allrad Messe in Bad Kissingen und zudem einen Tag kürzer ist, war unser Umsatz höher. Allerdings war unser Stand in Bad Kissingen vor drei Jahren in einer “Seitengasse”. Vielleicht hat die Lage des Standes auf einer Messe größeren Einfluss auf den Erfolg als wir vermuten.
Da die Standgebühren geringer sind als in Bad Kissingen ist der erzielte Gewinn auf der Adventure Southside deutlich höher.
Und das mit weniger Stress für die Aussteller und mehr Zeit für Gespräche mit Besuchern und Fans.
Viele Aussteller sagen, dass die Nähe zur Schweiz eine Kundschaft anzieht, die wertige Produkte und erstklassige Qualität suchen und dafür auch bereit sind, einen fairen Preis zu zahlen.
Für Aussteller, die Qualität liefern ist die Adventure Southside attraktiver als die Abenteuer Allrad in Bad Kissingen.
Sofern es unsere Reisepläne zeitlich ermöglichen, werden wir nächstes Jahr wieder auf der Adventure Southside unsere Offroad-Tourenbücher präsentieren. Ich freue mich darauf.

Burkhard Koch reiste im Alter von 15 Jahren mit dem Fahrrad und Schlafsack frei durch Deutschland. Die Reiseleidenschaft wurde perfektioniert. Heute reist er ständig mit seiner Frau Sabine und einem Allrad-Lkw. Burkhard Koch schreibt für verschiedene Zeitschriften und Magazine.

This article has 3 comments

  1. Estrella

    Guten Tag,

    ich finde es so bemerkenswert, wohin sich euer bewundernswertes Nomadenleben hin entwickelt hat. Ihr ward immer die “Aussteigerhelden” für mich. Autark, auf Euch gestellt, unabhängig.

    Zuerst das Verkaufen der CD-Roms. Dann der Online-Shop. Jetzt seid ihr nomadisierende Händler. Und eigentlich auch … Influencer. Das ist momentan die modernste Form der Produktvermarktung.
    Nomadisierende Influencer.

    Habe gerade euren neuesten Messe-Bericht gelesen. Ja, es gibt ja so viele Depperte mit blöden Fragen. Exakt. Auch in meinem Beruf. Aber, was ist so schlecht daran, dass man sie schriftlich abqualifiziert.

    Die Feststellungen über den Zusammenhang zwischen Standplatz und und Umsatz. Jetzt, wo ihr in den Markt eingestiegen seid, ist das schon wichtig. Oder?

    Die Leute kommen wegen euch an den Stand, nicht wegen des guten oder schlechten Platzes. Ihr seid jetzt prominente Influencer.

    Sie haben gesagt, Sie können Schreiben, aber … Sie müssen es nicht. Das war eine megatolle Aussage.
    Bewundernswert! Aber jetzt nicht mehr. Ihr habt T-Shirts gefärbt und Produkte, die auf der Messe verkauft werden sollen/müssen. Auf einmal höre ich Marketingaussagen …

    Das alles ist sehr bemerkenswert. Weil Ihr von allen autarken Aussteigern immer Top oben ward, von niemandem abhängig und sich von niemandem abhängig machen. Jetzt seid Ihr verflechtet worden.
    Übers Hintertürchen in den Wettbewerb reingezogen worden.

    Ihr handelt, ihr verkauft mit Gewinn. Gewinn ist gut, und richtig. Aber Ihr habt Euch doch immer abseits des Mainstreams bewegt.

    Ich bin einfach nur traurig, dass die letzte Bastion des freien Aussteigerlebens dem Influencertum anheim gefallen ist.

    Ich wünsche Euch alles Gute weiterhin, dass ihr gute Umsätze macht, auch in der Sackgasse der Messe und bei Regen. Aber ihr seid nicht mehr meine Aussteigerhelden. Schmunzel … heul … aber das ist nun wirklich mein Problem.

    Ich weiß.

    Ich möchte nicht, dass dieser Brief veröffentlicht wird. Nur gelesen.

    Saludos,
    Estrella

    • Rolf

      für die kommerzielle Verwertung der persönlichen Reiseerfahrungen habe ich viel Verständnis, obwohl die z. T. naive und aufdringliche Produktplatzierung in manchen Blogs/Videos etc. oft nur nervt.
      Man muss es nicht lesen oder anschauen.

      Unangenehmer sind die Folgen des Vanlife/Camper/Freisteh-Booms. Zu viele Zeitgenossen werden in Illusionen geführt oder darin bestärkt , mit dem erworbenen Fahrzeugen eine Flatrate für die Besiedlung von Landschaften und Küstenplätzen erworben zu haben.
      Die damit provozierte Regelmentierungs- und Verbotsflut rollt schon an, nicht nur in Deutschland.

    • Hans-Peter

      Hallo Estrella,
      so ungefähr habe ich mir das auch gedacht. Ich finde diese Entwicklung auch schade.
      Besonders negativ ist mir aufgestoßen:”…die wertige Produkte und erstklassige Qualität suchen und dafür auch bereit sind, einen fairen Preis zu zahlen. Für Aussteller, die Qualität liefern …” Da krieg ich die blanken Fragen, wenn ich so etwas lese…
      Das mit den T-Shirts ist ziemlich schräg…

      Naja, ist eigentlich egal. Coole Reisen machen die Beiden. Und in dem NDRTalkshow-Schnipsel (https://www.youtube.com/watch?v=BFfOqnfP2y8) kommen sie sehr sympatisch rüber. Das sind sie in echt sicher auch.
      Die Offroad-DVD ist erste Sahne und auch der Albanienreiseführer.
      Das hier ist ein schöner Blog,
      Und- trotzdem müssen Diesel und Ravioli irgendwie bezahlt werden.

      In diesem Sinne: “Work hard, but travel harder.”
      Liebe Grüße aus Mecklenburg
      HP

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